Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

Vorbild

Vor kurzem habe ich von einem ehemaligen Schüler eine Mail bekommen, in der er all die Punkte aufgelistet hat, die ihn in Hinblick auf Lehrer während seiner Schulzeit genervt haben. Sein – m.E. völlig berechtigter – Ausgangspunkt dabei ist, dass man als Lehrer von Schülern nicht Sachen verlangen sollte, die man selber nicht „bringt“. Hier seine Liste:

  • Sich über das Geschmotzel der Schüler aufregen, aber selber mit einer Sauklaue die Tafel vollschreiben bzw. irgendwelche Kommentare auf Schulaufgaben schreiben, die man kaum entziffern kann.
  • Sich über die Unpünktlich der Schüler aufregen, aber selber ständig zu spät kommen und „als Ausgleich“ dafür permanent die Stunde überziehen.
  • Über „lebenslanges Lernen“ schwadronieren, aber selber sich weigern mal zu lernen wie man z.B. einen hängenden Einzug formatiert („Ach du weißt doch, mit Computern hab ich’s nicht so.“)
  • Lauthals die Unhöflichkeit der Schüler beklagen, aber selber muffelig-grußlos im Gang an Schülern vorübergehen.
  • Es völlig inakzeptabel finden, dass Schüler sich nicht mögen und bei Gruppenarbeit nicht miteinander arbeiten wollen, aber selber langjährige Feindschaften mit bestimmten Kollegen pflegen und mit diesen natürlich auch kein Wort reden.
  • Sich als „progressiver“ Pädagoge inszenieren, der jede Form von Strafe natürlich kategorisch ablehnt, aber selbst bei jeder Gelegenheit die Schüler anschreien.
  • Den Schülern das Trinken im Unterricht verbieten, aber selber mit größter Selbstverständlichkeit eine Kaffeetasse ins Klassenzimmer mitnehmen.
  • Sich über das mangelnde Engagement der Schüler beschweren, aber selber nie etwas bei Abenden der offenen Tür, Projekttagen o.Ä. beitragen.
  • Sich über das ständige Schwätzen der Schüler beklagen, aber selber z.B. bei SMV- oder Schulforumssitzungen mit dem Nachbarn quatschen, sich fremdbeschäftigen und nie wissen worüber abgestimmt werden soll.

Vorheriger Beitrag

Oral Grades – Self-Evaluation

Nächster Beitrag

Teachmaster

  1. tutulla

    das kann ich bestätigen: wenn ich von kollegen erzähle, die sich viel arbeit machen, tolle unterrichtsmaterialien erstellen, aber trotzdem mit klassen nicht zurechtkommen, weil sie – so die schüler – „echte weicheier“ sind, dann bestätigt meine inzwischen gerade erwachsene tochter dies sofort: „genau wie frau x, die hatte auch immer schöne arbeitsblätter. die hat sie aber so lahm verteilt und sie war nie wirklich an uns interessiert, so dass kaum einer angefangen hat, sich damit zu beschäftigen. auch immer wiederkehrendes ihr „aber leute!“ motivierte auch keinen.“ da stimmt selbst- bzw. kollegenbild und fremdbild eben nicht überein und es gibt ja auch wenig gelegenheiten im schulalltag dies miteinander abzugleichen.

  2. Margit Wenger-Schott

    Nun gut – wenn erstmal Verweise etc im Spiel sind (über diese Form der Erziehunhgsmaßnahme könnte man sich ja hier auch noch austauschen) sind die Fronten ja evtl doch etwas verhärtet – aber ansonsten habe ich durchaus das Gefühl, dass junge Menschen in der Lage sind, Engagement und menschliche Qualitäten ihrer Lehrer richtig einzuordnen (muss nicht unbedingt mit guten Noten korrelieren…), aber natürlich gibt es auch immer wieder Negativbeispiele oder auch Eltern, die überreagieren und/oder maßlose Anforderungen an uns Lehrkräfte stellen…..wir sind ja auch nur Menschen und sollten als solche auch in unserem Beruf wahrgenommen werden…..

  3. Thore

    „und kann im allgemeinen nur feststellen, dass Schüler ihre Lehrer ziemlich gut beurteilen können.“
    Ich kann diese Ansicht nicht ganz teilen …
    Es sind leider die wenigsten Schüler, die dies wirklich treffend können. Meist spielt der subjektive Eindruck eine überwiegende Rolle und verändert den charakter eines Lehrers von rechtschaffend gut ins chaotisch böse …
    Wertvolle Arbeit, guter Lernstoff, viel Mühe und Aufwand sind die letzten Punkte die bei einer Betrachtungsweise eines Lehrers halt gewinnen, ebenso wie die Überlegung des sozialen Umfeldes desselbigen.
    Ich sage Hr.X ist doof, weil er vergessen hat einmal die Tafel zu wischen.
    Ich sage Hr.X ist unzuverlässig, weil er einmal zu spät gekommen ist.
    Ich sage Hr.X ist intolerant, weil er mir einmal bei einer Diskussion wiedersprochen hat.
    Ich möchte mir nicht anmaßen zu beurteilen ob ihre Kinder die Lehrer beurteilen können wie sie wirklich sind, dennoch behaupte ich dass die Mehrheit aller Schüler das nicht kann…
    Immerhin ist es nicht allzulange her, dass ich unter ihnen weilte ; ).
    Es gab viele Lehrer in der Schulzeit meiner Brüder und mir, die viele nicht mochten oder nicht leiden konnten. Über die sich Eltern aufgeregt haben und die Kinder deswegen sogar von der Schule nahmen. Merkwürdiger Weise gab es Schüler, die mit diesen Lehrern 1A zurecht kamen und nicht nur den Lehrer kannten sondern denke ich auch den Menschen ein bisschen kennen lernten. Das wiederum, ergibt ein vollkommen anderes Bild, als jenes welches ein Schüler aufbaut wenn er einen Verweis von Hr.X erhält.

    So far
    Thore

  4. Thore

    >und kann im allgemeinen nur feststellen, dass Schüler ihre Lehrer ziemlich gut beurteilen können.

  5. Margit Wenger-Schott

    Diese Erfahrungen kann ich als Kollegin und Mutter von 4 inzwischen z.T. schon erwachsenen Kindern VOLL bestätigen…….und kann im allgemeinen nur feststellen, dass Schüler ihre Lehrer ziemlich gut beurteilen können….Und manche (meist kinderlose)Kollegen würden sich vielleicht besser benehmen, wenn sie wüssten, dass es durchaus Familien gibt, die miteinander reden und in denen Kinder erzählen, was während der vielen, vielen Schulstunden so passiert…..es ist keine black box in die nichts reinkommt und aus der nichts nach außen dringt…..aber das hat sich noch nicht rumgesprochen, weil Lehrer nur ungern kommunizieren und zusammenarbeiten (gilt nicht NUR für Französischlehrer!!!)

Kommentar verfassen

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén