Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Strafaufgaben

… gibt es offi­zi­ell natür­lich gar nicht, das sind ja alles inzwi­schen „Übungs-, Zusatz-, Nach­hol­auf­ga­ben“, „indi­vi­du­el­le För­der­maß­nah­men“ und ähn­li­che Euphe­mis­men. Die­ses Wort­ge­klin­gel mache ich nicht mit. So wie ich im Sport einen Spie­ler / Schü­ler mit einer Ver­war­nung, Zeit­stra­fe oder gar dem Spiel­aus­schluss bestra­fe, wenn er z.B. wie­der­holt Mit­schü­ler foult und damit gefähr­det, bestra­fe ich einen Schü­ler, wenn er wie­der­holt im Unter­richt „foult“ und mei­nen Unter­richts­er­folg gefähr­det. (Alles Nähe­re zu Dis­zi­plin, Regeln und Stra­fen steht in die­sem Arti­kel.)

In Nor­mal­fall war­ne ich vor einer Straf­auf­ga­be maxi­mal zwei­mal. Das ers­te Mal meis­tens non-ver­bal, das zwei­te Mal expli­zit ver­bal und zwar (damit es auch wirk­lich jeder ver­steht) auf Deutsch: „Wenn du jetzt noch ein­mal …“. Eine Aus­nah­me ist, wenn ich den Schü­ler bereits VOR der Stun­de an etwas erin­nert habe, was wir z.B. am Ende der letz­ten Stun­de bespro­chen habe: „Denk bit­te dar­an, was wir letz­te Stun­de bespro­chen haben …“. Wenn er wie­der das­sel­be Ver­hal­ten zeigt, war­ne ich, je nach Situa­ti­on, nur noch ein­mal oder ggf. gar nicht mehr.

Wich­tig ist, dass du bereits eine (mög­lichst sinn­vol­le) Straf­auf­ga­be vor­be­rei­tet hast und nicht erst anfängst, hek­tisch in dei­nem Buch rum­zu­blät­tern. Prak­tisch sind dafür Post-It Noti­zen, die ein­fach von einem Stun­den­zet­tel zum nächs­ten wei­ter­wan­dern. Wenn du dei­ne Unter­richts­vor­bei­tung digi­tal z.B. auf dem Tablet hast, kopierst du die ent­spre­chen­den Zei­len ein­fach von der einen in die nächs­te Stun­de. Wenn du doch spon­tan eine Straf­auf­ga­be ertei­len musst, kannst du immer Wort­schatz abschrei­ben las­sen oder mei­nen Text über Unter­richts­stö­run­gen (doc).

Auf kei­nen Fall darfst du die Auf­ga­be ins all­ge­mei­ne lär­men­de Getüm­mel rufen. Der betref­fen­de Schü­ler wird nächs­te Stun­de mit Recht behaup­ten, er habe gar nicht mit­ge­kriegt, dass er was machen soll­te. Statt­des­sen unter­brichst du den Unter­richt kurz, gehst zu dem Schü­ler, bestehst dar­auf, dass er sein Haus­auf­ga­ben­heft raus­holt und dik­tierst ihm die Auf­ga­be auf Deutsch (!): „Wör­ter abschrei­ben, lin­ke und mitt­le­re Spal­te von S. 150 release bis S. 151 capa­ble of“. Zur Sicher­heit bestehst du dar­auf, dass er sich SOFORT die Auf­ga­be im Buch anschaut, damit 100% klar ist, was er machen soll und er sich nächs­te Stun­de nicht raus­re­den kann, dass er nicht wuss­te, was er machen soll. Ach­te auch dar­auf, dass er sich das Gan­ze beim rich­ti­gen Tag ein­trägt.

Ganz wich­tig ist, dass du dir die Auf­ga­be auch wie­der SOFORT (nicht erst am Stun­den­en­de) sel­ber notierst. Ich neh­me dafür einen Zet­tel.

Die Straf­auf­ga­be for­derst du in der nächs­ten Stun­de VOR Beginn des Unter­richts ein. Eigent­lich soll­te der Schü­ler zu dir kom­men, falls das nicht klappt, musst du halt zu ihm gehen. Falls er die Auf­ga­be „ver­ges­sen“ (= nicht gemacht) hat, gibt es nor­ma­ler­wei­se eine Nach­ar­beit (er muss sie aber trotz­dem bis zur nächs­ten Stun­de machen). Der Schü­ler muss schon eine see­ehr gute Aus­re­de haben, damit ich mich erwei­chen las­se (ist in 30 Jah­ren noch nie vor­ge­kom­men).

Auch bei Nach­ar­bei­ten unter­bre­che ich den Unter­richt und dik­tie­re dem Schü­ler Datum, Zeit und Ort: „Nächs­ten Mitt­woch, 13:10 Uhr, Zim­mer 210“. Nach­ar­bei­ten soll­ten mög­lichst zeit­nah statt­fin­den: „Kannst du heu­te nach­mit­tag in der 8. Stun­de?“. Wie­der notie­re ich mir SOFORT die Nach­ar­beit auf einem Zet­tel und notie­re mir zuhau­se zusätz­lich in mei­nem Kalen­der, dass ich den Schü­ler vor Beginn der Stun­de mög­lichst zeit­nah an die Nach­ar­beit erin­ne­re: „Denk dar­an, heu­te nach­mit­tag in der 8. Stun­de …“. Wenn der Schü­ler nach die­sem Vor­lauf nicht zur Nach­ar­beit erscheint, braucht er wie­der eine see­ehr gute Begrün­dung, damit ich ihm kei­nen Ver­weis gebe. Ich ver­las­se mich also NICHT auf das Schrei­ben, das an die Eltern geht. Das dau­ert ja oft end­los lan­ge und der Schü­ler kann immer behaup­ten, dass das Schrei­ben nicht ange­kom­men sei bzw. sei­ne Eltern ihm nichts gesagt hät­ten. Das Schrei­ben schi­cke ich natür­lich trotz­dem, nur ist es meis­tens eine nach­träg­li­che Infor­ma­ti­on: „Trotz mehr­fa­cher Ermah­nun­gen hat Kevin … Eine Nach­ar­beit hat am … statt­ge­fun­den.“

Wenn die Nach­ar­beit aber erst in 2–3 Wochen statt­fin­det (z.B. weil du kei­ne „eige­nen“ Ter­mi­ne hast und die offi­zi­el­len Schul­termi­ne nimmst) und du den Schü­ler NICHT zeit­nah erin­nert hast, musst du groß­zü­gi­ger sein. Von kei­nem Schü­ler kannst du ver­lan­gen, dass er sich nach drei Wochen noch an einen Ter­min erin­nert. Dann musst du ggf. einen neu­en Ter­min anset­zen oder das Gan­ze anders lösen und z.B. einen (Sport-)Kollegen mit Nach­mit­tags­un­ter­richt fra­gen, ob er nicht den Nach­ar­bei­ter betreu­en könn­te.

 

 

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  1. Schüler

    Die­sen Zet­tel von ihnen gibt es bei uns mitt­ler­wei­le an der gan­zen Schu­le, muss­te den auch schon abschrei­ben, fand ihn eigent­lich ganz gut, soweit man das als Schü­ler sagen kann.. 😉 Ist aller­dings etwas unkrea­tiv von unse­ren Leh­rern, ihren Zet­tel 1:1 zu kopie­ren.

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