Hin­weis: Die fol­gen­den Tipps bezie­hen sich auf das tra­di­tio­nel­le drei­spal­ti­ge Voka­bel­ver­zeich­nis: eng­li­sches Wort (mit Laut­schrift), deut­sche Bedeutung(en) und in der rech­ten Spal­te Bei­spiel­satz, Defi­ni­ti­on bzw. Para­phra­se, Syn­onym, Gegen­teil, Bild etc.

War­um ich Voka­bel­heft und Lern­kar­tei in der Pra­xis für unge­eig­net hal­te, um Wort­schatz effi­zi­ent zu ler­nen, erklä­re ich in die­sem Bei­trag.

Lern­stoff in Por­tio­nen ein­tei­len: Es ist nicht sinn­voll, drei­ßig neue Voka­beln auf ein­mal ler­nen zu wol­len. Unser Gedächt­nis ist wie eine Pinn­wand, auf der (je nach Schwie­rig­keit der Voka­beln) nur ca. fünf­zehn „Merk­zet­tel“ Platz haben. Unter­tei­le des­halb den zu lernen­den Wort­schatz in sinn­vol­le Grup­pen von ca. 10–15 Wör­tern. Wenn du bereits gelern­ten Wort­schatz wie­der­ho­len willst, kann die Zahl der Wör­ter natür­lich grö­ßer sein.

Ein­trag durch­le­sen: Als ers­tes liest du dir jeweils den GANZEN Ein­trag (also mit der rech­ten Spal­te) sorg­fäl­tig durch. Dabei soll­test du das eng­li­sche Wort mit Hil­fe der Laut­schrift (NICHT durch Raten) und ggf. den eng­li­schen Bei­spiel­satz LAUT spre­chen / lesen. Falls du die Laut­schrift nicht beherrschst, kannst du dir die kor­rek­te Aus­spra­che hier anhö­ren. Lang­fris­tig ist es aber in jedem Fall bes­ser , wenn du die paar Sym­bo­le lernst – sooo schwie­rig sind sie ja noch auch nicht.

Eng­lisch – Deutsch: Als  ers­tes über­prüfst die Wör­ter in Rich­tung E – D, d.h. du deckst die mitt­le­re Spal­te mit einem Blatt Papier oder einem Stück Kar­ton ab und über­prüfst, ob du die deutsche(n) Bedeutung(en) beherrscht.

Deutsch – Eng­lisch: Nun deckst du die lin­ke, eng­li­sche Spal­te ab. Du liest das deut­sche Wort, schreibst das eng­li­sche Wort, sprichst es noch­mal laut, rutscht mit dem Papier nach unten und über­prüfst das Ergeb­nis. Wenn du das Wort nicht gewusst, falsch geschrie­ben und / oder aus­ge­spro­chen hast, mar­kierst du das Wort mit einem klei­nen Kreuz mit wei­chem (!) BLEISTIFT (damit du es spä­ter wie­der weg­ra­die­ren kannst).

Wenn du das Voka­bel­ver­zeich­nis kopierst, kannst du dei­ne „Pro­blem­wör­ter“ natür­lich auch mit einem Mar­ker kenn­zeich­nen. Dann kannst du für fal­sche Schrei­bung und Aus­spra­che unter­schied­li­che Far­ben neh­men.

Da man sel­ber erfah­rungs­ge­mäß vie­le Recht­schreib­feh­ler über­sieht bzw. bei der eige­nen Aus­spra­che zu groß­zü­gig ist, ist es sehr nütz­lich wenn ein stren­ger (!) Mit­schü­ler, älte­re Geschwis­ter  bzw. die Eltern zumin­dest die kor­rek­te Schrei­bung über­prüfen. Die Aus­spra­che musst du oft allei­ne üben, weil die wenigs­ten Leu­te die Laut­schrift wirk­lich beherr­schen bzw. eine kor­rek­te eng­li­sche Aus­spra­che haben. Aus die­sem Grund sind „Kor­rek­tu­ren“ bezüg­lich der Aus­spra­che z.B. von ande­ren Fami­li­en­mit­glie­dern oft nicht hilf­reich.

Rech­te Spal­te: Zuletzt arbei­test du mit der rech­ten Spal­te, in der das zu ler­nen­de Wort durch eine Til­de (~) ersetzt ist, bzw. durch eine Umschrei­bung / Defi­ni­ti­on oder ein Syn­onym bzw. Oppo­si­te erklärt wird. Dazu ver­deckst du die lin­ke und mitt­le­re Spal­te. Du liest die Sät­ze durch und ver­suchst, die Lücken aus der Er­innerung zu ergän­zen und das Wort kor­rekt aus­zu­spre­chen. Wenn du dir nicht sicher bist, schaust du in der lin­ken Spal­te nach.

Wör­ter im Zusam­men­hang: Zum Schluss soll­test du dir ggf. den ent­spre­chen­den Lek­ti­ons­text noch­mal sorg­fäl­tig durch­le­sen, um die neu­en Wör­ter im Zusam­men­hang zu wie­der­ho­len. Dabei soll­test du laut lesen, um dir die Aus­spra­che in Erin­ne­rung zu rufen und ver­su­chen die neu­en Wör­ter aus dem Zusam­men­hang her­aus zu ver­ste­hen. Falls du dir nicht völ­lig sicher bist, wie ein Wort kor­rekt aus­ge­spro­chen wird, musst du dir wie­der die Laut­schrift hin­ten im Voka­bel­ver­zeich­nis (bzw. in einem Lexi­kon) anse­hen. Wie­der­ho­le bei die­ser Gele­gen­heit auch noch­mal die Erklä­run­gen / Umschrei­bun­gen bzw. syn­onyms / oppo­si­tes, die du gelernt hast.

Zwei­ter Durch­gang: Nach die­sem ers­ten Durch­gang machst du eine Pau­se und beschäf­tigst dich mit etwas ande­rem: Hausauf­gaben in einem ande­ren Fach (nicht die ande­re Fremd­spra­che!), Musik hören etc. Nach unge­fähr einer Stun­de nimmst du einen neu­en Zet­tel (den alten kannst du weg­wer­fen) und beschäf­tigst dich nur noch mit dei­nen (mar­kierten) „Pro­blem­wör­tern“, die du beim ers­ten Mal falsch gemacht hast. Wie­der deckst du die lin­ke Spal­te ab. Wenn du ein Wort nun rich­tig schreibst bzw. aus­sprichst, radierst du die Mar­kie­rung weg, wenn du mit Kopi­en arbei­test, bekommt das Wort z.B. ein Häk­chen. Die­ses Ver­fah­ren soll­test du solan­ge wieder­holen bis du alle neu­en Wör­ter kor­rekt schrei­ben und aus­sprechen kannst.

Wie­der­ho­len: Wort­schatz muss in regel­mä­ßi­gen Abstän­den wie­der­holt wer­den. Nach ein paar Tagen nimmst du dir dei­nen Wort­schatz erneut vor und wie­der­holst ihn. Eine sehr gute Übung ist es, zu ver­suchen, den Wort­schatz bei geschlos­se­nem Buch „frei aus dem Kopf“ her­aus zu wie­der­ho­len, bevor du das Buch auf­schlägst.

Bedeu­tung der Phan­ta­sie: Unser Gedächt­nis bevor­zugt Lern­stoff, den wir im wahrs­ten Sinn des Wor­tes „begrei­fen“, von dem wir uns Bil­der machen kön­nen. Wort­schatz wird viel effek­ti­ver gespei­chert, wenn du dir beim Ler­nen Gedanken­bilder machst, d.h., dir die ent­spre­chen­de Tätig­keit bzw. den Zustand etc. in dei­ner Phan­tasie vor­stellst. Gera­de bei Schwie­rig­kei­ten mit der kor­rek­ten Schrei­bung bewährt sich die­se Tech­nik des Visuali­sierens. Du kannst dir z.B. vor­stel­len, dass das Wort in einer kräf­ti­gen Neon­far­be Buch­sta­be für Buch­stabe vor einem schwar­zen Hinter­grund erscheint oder dass du mit einer inne­ren Kame­ra das Schrift­bild des Wor­tes „scharf­stellst“.

Simu­la­ti­on: Auch beim Wort­schatz­ler­nen soll­test du die Tech­nik des men­ta­len Ler­nens nut­zen. Du soll­test dir z.B. die Prüfungssitua­tion der „Rechenschaftsab­lage“ vor­stel­len bzw. mit einem Mit­schü­ler, dei­nen älte­ren Ge­schwistern oder dei­nen Eltern simu­lie­ren. Einer von euch spielt den Leh­rer, der / die ande­re den zu prü­fen­den Schü­ler. Wenn du mit einem Mit­schü­ler lernst, wer­den anschlie­ßend die Rol­len getauscht.

Hier noch ein paar Tipps, wie du noch effek­ti­ver ler­nen kannst:

  • Ler­ne immer gleich die gan­ze Wort­fa­mi­lie. Ange­nom­men du lernst als neu­es Wort to dis­co­ver. Falls im Voka­bel­ver­zeich­nis nicht eh schon ange­ge­ben, schaust du in dei­nem Lexi­kon nach und lernst dis­co­ve­rer und dis­co­very gleich mit.
  • Bil­de Sät­ze mit den neu­en Wör­tern. Ver­su­che dabei gleich­zei­tig Gram­ma­tik zu wie­der­ho­len, also z.B. „Wann wur­de Ame­ri­ca endeckt?“ (pas­si­ve, simp­le past), „Wenn er die­ses Medi­ka­ment ent­deckt hät­te, wäre er sehr berühmt gewor­den.“ (con­di­tio­nal sen­ten­ces, type III), „Er sag­te, er habe ein neu­es Pro­blem ent­deckt.“ (repor­ted speech, back­shift of ten­ses), usw.
  • Ab der 9./10. Klas­se soll­test du neue Wör­ter auch immer wie­der mal in einem ein­spra­chi­gen Lexi­kon wie dem OALD nach­schla­gen. Beson­ders nütz­lich sind dabei die vie­len Bei­spiel­sät­ze, die dir zei­gen, wie ein Wort ver­wen­det wird. Schau dir z.B. mal den Ein­trag zu opi­ni­on an.