Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

Mitschreiben

Vor kurzem fragte mich ein LK-Schüler, ob ich etwas dagegen hätte, wenn er, statt auf Papier, im Unterricht auf seinem Notebook mitschreiben würde. Ich antwortete, dass ich überhaupt nichts dagegen hätte, sondern im Gegenteil der Meinung sei, dass es höchste Zeit sei das Mitschreiben im Unterricht zu reformieren.

In Zeiten von günstigen (Sub-)Notebooks ist es m.E. geradezu steinzeitlich, dass Schüler ausschließlich auf Papier mitgeschreiben (falls sie überhaupt mitschreiben). Tippen geht deutlich schneller (vorausgesetzt, man kann flott mit 10 Fingern schreiben) und man kann die Mitschrift zu Hause nach Belieben bearbeiten.

In Zeiten von eLearning, Wikis, sharing and collaboration ist es darüberhinaus reichlich ineffizient, dass immer alle alles mitschreiben. Viel besser wäre es doch, wenn (natürlich abwechselnd) nur EINER (z.B. nach alphabetischer Liste) mitschreiben würde (das dafür aber sorgfältig) und alle anderen das Protokoll z.B. per Mail bekommen würden.

Ein Blog (z.B. bei WordPress.com) oder ein Wiki (z.B. bei pbwiki) fände ich noch besser, weil dann alle das Stundenprotokoll noch bearbeiten und verbessern könnten. Dann könnte ich auch als Lehrer ggf. noch korrigieren und ergänzen. Peter Ringeisen hat das in Form eines Blogs mit seinem LK bereits im Jahr 2004 erfolgreich gemacht.

Es gibt natürlich eine ganze Menge Gründe, warum so etwas nicht funktioniert, die beiden wichtigsten sind wohl die extrem unterschiedliche Qualität der Mitschrift und die Unzuverlässigkeit bzw. Faulheit weniger / vieler (?) / der meisten (??) Schüler. Bei Peter’s derzeitigem LK klappt es auch nicht, er schreibt: „Bei diesem Kurs hab ich’s aufgegeben. Ich habe andere Möglichkeiten, meine Energie zu investieren, als Leute, die sich dagegen sträuben, zur Mitarbeit in einem Blog zu zwingen zu motivieren.“

Abgesehen davon sind natürlich auch die Ablenkungsmöglichkeiten bei einem Notebook durch Tetris & Co noch wesentlich größer als bei einem Handy, das ja nur unauffällig unter der Bank bedient werden kann. Allerdings gibt es ja auch hier Profis, die eine Hand mit dem Handy unter der Bank haben und perfekt nur mit dem Daumen und blind SMS schreiben können.

Vor einiger Zeit hatte ich angeboten, Korrektur zu lesen und Fehler zu verbessern, wenn mein LK es schafft „eigenverantwortlich“ zu organisieren, dass unser lesson vocab bei Quizlet eingegeben wird. Das funktionierte genau ein einziges Mal vor der ersten Schulaufgabe, danach nicht mehr.

Andererseits, warum sollte Zusammenarbeit unter Schülern besser funktionieren als unter Lehrern?

Vorheriger Beitrag

Hamlet’s Cat

Nächster Beitrag

Files and Folders

  1. uhck

    Noch weiter OT:
    Nur Muffel? Ich suche Verbündete:
    Ich hab mich gegen den Trend durchgerungen ein aktiver Fa€ebook-Gegner zu sein, auch meinen Schülern gegenüber deutlich Position gegen dessen fahrlässigen Umgang mit Daten zu wettern. Ich animier sie zurück auf kleinere Plattforme wie stayblue zu gehen und diese aufzufordern Daten besser zu schützen.
    Insgesamt sind viele meiner Schüler abgesehen von Fa€ebook inzwischen sehr offen für Tipps zum Datenschutz im Web2 (bessere Passwörter u.Ä.).

  2. > Wo ist der Facebook Button ?

    Den wird es hier so schnell nicht geben, ich bin bekennender Facebook Muffel 😉

  3. klasse, weiter so. Genau darauf habe ich gewartet. Wo ist der Facebook Button ?

  4. Ich gebe dir vollkommen recht. Netbooks erleichtern das mitschreiben erheblich, wenn man dann das ganze noch auf Blogs für alle ersichtlich machen kann, hat dies doch einen sehr großen Nutzen!

    Oft werden ja Netbooks strikt verboten. Finde ich persönlich total Quatsch.

  5. > Jedoch hat mir dieser Lehrer auch gesagt dass mein einziger Weg, dies Gänzlich durchzusetzen, wohl über den Schülerrat und die Schulkonferenz gehen wird. Nun meine Frage: Wie wäre das bei euch, hätte ich bei einer Schulkonferenz überhaupt eine Chance

    Ich verstehe nicht ganz WAS du durchsetzen möchtest. Dass du auf einem Laptop mitschreiben darfst? Da würde ich eher auf das persönliche Gespräch mit den Lehrern setzen. Wie du vielleicht gelesen hast, führe ich in meinem gk gerade ein kleines Laptop Experiment durch. Meine Schüler schreiben in fast allen Fächern auf ihrem Notebook, bislang gab es noch bei keinem Lehrer Probleme.

  6. Felix

    Da ich gerade auf der Suche nach Argumenten FÜR das mitschreiben per Laptop war (bin Schüler), kam ich zufällig auf diese Seite und möchte meinen Standpunkt dazu auch veröffentlichen.

    Ich denke auch, dass es höchste Zeit wird, das Mitschreiben zu reformieren. Jedoch denke ich, dass veröffentlichte Unterrichtsprotokolle für mich (und ich denke auch für Andere) nicht optimal wären. Die meisten Schüler sollten Gelerntes doch besser noch einmal schreiben (ob per Hand oder PC ist dabei denke ich, anders als manche Lehrer) um es sich besser Einzuprägen. Deshalb würde ich ein Wiki mit nach Themen sortierten Fakten, als Nachschlagewerk, eher begrüßen. Jedoch stellt sich hier wieder die Frage wer sich darum kümmern soll.

    Im Moment sehe ich vor allem an meiner Schule das Problem, dass viele Lehrer selbst nicht mit einem PC umgehen können und entsprechend negativ dem gegenüber stehen. Meine Klassenlehrerin zum Beispiel, bezeichnete einen PC als brummendes Etwas und meinte dass ich es mir besser einprägen würde wenn ich die per Hand schreibe (selbst wenn sie Recht hätte, würde ich das wohl durch die bessere Form und nochmalige Formatierung doppelt reinholen 😉 ). Andererseits gibt es auch Lehrer die wie sie/ihr dam ganzen völlig Positiv gegenüberstehen und es fördern wollen. Jedoch hat mir dieser Lehrer auch gesagt dass mein einziger Weg, dies Gänzlich durchzusetzen, wohl über den Schülerrat und die Schulkonferenz gehen wird. Nun meine Frage: Wie wäre das bei euch, hätte ich bei einer Schulkonferenz überhaupt eine Chance, bin mir da bei vielen unserer Lehrer (vor allem Älterem jahrgangs) nicht so sicher.

    Fast hätte ich es vergessen, die Antwort auf die Frage 😉 :
    Ich denke, dass beim elektronischen Mitschreiben vor allem in der Anfangszeit Hefterkontrollen okay sind, diese werden bei uns auch bis etwa 7. Klasse durchgeführt, um den Kindern eine gute Form anzugewöhnen und das wird bei vielen Schülern wohl auch der Fall sein wenn sie anfangen per Laptop zu schreiben.

  7. Mitschreiben hilft mir Gehörtes/Gesehenes für mich bewusster zu strukturieren, den Faden zu erkennen und überprüfen, die Qualität meines Mitdenkens zu überprüfen, Gehörtes sowie meine eigenen Gedanken länger festzuhalten oder gar memorieren, durch Aktivität die Zeit zu verkürzen.
    Mein Unterricht soll nicht reine Information sein, sondern bewusste Auseinandersetzung mit der Welt in Weisen die übertragbar sind auf das Leben.
    Das Mitschreiben soll ermöglichen diese Auseinandersetzung bewusster zu ermöglichen, allein durch die Auswahl, eigene Aussagekraft (persönliche Umformulierung) und Strukturierung.
    Genauso lieb wär mir per PC wie per Hand. Mach ich auch selbst gern, wenn ich gerade in einem Raum mit PC bin.
    Die Bearbeitung eines PC-Textes müsste wenigstens so erfolgen wie ichs von billigen Wikipedia-Ausdrucken als pseudo-Hausaufgaben erwarten: Nur mit Markierungen, Worterklärungen und Notizen sind die Hausaufgaben gemacht. Besser wäre Neustrukturierung oder farbige Ergänzungen.
    Aber gerade gegen Lesen und Bearbeiten von Texten am PC spür ich noch deutlichen Widerstand auch bei sonst recht PC-vernarrten Schülern. „Können wir nicht, ich brauch was in der Hand.“ Scheint also keine Generationsproblematik zu sein. Aber ist das eine Schwäche, die typbedingt eher zu akzeptieren oder zu fö/ordern wäre?

    Wie sinnvoll fändet ihr denn dann eigentlich Mappenkontrolle um schüchternen Schülern eine Gelegenheit zu bieten, ihr Zuhören als ein aktives zu erweisen?

  8. rip

    Dazu möchte ich nur noch ergänzen, dass ich auf die Idee mit dem Blog durch das Projekt von Thomas Rau gekommen bin, der mit seinem LK Deutsch 2003-05 ein Unterrichtsblog durchgeführt hat:
    http://graf-rasso.ffb.org/mt_rau/

  9. Andrea

    Ich habe meinen Schülern bei Eintritt in die Qualifizierungsphase (12/13 in Hessen) den Vorschlag gemacht, Protokolle zu schreiben, um für das Abitur besser vorbereitet zu sein. Wider Erwarten wurde der Vorschlag einstimmig angenommen, auch wenn diese Arbeit nicht in die Note einfließt.

    Es funktioniert – bis auf ganz seltene Ausnahmen – wirklich gut, insbesondere seitdem wir wöchentliche Protokolle verabredet haben. Ein Schüler ist also für eine Woche zuständig, schickt mir sein Protokoll bis Samstagmorgen per Mail zu, ich korrigiere inhaltlich wie sprachlich und „uploade“ es dann auf meiner MOODLE-Homepage für alle Schüler sichtbar.

    Bezüglich der Zusammenarbeit gibt es in den Weihnachtsferien jetzt einen Probelauf für die Vorbereitung auf das anstehende Abitur. Wir haben alle möglichen abiturrelevanten Themen auf unterschiedliche Schüler verteilt, die ihr Wissen und entsprechendes Vokabular in eigens dafür bei MOODLE eingerichteten Wikis allen Schülern zur Verfügung stellen. Zumindest der Wille zur Zusammenarbeit ist da – mal sehen, wie es dann mit der Praxis aussieht 😉

Kommentar verfassen

Läuft mit WordPress & Theme erstellt von Anders Norén