Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

MAP

… steht für „Material-Austausch-Pool“ und ist ein „Konzept zur Entlastung von Lehrkräften durch den standardisierten Austausch von digitalen Unterrichtsmaterialien.“

Als Bernd Schwarz vor kurzem dieses Konzept in Enpaed vorgestellt hat, war ich natürlich sofort interessiert, denn sowohl Dateinamen-Systematik als auch Zusammenarbeit unter Lehrern interessieren mich schon seit längerem. Freundlicherweise hat Bernd sich bereit erklärt in einem Gastbeitrag sein Konzept vorzustellen.

„Gegen Ende des ersten Ausbildungsabschnittes des Referendariats, stellte ich ziemlich schnell fest, dass die Arbeitszeiten bei weitem das überschreiten, was viele Nicht-Lehrer und auch Lehramtsstudenten sich unter dem Lehrberuf vorstellten. Nach anfänglichem Unbehagen, ja Verzweiflung, über diese Situation und die zukünftige Perspektive in Arbeit zu ertrinken, stellte ich mir zusammen mit einem Kollegen eine wichtige Frage: Wäre es möglich, die wahrscheinlich zu tausenden innerhalb des illustren Kreis an Jung- und Altlehrern herumschwirrenden Schulaufgaben, Exen, vorbereiteten Stunden, Materialien, Lernzirkel usw. mit einem einfachen, praktikablen System zu erfassen, verwalten und auszutauschen?

Die Idee zu MAP – dem ‚Material-Austausch-Pool‘ war geboren.

Unsere Grundprämisse war dabei: MAP muss …

  • schnell zu erlernen sein
  • Zeit sparen
  • volldigital sein, um Synergieeffekte durch massiven, aber einfachen und günstigen Austausch zu ermöglichen
  • mit einfachen, bereits im üblichen Lehrerbüro vorhandenen Mitteln anwendbar sein
  • und darf keine große Einarbeitungszeit oder technische Kenntnisse erfordern.

Das Problem: Jeder hat zig Leistungstest, Unterrichtsmaterialien und sonstige für andere Kollegen hilfreiche Materialien bereits digital am Computer verfügbar. Der Austausch ist unbefriedigend, da selbst bei einer Zusammenlegung der Materialien keiner mehr irgendetwas findet, da man sich unter Schulaufgabe01.doc nichts vorstellen kann. In der Flut der Datenmenge geht die wichtige Einzelinformation einfach unter.

Die Lösung: Durch eine standardisierte Benennung bzw. Verschlagwortung von ganz normalen Word-Dokumenten (bis zu 256 Zeichen pro Name möglich unter XP!) kann aus einer beliebigen Anzahl an vorhandenen Dokumenten eine hohe Anzahl an sinnvollen Treffern zu nahezu jedem Thema erfolgen.

Beispiel: Die Datei „SA_E_05_simple present vs. Progressive listening comprehension letter“ wird gefunden durch die Suchanfrage „sa_e_05 present“.

Durch die Anfrage „sa_e_05“ erhalte ich ALLE Schulaufgaben der 5. Klasse in Englisch in einer listenartigen Übersicht. Durch die sinnvolle Benennung der Files erkenne ich sehr schnell, um was es in der SA geht.

Vorraussetzung ist nur, dass alle Beteiligten sich ganz genau an das Benennungsschema und einige wenige Vorgaben bei der Erstellung ihrer Materialien halten.

Wenn jeder bereit ist anfangs ca. 2-3% mehr Arbeit aufzuwenden, kann jeder das X-Fache an Arbeit sparen.

In unserem Kollegium haben wir so im ersten Anlauf für das achtjährige Gymnasium in Bayern bereits ca. 400 Schulaufgaben und Stegreifaufgaben gesammelt und für alle MAP-Teilnehmer digital in hoher Qualität zur Verfügung gestellt.

Ein voller Erfolg, von dem nicht nur die Lehrer, sondern indirekt auch Schüler und Eltern profitieren, da mehr Zeit für andere wichtige Dinge wie Unterrichtsvorbereitung u.a. übrig bleibt.

In den von mir erstellten Unterlagen ist MAP so erklärt, dass jeder es in seinem Kollegenkreis ohne Probleme einführen kann.

Warum nicht heute damit anfangen und Zeit sparen?“

MAP Materialien (zip)

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Keep It Simple

  1. B. Schwarz

    Hallo Florian,

    super – freut mich! Danke für den Tipp mit Mydrive.ch .

    Bei box.net gab es vor kurzem eine Aktion, bei der man 25(!)GB abgreifen konnte – soweit ich das sehe lebenslang. Das ist echt eine super Menge und bei Dateigrößen bis 100MB funktioniert das auch ganz gut.

    Bzgl. Datenaustausch über Schulserver:
    Ich denke, dass Problem dabei ist,

    1. dass es schon wieder viel zu aufwändig ist das ganze dort hoch/runterzuladen (genau auf diesen administrativen Aufwand haben viele ja keine Lust und dafür auch keine Zeit!) Bei Dropbox speichert man das Ding einfach ab und man muss nichts weiteres tun – alles andere passiert von selber im Hintergrund, ohne, dass man davon etwas merkt! Ein wichtiger Unterschied!

    2. dass es rechtlich natürlich ein Problem ist, weil man ja meist Bilder und Materialien aus Büchern / dem Internet / etc. hat, für die man nicht die Rechte hat. Dadurch wäre es für den Schulserver ein juristisches Problem, dort ‚Raubkopien‘ von Materialien zu lagern, v.a. wenn dies von den Schuladmins aktiv eingerichtet wird.

    Bei Dropbox etc. sind dies ja ‚private‘ Speicher, wo es evtl. nicht ganz so heikel ist bzw. dem Betreiber egal ist (noch). Aber solange man da keine Mega-Tauschbörse mit 1000 Teilnehmern betreibt, wird sich dies denke ich auch nicht so schnell ändern.

    Viele Grüße
    Bernd

  2. Florian v. Savigny

    Hallo B.!

    Herzlichen Dank für die rasche Antwort! Dann habe ich also im Prinzip richtig gelegen. Danke auch für den Hinweis auf die verschiedenen Anbieter. Ich kann ja, nur für den Fall das es jemandem nützt, noch mydrive.ch ergänzen (bietet auch für alle gängigen Betriebssysteme die Möglichkeit, das Verzeichnis wie ein lokales Laufwerk einzubinden, aber das machen die anderen ja wahrscheinlich auch).

    Hat eigentlich jemand von Euch diesen Pool auf dem Schulserver liegen? Eigentlich wäre das doch der naheliegende Ort, oder?

    Ja, ich berichte gerne, wenn wir das tatsächlich umsetzen! (Wir sind in NRW aufm Berufskolleg, da ist die Materialbeschaffung ein besonders heißes Thema.)

    Herzliche Grüße,

    Florian

  3. B. Schwarz

    Hallo!

    Gute Frage – auch dieses Problem hat sich inzwischen fast von selber gelöst.

    Früher haben wir noch MAP-Tage gemacht, wo wir uns getroffen haben oder CDs mit Material oder USB-Sticks eingesammelt haben.

    Inzwischen läuft alles über Dropbox.com bzw. Sugarsync.com – also einem Cloud-Speicher, wo man einen Ordner für einen begrenzten Teil von Menschen freigeben kann und dann jeder direkt in dieses Verzeichnis einfach seine Sachen auf dem PC / MAC lokal abspeichert und dieser dann auf alle Computer direkt gesynct wird.

    Vorteil Sugarsync: 5GB Startvolumen – 500MB pro geworbenem Schüler/Lehrer
    http://www.sugarsync.com
    Dropbox: 2GB Startvolumen – aber einfacher und transparenter zu bedienen – ohne Schnickschnack.
    http://www.dropbox.com

    Eine genaue Erklärung der Funktionsweise ist auf den jeweilgen Websiten oft in einem kleinen Video sehr gut erklärt – das kann ich hier auch nicht besser. Einfach mal 2 Minuten investieren und anschauen.

    Netter Nebeneffekt: Die eigenen Daten sind auch gleich gesichert und versioniert (d.h. ich kann auch die 5.-letzte Version noch online nachschauen und wieder herunterladen, falls ich mal aus versehen was gelöscht habe).

    Wenn man bedenken wg. Datensicherheit bzw. Datenhoheit hat, dann ist eine Cloudlösung eher nichts, außer man nimmt

    Wuala.com

    Hier ist die Besonderheit, dass die Daten schon *beim Hochladen* verschlüsselt werden und so auch kein Mitarbeiter oder eine fremde Regierung (in der Theorie) an meine Daten rankommt.

    Mir sind solche Argumente immer wurscht, weil es
    a) eh naiv ist zu glaube, dass meine Daten im Netz sicher sind (was ist z.B. mit Deinem Email-Account bei Google/web.de/gmx???)
    b) keiner an meinen Schulvorbereitungen interessiert ist (und wenn doch – na dann viel Spaß!).

    Aber ich respektiere natürlich abweichende Meinungen hierzu völlig.

    Ich hoffe ich konnte weiterhelfen! Würde mich freuen zu erfahren, wies gelaufen ist, falls ihr das an Eurer Schule einführt!

    Viele Grüße
    B. Schwarz

  4. Was ich bis jetzt gelesen habe (inklusive der Materialien in der Zip-Datei) klingt sehr interessant, aber mir fehlt bisher eine klare Vorstellung, auf welcher Infrastruktur dieses Ordnersystem denn überhaupt liegen soll:

    – auf einem Server?
    – vielleicht zusätzlich noch so, dass jeder das zu Hause auf seinem Rechner gespiegelt hat? (irgendein Beitrag hier hat sich ein bisschen so angehört)

    Und wenn ich das richtig verstanden habe, braucht man überhaupt keine besondere Software dafür, ist das richtig? Oder wie laden die einzelnen Teilnehmer ihre Sachen hoch???

    Herzlichen Dank im Voraus!

  5. Bernd Schwarz

    Zunächst stimme ich den Einwänden von Jochen sind grundsätzlich zu. MAP muss schnell zu richtigen Lösungen und brauchbaren Arbeiten führen – bei LP-Unterschieden ist dies wohl eher die Ausnahme.

    Ach ja, zu den Vorteilen gegenüber Schulportal:

    Dadurch, dass ich es an meinem eigenen Arbeitsplatz erstmal nur abspeichern und richtig benennen muss, ist der zusätzliche Arbeitsaufwand sehr gering.

    Bei Schulportal muss ich jede einzelne Datei hochladen, richtig taggen, Punkte kassieren und dann wenn ich es verwenden will muss ich schauen, dass ich noch genug Punkte auf meinem Konto habe.

    Ach ja – was machst Du, wenn Du mal nicht Online bist und auf das Portal nicht zugreifen kannst? Was machst Du, wenn die Anzahl der Dateien mal die 500er Grenze reisst?

    Das alles ist für den Alltag zu langwierig und schwierig und ist zumindest für meine Geduldsspanne einfach zu aufwändig. MAP basiert auf echter Solidarität – mit all ihren Vor- und Nachteilen, und ist damit näher am Kollegium dran.

    MAP stärkt ausserdem auch das Gemeinschaftsgefühl innerhalb einer Fachschaft – meine besten Kollegen sind meine MAP-Kollegen.

    Am besten einfach mal ausprobieren – viel Glück

    B. Schwarz

  6. Bernd Schwarz, MAP

    Hallo Max,

    Ja, dieses MAP habe ich bereits an meinem Gymnasium in der Oberpfalz integriert und wir haben bereits sehr, sehr viele Stegreifaufgaben und Schulaufgaben integriert.

    Externe sind grundsätzlich willkommen, sollten aber folgende Voraussetzungen mitbringen:
    – sie unterrichten in Bayern (wg. Lehrplan-Konformität der Inhalte)
    – Versand von Dateien per CD oder am besten hochladen (www.yousendit.com)
    – ein Minimum von 40 Schulaufgaben und Exen (sorry, aber für 4 Schulaufgaben ist der Aufwand zu groß)
    – das Urheberrecht in den Dateien nicht verletzt wird
    – die Nomenklatur genau eingehalten wird

    Wer sich also interessiert möge eine Email an mich schicken – ich versende dann das gesamte Infopaket gerne als PDF an die jeweilige Person.

    Wenn die Zusendung von den richtig benannten Dateien an mich erfolgt ist, erfolgt die Aufnahme in den MAP-Verteiler der über Dateiupdates bzw. den ersten Downloadlink informiert.

    Englischlehrer aus anderen Bundesländern sind natürlich herzlich eingeladen ihr ‚eigenes‘ MAP aufuziehen. Dazu erhält jeder gerne das ‚Einstiegspaket‘ (inkl. Präsentation zur Vorstellung) mit den erforderlichen Infos zur Systematik und einer Anleitung zum Scannen, etc.

    Einzig eine Referenz an die ursprüngliche Quelle („Wer hat’s erfunden?“ 🙂 wäre nett.

    Viele Grüße und happy teaching
    B. Schwarz

  7. Max

    Gibt es denn dieses MAP bereits — Kann man sich daran beteiligen? Wie?

  8. > Welchen Vorteil bietet MAP (…) gegenüber schulportal.de?

    Ich kenne schulportal nicht genauer, aber auf den ersten Blick würde ich folgende zwei Vorteile nennen:

    Kein kompliziertes Punktesystem und damit kein Streit über die „Wertigkeit“ von Materialien.

    Wenn ich nur mit Kollegen meiner Schule einen MAP betreibe, kann ich wegen identischer Bücher theoretisch mal ALLE Materialien brauchen, während bei einem bundesweiten Portal automatisch viel Zeug dabei ist, das ich (aufgrund von Richtlinien für andere Bundesländer) überhaupt nicht brauchen kann oder erstmal stark bearbeiten muss.

  9. Martin

    Welchen Vorteil bietet MAP (abgesehen vom Einbinden des gesamten Kollegiums der Schule) gegenüber schulportal.de?

    Dort sind Materialien gut sortiert und beschrieben, in sinnvollen Kategorien eingeordnet und das zugehörige Punktesystem sollte für ein langfristiges Wachstum an Materialien sorgen.

    Hier könnten doch auch systematisch die Unterlagen einer Schule eingestellt werden und diese stünden dann sogar bundesweit digital zur Verfügung.

    Gruß, Martin
    (nicht mit den Website-Betreibern verwandt oder bekannt)

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