Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

Besser verbessern

Das Verbessern von Hausaufgaben bzw. sonstigen Übungen ist oft zäh, langweilig und nutzlos. Um nicht missverstanden zu werden: Es geht im Folgenden ausschließlich um Aufgaben, die EINDEUTIGE Lösungen haben, also NICHT z.B. um Aufsätze, Mediationen, Fragen zum Text etc., bei denen man verschiedene Varianten zwecks Besprechung und Kontrastierung braucht. Im Normalfall läuft so ein Verbessern folgendermaßen ab:

Leon links hinten fängt an. Leider nuschelt Leon wie immer, so dass er seine Lösung wiederholen muss. Leider ist seine Lösung falsch, so dass jetzt Leah drankommt. Leah hat zwar die richtige Lösung, spricht aber auch wie immer zu leise, so dass der Lehrer nochmal wiederholen muss. Während jetzt eigentlich Yannik mit Nr. 2 dran ist, meldet sich Emilie und fragt, was jetzt bei 1. hinkommt. Alina und Annika fangen inzwischen links vorne an zu quatschen. Elias meldet sich, fragt aber etwas völlig Unsinniges … Auf diese Art kann man für das Verbessern von läppischen zehn Sätzen problemlos 20 Minuten brauchen. Außerdem sollte man sich nach einer solchen „Verbesserung“ mal ein paar Hefte von schlechteren Schülern ansehen. Da erkennt man dann ganz schnell, dass das Ganze völlig umsonst war und praktisch nichts verbessert wurde.

Ich finde es deutlich effizienter, wenn (zumindest ab und zu) der LEHRER verbessert. Der Hauptvorteil ist natürlich, dass es wesentlich schneller geht. Zum zweiten endet das Sprechen über Fehler oft in völliger Verwirrung. Der Lehrer möchte die Hausaufgabe gerne einsprachig verbessern und muss dazu Begriffe verwenden („For the passive you need the past participle“), die natürlich wieder fast keiner versteht. Also muss er aufs Deutsche ausweichen, „Partizip Perfekt“ versteht aber auch wieder keiner. Also muss er … Wenn ein Schüler sich bei seiner falschen Antwort wirklich mal was überlegt hat oder ausnahmsweise mal wirklich im Lexikon nachgesehen hat, kann er natürlich trotzdem fragen.

Um sicherzustellen, dass sorgfältig mitverbessert wird, muss einer am Ende alles nochmal (fast) fehlerfrei vorlesen. Da rächt es sich dann schnell, wenn man nur schlampig verbessert hat.

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To Be or Not to Parody

  1. Uneinigkeit über die Beurteilung von Aufgaben:
    Ich und die unterrichtenden Schüler nutzen auch häufig schnelle demokratische Rückmeldungen: Daumen hoch oder runter (‚Give the sign‘ oder ‚thumbs up or down‘).
    Das hält alle wacher, lässt besser erkennen wer wach ist, und ermöglicht schnelle eigenständige Klärung, die natürlich auch mal völlig falsch sein kann, wie immer bei demokratischen Entscheidungen ;-).
    Bei Gleichstand gibts offensichtlich Klärungsbedarf, der sonst unterginge.

  2. Zur Beschleunigung lasse ich manchmal einen Schüler eine komplette Aufgabe vorlesen.
    Fehlergründe / Missverständnisse zu besprechen finde ich schon wichtig.
    Wenn halbwegs kompetente Schüler Übungen von anderen Schülern abfragen (auch gern mehrere Teile von jeweils einem einzelnen Schüler)
    flitze ich dabei herum & forsche nach häufigen Fehlern.
    Sollte es Uneinigkeit geben, können ich oder kompetente Schüler gefragt werden.
    Wenn ich mir unsicher bin (z.B. beim Gucken nicht genug mitgehört hab), flitz ich zu kompetenten/korrigierenden Schülern oder den Vorlesern und überprüfe, hake nach.

    Gegen das elende Nichtkorrigieren stupse ich mal an, lobe oder belohne öffentlich, die die es tun, merke mir wers nicht getan hat, lasse die sich melden und weise auf weitere hin, die sich nicht melden, ach die ganze Trickkiste abwechselnd… Aber es nervt, also schimpfe ich auch einfach manchmal!

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