Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Motivierende Hausaufgaben

Von jün­ge­ren Kol­le­gen bzw. Stu­di­en­re­fe­ren­da­ren höre ich in letz­ter Zeit immer häu­fi­ger, dass sie nur noch „moti­vie­ren­de“ Haus­auf­ga­ben geben wol­len bzw. sol­len. Lie­ber geben sie kei­ne HA als eine „nicht moti­vie­ren­de“. 

Als ers­tes fra­ge bzw. über­le­ge ich mir, wel­che Art von HA eigent­lich „moti­vie­rend“ ist. Gehen wir mal die typi­schen Eng­lisch-HAs durch. Wör­ter ler­nen? Ganz sicher nicht. Zwar kann es aus­ge­spro­chen moti­vie­rend sein irgend­wann mal im Aus­land zurecht­zu­kom­men und sich mit Mut­ter­sprach­lern über mehr als das Wet­ter unter­hal­ten zu kön­nen, aber es dau­ert halt, bis man soweit ist. Gram­ma­tik ler­nen und üben? Aaarrgghh … Einen Text lesen und Fra­gen dazu beant­wor­ten? Hängt sehr vom Schü­ler und sei­nen Inter­es­sen ab. Tex­te im Lehr­buch wer­den, den­ke ich, höchst sel­ten als inter­es­sant emp­fun­den. Sich etwas anhö­ren bzw anse­hen? Hängt sehr vom The­ma ab und davon, was danach kommt. Nervt der Leh­rer mit Fra­gen zum Inhalt, soll man Stel­lung neh­men, die eige­ne Posi­ti­on begrün­den und argu­men­tie­ren? Dann artet das Gan­ze in Arbeit aus und moti­viert wohl nur weni­ge. Ein Pos­ter gestal­ten? Gääähn …

Das heißt jetzt natür­lich nicht, dass es nicht auch kom­plett sinn­lo­se HAs gibt, ich hal­te z.B. gar nichts davon Gram­ma­tik abschrei­ben zu las­sen.

Bei der For­de­rung nach aus­schließ­lich „moti­vie­ren­den“ HAs muss ich natür­lich gleich wie­der an den Sport den­ken. Jeder fin­det es völ­lig nor­mal, dass hoch­be­zahl­te Fuß­ball-Pro­fis JEDEN TAG stun­den­lang immer das Glei­che üben: Ball pas­sen, anneh­men, aufs Tor schie­ßen, flan­ken, köp­fen … Noch schlim­mer ist es bei Leis­tungs­schwim­mern: Außer ein biss­chen Kraf­trai­ning und Gym­nas­tik machen die über­haupt nichts ande­res als eben zu schwim­men. Wie „moti­vie­rend“ ist so ein Trai­ning?

Eine Spra­che ler­nen ist wie eine Sport­art zu erler­nen bzw. zu trai­nie­ren. Ohne stän­di­ges Üben und Wie­der­ho­len wird sich kein Erfolg ein­stel­len. Es reicht nicht irgend­was „ver­stan­den“ zu haben, wenn man es nicht übt und auto­ma­ti­siert, wird man es nicht beherr­schen.

Und weil Eng­lisch in der heu­ti­gen Welt so wich­tig ist, haben wir (in Bay­ern) in der Mit­tel­stu­fe nur noch drei Stun­den dafür. Und weil Dop­pel­stun­den so toll sind, habe ich eine 10te z.B. Mon­tag nach­mit­tag und Diens­tag vor­mit­tag und dann den gan­zen Rest der Woche nicht mehr. Und wenn ich dann kei­ne „mecha­ni­schen“ HAs wie Wör­ter ler­nen und Gram­ma­tik üben auf­ge­be, brau­che ich mich nicht zu wun­dern, wenn mei­ne Schü­ler nicht nur nicht bes­ser, son­dern immer schlech­ter wer­den.

Fazit: Ent­schei­dend ist nicht, ob mei­ne Haus­auf­ga­ben „moti­vie­rend“, son­dern ob sie NOTWENDIG sind.

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  1. Hi!

    Hast du denn Bei­spie­le für die­se mys­te­riö­sen „moti­vie­ren­den HAs“? Das wür­de mich ja mal inter­es­sie­ren 😉

    Grü­ße! 🙂

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