ShapeShifter

Das New Yorker Design-Studio Charlex hat einen 3D Animationsclip herausgebracht, der zunächst wie eine gut gemachte Autowerbung für den Audi A5 aussieht. Allerdings taucht das Markenlogo nirgends auf und so ist das Video eher ein “showcase of the studio’s creative and storytelling abilities and a testament to the teamwork, persistence and dedication that define their efforts”.

Das von Gabriel Byrne vorgetragene Gedicht untermalt die Bilder des Films und ist ein Beispiel dafür, dass nicht nur Gedichte durch Bilder visualisiert werden können, sondern auch umgekehrt – Bilder können durch Lyrik “poetisiert” werden:

Dreams

Dreams
What are dreams?
Moments etched in time
Swept in strokes on twilight canvases
Vast as the cosmos
Quiet lullabies echoing through the purple dawn
Dreams
Farthest reaches of imagination, fulfilled
Endlessly evolving
Hidden
Leaps and bounds
Hidden beauty in unexpected places
Sculptures of perfect imperfections
These are dreams
Sublime journeys beyond the extraordinary
Sad shadows of requiems long ago
Forms and formlessness
Textures that radiate cascading visions and colourful sounds
Dreams that shimmer between wishes and stars
Mystery
Majesty
Transcendently soar
Through infinite possibilities

— Dreams by Fitzgerald Scott

Daniele Drescher-Braun hat sich näher mit dem Verhältnis von Video und Gedicht beschäftigt:

Eine Autofahrt als “beautiful, but disquieting dream” – passend zum Video hat Scott Fitzgerald das Prosagedicht “Dreams” geschrieben, in dem er die Grundidee in Worte fasst: Technik erschafft Natur.

Ein Auto fährt auf einer kurvenreichen Straße durch die Nacht und löst die Explosion einer Supernova aus. Das Auto zerfällt in winzige Teile, die wie Pinselstriche auf einer Leinwand durch den Kosmos fliegen (“swept in strokes on twilight canvases, vast as the cosmos” ll. 4+5) und die beim Auftreffen auf einen fernen Planeten neues Leben entstehen lassen.

Einige Autoteile lösen beim Aufprall ein Echo aus, das sich verbreitet, andere Teile lassen durch ihren Aufprall Bäume und Sträucher entstehen. Ein geschmeidiger Puma und drei davonhetzende Antilopen entstehen, indem sich umherfliegende Autoteile neu zusammensetzen. Immer mehr Natur spießt aus dem Boden, je länger die Hetzjagd des Puma auf die Antilopen dauert (“… endlessly evolving, hidden leaps and bounds …”, ll. 9-11).

“Hidden beauty in unexpected places” (l.12) wächst unerwarteterweise dort, wo der Huf einer Antilope auf den Waldboden einschlägt. Eine Orchidee öffnet explosiv ihre Blüte zum lautmalerischen “imperfection” (l.13).

Als der Puma schließlich eine Antilope erfasst und packt, lösen sich die Tiergestalten auf. Beim Auseinanderbersten entsteht ein neues Element: Wasser. Die umherfliegenden Teile fallen in ein Meer und formen sich zu einem Fischschwarm. Die Szene erinnert an den Ursprung des Lebens vor langer, langer Zeit (“… sad shadows of requiems long ago” l.16). Überall, wo die Fische entlangschwimmen, entstehen farbenprächtige Korallen in allen Formen (… forms and formlessness, textures that radiate cascading visions and colourful sounds” ll. 17+18).

Das unter der Wasseroberflläche durchschimmernde Sonnenlicht treibt uns nach oben (“dreams that shimmer between wishes and stars” l.19). Mit “wish” verlässt der Fisch das Wasser und formt sich neu zu einem majestätischen Greifvogel (“Majesty, transcendently soar through infinite possibilities”). Er schwingt sich aus großer Höhe hinab und fliegt durch einen Tunnel, in dem er sich wieder in ein Auto verwandelt.

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