Sportnoten

Vor kurzem kritisierte mich eine Mutter mal wieder heftig dafür, dass es in meinem Sportunterricht auch schlechte Noten gibt. Ihrer Meinung nach sollte im Sport die schlechteste Note 3 sein, alles andere würde die Kinder „demotivieren“ und ihnen den Spaß am Sport verderben. Obwohl diese Meinung bei vielen Schülern, Eltern und (leider auch) Lehrern verbreitet ist, halte ich sie für völlig falsch.

Das Thema „Noten im Sport“ ist natürlich viel zu komplex um in einem kurzen Blogeintrag angemessen behandelt zu werden. Ich möchte mich deshalb nur mit einem einzigen Aspekt beschäftigen, nämlich dem Zusammenhang zwischen Noten und (De)Motivation. Es geht also im Folgenden NICHT z.B. um „subjektive“ vs. objektive Benotung und die Frage, welche davon im Sport dominieren sollte oder die Frage, ob Sport überhaupt benotet werden sollte. Es geht auch nicht um allgemeine Erziehungsfragen wie „Sollte man Kinder vor Anstrengung und Enttäuschung bewahren?“, „Werden schulische/sportliche Leistungen automatisch besser, wenn ich ein Kind nur oft genug lobe?“ usw. Zu diesen Fragen gibt es eine große Zahl von Erziehungsratgebern.

Bevor man über Noten diskutiert, muss man erstmal klarstellen, welche Art von Noten man überhaupt meint. Im Folgenden schreibe ich ausschließlich über EINZELnoten, also nicht über ZEUGNISnoten. Die Zeugnisnote gibt zwar im Normalfall den Durchschnitt der Einzelnoten wieder, muss es aber nicht. Gottseidank haben wir (in Bayern) die Möglichkeit bei der Notenbildung auch noch andere Faktoren wie Mitarbeit bzw. Leistungsbereitschaft und körperliche Voraussetzungen und Konstitution zu berücksichtigen. Solange sich ein Schüler im Rahmen seiner Möglichkeiten bemüht, bekommt er bei mir im Zeugnis noch die Note 4, auch wenn seine objektiven Leistungen eigentlich schlechter waren. Allerdings sage ich ihm explizit, dass die Note eigentlich schlechter wäre (ich berechne die Noten mit einer Excel-Tabelle). Anders verfahre ich bei Schülern, die z.B. extreme motorische Defizite haben und deshalb gar nicht mehr richtig am Sportunterricht teilnehmen können, weil sie selbst nach mehreren Stunden z.B. den Badminton-Ball bei der Aufgabe nicht treffen. Nach Rücksprache mit den Eltern bzw. dem zuständigen (Kinder-)Arzt befreie ich diese Kinder meistens völlig von der Benotung.

Zurück zur Behauptung „Schlechtere Noten im Sport als 3 demotivieren die Schüler.“ Eine logische Konsequenz dieser Theorie ist, dass man eigentlich überhaupt keine objektiven Leistungen mehr verlangen sollte. Aus meinen Leichtathletik-Tabellen geht ganz klar hervor, wer welche Note für welche Leistung bekommt. Was mache ich jetzt mit Schülern, die z.B. auf 1.000 Meter über 6 Minuten brauchen? Soll der auch eine 3 bekommen, obwohl seine „Leistung“ laut Tabelle ganz klar „ungenügend“ ist? Sollen nur noch die laufen, die wollen oder, noch besser, soll überhaupt niemand mehr 1.000 Meter auf Zeit laufen?

Bizarr finde ich an der Forderung nach ausschließlich guten Noten im Sport, dass deren Verfechter offensichtlich ganz ernsthaft glauben, dass sich die Schüler über diese Noten freuen würden. Meiner Meinung nach trifft genau das Gegenteil zu. Nur weil ein Kind irgendeine Note bekommt, bedeutet das ja nicht automatisch, dass es sich nicht mehr mit seinen Mitschülern vergleicht. Es weiß ganz genau, dass es eben nicht „befriedigend“ ist, wenn es im Volleyball kaum einen Ball trifft, auf 1.000 Meter drei Minuten länger braucht als die meisten anderen und nach drei Liegestützen zusammenbricht.

Selbst wenn die Strategie der Kuschelnoten in der Schule funktionieren würde, würde das „wahre Leben“ außerhalb der Schule die Maßstäbe schnell zurechtrücken. Gottseidank treiben doch noch viele Kinder und Jugendliche außerhalb der Schule Sport. Beim Kicken mit Gleichaltrigen wird dann sehr schnell deutlich, dass die 3 in der Schule absolut wertlos ist, wenn man von den anderen ständig nur als „Flasche“ tituliert wird und immer als letzter gewählt wird bzw. gar nicht erst mitspielen darf. Erst vor kurzem hat mich ein Vereinstrainer gefragt, warum die Kinder im Schulsport immer bessere Noten bekommen, obwohl sie in Wahrheit immer schlechter werden. Als ich ihm von dem ganzen Motivationsquatsch erzählt habe, hat er nur noch den Kopf geschüttelt.

Ebenso absurd finde ich die Behauptung, dass nur gute Noten Schüler motivieren sich (mehr) anzustrengen. In fast allen anderen Fächern billigt man schlechten Noten eine „extrinsisch“ motivierende Wirkung zu: „Lern mehr bzw. streng dich mehr an, dann werden deine Noten auch besser.“ Ausgerechnet für Sport, wo der Zusammenhang zwischen Üben und Leistungsverbesserung so evident ist, soll das nicht gelten. Warum?

Betrachten wir die Wirkung von guten Noten mal aus der Sicht eines unsportlichen, bewegungsfaulen Schülers. Egal, was er macht, er weiß, dass er seine 3 bekommt. Warum, um Himmels willen, soll er sich anstrengen? Wie reagieren gute Sportler auf ausschließlich gute Noten? Die absoluten Nieten bekommen eine 3, alle, die es irgendwie ein bisschen können eine 2 und alle anderen eine 1. Was ist eine 1 dann noch wert? Nichts. Kann man sich über eine 1 dann noch freuen? Nein. Motiviert diese 1 dazu sich mehr anzustrengen? Warum sollte man, man bekommt ja auch ganz ohne Anstrengung die 1. An der Wirkung von Noten ändert sich natürlich überhaupt nichts, wenn man die ganze Skala eine Note nach oben verschiebt und verkündet: „Bei mir gibt es keine schlechteren Noten als 4.“

Wie in allen anderen Fächern ist es natürlich der leichteste Weg nur gute Noten herzugeben. Man vermeidet anstrengende Diskussionen mit Schülern und Eltern (und bei Beschwerden mit dem Chef) und hat seine Ruhe. Oft läuft es auf einen stillschweigenden Deal hinaus: „Ich tu euch nichts, wenn ihr mir nichts tut.“ Selbstverständlich sind solche Lehrer auch häufig „beliebt“. Ob sie allerdings auch GUTE Lehrer sind, ist eine ganz andere Frage.

Obwohl diese Zusammenhänge m.E. so einleuchtend sind, weigern sich nach meiner Erfahrung vor allem Sportlehrerinnen beharrlich sie zur Kenntnis zu nehmen bzw. bei ihrer Notengebung zu berücksichtigen. Vor ein paar Jahren habe ich eine Lehrerfortbildung zum Thema Sportnoten geleitet. Unter Anderem ging es auch um die Lustlosigkeit der Mädchen vor allem in der Mittelstufe. Ich erntete nur Unverständnis und Empörung als ich versuchte darzulegen, dass diese Lahmarschigkeit mangelnde Motivation nicht trotz sondern WEGEN der absurden Notengebung entsteht. Auch die Erzählungen meiner zwei Töchter und vieler Schülerinnen bestätigen meine Erfahrung, dass ungerechtfertigt gute Noten genau das Gegenteil vom eigentlich Gewünschten bewirken.

Nehmen wir für die Wirkung von schlechten Noten mal das Beispiel Liegestütze (in der 6. Klasse). Ich benutze meine Tabelle, aus der klar hervorgeht, wieviele man in welcher Klasse für eine bestimmte Note können muss. Wir machen relativ bald (nachdem wir mehrmals die korrekte Ausführung geübt haben) Noten. Ein Schüler bricht nach dem dritten Liegestütz zusammen und bekommt die Note 6. Natürlich ist die erste Reaktion Enttäuschung und Frustration. Menschen reagieren unterschiedlich auf Enttäuschungen, die einen resignieren, die anderen finden sich nicht damit ab und beschließen etwas zu unternehmen. Wir besprechen im Unterricht, wie schnell man sich gerade im Kraftbereich durch regelmäßiges Training verbessern kann. Ich sage den Schülern, dass sie jederzeit zu mir kommen und versuchen können ihre Note zu verbessern (verschlechtern gibt’s bei mir nicht). Nach ein paar Wochen kommt der Schüler wieder, jetzt kann er schon sieben Stück. Das ist zwar gerade mal die Note 5, aber er hat seine Leistung mehr als verdoppelt und dafür lobe ich ihn natürlich. Das Erfolgserlebnis, verstärkt durch das Lob, motiviert ihn zu weiteren Anstrengungen. Nach ein paar weiteren Wochen …

In Bayern wird derzeit heftig diskutiert, ob Sport Vorrückungsfach werden sollte. Die häufigste Begründung lautet, dass man dadurch das Fach „aufwerten“ wolle. Von diesem Vorschlag halte ich überhaupt nichts. Sport genießt in unserer Gesellschaft und gottseidank bei den meisten Schülern ein ausreichend hohes Ansehen, da braucht nichts aufgewertet zu werden. Für die meisten Jungen ist es schlimm genug in Sport zu versagen, völlig unabhängig davon, ob Sport Vorrückungsfach ist oder nicht. Die einzige Konsequenz wäre, dass noch viel mehr Schmusenoten vergeben werden würden, weil ja niemand riskieren möchte, dass jemand wegen Sport durchfällt. Dadurch tritt genau das Gegenteil des ursprünglich Intendierten ein, nämlich das Fach wird ENTwertet. Wenn Sport hingegen kein Vorrückungsfach ist, kann ich z.B. bei schlechten Leistungen und mangelnder Leistungsbereitschaft weiterhin die Note 5 geben, ohne dass ich gleich „eine Schullaufbahn zerstöre“. Die einfachste Möglichkeit Sport aufzuwerten ist angemessene Leistungen zu verlangen und den Schülern nicht mehr die guten Noten hinterherzuwerfen.

29 Responses to “Sportnoten”


  • Das Thema ist sehr interesannt.In Sachen Notengebung stimme ich ihnen vollkomen zu. Dieses ‘hinterherschmeißen’ der guten Noten,ich hab noch nie etwas anderes erlebt, ist vollkommen idiotisch.Im Mädchensportunterricht erlebt ich das jahr für jahr immer wieder. Wie sollen sportliche Menschen an ihre Grenzen stoßen oder sich richtig ausgepowert fühlen wenn sie ohne anstrengung ihre 1 bekommen, ist doch um einiges bequemer und leichter.Eine andere Frage die sich mir stellt ist:Wenn es doch für Leichtathletik, schwimmen, etc. so schöne Tabellen gibt, wieso führt man sowas dann nicht auch für Ballsporten bzw. Tanzen ein ?!Natürlich sind Ballsportarten um einiges schwerer zu benoten (schätzungsweise) jedoch wär das ganze doch eigendlich ziemlich fair und würde zu einer angemessenen benotung führen. Zumindest meiner meinung nach. Es gibt schüler die im team gut spielen , dann gibt es die die einzellkämpfer sind und leider auch die, die sich hallt ziemlich hängen lassen.Denn meiner meinung nach gibt es keine unsportlichen Menschen sondern nur faule und lustlose.Mit genug training und disziplin könnten auch die in Sport eine angemessene Note zustandebringen, was wieder zur benotung zurückführt.

    Zum Thema Sport zum Vorrückungsfach zu machen bin ich jedoch ner anderen meinung.Um ehrlich zu sein fände ich das eigendlich sogar ziemlich gut. Ich kann natürlich nur von mir sprechen, aber ich glaube das ganze würde die Schüler vllt ein bisschen unter Druck setzen, und selbst zum Sport ‘zwingen’. Erst wahrscheinlich total genervt, jedoch glaub ich schon das damit einige mehr Schüler zum eigenen Sport motiviert werden.Natürlich genießt Sport unter uns Schülern hohes Ansehn, aber ich glaube auch, dass es als Vorrückungsfach eine ganz andere bedeutung bekommen würde. Man würde nicht mehr so schnell als ‘laufender Hühnerhaufen’ oder sonstiges bezeichnet werden, denn jeder muss ob er will oder nicht sein bestes geben weil es ansonsten am Ende des Jahres eine böse überraschung geben würde. Und ganz zuletzt: Warum sollte Sport, wenn religion und kunst ein Vorrückungsfach ist ,weniger wichtig für die Bildung sein?

  • > wieso führt man sowas dann nicht auch für Ballsporten bzw. Tanzen ein ?!

    Für Ballspiele gibt es ziemlich komplexe Beobachtungsbögen, in denen allen nur denkbaren Aspekte des Spiels erfasst werden können. Diese Bögen machen für die Schule aber keinen Sinn, da ist man ja als Lehrer bei Volleyball ja schon froh, wenn Angaben rüberkommen und der Steller den Ball halbwegs dahinspielt, wo er hin soll.

    Auch für Aerobic, Tanzen etc. gäbe es ausführliche Kriterienkataloge, aber auch da ist man ja meistens schon froh, wenn sich jemand die Folge merken kann.

    > Denn meiner meinung nach gibt es keine unsportlichen Menschen sondern nur faule und lustlose.

    Da muss ich widersprechen. So wie jemand kein Talent für Sprachen oder Mathe hat, gibt es genauso Menschen, die kein Talent für Bewegung haben. Auch der Körperbau spielt eine große Rolle. Einem sog. Pykniker (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Pyknisch) wird Sport im Normalfall schwerer fallen, als einem “athletisch” gebauten Menschen.

    > denn jeder muss ob er will oder nicht sein bestes geben

    Das glaube ich, wie geschrieben, gerade NICHT. Kollegen aus Bundesländern, in denen Sport Vorrückungsfach ist, bestätigen meine Vermutung.

    > Warum sollte Sport, wenn religion und kunst ein Vorrückungsfach ist ,weniger wichtig für die Bildung sein?

    Eine gute Frage. Vor allem zu Religion könnte ich eine Menge schreiben, aber das gehört nicht hier her ;-)

  • Ahoi, also ich bin absolut nicht gegen Sport, habe früher diverse Sportarten ausgeübt (von Handball über Rudern zu Tischtennis), aber die Art und Weise, in der bei uns Sport unterrichtet wird, lässt mich doch sehr an dem Sinn und Zweck, sowie an der Kompetenz mancher Sportlehrer, zweifeln.

    Unser Lehrer ist ein ehemaliger Fußballtrainer, der sich in seiner Methode zu Unterrichten sehr festgefahren hat. Es läuft ungefähr so ab:
    1. Anwesenheitskontrolle
    2. 5 min Warmlaufen
    3. 4 oder 6 Mannschaften bilden
    4a. Fußballturnier
    4b. parallel dazu Leistungskontrollen (alles möglichen)
    5. Ende

    Punkt 4b ist extremst unproduktiv.
    Wie von Ihnen gesagt, steigert sich die Leistung eines Probanten ziemlich schnell, sobald eine etwas koordinierte Übung stattfindet, vor allem bzgl. der Körperkraft. Unser Lehrer scheint dies nicht zu berücksichtigen und geht zudem davon aus, das wir alles können und Profis darin wären.

    Er lässt und also einfach die Kontrollen machen, zB letztens Körpertest mit Klimziehen, Liegestütz, Dreierhopp, etc. … Manche Leute springen beim 3erhopp trotz langer Beine nur 5,xx Meter (im Abiturjahrgang). Diese Leute sind noch nicht einmal unsportlich, übergewichtig, unproportional oder sonstwie körperlich beeinträchtigt. Sie holen keinen Schwung, springen falsch ab, rutschen auf dem Parkettboden aus oder sonstwas…

    Er aber akzeptiert es einfach, anstatt ihnen Ratschläge zu geben, wie man es von einem Lehrer erwarten würde. Er leitet nicht an, er kontrolliert einfach nur die Leistung. Das ist kein Lehren, sondern Noten-fassen.

    Viele Schüler scheitern einfach daran, noch nie einen Basketball in der Hand gehabt zu haben. Dafür kassieren sie dann 3-Punkte oder ähnliches.Das durch diese Routine und die schnell aufkommende Langeweile im Unterricht kaum

    Die einzigen, die sich wirklich sportlich betätigen, sind die Leute, die wirklich Fußball spielen und beigeistert dabei sind. Das durch diese Routine und die schnell aufkommende Langeweile im Unterricht ein gravierendes Desinteresse der Schüler am Schulsport entsteht, ist die wirklich traurige Seite.

    Kann man Schulsport nicht anders gestalten?
    Muss es wirklich nach dem Schema “3-mal geübt, auf zur Leistungskontrolle” sein?
    Meiner Meinung nach wäre es sinnvoller, zB vor der Schule eine gemeinsamen Lauf zu unternehmen, durch den Wald, den Park oder auf dem Sportplatz. Das aber dann jeden(!) morgen oder zumindest 3 mal die Woche. Und dann erst den normalen Unterricht beginnen zu lassen.

    Schulsport sollte nicht bewertet werden, sondern den Schüler Sport näher bringen und sie dafür begeistern und motivieren, auch wenn einige vielleicht unterfordert werden. Wer sich dafür interessiert, macht es von sich aus. Wer Angst hat oder sich schämt, kann durch eine freie Atmosphäre Beisterung am Sport finden.

    Wen es nicht interessiert, muss natürlich trotzdem daran teilnehmen, hat aber durch die Regelmäßigkeit am morgen einen wesentlich gesünderen Effekt als zwei mal in der Woche ein paar Meter in einen Sandkasten zu springen und das wars.

    mfg

  • > Kann man Schulsport nicht anders gestalten?

    Nun ja, in meinen diversen Beiträgen versuche ich genau das zu zeigen ;-)

    > Meiner Meinung nach wäre es sinnvoller, zB vor der Schule eine gemeinsamen Lauf zu unternehmen

    Natürlich wäre das “sinnvoller”, nur welcher Schüler macht das schon freiwillig? Nach wenigen Minuten hat sich die Gruppe über mehrere Hundert Meter verteilt, hinten latschen die Faulen, nehmen Abkürzungen, verstecken sich bis die Gruppe auf dem Rückweg wieder vorbeikommt usw. Oft läuft nur der Lehrer die ganze Zeit.

    > Schulsport sollte nicht bewertet werden

    Da bin ich, wie geschrieben, anderer Meinung. Der Mensch ist (Ausnahmen bestätigen die Regel) von Natur aus viel zu träge und bequem um sich freiwillig anzustrengen. Machen Erwachsene doch auch nicht. Warum erwartet man es dann von Schülern?

  • Absolute Zustimmung und ein grosses Lob, dass du dir diesen Stress machst. Ich muss gestehen, dass ich verschiedentlich auch den angeblich so viel “humaneren” und in Wirklichkeit sooooo viel bequemeren Weg gehe- ganz nach dem Motto . Tut ihr mir nichts tu ich euch nichts.

  • Frage: Mein Sohn 11 Jahre alt und geht auf dass Gymnasium. Er hat im zweiten Halbjahr im Sportunterricht -Schwimmen und Basket-Ball. Im Basketball ist er gut,
    im Schwimmen nicht. Der Lehrer hat ihm , weil er nicht kraulen kann, sondern nur Brustschwimmen, seine Sportnote auf 3 gesetzt. Er macht unter der Woche:Fußball,
    Radfahren, inliner und Tennis, mehr ist zeitlich nicht möglich. Kann die Sportnote, diese soll 3/4 ausmachen, den Gesamtdurchschnitt von 1,3 so ausfallen?.
    Ich finde es sehr ungerecht. Ist diese Bewertung so rechtens oder gibt es dagegen
    Einwende?.

    Gruß

    Rolf Weinreich

  • > Der Lehrer hat ihm , weil er nicht kraulen kann, sondern nur Brustschwimmen, seine Sportnote auf 3 gesetzt.

    Die Sportnote oder die SCHWIMMnote?

    > Er macht unter der Woche

    Was ein Schüler sonst noch so macht, spielt für die Sportnoten normalerweise keine Rolle.

    > Kann die Sportnote, diese soll 3/4 ausmachen, den Gesamtdurchschnitt von 1,3 so ausfallen?.

    Diesen Satz verstehe ich leider nicht. “3/4″ wovon?

    Sagen wir mal Ihr Sohn bekommt in BB eine 2 und in Schwimmen eine 4 (wg. Kraulen). Wenn der Lehrer wirklich nur diese zwei Noten macht ergibt das insgesamt eine 3 (2 + 4 = 6 geteilt durch 2 = 3). Würde ich zwar nicht machen, wäre aber korrekt.

  • Der Schulsport muss von ganz vorn neu gemacht werden. Es sollte für die Schüler Sportarten zum Wählen geben, jeder Schüler kann somit ganz individuell für sich seine Leistungen steigern, sich verbessern und Spass an einer Sportart haben, die ihm gefällt. Was bringt es, wenn 50% einer Klasse nichts besseres als eine 3 in Weitsprung, Sprint, Schlagwurf etc. schafft, wem macht es Spass? Vielmehr sollten die individuellen Fähigkeiten der Jugendlichen noch gesteigert werden, und dass nicht mit Sportlehrern, die von Aufwärmen und Trainieren keinerlei Ahnung haben, sondern vielmehr mit Sportlern, die in diesem Bereich fit sind… Denn was manche Sportlehrer sich im Sportunterricht leisten ist nicht vertretbar und bestimmt weder gesund noch fördernd(z.B. Aufwärmen)
    Es ist bestimmt nicht leicht, Sportler zu organisieren, aber es wird früher oder später darauf hinauslaufen, dass bestimmte Fächer von Fachspezialisten gelehrt werden… Und ich hoffe, dass das nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.
    mfg

  • > und Spass an einer Sportart haben, die ihm gefällt.

    Und die Jungen spielen nur noch Fußball, weil ihnen das “gefällt”? Nee, vielen Dank.

    > sondern vielmehr mit Sportlern, die in diesem Bereich fit sind.

    Woher kommen die und wer bezahlt sie? Vielleicht haben die ja Ahnung von “Aufwärmen und Trainieren”, aber haben sie auch Ahnung wie man dicke, unsportliche Kinder zu Bewegung motiviert?

  • Da es mit der bisherigen Lösung anscheinend nicht klappt, “dicke, unsportliche Kinder” zur Bewegung zu motivieren und die Sportlehrer an dieser Stelle nicht nur teilweise versagen, sondern es noch ins Gegenteil verändern, nämlich statt keiner Motivation sogar noch eine Abscheu vor dem Sportunterricht bewirken, sollten andere Lösungen nicht gleich mit Argumenten wie “woher kommen die und wer bezahlt sie?” niedergemacht werden. Dieses Problem der Organisation habe ich in meinem ersten Kommentar schon angesprochen, dafür habe ich im Moment auch keine Lösung, aber da die alte Methode nicht funktioniert (hat), sollten nicht nur Sportlehrer offen für etwas Neues sein.

  • Ich habe vergessen auf den ersten Punkt einzugehen. Das war nicht beabsichtigt. Ja, warum sollen die Jungs nicht nur Fußball spielen? Ist nicht der Aspekt der sportlichen Betätigung viel wichtiger als zB Leistungen durch Druck oder Druck aufgrund von Leistungen?

  • > aber da die alte Methode nicht funktioniert

    Also bitte, das ist doch wohl stark übertrieben. Bei allen Umfragen zu Beliebtheit von Fächern rangiert Sport immer ganz oben. Also kann von “nicht funktionieren” keine Rede sein. Dass man einiges verbessern kann, ist trotzdem unbestritten.

    > warum sollen die Jungs nicht nur Fußball spielen?

    Weil Sport (wie alle anderen Fächern) die Aufgabe hat, die Schüler dazu zu bringen (wie du es so schön ausdrückst) “offen für etwas Neues zu sein”. Fußball kennen sie halt und für die meisten Schüler (Erwachsene ebenso) gilt halt: Wat de Kuh nich kennt , det frisst se nich. Deshalb ist es Aufgabe des Sportunterrichts den sportlichen Horizont zu erweitern.

  • Sie bezweifelten, dass professionelle Sportler “dicke, unsportliche Kinder” motivieren können. Können Sportlehrer das? Wohl eher nein. Dass Sport bei Umfragen ganz oben steht als Lieblingsfach ist mir neu, ein Link zu einem solchen Ergebnis würde mich sehr freuen.
    Zum Thema “offen für etwas Neues zu sein”. Es ist wohl nichts Neues, wenn jedes Jahr Noten auf immer wieder die gleichen Disziplinen gemacht werden. Wenn dagegen Fußball professioneller, und ich meine damit kein professionelles Rumgehacke um den Ball, sondern mit Technik und Verstand, erlernt und gelernt werden würde, könnten die Schüler zumindest sagen: “Ich bin in einer Sportart gut” und nicht:”Tja, ich kann nicht wirklich sprinten, um wirklich Basketball zu lernen, hatten wir nicht genug Zeit, und das gilt auch für die restlichen Disziplinen. Nur in Weitsprung war ich gut, warum, weiß ich auch nicht, das konnte ich nun einmal.”

  • die Diskussion ist zwar nicht aktuell geführt, für mich aber interessant, daher hier mit Verspätung ein Link zu einer solchen angefragten Studie:

    http://www.analytik-news.de/Presse/2005/138.html

    die geführten Argumente auf beiden Seiten höre ich als Referendar (Sport/Englisch in Niedersachsen) auch häufiger. Meiner Meinung nach sollten allerdings Sportlehrende an allgemeinbildenden Schulen tatsächlich über etwas mehr _pädagogischen_ Hintergrund verfügen als über den Trainerschein. Vereinstrainer gehen nun mal von einer (frei)willigen Lerngruppe aus, die Schulrealität kann da fast nur mit Gegenbeispielen aufwarten. Und selbst der beste Vereinstrainer kommt ins Schwimmen, wenn von seinen kleinen Engeln die Hälfte keinen Bock hat.
    Natürlich kann jeder mit Beispielen von Sportlehrkräften aufwarten, die ohne erkennbares Konzept unterrichten und Noten intuitiv und im Einser- bis Zweierbereich verteilen. Das kann aber nicht als Argument dafür genommen werden, sogleich die Sport_lehrer_ausbildung abzuschaffen. Ein Blick in die Lehrpläne auf Länderebene zeigt, dass da noch einiges an Ansprüchen zu erfüllen ist, die man an einfache Vereinstrainingskräfte nicht stellen kann, weil sie dafür nicht ausgebildet wurden. Es ist eben Unterricht, mit Lerninhalten und -zielen. Grober Vergleich: Natürlich macht es intuitiv Sinn, einen Zeitzeugen im Geschichtsunterricht einzubeziehen. Durch seine direkte Involviertheit im Stoff kann er vermutlich mitreißen, begeistern, Empathie schaffen. Aber kann er dabei auch fachliche Methoden vermitteln? Hat er ein Repertoire an Vermittlungsmethoden, welches er passend zum Inhalt anwenden kann, oder erzählt er nur? Er kann eventuell sogar Aussagen darüber treffen, welches Wissen die Lernenden sich jeweils bei ihm angeeignet haben. Aber kann man von ihm verlangen, sich mit richtiger Notengebung auseinanderzusetzen?

    Die Benotung sportlicher Leistungen ist für mich als Sportlehrer in der Ausbildung bisher die unangenehmste Erfahrung. Nach Aussage meiner altgedienten Kollegen wird das auch nicht besser werden. Das für mich grösste Problem ist der Anspruch an die Lehrkraft, einer Gruppe von mittlerweile durchschnittlich 30 Lernenden, die ich einmal die Woche für 90 min. sehe, klare Noten zu geben. Bis man die Namen mit Hilfe von Photos gelernt hat, sind ja auch schon mal ein paar Wochen ins Land gezogen. Dann wuseln im besten Falle alle durcheinander, man selbst hat aber nur ein paar Augen, so dass viele Glanzparaden ungesehen bleiben. Dazu kommt noch, dass es in jeder Klasse eine Gruppe von ca 4-6 Personen gibt, die sich quasi unsichtbar machen können. Sie stechen weder durch Leistungen noch durch Fehlleistungen hervor, hinterher ist man häufig froh über die anfangs ausgefüllte Anwesenheitsliste und wundert sich, dass bei den entsprechenden Leuten der Haken steht.
    Mein Vorsatz nach der gerade absolvierten Benotungsrunde mit all ihren kleinen Diskussionen (bei denen leider auch immer gleich das Bild Lehrer=böses wollend projiziert wird) lautet nun: viel mehr Transparenz, einhergehend mit einem Sicherheitsnetz: Benotung aus Schülersicht.
    Grober Plan: Zu Beginn eines Halbjahres kriegt die Lerngruppe eine Tabelle, in der jeder Schüler seine Mitschüler und sich selbst benoten soll. Diese Liste ist im Verlauf des Halbjahres immer wieder mit Teilnoten auszufüllen. Dafür gebe ich für jede Teildisziplin, die wir behandeln, meine Benotungskriterien an.
    Die Lernenden sollten auf diese Weise ein Vertändnis für die Ansprüche des Unterrichtes an ihre Leistungen entwickeln können, ausserdem gibt es so einen Einblick in die Problematik der Sportbenotung.
    Wichtigste Funktion soll allerdings sein, dass ich anhand der Listen der Lerngruppe meine eigenen Beobachtungen ergänzen kann. Damit dabei nicht der Eindruck entsteht, ich gäbe die Benotung aus der Hand, muss ich dann die Listen in der Stunde einsammeln, in der ich die Vorbesprechung der Noten mache, und eventuelle Abweichungen der Klasse von meinen Beobachtungen in der nächsten Stunde bzw. mit den Betroffenen individuell thematisieren. Abgesehen von der Durchsicht der Listen sollte diese Methode kaum Mehraufwand bedeuten, ich erhoffe mir aber davon eine andere, transparentere und einvernehmlichere Kommunikation über die Noten. Und wenn jemand weiss, dass die ganze Klasse ihm schlechte Noten gibt, weil er unfair spielt, nur rumhängt oder stört, mag sich das ja auch auf das Verhalten im Unterricht auswirken. Womit ich bei der Breite der Noten wäre.

    Auch ich versuche, ein breiteres Notenspektrum anzuwenden, an meiner Schule heisst das 1-3 *seufz*. Neulich wurde ich von einem Kollegen angesprochen, ein Schüler habe nach meiner Notenbesprechung anschliessend weinend im Bio-Unterricht gesessen (11. Klasse, Note 3). Da zeigte sich für mich endgültig die negative Wirkung der Kuschelnote. Ich benote einen Schüler als “befriedigend”, und seine Welt bricht zusammen. Dazu muss gesagt sein, dass die Klasse sehr sportlich ist (keine Banksitzer, keine Störer (!!), das muss man sich mal vorstellen), so dass meine Ansage, bei mir gelte das Spektrum 1-4, nicht so ganz authentisch rüberkam. Es gab sogar nur 2 Dreien (und 2 Einsen, Rest Zweier), und jede einzelne Note war sorgfältig abgewogen. Aber auch unter den Zweiern regte sich teils lauter Protest über der schlechten Noten(2=”gut”!!!). Einige der Jungs hatten bisher eine glatte Einser-Karriere.

    In meinem angestrebten Benotungs-Verfahren müsste also vorab geklärt werden, dass die komplette Bandbreite der Noten anzuwenden sei, inklusive der 5. Dann wäre die 2 auch wieder etwas wert im Sport.

    Die Idee mit dieser Art von Schülerbeteiligung stammt nicht von mir, ich weiss. Allerdings kann ich mich nur diffus an gelesene Artikel zum Thema erinnern und bin, seit der Plan am Reifen ist, noch nicht zur Recherche gekommen.

    So, vielleicht bringt das die Diskussion ja wieder in Schwung, ansonsten war’s nett das mal loszuwerden.

    mfG,
    Tom

  • Gestern gabs Zeugnisse. Mein Sohn geht in die 4 Klasse und ist 10 Jahre alt.Mit dem Zeugnis muß er sich auf einer weiterführenden Schule bewerben.Mein Sohn macht seit dem 4 Lebensjahr regelmäßig verschiedene Sportarten in einem Verein (zb.Fußball,Tennis u.Schwimmen).Er hat jedes Jahr als Klassenbester eine Ehrenurkunde und macht jedes Jahr das Sportabzeichen.Jetzt hat er sich auf eine Sportorientierte Klasse beworben und auch beim Sichtungstraining der Schule hat er mit sehr gut abgeschnitten.Aber jetzt schwinden seine Chancen auf diese Schule zu kommen da er von der neuen Sportlehrerin nur eine 2 bekommen hat.Mein Sohn ist fix und fertig und ich stinksauer.Bisher hatte er immer eine 1.

  • Hallo Gabi,
    am Freitag gab es sog. “ÜberSICHTszeugnisse”, also lediglich Informationen über den derzeitigen Leistungsstand. Die eigentlichen “Übertrittszeugnisse” gibt es erst im Mai.
    Außerdem würde ich mal annehmen, dass sich die zukünftige Schule eher auf das Ergebnis ihres eigenen Sichtungstrainings verlässt als auf die Note der Grundschullehrerin, die das Fach Sport ja als eines unter mehreren unterrichtet.
    Da ist doch noch gar nichts entschieden.
    Ich würde zu dieser neuen Lehrerin in die Sprechstunde gehen und ihr deinen Sohn etwas näher vorstellen. Bestimmt hat sie noch gar nicht mitbekommen, dass er so gut ist und dass er sich für diese sportorientierte Klasse beworben hat.

  • Hallo Dani,
    das ärgerliche ist nur das ich die Klassenlehrerin über das vorhaben und auch über das Sichtungstraining informiert habe.Sie hatte mir zu dem Zeitpunkt versichert das alles Super wäre wie immer und das ich mir keine Sorgen machen müßte über die Aufnahme an der Schule.Auf 30 Plätze haben sich jetzt über 150 Kinder beworben in dem zusammenhang fühl ich mich von der Lehrerin ein bischen gelinkt.

  • Bei dieser ganzen Diskussion um die Benotung im Sport frage ich mich, warum eigentlich so ein großer Unterschied zu den geistes- oder naturwissenschaftlichen Fächern gemacht wird. Weil im Sport viel von der individuellen Begabung oder Veranlagung abhängt? Als eindeutig “einseitig Begabte” bleibt mir da nur festzustellen, dass ich in meiner Schullaufbahn in den naturwissenschaftlichen Fächern mit Ach und Krach auf eine 4 kam, während ich mich in den geisteswissenschaftlichen und künslterisch-musischen Fächern oder im Sport für eine (sehr) gute Leistung nie besonders anstrengen musste. So oder ähnlich geht es wohl den meisten.
    Sicher ist es so, und da gebe ich dir vollkommen recht, Jochen, dass der Sport bei den Schülern einen sehr hohen Prestigewert genießt und dass in keinem anderen schulischen Fach unsere Schüler so unmittelbar den Zusammenhang lernen zwischen Anstrengung und Erfolg, sich Konkurrenzsituationen auszusetzen und Herausforderungen zu stellen, diese Situationen zu meistern, Erfolge zu haben, aber auch Misserfolge einzustecken und v.a. daraus zu lernen, bzw. daran zu wachsen. Genau hier liegt auch die größte Chance. Man nähme dem Sport viel von seiner nicht hoch genug zu bewertenden erzieherischen und pädagogischen Wirkung innnerhalb wie außerhalb der Schule (Sport als “Schule fürs Leben”), würde man Leistungen nicht entsprechend honorieren oder bewerten. Aus besseren wie aus schlechteren Bewertungen zu lernen, dass man sich mittel- und längerfristig und nicht nur punktuell anstrengen muss, um besser zu werden – und ja, vielleicht auch mal die Zähne zusammenbeißen muss. Aber auch, dass man u.U. trotzdem nur mittelmäßig abschneidet, selbst wenn man sein Bestes gegeben hat. Auch das ist etwas, womit viele (Einzelkind-) Prinzen und Prinzessinnen heute immer weniger zurecht kommen.
    Wer jemals Wettkampfsport betrieben hat wird wissen, dass man rückblickend im Sinne einer positiven Persönlichkeitsentwicklung mehr von den Misserfolgen als von den Erfolgen profitiert hat.
    Einen gewissen Widerspruch, bzw. eine große Herausforderung für die Sportlehrer sehe ich allerdings zwischen den eben genannten erzieherischen und leistungsorientierten Zielen und dem Anspruch, den Kindern und Jugendlichen v.a. auch den Spaß an der Bewegung zu vermitteln und sie dazu zu bringen, Sport und Bewegung als integralen Bestandteil ihres Lebens zu empfinden. Doch dieser Spagat ist wiederum sicher nicht durch “geschenkte” Noten zu bewältigen. Der Schüler, der selbst sehr genau weiß, dass seine Leistung mies ist, wird durch eine “geschenkte 2” auch nicht motivierter sein.

  • die Leistungen im Sportunterricht benoten zu wollen (und ich kann aus eigener Erfahung sprechen) gelingt kaum einem Lehrer. Weiterhin sollte man sehen, dass Sport nicht unbedingt als “Bildung” dient. Ich selber mache Sport, weil es mir Spaß macht, aber warum zum Teufel ist es ein Pflichtfach in der Schule? Wenn ich mir alleine die Leichtathletik-Tabellen ansehe, bekomme ich jedes Jahr aufs neue bei den Bundesjugendspielen das Grausen. Da wird nach Alter berechnet und gar nicht auf die unterschiedliche Körperentwicklung geachtet. Da kann einer längere Beine haben oder leichter sein, trotzdem genauso alt wie ich und bekommt mehr Punkte, bzw eine bessere Note.
    Das Problem am Sportunterricht ist einfach, dass der Lehrer ja quasi nach Leistung benoten muss, da er die Bemühungen (gerade bei großen Klassen) überhaupt nicht erkennen haben. Ich jedenfalls finde, dass der Sportunterricht völlig fehl am Platz ist. Wenn er schon Pflicht ist, dann bitte ohne Benotung. Jemand der dicker ist, so wie ich früher, hat immer schlechte Noten bekommen und da hilft es irgendwann nicht, wie im ersten Beitrag beschrieben, wenn man sich verbessert und immer wieder, aber nie eine Note besser bekommt, weil es immer noch nicht reicht oder eben die Anforderungen höher werden. So wie ich das auch aus meiner Klasse erkenne, interessiert das Lob irgendwann nicht mehr und kehrt entweder in sich zurück oder macht seinem Ärger Luft…(Folgen: Aggresivität etc…)
    Dazu kommt, dass alle denken, im Sportunterricht müsste man Olympia-Leistungen erbringen, um den Notendurchschnitt gut zu halten. Ich jedenfalls finde es schlimm, dass man wegen einer so unwichtigen Sache sogar sitzen bleiben kann. Wir Kinder können ungesund sein und wir können, wie es inzwischen bei allen nicht-Hungerhaken gesagt wird “dcklich” oder “fettleibig” sein (wobei man nochmal betonen muss, dass es nicht viele sind), aber wir haben immer noch etwas im Kopf und das ist schließlich das, was zählen sollte-oder wollen wir amerikanische Verhältnisse einführen??
    Ich bin wohl ziemlich lange auf diejenigen mit mehr Gewicht eingegangen, aber generell ist das Thema Sport, wie ich zu oft schon gesagt habe, nichts für die Schule.

  • sind wir uns eigentlich einig, dass die Schule ursprünglich mal dazu diente, sich WISSEN anzueignen?
    Dem Sport wird viel zu viel Beachtung geschenkt, Schüler konzentrieren sich fast gar nicht mehr auf Fächer wie Mathematik oder Englisch (als Beispiel). Wenn sie nur halb so viel Zeit mit ihren Vokabeln verbringen würden, wie mit Fußball, könnten sie am Ende der Schulzeit und vllt auch schon vorher getrost nach England auswandern. Was ich eigentlich damit sagen will, ist, dass die Menschen immer dümmer werden, 99% der Sportlehrer sowieso nicht benoten können und man sich doch deshalb mit mehr geistlichen Dingen beschäftigen sollte. Bewegung braucht der Mensch, das ist klar. Aber dann doch bitte sinnvolle. Was bringt es mir, wenn ich besonders gut das Seil hochklettern kann oder über den Kasten hüpfen kann…mit Muskeln kann das nicht viel zu tun haben, denn meistens schaffen es die Hungerhaken. So albern das für viele, die hier reinschreiben auch klingen mag, würde es doch mehr bringen, bei dem immer schwerer werdenden Schulranzen eine Art Rückenschule zu machen. Ich gehe auf eine Note-book Schule, da sind die Rucksäcke noch schwerer und daher weiß ich auch, wovon ich spreche. Tanzen und Joggen-ja; Leistungssport und extrem hohe Leistungen-nein!
    Wenn jemand seine Leistungen unter Beweis stellen will, kann er das eben so gut in einem Verein.
    Auf Notengebung müsste dann auch verzichtet werden.
    Generell dient Sport nicht unbedingt zur Bildung, es sei denn, man würde auch theoretischen Unterricht einführen und selbst das macht wenig Sinn.
    Was die Sache der Mädchen angeht, die Demotivierung zeigen, muss ich doch die Männer hier mal aufklären: MIT BAUCHSCHMERZEN DIE EINMAL IM MONAT AUFTRETEN HAT MAN KEINE LUST AUF SPORT UND KANN SICH WEGEN DIESEM MULMIGEN GEFÜHL KAUM ZWINGEN!!!
    Ich kann nur nocheinmal meine Verwunderung über dieses Fach aussprechen und noch sagen, dass unsere Figur und unsere Gesundheit unsere Angelegenheiten sind, in die sich niemand, nciht die Schule und erst nicht der Staat einzumischen hat.

    PS: es ist sogar erwiesen worden, dass Kinder, die etwas mehr auf den Rippen haben, zufriedener sind. So etwas muss man übrigens nicht gleich als dick oder fettleibig sehen.

  • Hallo
    Sehr interessant, was man hier alles lesen kann…..;)
    Habe das Thema “Noten im Sportunterricht: Ja oder nein?” momentan im Deutschunterricht und bin deshalb angenehm überrascht so viele Beiträge darüber zu finden…..
    In vielen Dingen bin ich übrigens gleicher Meinung, obwohl ich finde, dass es insgesamt ein ziemlich schwieriges Thema ist!

  • Jetzt habe ich zu diesem Thema auch mal eine Frage und zwar geht mein Sohn ( Jahrgang 2001 – er hat die erste Klasse übersprungen. ) in die 3. Klasse. Seine Mitschüler sind daher alle Jahrgang 1999 und 2000. Dennoch gehört er im Sportunterricht zu den Besten, bekommt dennoch nur eine “2″. Müßten nicht eigentlich seine körperlichen “Defizite” aufgrund des Altersunterschiedes bei der Benotung mit berücksichtigt werden ?

  • Der gesunde Menschenverstand sagt natürlich “Ja, selbstverständlich.” Allerdings unterrichte ich NICHT in der Grundschule und kenne deshalb die entsprechenden Bestimmungen nicht. Ich könnte mir vorstellen, dass die entsprechenden Tabellen (z.B. in Leichtathletik) für eine bestimmte Klasse gelten, egal wie alt die Schüler sind. Auf der anderen Seite liegt es im pädagogischen Ermessen der Lehrkraft, ob er/sie sich sklavisch an die Tabellen hält oder auch andere Kriterien für die Benotung heranzieht. Merkwürdig finde ich allerdings, dass er eine 2 bekommt, obwohl er zu “den Besten” gehört. Da würde ich mal bei der Lehrkraft nachfragen.

  • Meine Tochter, 8. Klasse Gymnasium bekommt jetzt gerade im Zeugnis eine 2 in Sport und regt sich tierisch darüber auf.
    Dazu muß man sagen, daß es in der gesamten Klasse nur die Note 1 (soviel ich weiß, zweimal) und sonst nur die Note 2 gibt, egal, ob ein Kind stark adipös und dadurch in seinen Bewegungen ziemlich eingeschränkt ist oder auch sonst schon im täglichen Leben als nicht gerade sportlich auffällt.
    Begründet wurde die Note meiner Tochter, die sonst immer eine 1 bekam und zudem im Unterricht ständig aufgefordert wird, diverse Übungen anderen vorzumachen, mit dem besseren Sozialverhalten der anderen. Wobei sie nicht weiß, was sie da ändern sollte: Herrichten, aufräumen, helfen, alles da, sagen auch die Mitschüler.
    Im Halbjahr war die Benotung genau die gleiche. Die Lehrerin sagte, daß meine Tochter rechnerisch auf 1 stünde, aber ihr Sozialverhalten…
    Meine Tochter schließt daraus, daß die Sportlehrerin ein persönliches Problem mit ihr hat, sie nicht mag. Motivierend ist diese Benotung mit Sicherheit nicht. Und ernstnehmen kann ich den Sportunterricht so auch nicht.

  • > aber ihr Sozialverhalten…

    Hat das die Lehrerin jemals konkretisiert? Das muss sie auf Nachfrage machen. Es muss ja etwas Gravierendes sein, wenn sie deshalb eine ganze Note schlechter gibt.

    > Und ernstnehmen kann ich den Sportunterricht so auch nicht.

    Kann ich gut verstehen.

  • Also, ich finde dieses Thema und die Diskussion darüber sehr interessant. Auf jeden Fall sollte man die Noten im Sport NICHT abschaffen, die motivation wäre wie schon erwähnt nicht mehr geben. Auch sollte man den Schülern nicht die Wahl lassen was sie machen wollen.
    Aber jetzt mal zum Artikel: Grunsätzlich finde ich es gut, dass Sie sagen, dass man nicht pauschal als schlechteste Note eine drei gibt, ABER (und das sage ich als betroffener Schüler, wenn gleich das schon ein bisschen her ist) ich finde es nicht gerade motivierend wenn man in der fünften Klasse gesagt bekommt: Ja du bekommst jetzt noch eine 4 ins Zeugnis aber eigentlich wäre es eine 5. Ich finde man sollte das bemühen noch stärker berücksichtigen, ich selber bin jetzt vll. nicht der sportlichste, aber ich versuche immer alles zu geben. Z.B. im Airrobic, was ich eigenlich gar nicht so schlecht finde, ist echt eine tolle Idee/ Abwechslung, wenn ich wirklich versuche die Folge und alles richtig zu machen aber dann trotzdem eine 4———– bekomme, dann kommt man leicht in die Versuchung zu denken: Sch**** Airrobic, da krieg ich sowie so nie was besseres als eine 4-, da hab ich jetzt auch keinen Bock mehr drauf.

  • Ich würde es ziemlich dumm finden, wenn auf Notengebung verzichtet würde…Obwohl ich es echt unfair finde auf Weitsprung etc. Noten zu verteilen. Ich habe eine Beinlänge von, ich weiß nicht, vllt. 1m iwas…meine Freundin das doppelte. Da ist es ja von vorne herein total unfair auf springen eine Note zu geben. Wenn sie einen Schritt macht ist sie ja schon weiter “gesprungen” als ich…das ist ätzend und motiviert sowas von gar nicht!!

  • > Ich würde es ziemlich dumm finden, wenn auf Notengebung verzichtet würde…Obwohl ich es echt unfair finde auf Weitsprung etc. Noten zu verteilen.

    Dann wird es aber schwierig. Dicke finden es “unfair”, wenn auf Liegestütze Noten gemacht werden, Große mögen Gerätturnen nicht, Mädchen kein Fußball, Jungen nichts mit Musik … ;-)

  • In der OBERSTUFE (Grundkurs) ist es bei mir schon mal vorgekommen, weil jemand im GK Leichtathletik so grottenschlecht war dass er die Zulassung zum Abitur nicht erreicht hat (HJL = 0 Punkte). Da bin ich auch gnadenlos und berechne die Noten stur nach Tabelle.

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