… drückt – natürlich abgesehen von dem “None of you have any friends” am Ende
– ziemlich genau aus, was ich von Twitter halte. Tut mir leid, nix “produktives Rauschen” und schon gar nicht “Paradigmenwechsel”, sondern größtenteils banales, irrelevantes, unstrukturiertes Rauschen.
Twouble with Twitters (Tipp von Jürgen Wagner)
Sehenswert auch der Nachfolger Celebrity Twitter Overkill.

Kann dein Urteil nicht ganz teilen – es kommt m.E. darauf an, *wie* man Twitter nutzt – als Ideen- und Materialquelle finde ich es ziemlich gut und hilfreich, eventuell entwickelt sich aus dem einen oder anderen Zufallskontakt auch eine Art Onlinefreundschaft; gut tut mir zu merken, dass ich mit einigen Erfahrungen, Einstellungen und Gedanken nicht allein bin. – Just my two pence…
> als Ideen- und Materialquelle finde ich es ziemlich gut und hilfreich
In dieser Hinsicht finde ich Blogs wesentlich ergiebiger. Bei Twitter reicht es ja rein platzmäßig gerade mal zu einem Link und noch einem bisschen längeren Satz. Das ist mir einfach zu wenig.
> nix “produktives Rauschen” …
> größtenteils banales, irrelevantes, unstrukturiertes Rauschen.
banal: oft, ja.
irrelevant: ebenso oft.
unstrukturiert: natürlich, ja.
produktiv: Zum Teil schon, finde ich. Zum Beispiel bekomme ich auf Twitter eher eine schnelle, kurze Reaktion als auf einen Blogeintrag. Die Kommentare zu meinen Blogeinträgen kann ich pro Monat an einer Hand abzählen, zum Teil sogar pro Quartal. Ein Schnellschuss auf Twitter muss offenbar eine wesentlich niedrigere Hemmschwelle überwinden als ein Blog-Kommentar.
“Gerade mal [ein] Link und noch [ein] Satz” – naja, das reicht ja oft für eine Linkempfehlung.
Aber: Was mich an Twitter stört, ist die Menge an Zeit, die das Ding verschlingt. Bei meinem Hang zur Vollständigkeit versuche ich doch, meinen ganzen Stream zu lesen, und wenn man dann noch alle die interessanten Link-Tipps verfolgt, rauscht die Zeit noch schneller dahin. Das ist es, was ich an Twitter problematisch finde, nicht die Irrelevanz.
> naja, das reicht ja oft für eine Linkempfehlung.
Aber weil es so schön schnell hingetwittert wird, machen sich die Leute auch immer weniger Gedanken über die Qualität eines Links. Ich habe jetzt z.B. schon über ein Dutzend Videos darüber gesehen, wie das Web 2.0 unseren ganzen Unterricht und Schule überhaupt revolutionieren wird
Web-2.0-Hurra-Videos: Ja, die sind ganz schön en vogue im Web 2.0
Ich twittere auch kaum. Den Kanal halte ich offen, da die Hemmschwelle niedriger zu sein scheint als bei E-Mail, wenn es um eine Nachricht an mich geht. Aber ich habe wenig zu sagen und bin wenig an Aktualität interessiert, warte also lieber auf ausführlichere Blogeinträge.
- Allerdings kenne ich Leute (also, Frau Rau), die Twitter nutzen, um mit einer relativ kleinen Gruppe von Leuten (<100) in Kontakt zu bleiben, und gelegentlich liest sie mir Schnipsel vor, die ich dann jeweils interessant und witzig finde.
> um mit einer relativ kleinen Gruppe von Leuten (<100) in Kontakt zu bleiben
Solange es darum geht auf dem Laufenden zu bleiben, was jemand anderes so macht, kann ich das gut nachvollziehen. Sobald aber ein “dialogisches” Element dazukommt, finde ich Twitter fürchterlich. Diese “Antworten” finde ich völlig unbrauchbar.
Though I share your criticism – much of what goes on on Twitter is a huge waste of time – I follow teachers interested in a specific area (online tools for teachers) and follow the links they post, which saves me time and effort. I guess, at the end of the day, if I surfed on my own it would probably amount to about the same time …
It’s a lifestyle choice.
…muss mich noch einmal zu Wort melden: die bis hierher vorgebrachten Kritikpunkte sind m.E. von den Leuten abhängig, mit denen man sich durch seine Follow-Entscheidung verbindet oder eben auch nicht. Meine erste Twitter-Erkenntnis war, dass eine hohe Follower-Zahl der Qualität der Kurzbeiträge eher abträglich ist. Ich suche Leute mit ähnlichen Interessen und Beschäftigungen und profitiere häufig sehr von dem, was sie für mitteilenswert halten. Es geht – wie bei vielen Web2.0-Angeboten – also nicht mehr nur um gehaltvolle Inhalte, sondern um den Aufbau von Netzwerken, das Verbinden ähnlich tickender Neuronen (ohje, Jean-Pol hätte seine wahre Freude, wenn er das liest).
Es kann ab einer gewissen Netzwerkgröße auch nicht mehr darum gehen “auf dem Laufenden zu bleiben”, denn dann wird aus dem Pausen- ein eher arbeitsreiches und stressiges Unterfangen. Irgendwo habe ich gelesen, dass Twittern so ist wie den Kopf in den Bach zu halten: punktuell, ohne Anspruch, alles mitzubekommen. Das reicht doch auch aus, wenn es um npiration oder einfach nur um Interesse an dem professionellen Tun Anderer geht (die Twitter, denen ich followe, kommen meist ohne Banalitäten wie “ich geh jetzt schlafen/schaffen/Sport machen/Tatot schauen” oder dergleichen aus). Die Leute, von denen ich nichts verpassen will, kann ich per Tweetdeck oder anderen Clients in eine Extra-Gruppe verpacken, in der dann nur deren Beiträge erscheinen und sehr viel länger gelistet bleiben.
Natürlich ist ein Blogbeitrag informativer als ein 140-Zeichen-Beitrag, aber irgendwann verpatzt einem auch die Menge an Feedreader-Einträgen die Freude am Durchforsten. Twitter-Links aus meinem Netzwerk haben eine sehr viel höhere Qualitätsdichte als die in meinem Feedreader. Insofern ist Twitter m.E. kein Blog-Ersatz, sondern eine Art Tor zu bemerkenswerten Blogbeiträgen. 140 Zeichen sind m.E. durchaus genug für den Link und einen ganz kurzen Kommentar, was an der verlinkten Seite interessant ist. – Deswegen habe ich meine Google-Reader-Favoriten (das sind Dinge, die mich interessieren, also zu meinem Twitter-Profil passen, die ich mir aber nur als Asides in’s Blog stellen mag, das ich eher als eine Art Nachschlagekartei nutze) per Feed in mein Twitter-Konto eingebunden.
Dialogisch taugt Twitter in der Tat nur für das Notwendigste – aber dafür gibt es ja dann Mail, ICQ&Co. oder Kommentarbereiche in interessanten Blogs (die ich noch nie so stark genutzt habe wie in den letzten acht Wochen) – und all das zum Glück auch bald in einem Paket: Google Wave…
Also noch einmal: Twitter’s what YOU make it… just like so many things in life!
just in: http://www.time.com/time/business/article/0,8599,1902604-1,00.html