Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

In the beginning

Wie soll man anfan­gen, wenn man einen neu­en Ober­stu­fen­kurs bekommt? Soll man gleich mit dem Buch anfan­gen und falls ja, mit wel­chem The­ma bzw. Kapi­tel? Ein­fach mit dem ers­ten? Oder mit dem, das einen sel­ber am meis­ten inter­es­siert? Oder doch lie­ber die Schü­ler fra­gen? Aber da bekommt man dann sicher wie­der ganz ver­schie­de­ne Ant­wor­ten … Im Fol­gen­den beschrei­be ich, wie ich bei einem neu­en Kurs anfan­ge.

Zur Erin­ne­rung, ich schrei­be aus einer BAYERISCHEN Per­spek­ti­ve und da haben wir in der Ober­stu­fe erfreu­li­cher­wei­se eine recht gro­ße Frei­heit in der Wahl der The­men. Eini­ge Bun­des­län­der haben lei­der der­art enge Vor­ga­ben, dass das Fol­gen­de wahr­schein­lich nicht mög­lich ist.

Als Ers­tes mache ich Pho­tos von mei­nen Schü­lern, damit ich in der 2. Stun­de bereits alle Namen kann.

Danach kom­men die übli­chen Fra­gen: Gibt es jemand ohne PC bzw. Mail? Wer war schon mal län­ger im eng­lisch­spra­chi­gen Aus­land? Gibt es nati­ve speaker? usw.

Danach bespre­chen wir mei­ne Home­work-Regeln (doc), mein MO Sys­tem und wie Schü­ler MOs gewin­nen kön­nen.

Als „eta­blier­ter“ Leh­rer kann ich es mir erlau­ben, mei­ne eige­nen Regeln für Haus­auf­ga­ben fest­zu­le­gen. Wenn du in einer Schu­le neu anfängst bzw. als Refe­ren­dar neu an eine Schu­le kommst, musst du dich natür­lich erst mal erkun­di­gen, wie Haus­auf­ga­ben in der Ober­stu­fe gehand­habt wer­den. Wenn es (wie meis­tens) eher locker zugeht („Die Schü­ler sind doch alt genug und sol­len eigen­ver­ant­wort­lich …“), dann musst du das ein­fach akzep­tie­ren. Es hat KEINEN Sinn, da plötz­lich mit ganz ande­ren Regeln daher­zu­kom­men. Den Kampf gegen Schü­ler, Eltern, Kol­le­gen und ggf. Schul­lei­tung wirst du in jedem Fall ver­lie­ren

Danach erläu­te­re ich mei­ne Cri­te­ria for Oral Gra­des (doc) und erklä­re, wie bei mir Rechen­schafts­ab­la­gen (= münd­li­ches Aus­fra­gen) funk­tio­nie­ren und vor allem WARUM ich das so mache. Außer­dem erfah­ren die Schü­ler ziem­lich bald wie bei mir Steg­reif­auf­ga­ben aus­se­hen und was sie machen müs­sen.

Bevor wir mit dem ers­ten The­ma anfan­gen, behan­de­le ich immer erst­mal das aktu­el­le Abitur und zwar den nicht-fik­tio­na­len Text (also die „Auf­ga­be I“). Auf die­se Art gebe ich von Anfang eine Art „Ziel­vor­ga­be“ und ver­deut­li­che, wor­auf wir hin­ar­bei­ten.

Im Gegen­satz zu ande­ren Bun­des­län­dern besteht das baye­ri­sche schrift­li­che Abitur aus vier Tei­len, die auch in nor­ma­len Klau­su­ren stän­dig vor­kom­men: Hör­ver­ste­hen, Fra­gen zu einem Text, Auf­satz und Media­ti­on.

Anhand der Abitur-Auf­ga­be füh­re ich zunächst in die Arbeits­tech­ni­ken zu Ques­ti­ons on the Text (doc) ein, Schwer­punkt ist dabei das kor­rek­te Bele­gen und Zitie­ren.

Noch wäh­rend wir mit dem Abitur beschäf­tigt sind, bekom­men die Schü­ler die Haus­auf­ga­be in ihrem Buch her­um­zu­blät­tern und eine „Hit­pa­ra­de“ ihrer Lieb­lings­the­men auf­zu­stel­len. Dabei sol­len sie sich nicht nur die Kapi­tel­über­schrif­ten anse­hen, son­dern auch ein­zel­ne Tex­te „anle­sen“. Con­text 21 (Bay­ern Aus­ga­be) hat z.B. 12 Kapi­tel bzw. The­men, also bekom­me ich von jedem Schü­ler sei­ne C21 Charts (auf einem Zet­tel) eine Lis­te der zwölf Kapi­tel und dahin­ter sei­ne per­sön­li­che Note von 1–6 (alter­na­tiv Punk­te von 1–10). Die­se Lis­ten wer­te ich aus und bekom­me schon mal einen Ein­druck, was zumin­dest den Groß­teil mei­nes Kur­ses inter­es­sie­ren könn­te.

Viel ele­gan­ter kann man die­se Umfra­ge natür­lich mit einem Goog­le Forms For­mu­lar machen, hier ein Bei­spiel für New Con­text. Dank des Text­fel­des habe ich einen Über­blick, wer bereits das For­mu­lar aus­ge­füllt hat.

Nach der Aus­wer­tung glei­che ich die Inter­es­sen mei­ner Schü­ler mit mei­nen eige­nen ab. Bekannt­lich kann man nur das gut unter­rich­ten, wozu man sel­ber einen Bezug hat. Selbst wenn sich also theo­re­tisch eine Mehr­heit der Schü­ler für „Empi­re and Com­mon­wealth“ inter­es­sie­ren wür­de, wür­de ich damit sicher nicht anfan­gen, denn die­ses The­ma fin­de ich sel­ber nicht sooo fürch­ter­lich span­nend. Wenn wir den „Ques­ti­ons on the Text“ Teil des Abiturs abge­schlos­sen haben (Com­po­si­ti­on und Media­ti­on kom­men spä­ter dran), geht’s mit dem ers­ten The­ma los.

Bis zur ers­ten Klau­sur (meis­tens in der Woche vor den Herbst­fe­ri­en) habe ich also meis­tens nur wenig „Stoff“ durch­ge­nom­men. Aus die­sem Grund ist die Schul­auf­ga­be oft über ein belie­bi­ges The­ma, ent­schei­dend ist, dass die Schü­ler zei­gen, dass sie die erwor­be­nen Arbeits­tech­ni­ken anwen­den kön­nen.

Anspie­lung im Titel …

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  1. Kiki

    Lie­ber Jochen,

    herz­li­chen Dank, dass du dei­ne Erfah­run­gen teilst!! Ich bekom­me im Som­mer ver­mut­lich auch mei­nen ers­ten Kurs und kann dei­ne Infos daher sehr gut gebrau­chen, beson­ders da du auch dei­ne Han­douts auf der Sei­te ver­linkt hast!
    Vie­le lie­be Grü­ße aus BW

    Kiki

  2. > Beim dies­jäh­ri­gen LK habe ich den Lehr­plan als Kopie (1 Dop­pel­sei­te) mit­ge­bracht, wir haben ihn durch­ge­le­sen, um her­aus­zu­fin­den, was uns erwar­tet.

    Eine Varia­ti­on wäre die ent­spre­chen­de Beschrei­bung des CEF für die Stu­fe C2 mit­zu­brin­gen und sich die­se Beschrei­bun­gen anzu­se­hen und zu erläu­tern.

  3. Tanja

    Hal­lo Jochen,
    der Anfang mit dem letzt­jäh­ri­gen Abitur ist wirk­lich eine tol­le Sache. Beim dies­jäh­ri­gen LK habe ich den Lehr­plan als Kopie (1 Dop­pel­sei­te) mit­ge­bracht, wir haben ihn durch­ge­le­sen, um her­aus­zu­fin­den, was uns erwar­tet. Ich habe mir von den Kids erklä­ren las­sen, was da so steht und in klei­ne Grup­pen haben sie die­se „Über­be­grif­fe“ mit Inhal­ten gefüllt und ein Ran­king für ihre 2 Jah­re erstellt.
    Hört sich tro­cke­ner an, als es ist und war wirk­lich ein Erfolg.
    Im Ver­lauf des Kur­ses kann man dann immer­mal auf den LP zurück­kom­men und sagen: schaut mal, was wir schon alles geschafft haben.….

  4. Katja

    dan­ke und immer wie­der dan­ke für dei­ne tipps, ich find sie echt nütz­lich.. aller­dings bin ich wahr­schein­lich durch mei­ne erkäl­tung doch völ­lig blind auf der optik… ich suche die­se „cri­te­ria for oral gra­des“ auf die­ser sei­te und find sie nicht ;( kannst du mir noch nen genaue­ren tipp geben?!

    vie­len dank 🙂

    ansons­ten muss­te ich mit mei­nem gk die­ses jahr auch eine ken­nen­lern­run­de machen.. part­ner­in­ter­view ging ganz gut… da ich weder die schü­ler noch die schu­le bzw. auch wie das in der schu­le gehand­habt wird kann­te… *frisch­ling* halt… 🙂

  5. Stefanie

    Hal­lo Jochen,
    ich war im letz­ten Sep­tem­ber genau in die­ser Situa­ti­on: mein ers­ter GK. Der von dir vor­ge­schla­ge­ne Anfang wäre nicht mög­lich gewe­sen, da ich mich in ALLES erst hin­ein­ar­bei­ten muss(te). Ein Ein­stieg über die Arbeits­tech­ni­ken „vor allem zu „Ques­ti­ons on the Text“ und „Com­po­si­ti­on“ (ein­schließ­lich der dazu­ge­hö­ri­gen Han­douts)“ ging schon des­halb nicht, weil ich der­ar­ti­ge Han­dout noch nicht besaß/besitze…
    Auch „Home­work-Regeln“ und „Cri­te­ria for Oral Gra­des“ wol­len erst ein­mal erar­bei­tet und erprobt sein 🙁 Eben­so wäre eine „Ziel­vor­ga­be“ sinn­los gewe­sen, da von den Schü­lern in die­sem Kurs sicher nie­mand das schrift­li­che Abitur able­gen wird. So?
    Ich bin dann dem Rat einer Kol­le­gin, die den ande­ren GK hat­te, gefolgt, und habe nach kur­zer orga­ni­sa­to­ri­scher Ein­füh­rung mit dem The­ma „Edu­ca­ti­on“ ange­fan­gen, es wäre den Schü­lern nah und sie könn­ten dazu was sagen… Naja, wirk­lich zufrie­den war ich nicht, wie ich es auch mit dem inw­zi­schen fast bewäl­tig­ten Schul­jahr nicht bin 🙁
    Ich trös­te mich vor­erst mit der Äuße­rung meh­re­rer Koll­gen­In­nen, dass man erst dann wirk­lich Durch­blick hat, wenn man einen Kurs ein­mal bis zum Ende geführt hat 😉

    Mei­ne Fra­ge and Dich / Alle: was ist mit den berühm­ten „Ken­nen­lern-Sprach­spie­len“ zu Beginn eines Kur­ses? Sinn­voll oder nicht? Wel­che Form hat sich bewährt, d.h. brach­te sowohl Auf­lo­cke­rung und Spaß als auch sprach­li­chen und inhalt­li­chen Gewinn?

    Grü­ße aus Dres­den, Ste­fa­nie

    • > weil ich der­ar­ti­ge Han­dout noch nicht besaß/besitze…

      Guckst du auf mei­ner Sei­te Unter­richt.

      > mit dem The­ma “Edu­ca­ti­on” ange­fan­gen, es wäre den Schü­lern nah und sie könn­ten dazu was sagen…

      Auf­grund der­sel­ben Über­le­gung könn­te man bei „Images and Per­spec­tives“ auch ein­fach mit dem ers­ten Kapi­tel „Teena­ge Values and Aspi­ra­ti­ons“ anfan­gen. Die Gefahr mit die­sen The­men ist halt, dass sie oft/meistens schon so abge­nu­delt sind, dass die Schü­ler ver­ständ­li­cher­wei­se kei­nen Bock mehr haben dazu irgend­was zu sagen.

      > was ist mit den berühm­ten “Ken­nen­lern-Sprach­spie­len” zu Beginn eines Kur­ses?

      Das hängt m.E. in ers­ter Linie von der Zusam­men­set­zung des Kur­ses ab. Bei star­kem Mäd­chen­an­teil könn­te ich mir vor­stel­len, dass sowas funk­tio­niert, die Jun­gen fin­den es wohl eher doof. Ich sel­ber weiß noch genau, dass ich als Ober­stu­fen­schü­ler sol­che Mätz­chen bescheu­ert fand.

  6. bei uns waren 2 für „Geschich­te Irlands“… das wur­de dann auch 3 Wochen bespro­chen.. kannst dir ja den­ken, dass die ande­ren 18 Teil­neh­mer die Zeit lie­ber im Kol­leg­stu­fen­zim­mer ver­bracht haben… 😀

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