Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Überschriften

… eig­nen sich sehr gut für die Ana­ly­se von Stil­mit­teln. Die Süd­deut­sche Zei­tung ist in die­ser Hin­sicht eine ergie­bi­ge Quel­le. Man muss nur ein paar Tage sam­meln und dann hat man alles, was das Herz begehrt: Neo­lo­gis­men („Rus­si­sche Demo­kra­tur“), Anspie­lun­gen („Der Club der gro­ßen Schlich­ter“), Wort­spie­le („Schlamm drü­ber“) Para­do­xa („Im Wes­ten geht die Son­ne auf“) und auch auf den ers­ten Blick völ­lig unver­ständ­li­che Über­schrif­ten, die erst im Lau­fe des Tex­tes Sinn erge­ben.

Ein Vor­teil die­ses Ver­fah­rens ist, dass man an gute deut­sche Über­schrif­ten viel leich­ter her­an­kommt als an eng­li­sche, man braucht z.B. nur auf die Web­site der SZ zu gehen. Zwei­tens sind mei­nen Schü­ler bei deut­schen Über­schrif­ten die Inhal­te viel ver­trau­ter als bei eng­li­schen Tex­ten, so dass man auch wesent­lich leich­ter die FUNKTION eines Stil­mit­tels her­aus­ar­bei­ten kann, ohne erst viel Hin­ter­grund­wis­sen ver­mit­teln zu müs­sen.

Auf die­se Art leis­tet man auch ein biss­chen fächer­über­grei­fen­de Ent­wick­lungs­ar­beit, denn nach mei­ner Erfah­rung ver­lan­gen nur sehr weni­ge Deutsch­leh­rer über­haupt eine Über­schrift (geschwei­ge denn eine ori­gi­nel­le) bei Auf­sät­zen.

Die meis­ten Varia­tio­nen habe ich übri­gens im Lauf der Zeit zu „Der mit dem Wolf tanzt“ gesam­melt, hier ein paar Kost­pro­ben: „Der mit dem Ball tanzt“ (David Beck­ham), „Der mit den Bäu­men spricht“ (Arti­kel über einen Umwelt­schüt­zer), „Der mit dem Volk tümelt“ (volks­tüm­li­che Musik), „Der mit dem Dra­chen rennt“ (Snow­ki­ten), „Die mit dem Rad tan­zen“ (Münch­ner Sechs­ta­ge­ren­nen) und „Die mit dem Karp­fen kuschelt“ (Tie­re im Fern­se­hen).

Ein guter Kon­trast zu den Über­schrif­ten der SZ sind die fürch­ter­lich lan­gen und lang­wei­li­gen Über­schrif­ten der New York Times Bei­la­ge jeden Mon­tag („The Search for Rea­gan Reflec­ts the Plight of the Repu­bli­can Par­ty“). Da kann man dann gemein­sam über­le­gen, wie man die kür­zer und pfif­fi­ger machen könn­te („Sear­ching for Reagan“,„Republican Plight“ etc.)

Selbst­ver­ständ­lich eig­nen sich Über­schrif­ten auch für einen klei­nen Wett­be­werb zwi­schen­durch. Sie­ger ist der­je­ni­ge, der als ers­ter den rich­ti­gen eng­li­schen Begriff sagt. Also z.B. „Zurück in die Zukunft“ – para­dox.

Zurück

Much Ado about a Lorgnette

Nächster Beitrag

Literarische Qualität

  1. Nadine

    Da ich genau unter den Text wo mein Bei­trag super pas­sen wür­de (näm­lich unter Lesen) kei­ne Kom­men­ta­re machen kann, schreib ich es hier rein.

    Also ich hab letzt Woche eine super Sei­te gefun­den, bei der man viel ver­schie­de­ne Zei­tun­gen zusam­men­stel­len kann. Dar­un­ter auch eng­lisch­spra­chi­ge Titel, wie die Shang­hai Dai­ly oder die Washing­ton Post.
    Ist super fürs Lese­ver­ste­hen fin­de ich zumin­dest.

    Könnt ja mal drauf schaun und aus­pro­bie­ren, über­zeugt euch selbst die Sei­te ist: http://www.individuelle-zeitung.de

    Grü­ße Nadi­ne

  2. Max

    Man­che Anspie­lun­gen kann ein Schü­ler schlicht nicht erken­nen, so in der Über­schrift

    Pay up! Pay up! And play the game!“ (Grund­kurs Abitur 2005 I)

    Auf­lö­sung hier: http://www.btinternet.com/~brentours/ENGP76.htm

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén