Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

All’s Well That Is Spoken – in English

Vor kurzem ging es bei EnPaed darum, wie man Schüler/innen dazu bringen kann im Unterricht Englisch zu sprechen. Dazu ein Gastbeitrag von Wolfgang Alkewitz.

Die Frage, wie man Schüler/innen im Englischunterricht dazu bringt, englisch – und nicht die vertraute Muttersprache – zu sprechen ist ein Dauerbrenner unter Englischlehrenden.

Die Beantwortung der Frage ist von didaktischen Moden und spezifischen Lehrerfahrungen (incl. Persönlichkeitstyp, Schulform etc.)  gefärbt, deshalb findet man zahlreiche, unterschiedliche Antworten darauf.

Die Sprachlehr’puristen‘ sagen: Bloß kein Deutsch im Englischunterricht!

Die ‚deutschsympathisch‘ Orientierten sagen: Die Verwendung der deutschen Sprache ist sogar erwünscht, weil sie das Verstehen der Unterschiede bzw. Übereinstimmungen beider Sprachen verdeutlicht (vgl. dazu „Muttersprache als Sprachmutter„).

Die Pragmatiker sagen: So wenig deutsch wie möglich, so viel englisch wie möglich – wobei hier im Laufe der Lernjahre eine Entwicklung hin zum Englischen erwünscht ist; dies mag man als „aufgeklärte Einsprachigkeit“ des Englischunterricht bezeichnen.

Die Resignierten sagen: In der Schule lernt man sowieso keine Fremdsprache richtig, ich spreche deutsch, sollen die Schüler doch auch deutsch sprechen. Ich habe schon manch eine Klasse eines solchen Kollegen übernommen, es gibt sie also wirklich…

Wie auch immer, wenn man nicht gerade resigniert hat, findet es vermutlich niemand unter uns hilfreich, wenn Schüler/innen deutsch und nichts als deutsch (oder türkisch oder …) im Englischunterricht sprechen. Also müssen wir uns etwas einfallen lassen und in die pädagogische Trickkiste greifen – wobei es keinen Trick gibt, der immer und überall wirkt. Aber: ”Little strokes fell big oaks.“

Hier spontan ein paar Tricks:

Ich spreche im Englischunterricht selber vorzugsweise englisch – je höher, desto mehr, wobei gerade schulorganisatorische Dinge ruhig auf deutsch ablaufen sollten (finde ich). Die deutsche Sprache (außerhalb der eigentlichen ‚Lehr-/Lernsphasen‘) erleichtert (ermöglicht?) es einem, die Lehrer-Schüler-Beziehung emotional (und hoffentlich positiv) zu färben. Sonst bleibt man als Lehrer als Spezialist seines Faches emotional weit weg von den Schüler/innen (selbst im LK).

Wenn möglich, staffiere ich den Klassenraum mit englischsprachigen Postern (maps, phonemic charts etc.) und Unterrichtsergebnissen aus und schaffe so eine kleine ‚englische Umgebung’.

In den unteren Jahrgängen hänge ich ein sichtbares Signal auf (z.B. die britische / amerikanische Flagge / oder auch eine Figur aus dem Englischbuch (die es manchmal in Kuschelform gibt): wenn sie da ist, reden wir *nur* englisch – und mit Händen und Füßen.

Partner- und Gruppenarbeitsphasen halte ich in Anfangsphasen immer recht kurz – bei entsprechenden Aufgaben natürlich. Anregungen dafür finden sich etwa in dem Kapitel über „Zehn Prototypen fremdsprachlichen Übens“ aus einem Standardwerk (nicht nur) für Referendare: Johannes – P. Timms (Hrsg.) Englisch lernen und lehren. S. 337-41, eine Zusammenfassung findet sich auch in der Enpaed files section.

Wenn Schüler/innen in Partner- oder gar Gruppenphasen deutsch sprechen, verzweifle ich nicht, sondern werte meine Beobachtungen pädagogisch aus. Sie können etwa darauf hinweisen, dass die Schüler/innen sich nicht trauen oder auch, dass sie sich inhaltlich-thematisch sehr engagieren (oder auch keinen Bock haben).

Ich ermuntere meine Schüler/innen insb. vor, manchmal auch während solcher Phasen dazu, englisch zu sprechen. Dazu schreibe ich Sätze wie „Practise your English“ an die Tafel; oder lege auch schonmal Folien auf mit entsprechenden (meist witzigen) Schildern aus dem ‚richtigen Leben‘ (=> “Speak English“ googlen!); weise sie auf die Logik des Lernens: wenn ich etwas (eine Sportart, ein Musikinstrument, eine Sprache) können will, muss ich mich auch darin – und nicht woanders – üben.

Ich fördere die language learning awareness: Die Schüler/innen zeichnen sich am Anfang des Schuljahrs eine Figur (Quadrat, Pyramide, Schnecke, …) von z.B. 100 Feldern. Am Ende jeder Unterrichtsstunde schraffieren sie pro gesprochener *ein* Feld, bis die Figur voll ist. Man kann diese Seite(n) mit Namen in der Klasse aushängen (muss es aber nicht), und der Schüler zeichnet eine andere Figur. (Die Zahl 100 ist recht hoch und wird im Frontalunterricht nicht erreicht werden; die Durchschnittssprechzeit pro 45-Minuten-Unterrichtsstunde beträgt laut DESI pro Schüler/in 11 Sekunden.)

Ich lobe Schüler/innen, wenn sie gute Ergebnisse in der englischen Sprache hervorgebracht haben (vgl.  „How to Praise Your Students„). In den unteren Klassen sind “award stickers“ der Renner, die es in jedem englischen Schreibwarenladen oder natürlich auch online zu kaufen gibt. Auch möglich: Selber Smileys ins Schüler/innen-Heft malen.

Ich versorge sie mit spezifischem Wortschatz (z.B. ‚How to take part in discussions‘, ‘Classroom Phrases’), welchen sie zu lernen  -und zu verwenden – haben. Dazu gehört auch, dass ich in solchen Phasen umhergehe (‚monitoring‘) und Lexik- und Grammatikitems notiere, die nicht gewusst bzw. falsch angewandt werden; in späteren ‚language study‘ – Phasen wird dies gezielt ’nach’behandelt.

Ich sanktioniere den Gebrauch der deutschen Sprache und verteile Aufgaben für Deutschsprechende. (Das mache ich aber selten…)

Ich verwende vorzugsweise Aufgabenformate, die die Schüler dazu (zwingen) verleiten, (möglichst viel) Englisch zu sprechen.

Beispiel: Sie müssen nicht nur ein Ergebnis partner- bzw. gruppenweise erarbeiten, sondern auch die Präsentation desselben. In der Plenumsphase würfle ich dann evtl. eine/n (oder mehrere) aus, der/die das Gruppenergebnis vorträgt / vortragen, so dass jede/r damit rechnen muss dranzukommen und ein egostisches Interesse daran hat, die Präsentation auch zu können. Überhaupt lasse ich Schüler/innen, insbesondere in höheren Klassen, des öfteren (auf Englisch naturalment) präsentieren.

Beispiel: Die Schüler/innen lesen sich (in unteren Klassen) einen Text mit der Technik „read and look up“ vor (wie ein Nachrichtensprecher).

Beispiel: Ein Sch.‘ liest dem anderen einen Textabschnitt vor, der Zuhörer muss den Textabschnitt in eigenen Worten zusammenfassen usw.

Es gibt noch unzählige Beispiele, insbesondere aus dem ‚kooperativen Lernen‚ und dem ‚task-based learning‚.

Es empfiehlt sich Gelassenheit: laut DESI-Studie beträgt der Sprechanteil von Schüler/innen im normalen Unterricht eh nur (durchschnittlich) etwa 12 Sekunden pro Unterrichtsstunde (gerechnet auf eine Klassen von 30 Schüler/innen). Wenn sie also in Partner- oder Gruppensituationen mehr als 12 Sekunden englisch sprechen, dann liegt das bereits über dem deutschlandweiten Durchschnitt.

Last but not least: Es soll Schüler/innen geben, für die das Erlernen der englischen Sprache nicht die oberste Priorität in ihrem Leben darstellt. Seien wir nett – auch zu ihnen.

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  1. Sibylle Hunziker

    Bei mir hat sich Folgendes gut bewährt. Wenn das Plüschtier (bei mir der Gruffalo) auf meinem Pult ist (eigentlich immer…) , wird in Paararbeit nur Englisch gesprochen. Höre ich Deutsch, wandert der Gruffalo zum betreffenden Schüler und bleibt dort solange, bis anderswo Deutsch gesprochen wird oder die Lektion um ist. In der nächsten Lektion muss der Schüler einen Kuchen bringen. Dies funktioniert prima.

  2. Claudia Boerger

    Vielen Dank, Wolfgang, fuer die vielen Anregungen.

    Ich moechte noch hinzufuegen, dass ich zur Sprechaktivierung gerne mit warm up Uebungen arbeite (Beispiele und Begruendung gibts hier: http://www.jochenenglish.de/?p=2406).
    Dabei hat es sich zusaetzlich als hilfreich erwiesen, wenn man oft Zufallspaare und-gruppen bildet, da es dabei keine geheimen Absprachen zwischen „alten Seilschaften“ gibt, NICHT englisch zu sprechen.

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