Quo vadis, Abitur?

Abgesehen von einer neuen Schulordnung bekommen wir gymnasialen Bajuwaren demnächst auch eine neue Oberstufe.

Noch wenig Konkretes habe ich bislang über die eigentliche Abiturprüfung in den Fremdsprachen bzw. genauer geschrieben in Englisch gehört. Wie könnte die aussehen bzw. wie sollte sie NICHT aussehen? Gehen wir mal davon aus, dass es auch in Zukunft eine rein schriftliche Prüfung ist, also z.B. ohne listening comprehension (wie in Thüringen).

Der größte VORTEIL des bisherigen bayerischen Abiturs ist m.E., dass es eine völlig „isolierte“ Prüfung ist, die keinerlei Hintergrundwissen verlangt. Das ist zum einen sehr schülerfreundlich und zum zweiten gewährt es dem Lehrer eine erfreulich große Freiheit bei der Gestaltung seines Unterrichts und bei der Auswahl von Lektüre. Hoffentlich werden wir nicht (wie z.B. in NRW) vor einen Kanon-Karren gespannt und gezwungen z.B. durch Brave New World und andere Klassiker zu galoppieren.

Ebenso hoffe ich, dass uns unser bewährtes 5/5 (bwz. 4/6) Punkte Bewertungsschema erhalten bleibt und wir nicht in Zukunft irgendwelche komischen Quotienten aus Wortzahl dividiert durch die Fehler multipliziert mit dem Stimmungskoeffizienten des Korrektors geteilt durch die Anzahl der Teilzeitlehrer bilden müssen.

Der größte NACHTEIL des bisherigen Abiturs ist, wie an anderer Stelle beschrieben, der mit 25% m.E. viel zu hohe Stellenwert der englisch-deutschen translation.

Ein zweiter Punkt, der hoffentlich irgendwann mal geändert wird, ist der UMFANG des composition. Die „Wertigkeit“ des Aufsatzes ist mit 25% in Ordnung, aber „about 150 to 200 words“ für den gk bzw. „about 250 to 300 words“ für den LK finde ich einfach nur lachhaft. Schon in der 9. Klasse müssen meine Schüler Geschichten bzw. Aufsätze von MINDESTENS 250 Wörtern schreiben. In 170 Wörtern kann man (zumindest nach meinen Kriterien) keinen vernünftigen Aufsatz schreiben. Da bekommt man dann als „Einleitung“: „In the following I’m going to …“, der Hauptteil besteht aus drei kurzen Absätzen, in denen einfach irgendwas behauptet wird und am Ende heißt es dann: „As I have already said before …“. Ich würde die Mindestwortzahl für den gk auf „about 350 to 400“ und für den LK auf „about 450 to 500 words“ anheben.

2 Responses to “Quo vadis, Abitur?”


  • Zustimmung! Wenn man bedenkt, dass eine Erörterung im Fach Deutsch in der 11. Klasse kaum unter 4 Seiten zu machen ist, im gk E aber dann gerade mal eine halbe Seite verlangt wird, auf der man kein Argument wirklich entfalten kann (Behauptung-Begründung-Beleg/Beweis-evtl. Einschränkung-Rückbezug), kommt dies schon sehr nahe an einen SMS-Stil…
    Andererseits müsste dann aber der Korrekturfreundlichkeit zuliebe an anderer Stelle gekürzt werden.

    • > Andererseits müsste dann aber der Korrekturfreundlichkeit zuliebe an anderer Stelle gekürzt werden.

      Am besten bei der Translation ;-) Da sitzt man ja ewig. Ein sprach-praktischer Teil mit EINER richtigen Lösung lässt sich viel flotter korrigieren.

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