Vor kurzem zeigte mir eine Referendarin ganz stolz ihren Lernzirkel zu den amerikanischen Primaries. Tolles Layout, aktuelle Texte schön aufbereitet mit Aufgabenapparat und Musterlösungen, Diagramme und Photos, alles sorgfältig laminiert, das Ergebnis tagelanger Arbeit. Natürlich lobte ich ihre Materialien, im Stillen dachte ich mir jedoch: „Was für eine ungeheure Verschwendung von Zeit und Energie!“

Mein wichtigster Grundsatz lautet:

Investiere Zeit und Arbeit nur in Materialien, die du WIEDERVERWENDEN kannst.

Um nicht missverstanden zu werden: Natürlich darf jeder gerne einen Lernzirkel, eine Webquest, eine Hörverstehensübung oder was auch immer zu einem aktuellen Thema machen – solange er Lust dazu und die entsprechende Zeit hat – kein Problem. Nur gibt es davon, denke ich, nicht allzu viele Kollegen. Das Gegenteil (eigentlich KEINE Zeit, bis oben hin mit Vorbereitung und Korrekturen ausgelastet) dürfte deutlich häufiger sein. Merkwürdigerweise kommen die aufwendigsten Materialien oft von Leuten, die eh‘ schon am Limit sind und von daher eigentlich am gründlichsten nachdenken müssten, ob es sich lohnt in etwas Zeit und Arbeit zu investieren oder nicht. Nervig wird es allerdings, wenn diese Leute auch noch permanent jammern, wie überlastet sie sind …

Wenn du Referendar bist, sieht die Situation leider oft anders aus, da MUSST du oft etwas produzieren, obwohl du ganz genau weißt, dass du es in dieser Form nie mehr verwenden kannst.

Im Folgenden ein paar Beispiele, was o.a. Motto für den Schulalltag bedeutet, ggf. mit Links zu Beiträgen, in denen ich über das Thema schon mal geschrieben habe.

Aktuelle Texte werden von mir nicht aufwändig bearbeitet und bekommen im Normalfall auch keinen Aufgabenapparat. Im Höchstfall kopiere ich den Text in ein Word-Dokument und versehe ihn noch mit Zeilennummern, auf keinen Fall fummele ich mit Photos, Grafiken, einer schönen Kopfzeilen, Worterklärungen und ähnlichem rum.

Für Schulaufgaben suche ich möglichst „zeitlose“ Texte, die ich auch in Zukunft verwenden kann.

Fragen zu Hörverstehensübungen zu erstellen, macht sehr viel Arbeit. Bei einem aktuellen Podcast mache ich mir diese Arbeit nicht, da machen wir alles nur „mündlich“.

Folien erstelle ich grundsätzlich mit dem PC. Entweder ich komme zu dem Schluss, dass ich diese Folie auch in Zukunft brauchen könnte, dann mache ich sie ordentlich. Niemals schmotzel ich Folien per Hand, nur um sie irgendwann wieder komplett neu malen zu müssen.

Lernzielkontrolle: Du möchtest einen aktuellen Fernsehbeitrag über die Primaries zeigen? Kein Problem – aber bitte OHNE aufwendiges Worksheet mit Leitfragen, Annotationen etc. Diese Arbeit lohnt sich nur, wenn der Beitrag das grundsätzliche Prinzip der Primaries erklärt, dann kannst du ihn auch in Zukunft verwenden.