Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

SchulSportArten

Auch bei Sportlehrern gibt es eine starke „Hamma imma schon so gmacht“-Fraktion, die seit zwanzig Jahren dasselbe macht und keinen Gedanken daran verschwendet („Des hamma noch nie gmacht“) mal etwas Neues auszuprobieren und veraltete Inhalte über Bord zu werfen. Im Folgenden beschreibe ich MEINE Kriterien, die ich anwende, wenn ich mir überlege, was ich Neues im Sportunterricht ausprobieren könnte bzw. an welcher Fortbildung ich teilnehmen sollte.

Die folgenden Kriterien sind NICHT nach Wertigkeit geordnet. Selbstverständlich kann keine Sportart alle Kriterien erfüllen, aber wenn man vergleicht, kommt man doch relativ leicht zu klaren Entscheidungen. Wenn eine Sportart mehrere Kriterien überhaupt nicht erfüllt, muss sie schon in anderen Bereichen viel bieten um Mängel auszugleichen.

The more the merrier: Je mehr Schüler ich gleichzeitig beschäftigen kann, umso besser. Ideal ist es, wenn ich wie bei Rope Skipping und Aerobic ALLE Schüler die GANZE Zeit beschäftigen.

Aiming for the Heart: Je gleichmäßiger Herz und Kreislauf aerob trainiert werden, umso besser (angeblich soll man durch regelmäßiges aerobes Training sogar intelligenter werden). Kurze, anaerobe Belastungen bringen so gut wie keinen Trainingseffekt. Gut ist es, wenn neben Herz-Kreislauf auch noch Kraft, Beweglichkeit und Koordination gefördert werden.

Corpore sano: Je gesünder eine Sportart/Bewegung ist und je weniger sie z.B. Gelenke und Rücken belastet, umso besser. Weitsprung und Kugelstoßen schneiden in dieser Hinsicht ganz schlecht ab.

Students Just Want to Have Fun: Wieviel Spaß macht die Sportart und wie abwechslungsreich ist sie? Wie lange muss ich üben bevor z.B. ein spannendes Spiel zustandekommt? Wenn man homogene Paare bildet, können Schüler z.B. in Tischtennis und Badminton oft schon nach wenigen Stunden spielen, während sie in Volleyball noch nach mehreren Jahren meistens frustriert rumstehen und kein Spiel zustande kommt.

Rhythm Is It: Viele Schüler hören selbst einen donnernden Hip Hop Rhythmus nicht bzw. können sich nicht im passenden Tempo dazu bewegen. Falls ich eine Sportart mit Musik kombinieren kann (aber nicht nur als Hintergrundgedudel) so wie z.B. bei Aerobic, Rope Skipping, Workout usw. ist das ein großer Vorteil.

Carpe diem: Je weniger Zeit ich durch aufwändigen Geräteauf- bzw. abbau verliere umso besser.

No gain without pain ist m.E. ein für den Sportunterricht völlig untaugliches Motto. Sport darf vor allem den Schlechten nicht wehtun. Natürlich dürfen die Muskeln bei crunches, squats und Liegestütze mal so richtig schön brennen, aber ich kann keinen Sinn darin sehen, wenn Schüler z.B. frontal gegen den Kasten knallen oder sich beim Reck- oder Barrenturnen blaue Flecke holen. Diese Art von „Abhärtung“ hat m.E. in einem modernen Sportunterricht nichts mehr zu suchen.

Non scholae sed vitae: Je häufiger eine Sportart auch noch nach der Schulzeit praktiziert wird (lifetime Sportarten) umso wichtiger sollte sie für den Schulsport sein. Schon aus diesem Grund müssen alle Mädchen Fußball lernen. Frauenfussball ist statistisch eine der beliebtesten Sportarten! Volleyball würde ich dagegen, wenn es nicht so eine allseits beliebte Freizeitbeschäftigung wäre, in der Schule viel weniger (oder auch gar nicht) unterrichten. Das Verhältnis von Aufwand und Ertrag ist m.E. bei Volleyball extrem schlecht.

Money, Money, Money: Je billiger Ausrüstung/Geräte sind, umso besser. Rollerblading wäre ja eine tolle Sache, aber die Ausrüstung ist so teuer, dass es (zumindest an meiner Schule) einfach keinen Sinn hat diesen Sport in der Schule praktizieren zu wollen.

Chacun à son gout: Je leichter ich eine Sportart auf die unterschiedlichen Könnensstufen abstimmen kann und je weniger Schüler über- aber auch unterfordert sind, umso besser.

Creationism: Je leichter Schüler experimentieren können und eigene Bewegungsformen bzw. -kombinationen erfinden können, umso besser. Ideal ist es, wenn man auch noch in Gruppen gemeinsam etwas Kreatives machen kann.

Move ya body at home: Je leichter es ist, eine Sportart auch außerhalb der Schule bzw. zu Hause zu betreiben bzw. eine Bewegung zu üben, umso besser. Jonglieren, Seilspringen, Liegestütze und Aerobicschritte üben, geht auch problemlos zu Hause bzw. in der Freizeit am Wochenende, Barrenturnen kann ich hingegen nur in der Schule.

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Noten im Sport

  1. eisbein

    Hi Jochen,
    ich stimme deinen Ausführungen zu, je mehr Bewegung, je vielseitiger die Bewegung und je größer die Erfolgschancen desto besser für alle beteiligten.
    Ich habe dieses Schuljahr seit langem einmal wieder das Vergnügen einen Grundkurs Schwimmen zu unterrichten (ich bin eigentlich kein Sportlehrer aber habe halt den Trainerschein Schwimmen) und es macht wirklich Laune mit den Jungs und Mädels, die jetzt alle nach 4 Wochen kraulen können und von denen einige das erste mal Wasserball gespielt haben.

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