Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Lesson Vocab

Zwar fül­len vie­le Kol­le­gen im Lau­fe einer Dop­pel­stun­de min­des­tens eine Sei­ten­ta­fel mit Wort­schatz, die wenigs­ten bestehen aber dar­auf, dass die Schü­ler mit­schrei­ben und sie schrei­ben sich die Wör­ter auch nicht sel­ber auf, so dass sie sie in der nächs­ten Stun­de natür­lich auch nicht abprü­fen kön­nen. Die Schü­ler schau­en die­sem mun­te­ren Trei­ben nor­malerweise freund­lich-unbe­tei­ligt zu, sehen aber natür­lich kei­ne Ver­an­las­sung sich in un­angenehme Arbeit zu stür­zen. In gewis­sen Abstän­den jam­mert der Leh­rer bzw. regt sich auf („Die­ses Wort hat­ten wir doch erst vor kur­zem!!!“), ändern tut sich aber nichts.

Wort­schatz, den ich wäh­rend der Stun­de an die Tafel schrei­be, ist automa­tisch „Stoff“ der Stun­de und muss von den Schü­lern notiert wer­den. Wo und wie sie sich die Wör­ter notie­ren, bleibt ihnen über­las­sen, ich emp­feh­le ihnen DIN A4 Blät­ter mit zwei Spal­ten. Spä­tes­tens wenn die Haus­auf­ga­be irgend­wann lau­tet „Revi­se les­son vocab from 15.10. till 20.11.“ (und sie wis­sen, dass in der nächs­ten Stun­de jemand über die­se Wör­ter geprüft wird) wird ihnen klar, dass es kei­ne gute Idee ist, die Wör­ter irgend­wo an den Rand zu krit­zeln. Gera­de bei den ers­ten „Rechen­schafts­ab­la­gen“ (= münd­li­ches Aus­fragen) ach­te ich dar­auf, demons­tra­tiv auch immer den Lek­ti­ons­wort­schatz der vorher­gehenden Stun­de zu prü­fen, um auf die­se Art früh­zei­tig ein Signal zu set­zen, dass ich es damit ernst mei­ne. Darüberhin­aus ist les­son vocab fes­ter Bestand­teil von Steg­reif­auf­ga­ben (= Voka­bel­tests). Die Not­wendigkeit sich den Wort­schatz der ver­säum­ten Stun­den von Mit­schü­lern zu besor­gen, trägt mit dazu bei, dass sich Absen­zen in erträg­li­chen Gren­zen hal­ten 😉

Wenn ich noch eine rich­ti­ge „rich­ti­ge“ (= drei­tei­li­ge) Tafel habe, kommt der Wort­schatz immer auf die rech­te Tafel unter die Haus­auf­ga­be (HW):

lesson vocab

Bevor ich etwas an die Tafel schrei­be, über­le­ge ich mir natür­lich kurz, ob das Wort nach den übli­chen Kri­te­ri­en (Fre­quenz, Regis­ter etc.) über­haupt „ler­nens­wert“ ist. Nicht ler­nens­wer­te Wör­ter wer­den ein­fach nur erklärt (bzw. über­setzt), kom­men aber nicht an die Tafel. Bei jedem Wort, das an die Tafel kommt, nen­ne ich zusätz­lich die deutsche(n) Bedeutung(en) und ganz wich­tig notie­re mir das Wort bzw. die Wör­ter sel­ber auf mei­nem (DIN A4) „Les­son Vocab“-Zettel. Dabei schrei­be ich bewusst ganz lang­sam, um sicher­zu­stel­len, dass auch die Schü­ler genü­gend Zeit haben sich die eng­li­schen Wör­ter plus deut­scher Über­setzung auf­zu­schrei­ben.

Sehr häu­fig pas­siert es lei­der, dass der Leh­rer so rich­tig in Schwung ist, sich, wäh­rend er redet, zur Tafel wen­det, wäh­rend er wei­ter­re­det etwas anschreibt, sich umdreht und ohne Pau­se wei­ter­spricht. Da die wenigs­ten Schü­ler Mul­ti­tas­king beherr­schen, ste­hen sie nun vor einem Dilem­ma: Sol­len sie sich jetzt die neu­en Wör­ter notie­ren und ris­kie­ren etwas zu ver­pas­sen oder lie­ber wei­ter zuhö­ren und eben nicht mit­schrei­ben?

Lek­ti­ons­wort­schatz ist zwangs­läu­fig ein ziem­li­cher hotch­potch, weil eben auch Wör­ter, die nichts mit dem The­ma zu tun haben, aber in einem ande­ren Zusam­men­hang wich­tig sind, an der Tafel erschei­nen kön­nen. Bei­spiels­wei­se möch­te ich wäh­rend der Stun­de, dass ein Schü­ler die Son­nen­blen­de her­un­ter­lässt. Ich fra­ge was „Son­nen­blen­de“ heißt, kei­ner weiß es, also kommt sun­blind an die Tafel und ich nen­ne die deut­sche Über­set­zung. Auf der ande­ren Sei­te ist die­ser Wort aber sehr authen­tisch, weil man ja alle Wör­ter in der betref­fen­den Stun­de gebraucht hat bzw. hät­te. Die­se hohe „kom­mu­ni­ka­ti­ve Wer­tig­keit“ der Wör­ter recht­fer­tigt m.E. die kur­ze Unter­bre­chung des Unter­richts.

Wenn man am Stun­den­en­de noch ein paar Minu­ten übrig hat, ist es immer eine gute Idee den Lek­ti­ons­wort­schatz (bei zuge­klapp­ter Tafel bzw. weg­ge­wisch­ten Wör­tern) zu wie­der­ho­len.

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  1. > Wie pflegst Du Dei­ne Din A‑4 Noti­zen? Jeweils ein­zel­ne Blät­ter, die dann spä­ter zusam­men­ge­hef­tet wer­den?

    Da wird gar nichts „gepflegt“ 😉 Ich habe ein­zel­ne (linier­te) DIN A4 Blät­ter. Auf die kommt als Über­schrift die Bezeich­nung des Kur­ses und dann neben das Tages­da­tum die jewei­li­gen Wör­ter. Wenn Vor­der- und Rück­sei­te voll sind, kommt der Zet­tel (zusam­men mit ande­ren Vocab-She­ets) in mei­ne Hän­ge­re­gis­tra­tur in eine Klar­sicht­hül­le „Zu Wie­der­ho­len“. Irgend­wann gibt es dann eine HA: „Revi­se les­son vocab from x until y.“ bzw. der Wort­schatz ist Stoff für eine Schulaufgabe/Klausur.

  2. Sven Scheding

    Hal­lo Jochen

    Grund­sätz­lich gefällt mir die Idee, Les­son-Vocab auch selbst (als Leh­rer) ent­spre­chend zu notie­ren, sehr gut und geis­tert mir seit gerau­mer Zeit im Kopf her­um. Ich habe ein ganz prak­ti­sches Pro­blem und wäre auf Dei­ne Lösung gespannt:
    Ich unter­rich­te zur Zeit 6 ver­schie­de­ne Eng­lisch­kur­se, 5 davon in der Ober­stu­fe, teil­wei­se par­al­lel in einer Jahr­gangs­stu­fe. Wie pflegst Du Dei­ne Din A‑4 Noti­zen? Jeweils ein­zel­ne Blät­ter, die dann spä­ter zusam­men­ge­hef­tet wer­den? Ring­buch? Ein Heft pro Kurs?
    So blöd es klingt, aber mei­ne dies­be­züg­li­chen Ver­su­che schei­ter­ten bis­her an dem (für mich) nicht struk­tu­rier­ten Ord­nungs­sys­tem. Blät­ter ver­schwan­den, Kur­se wur­den durch­ein­an­der­ge­bracht und unter­be­wusst fehl­te wohl die letz­te Selbst­über­zeu­gung, dass das gan­ze klap­pen kann.
    Das soll sich ändern! 😉

  3. Liest du bei der Abfra­ge in der nächs­ten Stun­de dann die Wör­ter von dei­nem Han­dy ab (kannst du die über­haupt auf dem Bild­schirm lesen?), hast du so ein gutes Gedächt­nis oder schreibst du sie vom Han­dy noch­mal ab?

    • Gundula

      Nein, ich lade die Bil­de zu Hau­se auf mei­nen PC. Der Bild­schirm ist groß genug und die Fotos gut genug, so dass ich mei­nen Tafel­an­schrieb nach­le­sen und bei Bedarf wei­ter­ver­ar­bei­ten kann: Für Kurz­tests, in denen ich Voka­beln und wich­ti­ge Unter­richts­in­hal­te abfra­ge (z.B. Defi­ni­tio­nen von wich­ti­gen Begrif­fen, Kurz­dar­stel­lun­gen usw.).

      Münd­li­che Voka­bel­ab­fra­gen habe ich bis­her nicht gemacht. Ist mei­nes Wis­sens an unse­rer Schu­le auch nicht üblich.

  4. Gundula

    Ich habe mir ange­wöhnt, prin­zi­pi­ell nach Stun­den­en­de die Tafel zu foto­gra­fie­ren (die 2 MPix-Kame­ra im Han­dy reicht dafür) und spä­ter auf den PC zu laden. So weiß ich spä­ter immer genau, wel­che Voka­beln und inhalt­li­chen Punk­te ich spä­ter abfra­gen kann, auch von denen, die eine Stun­de ver­säumt haben.
    Prin­zi­pi­ell ver­lan­ge ich, dass jedes Wort, das an der Tafel ver­wen­det wird, auch gelernt wird. Mei­ne Schü­ler wis­sen, dass ich das kon­trol­lie­re und sind so moti­viert, sorg­fäl­tig mit­zu­schrei­ben und bei Ver­ständ­nis­pro­ble­men gleich nach­zu­ha­ken.
    Außer­dem gibt es hin­ter­her kei­ne läs­ti­gen Dis­kus­sio­nen dar­über, ob dies jenes tat­säch­lich bespro­chen wor­den wäre bzw. an der Tafel gestan­den hät­te.

    • Sisyphos

      Ich foto­gra­phie­re mei­ne voc-Anschrie­be auch nach der Stun­de, eben­so die dyna­mi­schen (spon­tan erar­bei­te­ten) Tafel­bil­der. Die Ver­ar­bei­tung (run­ter­la­den – GIMP – Grau­stu­fen – Helligkeit/Kontrast –> schwarz-weiß Ver­si­on – spei­chern mit Datum im Kurs­ord­ner) zuhau­se geht schnell. Da ich eh immer mein Net­book dabei habe, gibt es kein Ent­rin­nen vor die­sen les­son­vo­cab.
      Hat jemand eine sinn­vol­le Idee für die Ver­wen­dung der Han­dy-Dic­tio­n­a­ries in der Ober­stu­fe ?

  5. jens

    Hal­lo.

    Stö­be­re mal wie­der auf Dei­ner Sei­te rum. Eine Fra­ge: kom­men neue Voka­beln, die in der Lek­ti­on neu ein­ge­führ wer­den, auch zu dem Les­son Vocab?

    Führst Du gar kein Voka­bel­heft? Wäre eine 3te Spal­te für Bei­spie­le, Bemer­kun­gen etc. sinn­voll?

    Gruß!
    ein ange­hen­der Leh­rer 🙂

    • > kom­men neue Voka­beln, die in der Lek­ti­on neu ein­ge­führ wer­den, auch zu dem Les­son Vocab?

      Falls ich sie an der Tafel ein­füh­re ja, falls nicht müs­sen die­se Wör­ter als nor­ma­ler Lek­ti­ons­wort­schatz aus dem Buch gelernt wer­den.

      > Führst Du gar kein Voka­bel­heft?

      Ich über­las­se es den Schü­lern, ob sie ein her­kömm­li­ches (klei­nes) Voka­bel­heft, Ein­zel­blät­ter DIN A4 oder klei­ne Schmot­zel­zet­tel ver­wen­den. Ent­schei­dend ist, dass sie die Wör­ter kön­nen. Ich emp­feh­le als For­mat DIN A4, ent­we­der als Ein­zel­blät­ter oder im Heft von hin­ten begin­nend.

      > Wäre eine 3te Spal­te für Bei­spie­le, Bemer­kun­gen etc. sinn­voll?

      Grund­sätz­lich JA. Ist in einem klei­nen Voka­bel­heft aus Platz­grün­den aber schwie­rig. Nur: Woher kom­men die „Bei­spie­le, Bemer­kun­gen etc.“? Dik­tiert die der Leh­rer? Soll der Schü­ler sie sich sel­ber aus­den­ken?

  6. > die Mädels kön­nen selbst im U mit­schrei­ben

    Aber wenn sie das machen, musst du ihnen doch dafür ent­spre­chen­de ZEIT geben und war­ten bis sie fer­tig geschrie­ben haben. In der Zeit hast du dir doch auch das eng­li­sche Wort auf­ge­schrie­ben.

    > und die­se Wör­ter set­ze ich dann auf mei­ne Home­page

    Das ist aber zusätz­li­che Arbeit für dich am Nach­mit­tag. Wenn du die­ses Ver­fah­ren bei, sagen wir mal, vier ver­schie­de­nen Klas­sen machst, geht ganz schön Zeit drauf.

    > oder sie auf der Home­page abschreiben/ aus­dru­cken

    Fän­de ich als Schü­ler ner­vig, vor allem wenn ich gleich am nächs­ten Tag wie­der Eng­lisch hät­te.

  7. Dani

    Jochen schreibt:
    „notie­re mir das Wort bzw. die Wör­ter sel­ber auf mei­nem Vocab-Zet­tel. Dabei schrei­be ich bewusst ganz lang­sam […]“
    Ich hab das pro­biert, aber gemerkt, dass mir zu viel Zeit ver­lo­ren geht mit Tafel und Zet­tel. So mache ich es jetzt so, dass jede Stun­de eine Schü­le­rin die Voka­beln mit­schrei­ben muss. Am Ende der Stun­de gibt sie mir die Lis­te und die­se Wör­ter set­ze ich dann auf mei­ne Home­page (die Mädels kön­nen selbst im U mit­schrei­ben oder sie auf der Home­page abschreiben/ aus­dru­cken). Die­se Wör­ter set­ze ich vor­aus und fra­ge sie ab (im Unter­richt und auch in Exen etc.). Funk­tio­niert sehr gut und es gab auch noch kei­ne Beschwer­den 😉 !

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