COMENIUS

Über das COMENIUS Projekt habe ich zwar schon des öfteren etwas gelesen, habe aber keine eigenen Erfahrungen damit. Entsprechend interessiert war ich, als mir Marc Timm erzählt hat, dass er sich dort beworben hat. Marc ist StR z.A. (Metalltechnik und Englisch) am Berufsbildungszentrum Schleswig. Hier sein Erfahrungsbericht:

Von einer spontanen Idee zum COMENIUS-Schüleraustausch – ein Erfahrungsbericht eines „Junglehrers”.

An der Uni (Flensburg) hatte ich dank meines damaligen Professors schon rege Erfahrungen mit europäischen (Drittmittel-Forschungs-)Projekten. Damals habe ich quasi meinen „Lebensunterhalt” mit diesen Projekten verdient, denn ich war als „studentische wissenschaftliche Hilfskraft” in einigen Projekten eingespannt.

Aus dieser positiven Erfahrung heraus habe ich Mitte Dezember 2007 die KMK-Webseite nach geeigneten Fördermaßnahmen für unsere Schule durchsucht und bin sehr schnell auf die COMENIUS-Seite gestoßen.

Nach kurzer Recherche entschied ich mich, zusammen mit meinem Kollegen „einfach mal” einen Antrag für einen „vorbereitenden Besuch” zu stellen. Diese vorbereitenden Besuche sollen es den (zukünftigen) Partnern ermöglichen sich näher kennen zu lernen und gemeinsam einen Projektantrag zu formulieren. Problematisch war lediglich der zeitliche Rahmen:

  • Die erste Idee kam uns so um den 15.12.2007.
  • Die (erfolgreiche) „Partnersuche” dauerte bis 18.12.2007 (Internet sei dank!).
  • Der Vorlauf für den vorbereitenden Besuch beträgt in der Regel 4 Wochen.
  • Antrag für den vorbereitenden Besuch ging am 20.12.2007 raus.
  • Der vorbereitende Besuch fand vom 06. bis 10.02.2008 statt.
  • Die Abgabe des Antrages erfolgte am 14.02.2008 (Frist: 15.02.2008).

Ausgehend von der Info über die Möglichkeit eines vorbereitenden Besuches entwickelten wir also sehr schnell eine „grobe” Idee. Es sollte ein Projekt mit einer Schule in England sein, die dasselbe CAD-Programm nutzt wie wir (ProDesktop). Schnell war eine Schule gefunden und ebenso schnell war eine kurze E-Mail geschrieben und die „verrückte” Idee formuliert, dass wir, die der Schule vollkommen unbekannten Germanen im Februar vorbeischauen wollten, um ggf. ein gemeinsames COMENIUS-Projekt zu entwickeln – sofern wir uns denn verstehen würden. Das klingt zwar verrückt, hat aber geklappt!

Da wir uns in dieser Zeit (als eine der beiden ersten Berufsschulen bundesweit) im Umbruch von einer rein staatlichen Berufsschule zum Berufsbildungszentrum befanden – seit 01.01.2008 sind wir Anstalt des Öffentlichen Rechts – war es entsprechend schwer unseren Schulleiter anzutreffen (wir haben ca. 200 Kollegen im Hause). Wir bekamen dennoch einen Termin und hatten sofort die Zustimmung unseres Schulleiters. Gegen Ende Januar hatten wir dann die Zusage über einen Reisekostenzuschuss von ca. 2.500€ für die 5-tägige Reise von zwei Kollegen nach London. Im Stress des Halbjahreswechsels ging die Formulierung unseres Projektantrages dann ein wenig unter. Immerhin hat ein solcher Antrag ca. 30 Seiten. Aber keine Angst, denn das meiste ist in Tabellenform einzutragen.

Am Morgen der Abreise rief mich mein Kollege an und klagte über einen schmerzhaften Bandscheibenvorfall (der Arme!). Da stand ich also als „Neuling” ein halbes Jahr nach dem Ende meines Referendariates vollkommen alleine vor meinem ersten vorbereitenden Besuch und obendrein war der Antrag ja nur halb fertig. Die erste Nacht im Hotel war dementsprechend kurz. Aber ich wollte dem (unbekannten) Partner ja nicht mit „nichts” in der Hand entgegentreten. Am nächsten Tag ging ich müde, aber hoch motiviert in die Schule und bekam eine kleine Rundtour und stieß dabei auf sehr aufgeschlossene Kollegen, die sich sehr schnell für unsere Idee begeistern konnten. Am zweiten Tag haben wir dann einige Stunden an unserem Antrag gearbeitet und die Details festgelegt, so dass wir den Antrag fristgerecht am 14.02.2008 einreichen konnten (wir beim PAD, die Briten beim British Council).

Die Schule in London war in einem recht typisch britisch-chaotischen Zustand, wie ich es aus meiner Zeit als Fremdsprachenassistent kannte, aber dennoch verfügt sie über eine beeindruckende Ausstattung:

  • PC, Projektor und „Live-Bildprojektor” an jedem Lehrerpult (= in jeder Klasse!)
  • „elektronisches Klassenbuch” (Sekretariat ruft bei Fehlzeit sofort die Eltern an)
  • „elektronische Notenpflege” (mit Zugang für Eltern und Schüler von zu Hause)
  • Kooperation mit Industriepartnern (Ford, kommunales Trainingszentrum)
  • CAD-Fachräume (Computer Aided Design)
  • Zugriff auf eine Rapid-Prototyping-Maschine (= ein 3D-Kunststoff-Drucker)

Als Ergebnis meines Besuches in London hatten wir folgende Punkte festgehalten:

  1. Wir stellen einen gemeinsamen Antrag.
  2. Unsere Schüler planen und gestalten (gemeinsam) ein Projekt.
  3. Wir tauschen uns via Internet aus (ggf. Videokonferenzen).
  4. In UK werden Prototypen gebaut und verbessert.
  5. In Deutschland werden die Produkte gefertigt.

Für die Durchführung bedeutet dies, dass die beiden Schülergruppen gemeinsam einen Projektgegenstand planen und entwickeln. Dabei tauschen sie sich via Internet aus und vergeben Teilaufträge an die jeweilige andere Schule. Im Rahmen eines ersten Besuches (März) der deutschen Gruppe wird mit Hilfe der Rapid-Prototyping-Maschine ein erster Prototyp (aus Kunststoff) angefertigt und die Konstruktion schrittweise verbessert, um diese bei dem Gegenbesuch der Briten (Mai / Juni) an unserer Schule in der Metallwerkstatt zu fertigen. Dabei, so die Idee lernen unsere Schüler das Arbeiten in einer multikulturellen und globalen Arbeitswelt kennen und werden so optimal auf die neuen Herausforderungen einer internationalen Arbeitswelt vorbereitet.

Diese Idee hat den Verantwortlichen beim PAD anscheinend gefallen, so dass wir mit insgesamt 42.000€ gefördert werden. Dabei bekommen die Briten aufgrund der höheren Lebenshaltungskosten 22.000€ und wir 20.000€. Dafür – und jetzt kommen die „Spielregeln” – müssen wir jeweils:

  • mind. 24 Mobilitäten (= in etwa „Reisen”) ermöglichen
    (davon mind. 1x für mind. 10 Tage mit mind. 20 SchülerInnen)
  • die Mobilitäten nachweisen (Ticket, Bestätigung durch Partner)

Die erste Rate von 80% bekommen wir nach dem Erhalt der Zuschussvereinbarung durch den PAD (bzw. die Nationale Agentur – NA von COMENIUS), die zweite Rate (20%) erreicht uns dann, wenn Zwischen- und Abschlussbericht beim PAD eingegangen und unsere Zusammenarbeit inhaltlich als ausreichend empfunden wird. Diese letzen 4.000€ müssen wir als Schule entsprechen „vorfinanzieren”. Bei weniger als den vertraglich festgelegten Mobilitäten wird die Fördersumme anteilig um 1/24 (von 20.000€) pro Mobilität gekürzt! Aber wir planen 2x mit der Oberstufe zu reisen, so dass wir mehr als die geforderte Anzahl an Mobilitäten haben werden. Für die Finanzen des Projektes gilt (Zitat aus COMENIUS-Unterlagen):

„Ihr bewilligter Zuschuss wird als Pauschale gewährt, das heißt: Sofern die Partnerschaft inhaltlich zufriedenstellend durchgeführt und die Mindestzahl der Mobilitäten tatsächlich erreicht wurde, wird der volle Zuschussbetrag ausgezahlt – unabhängig davon, ob die Mittel tatsächlich verbraucht wurden oder nicht.”

Als eigenständiges Berufsbildungszentrum haben wir glücklicherweise (!) keine Probleme mit der Verwaltung des Geldes, so dass wir problemlos über die bewilligten Mittel verfügen können. Und im Gegensatz zu normalen Fortbildungen, können wir projektrelevante (Fahrt-)Kosten über das Budget abwickeln. So müssen wir als beteiligte Lehrkräfte nicht (wie sonst immer) auf eigene (!) Kosten zu den regionalen (COMENIUS-) Fortbildungsveranstaltungen fahren (die Teilnahme wird dringend empfohlen / bzw. ist Bedingung!).

Eine weitere Bedingung bei Förderung durch die EU ist die Verwendung des COMENIUS-Logos bei jedweder Veröffentlichung. Dem will ich hiermit entsprechen:

Wer gerne konkrete Tipps möchte, oder einen Blick in unseren Projektantrag werfen möchte, der möge mich bitte unter mtimm(ät)bbzsl.de kontaktieren. Ansonsten hoffe ich, dass ich ein wenig „Mut machen” konnte, auch mal einen Antrag zu stellen – es lohnt sich – vor allem wegen der „leuchtenden Augen”, bzw. der Begeisterung der beteiligten SchülerInnen.

Mit freundlichen Grüßen

MAR C-: TIMM

0 Responses to “COMENIUS”


  • No Comments

Leave a Reply