Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Texte wiederholen

Vie­le Leh­rer ärgern sich dar­über, bzw. jam­mern, dass ihre (Ober­stu­fen-) Schü­ler schlam­pig oder auch über­haupt nicht im Unter­richt mit­schrei­ben. Da hat man sich in stun­den­lan­ger Vor­be­rei­tung ein wun­der­ba­res Tafel­bild mit vie­len Pfei­len aus­ge­dacht und die Schü­ler neh­men das Gan­ze freund­lich-indif­fe­rent zur Kennt­nis und beque­men sich nur spo­ra­disch mal etwas aufs Papier zu schmot­zeln.

Die aller­we­nigs­ten Leh­rer fra­gen sich aller­dings WOZU der Schü­ler über­haupt mit­schrei­ben soll. Braucht er das Gan­ze irgend­wann noch­mal und falls ja, wann? Für das münd­li­che Aus­fra­gen in der nächs­ten Stun­de? Solan­ge kann sich das fast jeder Schü­ler mit einem durch­schnitt­li­chen Gedächt­nis, der in der Stun­de auf­ge­passt hat, ohne gro­ße Auf­zeich­nun­gen mer­ken. Und spä­ter? Braucht er es (wenn er schrift­li­ches Abitur macht), zumin­dest bei uns in Bay­ern, nie wie­der.

In Bun­des­län­dern mit einem Lek­tü­re­ka­non schaut es anders aus, da muss der Schü­ler vor dem Abitur gezielt bestimm­te Bücher wie­der­ho­len und dafür braucht er wahr­schein­lich sei­ne Auf­zeich­nun­gen. In Bay­ern hin­ge­gen ist das schrift­li­che Abitur eine völ­lig iso­lier­te Ange­le­gen­heit, bei der kei­ner­lei Bezug auf das genom­men wird, was in den zwei Jah­ren davor behan­delt wur­de.

Auch Ober­stu­fen-Klau­su­ren wer­den von den meis­ten Kol­le­gen als völ­lig iso­lier­te Auf­ga­be kon­zi­piert. Die Schü­ler bekom­men irgend­ei­nen unbe­kann­ten Text, zu dem sie Fra­gen beant­wor­ten müs­sen. Außer­dem müs­sen sie viel­leicht eine Media­ti­on machen und einen  (lächer­lich kur­zen) Auf­satz schrei­ben. Vor­be­rei­ten kann man sich auf sol­chen Schul­auf­ga­ben so gut wie gar nicht und selbst die sorg­fäl­tigs­te Mit­schrift nützt über­haupt nichts, denn es kommt ja nichts dran von dem, was man im Unter­richt gemacht hat. Nur ganz sel­ten ent­de­cke ich in den Schul­auf­ga­ben, die mir von Kol­le­gen geschickt wer­den, z.B. eine „back­ground know­ledge“ Fra­ge, die sich gezielt auf den vor­an­ge­gan­ge­nen Unter­richt bezieht.

Repe­ti­tio mater omni­um“ (Wie­der­ho­lung ist die Mut­ter aller Din­ge) gilt nach mei­ner Beob­ach­tung lei­der nur höchst sel­ten für die Ober­stu­fe. Wenn es hoch­kommt, wird viel­leicht mal Wort­schatz oder Gram­ma­tik wie­der­holt, TEXTE hin­ge­gen wer­den so gut wie nie wie­der­holt. Wenn ein Text „abge­schlos­sen“ ist, geht die Schub­la­de nor­ma­ler­wei­se zu und was man zu einem Text her­aus­ge­fun­den hat, inter­es­siert nicht mehr. Ergo besteht auch kei­ner­lei Not­wen­dig­keit im Unter­richt so mit­zu­schrei­ben, dass man mit den Auf­zeich­nun­gen auch noch nach ein paar Wochen etwas anfan­gen kann.

Erst wenn Schü­ler nach ein paar Wochen Tex­te wie­der­ho­len und die gemein­sam erar­bei­te­ten Ergeb­nis­se vor den ande­ren (oder in einer münd­li­chen Prü­fung) refe­rie­ren müs­sen und sie in Klau­su­ren „back­ground know­ledge“ Fra­gen beant­wor­ten müs­sen, wer­den sie im Unter­richt ver­nünf­tig mit­schrei­ben.

Vor­aus­set­zung für eine sol­che Wie­der­ho­lung ist natür­lich, dass über­haupt hand­fes­te Ergeb­nis­se (an der Tafel) erar­bei­tet wur­den. Wenn über Tex­te nur mun­ter geplau­dert wird, ohne dass etwas Kon­kre­tes dabei her­aus­kommt, gibt es auch nichts zum Wie­der­ho­len.

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  1. Auch hier wür­de ich ger­ne wie zum The­ma „Mit­schrei­ben“ (http://www.jochenenglish.de/?p=1020) beto­nen, dass es mir beim Mit­schrei­ben nicht um stu­pi­de Wie­der­ho­lung geht, son­dern eige­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit den Inhal­ten (inkl. z.B. Fra­ge­zei­chen, Aus­ru­fe­zei­chen, eige­nen Zusatz­no­ti­zen). Das soll­te dann den Schü­lern auch klar gemacht wer­den, was ich bis­her ver­nach­läs­sigt habe – also trotz­dem „Dan­ke“ für die Gele­gen­heit zur Aus­ein­an­der­set­zung -> Lern­ef­fekt… 😉
    Mei­ne „Mit­schrift“ besteht jetzt aus einem Ver­weis auf mei­ne Aus­ein­an­der­set­zung bei mir http://gres.ni.lo-net2.de/uhck/?155 (bis­her zum The­ma Mel­den, jetzt ergänzt). Wenn Schü­ler nicht mit­schrei­ben, son­dern sich schrift­lich anders mit mir aus­ein­an­der­set­zen wür­den (Art Schreib­ge­spräch) wür­de ich das auf jeden Fall noch höher­wer­ti­ger ein­stu­fen. Wenn ich das mit­be­kom­me kann ich es wie­der­um in mei­nen Unter­richt, ein­flie­ßen las­sen, so dass es auch für andere/den Unter­richt etwas Kon­struk­ti­ves bei­trägt, was mir auch enorm wich­tig ist.

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