Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

SITZEN VERBOTEN

Alle Welt klagt zu Recht, dass unse­re Schü­ler immer fet­ter wer­den häu­fi­ger unter Adi­po­si­tas lei­den, sich nicht mehr bewe­gen, kei­ne Kraft mehr aber dafür erheb­li­che moto­ri­sche und koor­di­na­ti­ve Defi­zi­te haben. Immer mehr Kin­der und Jugend­li­che bewe­gen sich nur noch in der Schu­le und hocken zu Hau­se nur noch vor dem PC bzw. dem Fern­se­her. Der nahe­lie­gen­de Schluss wäre (möch­te man mei­nen), dass die Haupt­auf­ga­be des Sport­un­ter­richts die Bekämp­fung oder zumin­dest Lin­de­rung o.a. Män­gel sei. Kon­kret hie­ße das, dass Herz-Kreis­lauf- und Kraft­trai­ning zusam­men mit Übun­gen zur Ver­bes­se­rung der Moto­rik und Koor­di­na­ti­on abso­lu­te Prio­ri­tät im Sport­un­ter­richt haben müss­ten. In Wirk­lich­keit sit­zen (bzw. ste­hen) Schü­ler viel zu oft und viel zu lan­ge im Sport­un­ter­richt her­um.

Der Haupt­grund für häu­fi­ges Rum­sit­zen sind m.E. die ver­damm­ten Refe­ra­te. Die sind ja schon im „nor­ma­len“ Unter­richt häu­fig töd­lich lang­wei­lig, im Sport­un­ter­richt sind sie mei­ner Mei­nung nach eine wah­re Pest. In Bay­ern haben wir die Refe­ri­tis gott­sei­dank fast aus­schließ­lich im Grund­kurs (12./13. Klas­se), in ande­ren Bun­des­län­dern wird aber auch schon in unte­ren Klas­sen refe­riert. Neh­men wir als durch­schnitt­li­che Län­ge eines Refe­rats ca. 10 Minu­ten plus 5 Minu­ten, in denen der Leh­rer noch etwas kor­ri­giert, ergänzt und erläu­tert, macht ganz schnell 15 Minu­ten oder sogar mehr. Die­se 15 Minu­ten mul­ti­pli­ziert mit einem durch­schnitt­li­chen Grund­kurs von 25 Schü­lern macht schon ziem­lich viel Zeit, in denen die Schü­ler nur rum­sit­zen. Wie bei allen Refe­ra­ten ist irgend­je­mand in „sei­ner“ Stun­de krank, so dass in der nächs­ten Stun­de gleich zwei Refe­ra­te hin­ter­ein­an­der statt­fin­den müs­sen, macht dann gleich mal ca. 30 Minu­ten Rum­sit­zen.

Was für ein ödes Zeug muss man sich da oft/meistens (?) anhö­ren: „Die Geschich­te des Vol­ley­ball­sports“, „Wett­kampf­re­geln Schwim­men“, „Die olym­pi­schen Spie­le – Von der Anti­ke bis in die Moder­ne“ usw. usw. Inter­es­siert bzw. nützt das irgend­je­mand? Kann ich bes­ser prit­schen oder bag­gern, wenn ich weiß, dass …? Kann ich bes­ser krau­len, wenn ich mal gehört habe, dass …? Habe ich mehr Spaß an etwas, weil ich weiß, dass …?

Sport­leh­rer kla­gen zu Recht, dass sie so wenig Unter­richts­zeit haben und dass als ers­tes immer die Sport­stun­den gekürzt wer­den. Solan­ge sie ihren eige­nen Unter­richt aber nicht kon­se­quent auf BEWEGUNG aus­rich­ten, ist die­se Kri­tik m.E. nicht wirk­lich stich­hal­tig. Viel zu vie­le Sport­leh­rer lei­den noch immer unter dem Min­der­wer­tig­keits­kom­plex der „Unwis­sen­schaft­lich­keit“. Anstatt sich vol­ler Selbst­be­wusst­sein hin­zu­stel­len und zu ver­kün­den: „Wir sind stolz dar­auf das ein­zi­ge BEWE­GUNGS­fach zu sein und wol­len gar nicht „wis­sen­schaft­lich“ sein – und das ist auch gut so!“ ver­geu­den sie wert­vol­le Zeit mit unsin­ni­gen Refe­ra­ten.

In über zwan­zig Jah­ren Unter­richts­tä­tig­keit bin ich zu der fes­ten Über­zeu­gung gelangt, dass man so gut wie nie­mand mit Wor­ten und Appel­len an die Ein­sicht zu Bewe­gung und Sport moti­vie­ren kann (vie­le Stu­di­en bestä­ti­gen das). Nicht umsonst haben wir den schö­nen deut­schen Aus­druck „etwas am eige­nen Leib erfah­ren“ oder um Goe­the zu zitie­ren: „Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erja­gen.“ Nur wenn ich am eige­nen Leib erfah­re und füh­le, dass ich nach ein paar Wochen Trai­ning län­ger lau­fen und dop­pelt so vie­le Lie­ge­stüt­ze machen kann, end­lich den Ball in den Bas­ket­ball­korb wer­fe und die schwie­ri­ge Aero­bic­fol­ge feh­ler­frei schaf­fe, bin ich moti­viert und habe Spaß an Bewe­gung und Anstren­gung. Kein noch so gutes Refe­rat über die posi­ti­ven Aus­wir­kun­gen eines regel­mä­ßi­gen Herz-Kreis­lauf­trai­nings kann auch nur annä­hernd das groß­ar­ti­ge Gefühl erset­zen, wenn man sich rich­tig „aus­ge­powert“ hat und sich rich­tig schön müde fühlt. Nur wenn ich erfah­ren habe, dass eine Mann­schaft durch gemein­sa­me Anstren­gung und Team­work einen Geg­ner besiegt hat, wird mich das für das wei­te­re Trai­ning moti­vie­ren. Beken­nen wir uns doch end­lich zu unse­rem Kern­ge­schäft, der BEWEGUNG und redu­zie­ren den ganz kognitiv-theoretisch-„wissenschaftlichen“ Quark auf das abso­lu­te Mini­mum!

Als Nach­weis unse­rer „Wis­sen­schaft­lich­keit“ wird bei uns in Bay­ern im Grund­kurs Sport ein Theo­rie­test geschrie­ben. Mei­ne Schü­ler bekom­men vor­her ein maxi­mal zwei­sei­ti­ges Han­dout zur Regel­kun­de (zip) und im Test beschrän­ke ich mich auf ein paar grund­le­gen­de Fra­gen zu Tech­nik und Regel­kun­de. Es gibt aber auch Kol­le­gen, die 20-sei­ti­ge (!) Han­douts aus­tei­len und im Theo­rie­test fra­gen, wel­chen Umfang und wel­ches Gewicht ein Vol­ley­ball hat. Sehr wis­sen­schaft­lich und wirk­lich nütz­lich fürs wei­te­re Leben …

Wenn die Gerüch­te stim­men, soll es in der neu­en baye­ri­schen Ober­stu­fe noch schlim­mer wer­den; da soll dann Pra­xis zu Theo­rie 2:1 gewer­tet wer­den. Um die­sen enorm hohen Stel­len­wert der Theo­rie zu recht­fer­ti­gen, muss man dann natür­lich ent­spre­chend viel und anspruchs­vol­le Theo­rie machen. Ich sehe schon kom­men, dass wir dann am bes­ten gleich ganz im Klas­sen­zim­mer blei­ben und zusam­men mit unse­ren über­ge­wich­ti­gen Schü­lern Vide­os gucken. Die Schü­ler kön­nen zwar dann noch weni­ger als heu­te, aber wis­sen dann zumin­dest wie es gehen soll­te.

Zurück zu den Grün­den für das Rum­sit­zen. „Sozia­les Ler­nen im Sport­un­ter­richt“ ist eine fei­ne Sache, aber wenn das dann kon­kret bedeu­tet, dass Schü­ler rum­sit­zen und wert­vol­le Bewe­gungs­zeit ver­lo­ren geht, hal­te ich nur noch sehr wenig davon. Am Anfang von sol­chen päd­ago­gi­schen wert­vol­len Stun­den dür­fen die Schü­ler nicht ein­fach in der Hal­le rum­ren­nen und rum­brül­len, son­dern alle set­zen sich erst­mal um den Mit­tel­kreis her­um. Der Leh­rer setzt sich natür­lich dazu, denn wenn er als ein­zi­ger ste­hen wür­de, wäre das bereits ein Aus­druck sei­ner Macht und das will er auf kei­nen Fall, schließ­lich sind die Schü­ler ja gleich­be­rech­tig­te „Lern­part­ner“. Anschlie­ßend wird aus­führ­lich über den Ablauf der Stun­de gespro­chen. Der Leh­rer macht Vor­schlä­ge, die Schü­ler dis­ku­tie­ren, stim­men ab, kön­nen sich nicht eini­gen, da ver­ge­hen schnell 15 Minu­ten bis es über­haupt mal los­geht. Am Ende der Stun­de das­sel­be Spiel­chen wie­der: „Wie habt ihr euch gefühlt?“, „Was hat euch (nicht) gefal­len?“, „Was könn­ten wir nächs­te Stun­de anders machen?“ usw. Zwi­schen­durch kann man dann noch über Regel­än­de­run­gen, das Ver­hal­ten von ein­zel­nen und vie­le ande­re Sachen dis­ku­tie­ren. Ohne Pro­ble­me kommt man in sol­chen Stun­den auf mehr als 30 Minu­ten rum­sit­zen und labern, kom­mu­ni­zie­ren.

In mei­nem Unter­richt heißt es soweit mög­lich: SITZEN VERBOTEN. Am Anfang der Stun­de räu­me ich meis­tens schon irgend­wel­che Gerä­te (Bäl­le, Sei­le, Ten­nis­bäl­le etc.) raus und die Schü­ler wis­sen, sie etwas mit die­sen Gerä­ten machen MÜSSEN und sich NICHT hin­set­zen dür­fen. Das ist also genau das Gegen­teil (Tut mir leid, lie­be Sport­kol­le­gin­nen) von typi­schen Mäd­chen-Sport­stun­den. Dort sit­zen nach mei­ner Erfah­rung häu­fig (Aus­nah­men bestä­ti­gen die Regel) erst mal ALLE rum und quas­seln. Die Sport­leh­re­rin setzt sich meis­tens dazu und nach erst ca. 10–15 Minu­ten geht’s dann irgend­wann mal los.

Auch wäh­rend der Stun­de darf sich bei mir nie­mand ein­fach hin­set­zen und zuschau­en. Wenn einem Schü­ler z.B. etwas weh tut, muss er erst kurz mit mir spre­chen, bevor er sich hin­set­zen darf. Ich bin immer ganz baff, wenn Schü­ler sich bei mir beschwe­ren, dass sie sich nicht ein­fach hin­set­zen dür­fen, wenn ihnen etwas nicht gefällt, bei Kol­le­ge XY sei das völ­lig nor­mal.

Wenn Bewe­gung höchs­te Prio­ri­tät haben soll, hat das natür­lich Aus­wir­kun­gen auf die Inhal­te mei­nes Unter­richts. Wie in jedem ande­ren Fach muss ich mei­ne Inhal­te einer didak­ti­schen Ana­ly­se unter­zie­hen. Kon­kret habe ich dabei z.B. fol­gen­de Kri­te­ri­en: Wie vie­le Schü­ler kann ich über mög­lichst lan­ge Zeit gleich­zei­tig beschäf­ti­gen? Je mehr des­to bes­ser, noch­mal bes­ser, wenn nicht alle das­sel­be machen, son­dern ich bin­nen­dif­fe­ren­zie­ren kann. Wie effek­tiv sind mei­ne Inhal­te in Hin­sicht auf die Ver­bes­se­rung von Herz-Kreis­lauf, Kraft und Koor­di­na­ti­on? Wie rele­vant sind mei­ne Inhal­te für das Leben nach der Schu­le (life­time Sport­ar­ten)? Wie tech­nisch anspruchs­voll ist eine Bewe­gung, bzw. wie lan­ge muss ich üben bevor mal über­haupt ein Spiel zustan­de­kommt? (Vol­ley­ball hat in die­ser Hin­sicht eine ganz mie­se Bilanz). Wie muss ich den Unter­richt orga­ni­sie­ren, dass ich Bewe­gungs­zeit maxi­mie­re und Rum­sit­zen bzw. -ste­hen mini­mie­re?

Auf­grund die­ser ganz ein­fa­chen Über­le­gun­gen tref­fe ich dann Ent­schei­dun­gen bezüg­lich der Inhal­te mei­nes Unter­richts: Aero­bic statt Gerä­te­tur­nen, Ring­ten­nis statt Weit­sprung, Kraft­trai­ning statt Kugel­sto­ßen, Rope Skip­ping statt Hoch­sprung (wo ich im güns­ti­gen Fall zwei Anla­gen habe und bei 32 Schü­lern zwei Grup­pen à 16 Schü­ler mit ent­spre­chen­den War­te­zei­ten) usw. Durch gering­fü­gi­ge Ände­run­gen kann man Rum­sit­zen redu­zie­ren, so las­se ich Vol­ley­ball grund­sätz­lich QUER spie­len. Dadurch habe ich zwar nicht mehr die Ori­gi­nal-Spiel­feld­ma­ße, aber es kön­nen (auf zwei Spiel­fel­dern) schon mal dop­pelt so vie­le Schü­ler spie­len.

Die oben genann­ten Kri­te­ri­en gel­ten natür­lich genau­so für neue Sport­ar­ten. Base­ball im Schul­sport? Bringt nach mei­ner Erfah­rung ziem­lich wenig. Die Schü­ler tref­fen den Ball nur höchst sel­ten und alle ande­ren ste­hen nur rum. Irgend­wann läuft mal einer ein paar Schrit­te, wirft den Ball und das war’s dann auch schon wie­der. Yoga im Schul­sport? Bewuss­tes Atmen, Ent­span­nung und Medi­ta­ti­on sind wun­der­ba­re Din­ge, aber ist Her­um­lie­gen wich­ti­ger als sich Bewe­gen? Natür­lich spielt es immer eine Rol­le wie­vie­le Stun­den ich zur Ver­fü­gung habe. Wenn ich zwei Dop­pel­stun­den in der Woche habe, spricht nichts dage­gen mal eine Ein­heit von sagen wir drei bis vier Stun­den für bewe­gungs­ar­me Inhal­te zu ver­wen­den. Wenn ich aber nur eine Dop­pel­stun­de in der Woche habe, soll­te das die Aus­nah­me sein.

Nicht ver­schwie­gen sei zum Ende, das das alles nur mit Dis­zi­plin geht. Mei­ne Schü­ler dür­fen so laut rum­brül­len wie sie wol­len, wenn ich pfei­fe, müs­sen sie SOFORT mucks­mäus­chen­still sein, müs­sen ggf. ihren Ball/ihr Seil etc. fest­hal­ten und mich anschau­en. Auf das ent­spre­chen­de Zei­chen hin, müs­sen sie ange­saust kom­men und sich nach der Ansa­ge genau­so schnell wie­der ver­tei­len und wei­ter­ma­chen. Auf- und Abbau von Gerä­ten, Über­ga­be der Lei­berl – alles muss flott gehen. Eine gute Stun­de war es für mich, wenn es am Ende der Stun­de heißt: „Waaas, schon vor­bei?“

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  1. jens hornig

    Das war ja auch mei­ne Absicht, die Per­spek­tiv­en­er­wei­te­rung, damit man nicht nur starr einer Linie folgt.

    Von Wider­le­gen kann aber kei­ne Rede sein, Poll­mers Aus­füh­run­gen sind unter­halt­sam und ein gutes Mit­tel, Fitnes­sir­ren zu begeg­nen und den Gesund­heits­pro­gram­men der Kran­ken­kas­sen begeg­nen zu kön­nen, aber des­we­gen noch nicht die letz­te Wahr­heit.

    Die Emp­feh­lun­gen Moos­bur­gers haben mich jeden­falls 17 kg abneh­men las­sen. Jetzt bin ich aber viel­leicht nicht gesün­der (im Sin­ne Poll­mers geht das so ja nicht), ich sehe nur (noch) bes­ser aus.

    Gute Zeit,
    Jens

  2. Wit­zig, dass du aus­ge­rech­net Udo Poll­mer nennst. Der bezeich­net näm­lich z.B. die simp­le Vor­stel­lung des Kör­pers als Kalo­ri­en „Ver­bren­nungs­mo­tor“ als kom­plet­ten Unsinn (sie­he z.B. http://tinyurl.com/5urp9e S. 29 ff.).

    Auch in sei­nem neu­en Buch http://tinyurl.com/6facel wider­spricht bzw. wider­legt er so ziem­lich alle Ernäh­rungs­tipps von Fach­leu­ten wie Dr. Moos­bur­ger.

  3. jens hornig

    Ger­ne, viel Spaß wei­ter­hin mit dem Unter­rich­ten, ich hof­fe, es taugt den Schü­lern so sehr wie mir frü­her der Sport­un­ter­richt.

    Zur Erwei­te­rung der Per­spek­ti­ve und als Gegen­stück zu Herrn Dr. Moos­bur­ger, der mir übri­gens schon eini­ge Male bei Fra­gen kom­pe­tent und flott per Mail wei­ter­hel­fen konn­te:

    Udo Poll­mer: Lexi­kon der Fit­neß-Irr­tü­mer

    Schö­ne Rest­fe­ri­en,
    Jens

  4. > Dum­mer­wei­se bräuch­te man da auch wie­der einen Kraft­raum, oder zumin­dest ein paar Lang­han­teln….

    Nö, war­um denn? Eige­nes Kör­per­ge­wicht reicht doch völ­lig, sie­he z.B. http://tinyurl.com/5jlp3t

    Dan­ke für die Moos­bur­ger Links, sehr inter­es­sant, z.B. „Schuf­ten für den Body“ (bei 11. Diver­se The­men)

  5. jens hornig

    Da man nach jedem Stoß ja auch ein wenig Pau­se braucht, soll­ten 3 Anla­gen doch pas­sen. Das Sto­ßen selbst ist ja auch nur das Ende der Fah­nen­stan­ge, inten­si­ves, abwechs­lungs­rei­ches Aufwärmen,Techniktraining, Bein­ar­beit (sogar Sprints) und Rumpf­sta­bi­li­sie­rung gehö­ren ja auch mit dazu, da sind Schü­ler mit einer sau­be­ren Unter­richts­pla­nung auch gut beschäf­tigt. Außer­dem gehört das sich Kon­zen­trie­ren und Bän­deln von Kraft in einer (Stoß)Aktion auch zum Sport.

    PS: Kraft­trai­ning ist natür­lich an sich bes­ser als Kugel­sto­ßen, macht man es in der schü­ler­ge­rech­ten Vari­an­te mit weni­ger Gewicht, dann ist das wohl DER Weg zum Abspe­cken, sie­he auch unter

    http://www.dr-moosburger.at/pub/pub084.pdf

    http://www.dr-moosburger.at/publikationen.php

    Dum­mer­wei­se bräuch­te man da auch wie­der einen Kraft­raum, oder zumin­dest ein paar Lang­han­teln.…

  6. > Kugel­sto­ßen kann auch zügig auf ent­spre­chen­den Anla­gen lau­fen.

    Mag sein, nur wo gibt es sol­che „ent­spre­chen­den“ Anla­gen? Alles, was ich in mei­nem bis­he­ri­gen Pau­kerle­ben ken­nen­ge­lernt habe, war EINE Sand­gru­be mit 3–4 Stoß­rin­gen und da läuft (schon aus Grün­den der Sicher­heit) NICHTS „zügig“.

  7. jens

    Nach­trag: Kugel­sto­ßen kann auch zügig auf ent­spre­chen­den Anla­gen lau­fen und ich ken­ne durch­aus Schü­ler, denen der Wett­kampf­cha­rak­ter mit Wei­ten wich­tig war. Außer­dem hat­ten da eini­ge der dicke­ren, kräf­ti­ge­ren Schü­ler gute Ergeb­nis­se und waren hoch­mo­ti­viert auf Kugel­stoß.

    Die wären von Aero­bic und Ring­ten­nis begeis­tert gewe­sen und hät­ten sich hin­ge­setzt.

  8. jens hornig

    In jedem Fall mal wie­der inter­es­sant, dass nicht sach­lich dis­ku­tiert wird, son­dern man sich gegen­sei­tig Vor­wür­fe (Zitier­re­geln usw.) zuwirft. Der Ver­weis auf eine kor­rek­te Recht­schrei­bung hät­te noch gefehlt.

    PS:Ich habe mich als Schü­ler immer mal wie­der ger­ne hin­ge­setzt und gestat­te ger­ne auch mei­nen Kin­dern das im Sport­un­ter­richt zu tun. Dis­zi­plin als urdeut­sche Tugend ist nach kei­nem Lehr­plan erklär­tes Erzie­hungs­ziel.
    Gruß, machen Spaß die­se Sei­ten hier ist immer was los…

  9. otto

    Salü Jochen, ich kann nur sagen, dass ich nach 20 Jah­ren Unter­richt, (lei­der nur mit wenig Sport) jeden ein­zel­nen Satz drei­mal unter­schrei­ben könn­te. Du hast mei­ner Mei­nung nach voll­kom­men Recht. (Womit ich per­sön­lich Mühe hät­te, wäre, die gan­ze Sache selbst­be­wusst und ohne all­zu gros­sen Anse­hens­ver­lust durch­zu­set­zen, da wür­de ich oft­mals nicht den rich­ti­gen Ton tref­fen – viel­leicht auch, weil rum­sit­zen und lab­bern und Zeit ver­trö­deln höher im Kurs steht als das Ver­bot sich hin­zu­set­zen.

  10. Jo Walter

    Genau die­se Über­heb­lich­keit mein­te ich !! Ande­re Leu­te ver­bes­sern und Kri­tik abpral­len las­sen –> Berufs­krank­heit ? Kein Wun­der ist unser Berufs­stand in der Gesell­schaft so ange­se­hen.

  11. > Was ist z.B. mit einem phy­sik­be­geis­ter­tem Schü­ler der durch­aus an bio­me­cha­ni­schen Erklä­run­gen zum Kugel­stoss inter­es­siert ist ?

    Au ja, das ist dann „fächer­über­grei­fen­der Unter­richt“. Bei der Weit­sprung-Hangs­prung­tech­nik kann man auch ganz her­vor­ra­gend phy­si­ka­li­sche Kräf­te ana­ly­sie­ren.

    Klei­ner Tipp: Mal ler­nen, wie man zitiert bzw. Zita­te kürzt, z.B. unter http://einklich.net/usenet/zitier.htm

  12. Jo Walter

    Viel zu vie­le Sport­leh­rer lei­den noch immer unter dem Min­der­wer­tig­keits­kom­plex der „Unwis­sen­schaft­lich­keit“. Anstatt sich vol­ler Selbst­be­wusst­sein hin­zu­stel­len und zu ver­kün­den: „Wir sind stolz dar­auf das ein­zi­ge BEWE­GUNGS­fach zu sein und wol­len gar nicht „wis­sen­schaft­lich“ sein “
    Man­geln­des Selbst­be­wusst­sein ist nun nicht wirk­lich ihre Schwä­che. Eher Über­heb­lich­keit und Unkennt­nis über die Pro­ble­me und Bedürf­nis­se der Schü­ler und Schü­le­rin­nen. Bestä­tigt wird dies durch ihr Vor­ur­teil, des sit­zen­den Mäd­chen­sports. Sie igno­rie­ren die unter­schied­li­chen Bedürf­nis­se der Geschlech­ter in der Puber­tät oder haben sie Erfah­rung im Mäd­chen­sport ?
    In ihren ande­ren Bei­trä­gen ver­ur­tei­len sie Sport­ar­ten als ver­al­tet und unge­sund und über­hö­hen ihre eige­nen – immer wie­der genann­ten – Fitnessstudio-Sportarten.Wie gehen sie mit Des­in­ter­es­se an ihren Rand­sport­ar­ten um, dazu.…

    Nicht ver­schwie­gen sei zum Ende, das das alles nur mit knall­har­ter Dis­zi­plin geht. Mei­ne Schü­ler dür­fen so laut rum­brül­len wie sie wol­len, wenn ich pfei­fe, müs­sen sie SOFORT mucks­mäus­chen­still sein, müs­sen ggf. ihren Ball/ihr Seil etc. fest­hal­ten und mich anschau­en. Auf das ent­spre­chen­de Zei­chen hin, müs­sen sie ange­saust kom­men und sich nach der Ansa­ge genau­so schnell wie­der ver­tei­len und wei­ter­ma­chen. Auf- und Abbau von Gerä­ten, Über­ga­be der Lei­berl – alles muss flott gehen. Eine gute Stun­de war es für mich, wenn es am Ende der Stun­de heißt: „Waaas, schon vor­bei?“ “

    Beleh­ren­de Aus­sa­gen die dar­auf schlie­ßen las­sen dass sie ihren Kol­le­gen nicht viel zutrau­en und nicht auf Viel­falt und Unter­schied­lich­keit im Kol­le­gi­um wert­le­gen.
    Die­se Aus­sa­gen sind für mich Beleg dafür, dass sie ihre pri­va­te Vor­lie­be für Erwach­se­nen-Gesund­heits­sport in ihren Unter­richt trans­por­tie­ren und las­sen den Ver­dacht zu, dass Schü­ler deren Inter­es­sen nicht den ihren ent­spre­chen, es bestimmt nicht ein­fach haben. Was ist z.B. mit einem phy­sik­be­geis­ter­tem Schü­ler der durch­aus an bio­me­cha­ni­schen Erklä­run­gen zum Kugel­stoss inter­es­siert ist ?

    Sie bestä­ti­gen – um auch ein­mal ein Vor­ur­teil zu bedie­nen – den All­wis­sen­heits- und Unfehl­bar­keits­an­spruch mit dem nur all­zu­vie­le Kol­le­gen in der Schu­le aus­ge­stat­tet sind.
    Neh­men sie sich doch ein­fach mal nicht ganz so wich­tig !

    Jo Wal­ter

  13. > Ist das FAch Sport bei euch etwa nicht ver­set­zungs­re­le­vant????

    Nein. Es wird der­zeit dis­ku­tiert, ob es ein Vor­rü­ckungs­fach wer­den soll, es ist aber noch nichts ent­schie­den.

  14. Frau Lehmann

    Ich wun­de­re mich gera­de über den Begriff „Vor­rü­ckungs­fach“! Ist das FAch Sport bei euch etwa nicht ver­set­zungs­re­le­vant???? Bei uns in NRW auf jeden Fall schon. Hier gibt es nur die Unter­schei­dung zwi­schen Haupt- (Deutsch, Mathe, 1. + 2. Fremd­spra­che) und Neben­fä­chern (bzw. im Fach­jar­gon zwi­schen 1. und 2. Fächer­grup­pe). Aber eine Sport-5 ist genau­so schlimm wie eine Phy­sik-5 bei uns!

  15. > Außer­dem aus wel­chen Grund gibt es sie dann über­haupt im Sport­un­ter­richt

    Auf das The­ma „Noten im Sport­un­ter­richt“ gehe ich dem­nächst in einem eige­nen Bei­trag ein.

    > wäh­rend die wirk­lich Sport begeis­ter­ten in gewis­ser Hin­sicht bestraft wer­den, da sich kein Leh­rer dafür inter­es­siert ob jemand einen Wett­kampf oder ähn­li­ches hat­te.

    Dass „sich kein Leh­rer dafür inter­es­siert“ fin­de ich zu pau­schal und kann ich mir ehr­lich gesagt auch nicht vor­stel­len. Nor­ma­ler­wei­se ist eine Schu­le doch stolz auf ihre guten Sport­ler. Da gibt es doch indi­vi­du­el­le Rege­lun­gen. Ich bin dage­gen, dass jeder, der viel­leicht ein­mal abends irgend­wo im Ver­ein ist, auto­ma­tisch vom nor­ma­len Sport­un­ter­richt befreit wird. Aber wenn sich z.B. Leis­tungs­sport und Schul­sport zeit­lich über­schnei­den, dann hat für mich natür­lich der Ver­ein Vor­rang und wir ver­su­chen einen ver­nünf­ti­gen Kom­pro­miss zu fin­den. Genau­so befreie ich einen Schü­ler selbst­ver­ständ­lich vom Schul­sport, wenn er am sel­ben Tag z.B. einen wich­ti­gen Wett­kampf hat.

  16. m.s.1944@

    >Soll­ten denn Noten im Vor­der­grund ste­hen?

    Ob die Noten im Vor­der­grund ste­hen soll­ten ist eine ande­re Fra­ge aber in jedem ande­rem Schul Fach ist es ja nun mal auch so. Außer­dem aus wel­chen Grund gibt es sie dann über­haupt im Sport­un­ter­richt bzw. gäbe es sie nicht wäre es mei­ner mei­nung nach auch nicht nötig, dass die­ses Fach für die Schü­ler ver­pflich­tent ist.

    >Stimmt nicht. Mei­ne Haupt­ab­sicht ist die Schü­ler durch viel­fäl­ti­ge
    Bewe­gungs­er­fah­run­gen zu lebens­lan­gem Sport­trei­ben zu befä­hi­gen und zu moti­vie­ren.

    Dann hab ich mich viel­leicht falsch aus­ge­drückt ich mein­te mit mei­ner Ausa­ge, dass sie die Bewe­gung an sich eher über die Noten stel­len (hof­fe ich habe sie jetzt rich­tig ver­stan­den)

    Ich sehe das mit den Sport­ver­ei­nen anders. Ein Schü­ler der mehr­mals die Woche Sport macht, hatt logi­scher wei­ße weni­ger Zeit für die Schu­le (dies gilt natür­lich auch für schü­ler die z.B. ein instru­ment spie­len, aber Musik ist ja auch ein Vor­rü­ckungs­fach). Die­ser wird gezwun­gen sich nach der schu­le ab zu het­zen (ins­be­son­de­re bei Sport als Nachmittagsunterricht)um es zum Tai­ning zu schaf­fen und dann abends sei­ne Haus­auf­ga­ben machen müssen.Die Leu­te, die sie zum Sport moti­vie­ren wol­len sind -so emp­fin­de ich es zumin­der­s­tens- fein raus, wäh­rend die wirk­lich Sport begeis­ter­ten in gewis­ser Hin­sicht bestraft wer­den, da sich kein Leh­rer dafür inter­es­siert ob jemand einen Wett­kampf oder ähn­li­ches hat­te.

  17. > da sie nie die Noten in den Vor­der­grund stel­len

    Über Beno­tung habe ich in die­sem Bei­trag doch über­haupt nichts geschrie­ben. Soll­ten denn Noten im Vor­der­grund ste­hen???

    > son­dern immer nur die Absicht das Über­ge­wicht von nicht sport­be­geis­ter­ten Schü­lern zu redu­zie­ren.

    Stimmt nicht. Mei­ne Haupt­ab­sicht ist die Schü­ler durch viel­fäl­ti­ge Bewe­gungs­er­fah­run­gen zu lebens­lan­gem Sport­trei­ben zu befä­hi­gen und zu moti­vie­ren. Gewichts­re­duk­ti­on ist viel­leich ein posi­ti­ver Neben­ef­fekt aber durch Sport allei­ne bekannt­lich völ­lig unmög­lich.

    > Doch was ist mit den Schü­lern die nach der Schu­le in Sport­ver­ei­nen sind,diese sind gezwun­gen ihre Zeit im Schul­sport zu „ver­schwen­den“

    Wenn der schu­li­sche Sport­un­ter­richt, wie von mir gefor­dert, ein VIELFÄLTIGES Ange­bot macht, „ver­schwen­den“ auch die Ver­eins­sport­ler kei­ne Zeit, son­dern machen ganz neue Bewe­gungs­er­fah­run­gen. Ein her­vor­ra­gen­der Fuß­bal­ler kann sich mit Aero­bic, Rope Skip­ping, Jon­glie­ren etc. sehr schwer tun.

    > oder Kraft-/Kon­di­ti­ons­trai­ning mit­ma­chen, das für sie inef­fek­tiv ist.

    Da muss der Leh­rer durch ent­spre­chen­de Bin­nen­dif­fe­ren­zie­rung eben dafür sor­gen, dass es effek­tiv ist, z.B. bei Lie­ge­stüt­zen die Hän­de näher zusam­men neh­men bzw. ein­ar­mi­ge Lie­ge­stüt­ze machen.

    > Kann man die­sen Schü­lern wirk­lich ver­weh­ren sich in der Stun­de hin­zu­set­zen?

    Ja.

    > ist für sie der Sport Unter­richt „nutz­los“

    Trifft für mei­ne Schü­ler (zumin­dest die Jun­gen) gott­sei­dank über­haupt nicht zu.

  18. m.s.1944@

    Ihr Arti­kel ist inter­es­sant und vie­ler Hin­sicht stim­me ich mit ihnen über ein aber nicht ganz. Zunächst machen sie nach mei­ner Auf­fas­sung den glei­chen Feh­ler den sie bei ihren Kol­le­gen kri­ti­sie­ren denn sie geben den Sport­un­ter­richt eine Son­der­stel­lung. Wäh­rend die meis­ten Sport­leh­rer dies tun indem sie das Fach nicht zu ernst neh­men (kom­mu­ni­zie­ren am Anfang der Stunde;hinsetzen las­sen wäh­rend der Stun­de), nimmt der Unter­richt bei ihnen eine son­der Form, da sie nie die Noten in den Vor­der­grund stel­len son­dern immer nur die Absicht das Über­ge­wicht von nicht sport­be­geis­ter­ten Schü­lern zu redu­zie­ren. Wür­de das nicht getan wer­den, so mei­ne ich wür­de sich das Pro­blem „von allei­ne“ erle­di­gen, da die Schü­ler sich genau so vor Ver­wei­sen und Ähn­li­chen „fürch­ten“ müs­sen (bzw. wäre es eben­falls ein Vor­rü­ckungs­fach schlech­te Noten) wenn sie im Unter­richt nicht rich­tig mit­ma­chen. Doch was ist mit den Schü­lern die nach der Schu­le in Sport­ver­ei­nen sind,diese sind gezwun­gen ihre Zeit im Schul­sport zu „verschwenden“obwohl sie die­se Zeit bes­ser zum Ler­nen nut­zen könn­ten da der Sport in der Schu­le ohne­hin nie (mal ganz abge­se­hen von den Inter­es­sen der Schü­ler) das glei­che Niveau haben wird wie eben in einem Verein,da dazu sowohl Zeit;Raum;Lehrer zu knapp sind. Sie müs­sen zum Teil Din­ge Stun­de für Stun­de wie­der­ho­len die sie schon längst beherr­schen oder Kraft-/Kon­di­ti­ons­trai­ning mit­ma­chen, das für sie inef­fek­tiv ist. Kann man die­sen Schü­lern wirk­lich ver­weh­ren sich in der Stun­de hin­zu­set­zen? Wel­che Grün­de gäb es für sie dem Unter­richt zu fol­gen? Nur die „knall­har­te Dis­zi­plin“ die sie erwäh­nen? Dass dies nicht funk­tio­niert sieht man ja an genü­gend Bei­spie­len im „nor­ma­len“ Unter­richt (aber dies wür­de jetzt vom The­ma weg­füh­ren).
    Ein wei­te­res Pro­blem für das Fach Sport ist mei­ner Mei­nung nach, dass es den Schü­lern beruf­lich gese­hen, so weit ich weiß nicht wei­ter­hilft, da die meis­ten Schü­ler nicht um des Ler­nen wil­lens ler­nen son­dern für die Noten (und die dar­aus resul­tie­ren­den beruf­li­chen Chan­cen) ist für sie der Sport Unter­richt „nutz­los“
    Es wer­den ihnen sicher Eini­ge zustim­men, dass es nichts bes­se­res gibt als ein­mal rich­tig „aus­ge­powert“ zu sein, bzw. zu sehen wie man sich lang­sam steigert,aber ich den­ke, dass dies für sehr Weni­ge ein ech­tes Ver­gnü­gen ist.
    Zu ihrer Ansicht über „typi­schen Mäd­chen-Sport­un­tericht“ muss ich sagen,dass dies zwar zutrifft aber eben­so auf den Jun­gen-Sport­un­tericht

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