Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Schöner Tafeln

Ich bin ein Über­bleib­sel der KREI­DE­zeit und einer der letz­ten über­le­ben­den Rit­ter der TAFEL­run­de mit ihrem Leit­spruch „Talk’n’Chalk“. Mei­ner Mei­nung nach ist eine rich­ti­ge Tafel dem nor­ma­len (also NICHT „inter­ak­ti­vem“) White­board und der Pro­jek­ti­on mit Bea­mer weit über­le­gen. Mit „rich­ti­ger“ Tafel mei­ne ich die gute, alte drei­tei­li­ge Tafel mit gro­ßer Tafel in der Mit­te und einer klei­ne­ren, klapp­ba­ren Tafel auf jeder Sei­te. Neue­re Tafeln (z.B. mit nur zwei Tafeln neben­ein­an­der) sind mei­ner Mei­nung nach Murks und haben gegen­über der bewähr­ten drei­tei­li­gen Tafel kei­ner­lei Vor­tei­le. Wenn ich im Fol­gen­den über Bea­mer schrei­be, geht es aus­schließ­lich um TEXT, also nicht um die Pro­jek­ti­on von Bil­dern, Pho­tos, Vide­os etc.

Wie ein typi­scher Tafel­an­schrieb bei mir aus­sieht, siehst du hier.

Mit der rich­ti­gen Tech­nik bekommt man eine her­kömm­li­che Tafel ohne gro­ße Mühe sau­ber. Bei allen mir bekann­ten White­boards ist das nicht so ein­fach. Wenn man nur mit Papier wischt, bleibt immer ein ekli­ger, grau­er Schmier­film zurück. Spe­zi­al­schwäm­me sind bes­ser, aber auch erheb­lich teu­rer und sie hal­ten nicht sehr lan­ge. Angeb­lich gibt es spe­zi­el­le Sprays, mit denen man die Boards rich­tig sau­ber bekommt, aber die gibt’s an mei­ner Schu­le nicht. Je nach Tafel und ver­wen­de­ten Stif­ten geht es manch­mal auch nur mit Was­ser und Papier, rich­tig sau­ber wer­den die Tafeln aber auch damit meis­tens nicht.

Nur auf einer nor­ma­len Tafel kann ich schön schrei­ben. Ich benut­ze Krei­de­hal­ter, wie man sie z.B. bei Le-Le be­kommt:

Die dazuge­hörige Krei­de ist zwar etwas teu­rer, bricht aber nicht so leicht, schreibt bes­ser und hält län­ger. Durch den Krei­de­hal­ter blei­ben die Hän­de sau­ber. Vor allem wenn man ner­vös ist und öfter im Gesicht rum­fum­melt, bekommt man mit nor­ma­ler Krei­de im Lau­fe der Stun­de oft eine „Kriegsbe­malung“, die für gro­ße Hei­ter­keit sorgt.

Kaum etwas ist lus­ti­ger für Schü­ler als wenn erst mal nichts wei­ter­geht, weil kei­ne Krei­de mehr da ist (in den meis­ten Fäl­len wur­de sie recht­zei­tig vor­her „ent­sorgt“). Dann trabt erst mal jemand los und braucht natür­lich gaaa­anz lan­ge, bis er wie­der zurück­kommt. Aus die­sem Grund habe ich stets mei­nen eige­nen Krei­de­vor­rat dabei. Ich neh­me die Hül­le einer (Audio-)Kassette, Gum­mi drum, damit sie nicht aus Ver­se­hen auf­geht und sich der Inhalt in der Tasche ver­teilt (alter­na­tiv kannst du eine Plas­tik- oder Blech­do­se neh­men):

kreidebehaelter.jpg

Auf White­boards kann man m.E. ein­fach nicht schön schrei­ben. Solan­ge die (teu­ren) Stif­te noch ganz neu sind, geht es noch halb­wegs, aber nach kür­zes­ter Zeit schmie­ren sie nur noch bzw. ver­blas­sen. Ein Phy­sik­leh­rer hat mir mal erklärt, dass man wegen des zu gerin­gen Rei­bungs­wi­der­stan­des (?) auf White­boards grund­sätz­lich nicht so schön wie auf einer nor­ma­len Tafel schrei­ben kön­ne. Solan­ge ein White­board zumin­dest Punk­te oder ange­deu­te­te Lini­en hat, kann man noch halb­wegs die „Zei­len hal­ten“, wenn man aber eine kom­plett lee­re, wei­ße Flä­che hat, ist es schwie­rig, halb­wegs waag­recht zu schrei­ben. Tafel­an­schrie­be sehen dann oft ziem­lich „besof­fen“ aus. Der Nor­mal­fall an mei­ner Schu­le ist, dass ca. vier Stif­te auf dem Pult lie­gen. Man nimmt den erst­bes­ten, fängt an zu schrei­ben, merkt, dass er nur noch schmiert bzw. zu blass ist, schmeißt ihn weg und wischt das Geschrie­be­ne wie­der ab. Man nimmt den zwei­ten, …, den drit­ten … Man bit­tet die Kol­le­gen nicht funk­ti­ons­fä­hi­ge Stif­te doch bit­te sofort zu ent­sor­gen. In der nächs­ten Stun­de lie­gen erneut drei Stif­te auf dem Pult …  Allein aus öko­lo­gi­schen Grün­den (Müll, Kos­ten) hal­te ich White­boards für einen kom­plet­ten Quatsch. Mei­ner Mei­nung nach haben sie gegen­über guten, her­kömm­li­chen Tafeln kei­ner­lei Vor­tei­le, im Gegen­teil.

Auf einer rich­ti­gen Tafel habe ich ers­tens viel Platz und zwei­tens gibt die Tafel durch ihre Ein­tei­lung bereits eine bestimm­te Struk­tur vor. Mein Tafel­bild schaut immer gleich aus. Als ers­tes kommt auf die rech­te Sei­ten­ta­fel oben die Haus­auf­ga­be hin. Dar­un­ter kommt das les­son vocab, also alle Wör­ter, die im Lauf der Stun­de anfal­len. Auf die gro­ße Mit­tel­ta­fel kommt natür­lich der eigent­li­che Stun­den­in­halt. Wenn die Mit­tel­ta­fel voll ist, geht’s auf der lin­ken Sei­ten­ta­fel wei­ter. Unse­re White­boards bestehen nur aus einer „Tafel“, d.h. ich muss Haus­auf­ga­be und Lek­ti­ons­wort­schatz immer irgend­wo an den Rand quet­schen.

Durch die seit­li­chen Klapp­ta­feln bin ich sehr fle­xi­bel. Ich kann z.B. am Ende der Stun­de die rech­te Sei­ten­ta­fel mit dem Lek­ti­ons­wort­schatz nach innen klap­pen und die Wör­ter wie­der­ho­len (Schü­ler schlie­ßen natür­lich ihr Voka­bel­heft oder dre­hen ihr Blatt um). Neu­en Gramm­tik­stoff kann ich vor Beginn der Stun­de auf die Rück­sei­te schrei­ben und spä­ter, wenn es vom Ablauf her „passt“ nach vor­ne klap­pen. Bei Spie­len kön­nen hin­ter jeder Sei­ten­ta­fel Schü­ler ste­hen und schrei­ben, zeich­nen etc.

Vor­aus­ge­setzt die Tafel ist wirk­lich sau­ber, habe ich auf einer Tafel immer einen opti­ma­len Kon­trast. Natür­lich gibt es gute, licht­star­ke Bea­mer, aber selbst bei denen hat man bei viel Licht­ein­fall (ohne Vor­hän­ge) Pro­ble­me etwas zu erken­nen. Außer­dem pro­du­zie­ren zumin­dest die Bea­mer an mei­ner Schu­le per­ma­nent ein leicht fla­ckern­des Bild, was auf die Dau­er sehr anstren­gend ist.

Der wich­tigs­te Grund ist für mich jedoch die didak­ti­sche Fle­xi­bil­tät, die mir die Tafel bie­tet. Nur sie bie­tet mir ech­tes „work in pro­gress“. Ich kann z.B. die Kri­tik­fä­hig­keit mei­ner Schü­ler tes­ten bzw. för­dern, indem ich bei der Bespre­chung der Haus­auf­ga­be (mit mög­lichst neu­tra­lem Gesichts­aus­druck) erst­mal völ­li­gen Unsinn an die Tafel schreibt. Schü­ler sind dar­auf kon­di­tio­niert, wider­spruchs­los alles abzu­pin­seln, was auf der Tafel erscheint. Nach­dem alle Köp­fe wie­der oben sind, schaue ich erwar­tungs­froh in die Klas­se und war­te ab, ob es irgend­wel­che Kom­men­ta­re gibt. Falls nicht, muss ich ein biss­chen wei­ter­schub­sen: „Have a look at your notes. Did you wri­te the same?“ usw. Wir fan­gen an zu dis­ku­tie­ren, ich wische die ers­te Fas­sung weg, schrei­be eine zwei­te, ggf. auch nicht völ­lig rich­ti­ge hin usw.

Nur die Tafel erlaubt es mir, For­mu­lie­run­gen bzw. Bei­trä­ge / Ide­en von Schü­lern z.B. bei Inter­pre­ta­tio­nen in das Tafel­bild zu inte­grie­ren. Einem Schü­ler fällt z.B. im Ver­lauf der Stun­de noch etwas zu einem bereits bespro­che­nen Punkt ein. Ich kann sei­ne gute(n) Idee(n) noch pro­blem­los in das bereits vor­han­de­ne Tafel­bild inte­grie­ren (vor­aus­ge­setzt ich schrei­be nicht zu eng). Ein Schü­ler schlägt eine bes­se­re / genaue­re For­mu­lie­rung vor. Ich wische die alte weg und erset­ze sie durch die neue. Egal, ob ich etwas über Doku­men­ten­ka­me­ra oder Power­Point „prä­sen­tie­re“, es ist immer schon etwas „Fer­ti­ges“, nicht mehr Ver­än­der­ba­res. Natür­lich könn­te man theo­re­tisch bei der Doku­men­ten­ka­me­ra die Mus­terlö­sung hand­schrift­lich ver­än­dern / ergän­zen bzw. bei Power­Point die „Folie“ bear­bei­ten, nur habe ich das noch nie erlebt. Durch die­sen Cha­rak­ter des „Fer­ti­gen / Unver­än­der­ba­ren“ läuft der Unter­richt nach mei­ner Erfah­rung oft auf das bekann­te „Was will der Leh­rer hören?“ Spiel­chen hin­aus. Natür­lich kann das genau­so mit einer her­kömm­li­chen Tafel pas­sie­ren, nur bie­tet die Tafel dem guten Leh­rer im Gegen­satz zum Bea­mer zumin­dest theo­re­tisch die Mög­lich­keit es bes­ser zu machen.

Anspie­lun­gen in der Über­schrift: Schö­ner Woh­nen und König­lich Tafeln. Natür­lich kann man bei ‚Tafel(n)‘ auch an Man­gel und Bedürf­tig­keit den­ken.

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  1. Eine ech­te Tafel hat schon was Beson­de­res, viel­leicht schon etwas Nost­al­gi­sches. An mei­ner Schu­le haben wir schon seit Jah­ren, bis auf die Musik- und Phy­sik­klas­sen­zim­mer, nur noch White­boards. Wenn man man als fach­frem­der Leh­rer die Chan­ce bekommt, an die ech­te Tafel zu schrei­ben, fühlt man sich wie in die „gute alte Zeit“ zurück­ver­setzt.
    Aber objek­tiv betrach­tet sind White­boards nicht nur schlecht: Wenn alles orga­ni­sa­to­ri­sche „Drum­rum“ passt, kön­nen vie­le Nach­tei­le zur Krei­de­ta­fel aus­ge­gli­chen wer­den.
    Zum The­ma Sau­ber­keit: Der mit­ge­lie­fer­te Tafel-Tro­cken­schwamm ist tat­säch­lich ein Witz. Mit einem Mikro­fa­ser­tuch und einem sanf­ten Haus­halts­rei­ni­ger, wird die Tafel wie­der blitz­blank. Die Ober­flä­che wird dadurch nicht ange­grif­fen. Alle Uten­si­li­en bekom­men wir von der Schu­le gestellt. Das machen wir jetzt schon seit Jah­ren und funk­tio­niert per­fekt. Zum The­ma Hap­tik und Schrift: Mit Krei­de ist mei­ne Tafel­schrift etwas „zacki­ger“, mit White­board­stif­ten eher flie­ßend rund. Bei­de Hand­schrif­ten wür­de ich als durch­aus prä­sen­ta­bel beschrei­ben. Ich kann nicht behaup­ten, dass man an einem White­board eine schlech­te­re Hand­schrift hat.
    Ein wei­te­rer Punkt ist das The­ma Krei­de gegen Stift. Ich habe kei­ne Argu­men­te oder Bele­ge parat, aber ich befürch­te, dass der car­bon-foot­print von White­board­stif­ten und Krei­de nicht zu weit aus­ein­an­der liegt. Das ken­nen wir ja schon von der Plas­tik­tü­te oder dem Tetra­pack im Ver­gleich zur Papier­tü­te oder der Glas­fla­sche. Zudem wer­den bei uns die leer­ge­schrie­be­nen Stif­te in extra auf­ge­stell­te Sam­mel­be­häl­ter gewor­fen und wie­der recy­cled. Gleich neben den Sam­mel­be­häl­tern ste­hen in Kör­ben kos­ten­lo­se Ersatz­stif­te für Leh­rer zur Ver­fü­gung. Des­we­gen ken­ne ich das Pro­blem der lee­ren White­board­stif­te nicht.
    Was ich per­sön­lich als deut­lich bes­ser emp­fin­de, ist die Sau­ber­keit der Fin­ger beim Schrei­ben mit White­board­stif­ten. Han­de­wa­schen und Ein­cre­men war frü­her spä­tes­tens nach zwei, drei Unter­richts­stun­den Pflicht. Das hat jetzt ein Ende.
    Mein Haupt­ar­gu­ment ist, dass ich in fast jeder Unter­richts­stun­de ent­we­der mein Tablet oder den Schul­rech­ner benut­ze. Die Kom­bi­na­ti­on aus Krei­de­fin­gern, Krei­destaub, feucht-muf­fe­li­gem Schwamm und Touch-Ober­flä­che, bzw. Com­pu­ter­tas­ta­tur emp­fin­de ich als unan­ge­nehm und unhy­gie­nisch. Des­halb habe ich mich mit den White­boards in Zwi­schen­zeit gut ange­freun­det. Ich bin kein Ver­fech­ter des „Endes der Krei­de­zeit“, wie sie an man­chen Pri­vat­schu­len im Schul­mot­to steht, den­ke aber, dass bei der Dis­kus­si­on immer eine gehö­ri­ge Por­ti­on Weh­mut und Nost­al­gie mit­schwingt.

    • > Mit einem Mikro­fa­ser­tuch und einem sanf­ten Haus­halts­rei­ni­ger, wird die Tafel wie­der blitz­blank.

      Gut zu wis­sen. Wer­de ich gleich mal vor­schla­gen.

      > Zudem wer­den bei uns die leer­ge­schrie­be­nen Stif­te in extra auf­ge­stell­te Sam­mel­be­häl­ter gewor­fen und wie­der recy­cled.

      Das ist natür­lich was ande­res. Gute Idee!

      > Was ich per­sön­lich als deut­lich bes­ser emp­fin­de, ist die Sau­ber­keit der Fin­ger beim Schrei­ben mit White­board­stif­ten.

      Wenn man kei­nen Krei­de­hal­ter benutzt, trifft die­ses Argu­ment zu.

  2. Ich stim­me dir zu 100% zu. Trotz zuneh­men­der Digi­ta­li­sie­rung in mei­nem Unter­richt ist die Tafel nach wie vor mein bevor­zug­tes Medi­um. Das dyna­mi­sche Ent­wi­ckeln von Tafel­bil­dern im Dia­log mit den Schü­lern geht nir­gend­wo so schön und ein­drucks­voll von der Hand wie hier. Man kann den Gedan­ken beim „Wach­sen“ gera­de­zu zuse­hen. In der Hin­sicht kann jede Power­point-Prä­sen­ta­ti­on ein­pa­cken.
    Auch die White­boards sehe ich ähn­lich kri­tisch. Wir haben sogar die Luxus-Vari­an­te mit ein­ge­bau­tem Bea­mer, um alles „inter­ak­tiv“ zu machen. Aller­dings wur­den wir schon gewarnt, beim Schrei­ben die mitt­le­re Tafel, die für die Bea­mer­pro­jek­ti­on genutzt wird, mit den Mar­kern zu beschrei­ben, weil man die Flä­che damit beschä­di­gen kann, sodass die­se inter­ak­ti­ven Geschich­ten nicht mehr funk­tio­nie­ren. Super! Ein White­board, das man nicht beschrei­ben darf.
    Als Schman­kerl der beson­de­ren Art haben wir auch noch ePens zu den White­boards bekom­men, die rein elek­tro­nisch funk­tio­nie­ren. Die sind der abso­lu­te Abschuss! Hap­tik wie aus der Höl­le, Klang beim Schrei­ben wie ein Stö­ckel­schuh auf Asphalt, regel­mä­ßi­ge Aus­set­zer beim Schrei­ben… Nach spä­tes­tens zwei Minu­ten will man die Din­ger aus dem Fens­ter wer­fen. Mei­ne Tafel­an­schrie­be mit die­sen Din­gern sehen aus wie bei einem Vier­jäh­ri­gen, dem man zum ers­ten Mal Wachs­mal­krei­de in die Hand gibt. Furcht­bar…

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