Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

Just Do It

Bei einem Referat ist es sinnvoll, wenn der Vortragende am Anfang einen kurzen Überblick über sein Referat gibt: „First I’m going to talk about …, after that I’ll discuss … and finally …“ Auch bei einer 20-seitigen Facharbeit kann es angebracht sein in der Einleitung einen Überblick über die Struktur der Arbeit zu geben (obwohl man die ja eigentlich anhand des Inhaltsverzeichnisses erkennt). Ansonsten möchte ich grundsätzlich keine „Ankündigungen“ haben und sage deshalb meinen Schülern: „Don’t tell me what you are going to do – JUST DO IT.“

Eine Kollegin hat kürzlich bei Enpaed ein paar schöne Beispiele für solche überflüssigen announcements gegeben. Bei einem summary: „I will now give a summary of …“ und bei der Analyse von Stilmitteln: „I am going to analyze the rhetorical devices that the author uses in his text.“ Hier noch ein (ernst gemeintes) Juwel: „I’m delighted to have the opportunity to discuss the author’s use of stylistic devices.“

Um meinen Schülern klarzumachen, wie irritierend ich solche Ankündigungen finde, nehme ich Beispiele aus der mündlichen Kommunikation: Imagine you ask someone what time it is. Imagine he answers: „You are lucky that I have a watch and that therefore I’m able to tell you what time it is. I’m now going to tell you what time it is. It’s now …“ How would you react?

Was ich ebenfalls nicht leiden kann, sind „Einleitungen“ bei Antworten zu Questions on the Text. In meiner letzten LK-Schulaufgabe lautete z.B. eine Aufgabe: „Show that the writer’s use of language reflects his attitude. Analyse three examples.“ Eine Reihe von Schülern glauben ihre Antwort „einleiten“ zu müssen, z.B. mit „There are several passages where the use of language reflects the writer’s attitude“ oder noch schlichter: „The use of language in the text reflects the writer’s attitude.“ Am liebsten würde ich dann an den Rand schreiben: „Echt? Wow, hätte ich ja nicht gedacht!“ beschränke mich aber dann doch auf ein „sup“(erfluous).

Woher kommt dieses m.E. unsinnige Ankündigen und Einleiten? Vielleicht handelt es sich um eine falsche Analogie zur Einleitung bei einem Aufsatz, so nach dem Motto: „Bei einem Aufsatz ist eine Einleitung gut, dann kann sie bei einer Frage ja wohl nicht schlecht sein.“

Allerdings habe ich eher die lieben Deutschkollegen in Verdacht. Die haben’s ja oft gerne ein bisschen schwafelig, weitscheifig, äh … ausführlich 😉

Vorheriger Beitrag

Jump Style

Nächster Beitrag

Michael Conley

  1. Jan

    Hallo,

    erstmal Danke für die interessante Seite, hilft mir gerade sehr bei den letzten Vorbereitungen für mein Abi übermorgen.

    Auch wenn das Thema schon etwas älter ist, versuche ich jetzt mal einen Erklärungsversuch aus Schülersicht zu geben.

    Im Deutschen sind die Aufsätze länger, und da haben alle Lehrer die ich bisher hatte eine Überleitung von Gliederungspunkt zu Gliederungspunkt gefordert.

    In der Art „Desweiteren sollen die sprachlichen Mittel des Textabschnittes analysiert werden.“
    Der Standardsatz war tatsächlich in 90% der Aufsätze und auch in den meisten Musterlösungen vertreten.

    Wenn man dann als Schüler in Englisch einen Text verfassen soll, auch wenn es eine komplett andere Textart ist, geht man „logischerweise“ genauso vor. Schließlich überlegt man sich das meiste doch im Kopf auf Deutsch und übersetzt es ins Englische (glaub ich zumindest).

  2. M.Schleifer

    Lustig, als ich im G8 das 1.Mal eine 10.Klasse hatte und Composition/Essay/Comment behandelt habe, habe ich mehrheitlich Aufsätze bekommen, die mich als Leser über jeden folgenden Schritt informieren. Ich fand das wenig spannend um es nett auszudrücken und fragte, woher sie diesen ‚Stil‘ hätten. In Deutsch mussten sie es wohl so machen, wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass eine Aufsatzart im Deutschunterricht gibt, die wirklich verlangt jeden Satz mit einer Ankündigung, dass er folgen wird, einzuleiten.
    Um dieser Marotte vorzubeugen habe ich 2011 die Schüler gefragt, ob sie im Deutschunterricht etwas Derartiges gelernt haben. – Nein, nö nie gehört. – Gut.denke ich, bis ich die Aufsätze lese. Der härteste Fall war, dass jemand nicht nur ankündigt, was er schreiben wird, sondern als Überleitung zum als nächstes zu erläuternden Argument schreibt: Jetzt habe ich dargestellt was gegen Thema xy (es war ein in vielen Worten formuliertes…..) anbringen wollte. Aber es gibt auch viele zu berücksichtigende und überzeugende Argumente für Thema xy. Im Folgenden werde ich auf Punkte, die das Thema xy unterstützen eingehen.

    Es ging nur so weiter,mehr superfluous words als Inhalt!

    Ich erschrak und habe zunächst vermutet, dass meine Fragen bezüglich Deutsch… und meine Beispiele viell von den Schülern (mit nur einem halben Ohr) derart aufgenommen wurden, dass ich genau diese umständlichen, überflüssigen, sich wiederholenden Phrasen will, anders konnte ich es mir gar nicht erklären.
    aber nein, als ich die essays zurückgab, da äußerten plötzlich viele Schüler: Aber in Deutsch müss mer des so mach!

    nächstes jahr werde ich wieder eine taktik probieren, viell starte ich gleich mit einem phrasenwiederhol-extrembeispiel eines essays……

    • > Aber in Deutsch müss mer des so mach!

      Diesen Spruch kenne ich. Wenn man dann aber beim Deutsch-Kollegen nachfragt, streitet der natürlich energisch alles ab …

  3. > Ich versuche seit Jahr und Tag mit mäßigem Erfolg

    Ziehst du denn (im Wiederholungsfall) auch SICHTBAR z.B. einen halben (Inhalts-)Punkt ab? Falls nicht, sehen deine „Klienten“ keine Notwendigkeit irgendwas zu ändern.

    > Ich werde dann oft darauf verwiesen, dass einige meiner Kollegen/innen auf diesen Ankündigungen bestehen.

    Na und? Davon darfst du dich nicht abhalten lassen, etwas Anderes/Besseres zu verlangen. Einige Kollegen/innen geben sich z.B. bei der Einleitung eines Aufsatzes ja auch mit „In the following I’m going to write about …“ zufrieden.

  4. Peter

    Ich versuche seit Jahr und Tag mit mäßigem Erfolg, meinen Schüler/innen ihre ständigen „Ankündigungen“ auszutreiben, die dann obendrein oft nicht einmal wahr gemacht werden.
    Ich werde dann oft darauf verwiesen, dass einige meiner Kollegen/innen auf diesen Ankündigungen bestehen.

  5. Eine “Interpretationshypothese” ist doch etwas völlig anderes, als was ich beschreibe. Bei einem Cartoon will ich genau so eine Hypothese auch als ersten Satz: „In my opinion the cartoon is supposed to …“

  6. Emily

    Uns (Schülern), wohlgemerkt aber in NRW wird seit Jahren eingepaukt, dass eine „Interpretationshypothese“ am Beginn des Textes und innerhalb der einzelnen Abschnitte über die untersuchten Aspekte erwünscht ist. Seit ich diese auch einfüge, habe ich auch immer wieder Lob seitens der Lehrer bekommen… Es könnte also einfach sein, dass diese Einleitungssätze je nach Lehrer gewünscht oder unerwünscht sind…

  7. Dann bin ich ja beruhigt, wenn Du nur die an Deiner Schule meinst. 😉 Von der Sorte kenne ich übrigens auch Englischlehrer.

  8. > Warum immer diese Seitenhiebe auf die Deutschlehrer? Gibt es da bei Dir ein tiefsitzendes Trauma?

    Nein, nur die jahrelange Erfahrung, dass viele zur „Hamma immer schon so gemacht“ Fraktion gehören und jede fächerübergreifende Zusammenarbeit ablehnen bzw. boykottieren ohne dafür überzeugende Argumente liefern zu können.

  9. Corinna

    Warum immer diese Seitenhiebe auf die Deutschlehrer? Gibt es da bei Dir ein tiefsitzendes Trauma?
    Ansonsten stimme ich rip zu: Ein sinnvoller Einleitungssatz (z.B. auch die Formulierung einer Arbeitshypothese) ist durchaus begrüßenswert, und warum sollte man nicht mit den Schülern diskutieren, was sinnvoll und Geschwafel ist?
    Warum man meist das Geschwafel bekommt? Bei den Schülern ist hängen geblieben, dass sie einen Einleitungssatz schreiben sollen. Da ihnen nichts Besseres einfällt, nehmen sie halt das, was schon da steht. Einen guten Einleitungssatz zu verfassen ist nämlich gar nicht so einfach.
    Übrigens, alternativ empfehle ich das Entwerfen einer Überschrift; auch das hilft, sich auf die Aufgabenstellung zu konzentrieren.

  10. > “The headline ‘Values Education Also Tests Teachers’ refers to the …

    Ist zwar ein anderes Thema, aber warum wiederholst du die ganze Überschrift? Warum nicht einfach: The headline refers to …

    Es gibt nur EINE Überschrift, also besteht keine Gefahr, dass der Schüler „im Ungefähren herumtapst.“

    Wieder stelle ich mir die entsprechende MÜNDLICHE Situation vor. Ich sitze mit einem ’native speaker‘ vor der Zeitung und rätsele über den Sinn der Überschrift. Ich fände es äußerst merkwürdig, wenn er mir die ganze Überschrift nochmal vorlesen würde („Denkt er ich kann nicht lesen?“).

    Ebenso würde ich bei Herrn Lickona verkürzen auf: Lickona’s reference means that … oder ganz gewagt 😉 HIS reference means that …

    > fände ich die erste von dir zitierte Einleitung (”There are several passages …”) ausgesprochen gelungen

    Die Aufgabe war nicht ganz vollständig (habe ich inzwischen ergänzt). Es fehlte: „Analyse three examples.“ Wenn der Schüler drei Beispiele analysieren soll, muss es logischerweise „several passages“ geben, sonst wäre meine Aufgabe Blödsinn (meistens gibt es ja noch mehr als drei).

    Analog die beliebte Aufgabe zu Stilmitteln: „Choose three relevant stylistic devices and explain how they work.“ Jetzt leitet der Schüler seine Antwort ein mit: „The writer uses a lot of (interesting) stylistic devices.“ oder „There are a lot of stylistic devices in the text.“ Wer hätte es gedacht? Sonst hätte ich die Aufgabe doch gar nicht stellen können …

    > Darf ich fragen, wie du dir einen gelungenen Anfang dazu vorstellst?

    Gemäß dem Motto „Just Do It“ soll der Schüler einfach mit dem ersten Beispiel anfangen:

    When the writer calls some self-appointed experts „cybergurus“ (5) it becomes quite clear that he is rather skeptical about the benefits of the Internet. A „guru“ connotes … (religiöse Konnotationen, witzige Kombination aus „cyber“ und „guru“ usw.). Danach neuer Absatz mit „Another example is …“ und ein dritter mit „Finally …“

  11. rip

    Woher dein Eindruck stammt, Deutschlehrer hätten’s gern weitschweifig, kann ich mir allenfalls aus den Erfahrungen mit eigenen Lehrern bzw. den Lehrern deiner Kinder erklären. Dass das insgesamt zutrifft, bestreite ich. Auch Deutschlehrer sind normalerweise nicht selbstquälerisch darauf versessen, mehr Text korrigieren zu müssen als notwendig.
    Mein Zweitfach ist Deutsch, und ich finde es zumindest sinnvoll, wenn am Anfang klar wird, auf welche Aufgabe sich die Antwort bezieht. Das muss dann nicht jeweils einen ganzen Satz ergeben. So ein Bezug auf die Aufgabe hilft dem Schüler, exakt an der Aufgabenstellung anzuknüpfen und stellt sicher, dass sich die Antwort auch tatsächlich auf die Frage bezieht und nicht irgendwo im Ungefähren herumtapst. Alles mit Maß und Ziel natürlich – wenn man sich mal als Beispiel meine alte Schulaufgabe hier ansieht: http://www.u-e-d.de/downloads/elktest2.pdf kann man gut den Unterschied sehen. Bei Aufgabe 1 („Explain the meaning of the headline“) wäre es sinnlos, die Aufgabenstellung zu paraphrasieren (etwa: „The headline has an interesting meaning“ oder so). Hier fängt die Musterlösung so an:
    „The headline ‚Values Education Also Tests Teachers‘ refers to the newly discovered importance of values education at American schools.“
    Bei der zweiten Aufgabe („What does Thomas Lickona mean by his reference to the “beginning of American public education” (ll. 51-52)?“) finde ich es sinnvoll, am Anfang der Antwort die Aufgabenstellung mit zu verwenden:
    „Thomas Lickona’s reference to the ‚beginning of American public education‘ means that it has always been a tradition with America’s schools to set great store by the teaching of moral values.“
    Bei deinem Beispiel, Jochen, fände ich die erste von dir zitierte Einleitung („There are several passages …“) ausgesprochen gelungen als Anfang zur Beantwortung dieser Aufgabe.
    Darf ich fragen, wie du dir einen gelungenen Anfang dazu vorstellst?

  12. Stehl-Hofer, Sonja

    Jochens Beispiel aus der mündlichen Kommunikation hat sich bei meinen Realschülern als hervorragend geeignet erwiesen, die Überflüssigkeit der beschriebenen Einleitungen/gedanklichen Ankündigungen zu verdeutlichen. Ich habe das natürlich noch ein bisschen übertrieben und immer dort angebracht, wo es möglich war. Die Schüler haben sich köstlich amüsiert, letztlich dann auch über ihre eigene Einfallslosigkeit. War ’ne lustige Stunde und – wie ich hoffe – nachhaltig. Zumindest lasen sich die weiteren Hausaufgaben schon interessanter.
    Beste Grüße,
    Sonja

  13. > Schülers (schöner Plural, kannte ich noch nicht)

    Gibt’s ja auch nicht. War ein Tippfehler, den ich ausgebessert habe.

    > Dass es “*several* passages” sind ist imho gar nicht so selbstverständlich.

    Ich habe noch ein zweites Beispiel eingefügt, das das Gemeinte hoffentlich besser illustriert.

  14. Andreas Schlenger

    Ein schönes Beispiel dafür, wie unterschiedlich Unterrichtsansätze sein können: Deine Ablehung von Einleitungssätzen teile ich im Wesentlichen schon, finde die Analogie zum Gespräch aber irreführend. Während es sich bei letzterem ja üblicherweise um kurze Wortwechsel handelt, sollen schriftliche Aufgaben längere Gedankengänge wiedergeben. Da mag es für Schülers (schöner Plural, kannte ich noch nicht) schon aus Gründen der Selbstorganisation durchaus sinnvoll sein, eine Art Ankündigungssatz zu formulieren.

    Deine Kritik an der Einleitung zur „Attitude“-Aufgabe kann ich nicht ganz nachvollziehen: Dass es „*several* passages“ sind ist imho gar nicht so selbstverständlich. Die Schülerformulierung mag etwas einfallslos sein – ärgerlich oder stilistisch fehlerhaft finde ich sie überhaupt nicht.

    Gruß,

    Andreas.

Kommentar verfassen

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén