Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

dafügen

Unser gro­ßer Vor­sit­zen­der See­ho­fer besitzt bekannt­lich die bemer­kens­wer­te Fähig­keit gleich­zei­tig für und gegen etwas zu sein, d.h. er ist „dafü­gen“. Die­ses Prin­zip des „Dafü­gen-Seins“ wen­den wir (Bay­ern) seit eini­ger Zeit auch erfolg­reich im Bil­dungs­be­reich an. Da sich Nicht-Bay­ern lei­der schwer damit tun die­sen genia­len Ansatz zu ver­ste­hen, möch­te ich ihn anhand von zwei Bei­spie­len ver­deut­li­chen. 

Neh­men wir z.B. den Bereich Wort­schatz. Wir wol­len, dass die Schü­ler einen „all­ge­mei­nen, funk­tio­na­len und the­men­spe­zi­fi­schen“ (Quel­le) Wort­schatz erwer­ben / besit­zen und z.B. wis­sen, dass „all­ge­gen­wär­ti­ge Wer­bung“ auf Eng­lisch ubi­qui­tous adver­ti­sing heißt. Aus die­sem Grund spre­chen wir im Unter­richt nur noch Eng­lisch und sagen dem Schü­ler, selbst wenn er expli­zit danach fragt, nicht, was ubi­qui­tous adver­ti­sing auf Deutsch heißt. Wir para­phra­sie­ren statt­des­sen adver­ti­sing that you can see ever­y­whe­re, so dass der Schü­ler den­ken kann, dass es sich um eine aktu­el­le Wer­be­kam­pa­gne han­delt. Damit der Schü­ler die genaue Bedeu­tung / Über­set­zung von Wör­tern nach­schla­gen bzw. ler­nen kann, haben wir das zwei­spra­chi­ge Lexi­kon ein­ge­führt. Aus die­sem Grund ist es strikt ver­bo­ten, Wort­schatz deutsch – eng­lisch abzu­prü­fen. Und weil die deutsch – eng­li­sche Media­ti­on auch im Abitur so eine gro­ße Bedeu­tung hat und der Schü­ler zei­gen soll, dass er Inhal­te prä­zi­se in der Fremd­spra­che wie­der­ge­ben kann, darf der Schü­ler „all­ge­gen­wär­ti­ge Wer­bung“ NICHT mit ubi­qui­tous adver­ti­sing „über­set­zen“, son­dern soll adver­ti­sing that you can see ever­y­whe­re schrei­ben.

Oder neh­men wir Gram­ma­tik, wo wir möch­ten, dass die Schü­ler „fun­dier­te“ Kennt­nis­se haben bzw. erwer­ben. Des­halb darf Gram­ma­tik nur noch ein­spra­chig unter­rich­tet wer­den. Dadurch wird sicher­ge­stellt, dass nie­mand z.B. Fol­gen­des ver­steht: „Sta­te verbs can­not express an action in pro­gress, that’s why they aren’t nor­mal­ly used in the pro­gres­si­ve form“. Ent­spre­chend ver­lan­gen wir dann z.B. im Jahr­gangs­stu­fen­test der 10. Klas­se ziem­lich anspruchs­vol­le Gram­ma­tik­kennt­nis­se. Des­halb ver­bie­ten wir „iso­lier­tes“ Üben von Gram­ma­tik. Dadurch, dass wir dar­über­hin­aus deutsch – eng­li­sche Gram­ma­tik­übun­gen ver­bie­ten, ver­hin­dern wir wir­kungs­voll, dass die Erken­nung der hart­nä­cki­gen Inter­fe­renz­feh­ler (Wenn ich im Lot­to gewin­nen wür­de – If I would win / Ges­tern habe ich … – Yes­ter­day I have … / Er singt gut. – He sings good etc.) geübt wird.

Des­we­gen wird es auch mit der Laut­schrift im neu­en Lehr­plan wahr­schein­lich anders kom­men als ich mir das in mei­ner gren­zen­lo­sen Nai­vi­tät vor­stel­le. Ich ver­mu­te mal, dass die Laut­schrift „mehr Gewicht bekom­men“ soll und es des­halb ver­bo­ten sein wird, sie „iso­liert“ zu üben und abzu­prü­fen.

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  1. Susann

    So geis­tig beschei­den die­ses Vor­ge­hen auch ist, kann man es wahr­schein­lich doch nicht dem Gro­ßen Vor­sit­zen­den in die Schu­le schieben…das Minis­te­ri­um schafft das sicher­lich ganz allei­ne!

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