Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Völkerball

… las­se ich immer wie­der ger­ne (auch mit höhe­ren Klas­sen) spie­len. Alle sind in Bewe­gung, kei­ner sitzt rum – ide­al, wenn man nur noch wenig Zeit hat und es sich nicht mehr lohnt bei einer 30+x Klas­se mit „nor­ma­len“ FB, HB oder BB Spie­len anzu­fan­gen.

Zu Völ­ker­ball gibt es vie­le Varia­tio­nen, aller­dings haben vie­le die­se Varia­tio­nen bzw Zusatz­auf­ga­ben die Ten­denz das Spiel zu ver­lang­sa­men bzw. teil­wei­se ganz zu unter­bre­chen.  Ich möch­te ein mög­lichst schnel­les Spiel mit viel Äkschn und mög­lichst weni­gen Unter­bre­chun­gen haben, des­we­gen haben ich ganz ein­fa­che Regeln:

Wir spie­len nach Punk­ten und ohne Abwer­fen, in dem Sinn, dass ein „abge­wor­fe­ner“ Spie­ler das Feld ver­las­sen muss oder sich von außen wie­der „rein­wer­fen“ muss. Bei mir gibt es ledig­lich einen „Hin­ter­mann“, außer ihm steht „hin­ten“ nie­mand rum.  Wenn ein Spie­ler getrof­fen wur­de, bekommt die geg­ne­ri­sche Mann­schaft einen Punkt (ein Spiel geht bis 10 Punk­te), bleibt aber auf dem Spiel­feld und spielt ganz nor­mal wei­ter mit.

Das Wie­der­rein­wer­fen klappt ja nur bei guten Schü­lern, schlech­te „ver­hun­gern“ drau­ßen, bekom­men kei­nen Ball, haben irgend­wann ver­ständ­li­cher­wei­se kei­ne Lust mehr und set­zen sich hin. Wenn der Leh­rer ihnen das ver­bie­tet und sie auf­for­dert wei­ter „mit­zu­spie­len“ ist das ein­fach Quatsch. Sie wür­den ja ger­ne, bekom­men aber kei­nen Ball. Das Ver­hal­ten der rest­li­chen Mann­schaft ist aber genau­so ver­ständ­lich. War­um soll ich einer Pfei­fe, die nicht fan­gen kann, den Ball zuspie­len? Selbst wenn so ein schwa­cher Schü­ler mal aus­nahms­wei­se den Ball fängt, ist der fol­gen­de Wurf meis­tens so jäm­mer­lich, dass der Geg­ner den Ball gleich wie­der hat. Typi­scher­wei­se unter­bricht der Leh­rer an die­ser Stel­le das Spiel und hält eine Moral­pre­digt: „Seid doch nicht so gemein und gebt XY doch auch mal den Ball.“ Damit macht er für XY alles noch schlim­mer, denn mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit wird er den nächs­ten Ball auch wie­der ver­sem­meln. Außer­dem wird sich XY nach dem Spiel in der Umklei­de (wenn der Leh­rer außer Hör­wei­te ist) auch noch den Spott der Mit­schü­ler anhö­ren müs­sen, was für ein Voll­pfos­ten er doch sei, wenn sogar schon der Leh­rer …

Auf der ande­ren Sei­te ist das Abge­wor­fen­wer­den natür­lich auch der idea­le Vor­wand für lah­mar­schi­ge moto­risch her­aus­ge­for­der­te Schü­ler sich nicht mehr bewe­gen zu müs­sen.  Gleich am Anfang des Spie­les blöd in der Mit­te rum­ste­hen, schon hat man für den Rest des Spie­les sei­ne Ruhe und kann sich drau­ßen aus­ru­hen.  Bei mei­nen Regeln muss er wei­ter­spie­len und bekommt von sei­nen Mit­spie­lern zu Recht einen Anpfiff, dass er sich gefäl­ligst mehr anstren­gen soll.

Um den Ball zu „laden“, muss er ein­mal der Län­ge nach über das geg­ne­ri­sche Spiel­feld flie­gen, dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob der Geg­ner den Ball noch berührt oder nicht. Die Grö­ße des Spiel­fel­des rich­tet sich nach den vor­han­de­nen Lini­en, meis­tens las­se ich auf das Vol­ley­ball­feld spie­len. Wer es spä­tes­tens beim zwei­ten Ver­such nicht schafft weit und hoch genug zu wer­fen, der muss den Ball in Zukunft halt lei­der einem Mit­spie­ler geben – tja, das Leben ist kein Pony­hof.

Sport­kol­le­gin­nen kla­gen ja häu­fig dar­über, dass die Mäd­chen nicht wer­fen kön­nen, las­sen aber auf der ande­ren Sei­te Völ­ker­ball mit m.E. lächer­li­chen Regeln spie­len. Da darf dann „über Eck“ gela­den wer­den oder – noch läp­pi­scher – ein­fach einem Mit­spie­ler zuge­wor­fen wer­den um den Ball „scharf“ zu machen. Wozu sol­len Mäd­chen rich­tig wer­fen ler­nen / üben, wenn es doch auch anders geht? Bei mir bekommt sofort der Geg­ner den Ball, wenn nicht rich­tig gewor­fen wird, also kein seit­li­cher Schleu­der­wurf, kei­ne beid­hän­di­gen Wür­fe (außer um einem in der Nähe ste­hen­den Mit­spie­ler den Ball zuzu­spie­len) und immer das rich­ti­ge Bein vor­ne. Am Anfang fin­den vor allem die Mäd­chen die­se Regeln natür­lich gaaa­anz gemein, nach kür­zes­ter Zeit aber ist (zumin­dest bei eini­gen) der Ehr­geiz geweckt, ihre Tech­nik ver­bes­sert sich und irgend­wann kom­men sie dann auch über das gege­neri­sche Feld.

Abge­wor­fen wer­den darf nur unter­halb der Schul­ter, das gilt aller­dings nur, wenn der Spie­ler steht. Wenn er sich duckt, hat er Pech gehabt. Trotz­dem darf natür­lich nicht absicht­lich auf den Kopf gewor­fen wer­den. Damit es nicht (so) weh tut, spie­len wir mit einem wei­chen Soft­ball.

Wenn ein Geg­ner ver­sucht einen Spie­ler abzu­wer­fen, muss er sel­ber den Ball fan­gen. Wenn ihm das nicht gelingt und ein Mit­spie­ler fängt den Ball ist er trotz­dem „ab“, d.h. die geg­ne­ri­sche Mann­schaft bekommt einen Punkt.

Wenn ein gela­de­ner Ball meh­re­re Spie­ler trifft, ist immer nur der ers­te „ab“.

Nach jeder Spiel­un­ter­bre­chung muss der Ball neu gela­den wer­den.

Natür­lich mache ich auch Noten. Völ­ker­ball gut zu spie­len heißt u.A.:

  • Min­des­tens zwei Spie­ler ver­su­chen „vor­ne“ (an der Mit­tel­li­nie) den geg­ne­ri­schen Spie­ler zu stö­ren und den Ball abzu­fan­gen (Arme dabei nur senk­recht nach oben, nicht in den geg­ne­ri­sch­nen Luft­raum ein­drin­gen).
  • Min­des­tens zwei Spie­ler ver­su­chen „hin­ten“ (an der Grund­li­nie) den geg­ne­ri­schen Ball abzu­fan­gen. Wenn ihnen das nicht gelingt, müs­sen sie mög­lichst schnell weg­lau­fen.
  • ALLE Spie­ler müs­sen ver­su­chen einen nicht mehr schar­fen Ball (Spie­ler wur­de abge­wor­fen oder Ball hat den Boden berührt) zu erwi­schen. Hier kön­nen / müs­sen sich auch die Schü­ler enga­gie­ren, die zum Wer­fen bzw. Abfan­gen zu schlecht bzw. klein sind. Wenn Fritz­chen Faul also wie­der­holt see­len­ru­hig zuschaut, wie der Ball an ihm vor­bei zum Geg­ner rollt, bekommt er eine ent­spre­chend schlech­te Note.
  • Alles soll natür­lich SCHNELL gehen, damit Leben in die Bude kommt. Also laden, fan­gen und – zack – sofort ver­su­chen abzu­wer­fen. Nicht lan­ge rum­ma­chen und z.B. erst zu einem Mit­spie­ler spie­len. Auch wenn ein Spie­ler einen gela­de­nen Ball gefan­gen hat, soll er sei­ner­seits gleich wie­der ver­su­chen abzu­wer­fen. Speed is the spi­ce of this game!

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  1. Oh, da will ich gleich mal wie­der Völ­ker­ball spie­len. Wir haben in unse­rer Stra­ße gan­ze Som­mer damit ver­spielt, auch, weil noch nicht jeder ein Zweit­au­to besaß und die Stra­ße zupark­te. Krei­de und ein Ball und ein paar Kin­der. Im Sport­un­ter­richt wur­de es mei­nes Wis­sens nie gespielt.

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