Email

… hat einen festen Platz in meinem Unterricht und erfüllt ganz verschiedene Funktionen.

Erste Schritte

Um überhaupt mal die Adressen meiner Schüler zu bekommen, lautet die Hausaufgabe gleich in der ersten Stunde mir eine kurze Mail (Subject: Address, Text: Your name) zu schreiben. Den Namen will ich haben, damit ich weiß welcher Schüler sich hinter der Adresse biene235@yahoo.de verbirgt. Mit einem Klick kann ich die Adressen in meine Google Mail Kontaktliste übernehmen und vermeide auf diese Art die vielen Übertragungsfehler, die auftreten, wenn Schüler ihre Email-Adresse auf eine Liste schmotzeln. Viele Adressen kann man nicht richtig lesen, es ist nicht klar ob es sich um einen Binde- oder einen Unterstrich handelt, man muss erst wieder nachfragen usw.

Um nicht später die Adressen einzeln eingeben zu müssen, lege ich eine „Gruppe“ an und gebe ihr einen aussagekräftigen Namen (11c, gk, LK usw.). Später gebe ich dann nur noch im BCC Feld diesen Namen ein, bestätige mit Return und schon sind alle Adressen der Klasse bzw. Kurses eingefügt.

Wenn ich alle Adressen habe (auf einer Liste habe ich markiert, wer kein Internet und damit kein Email hat), schicke ich eine Begrüßungsmail, in der ich darauf hinweise, dass sich auch die ELTERN jederzeit (natürlich auf Deutsch) per Mail an mich wenden können.

Email Etiquette

Email ist ein fester Bestandteil unseres Lebens und Schüler sollten m.E. lernen, wie sie mit diesem Medium umgehen sollten. Es wird zwar ständig beklagt, dass Email u.A. zu sprachlicher Verwahrlosung führt, die Kinder lernen auf der anderen Seite aber nicht, wie man es richtig macht.

Vor allem KORREKTES ZITIEREN ist in diesem Zusammenhang von entscheidender Bedeutung für effiziente Kommunikation. Allerdings lernen auch Lehrer nur selten, wie man korrekt zitiert; in regelmäßigen Abständen bittet z.B. jemand genervt bei Enpaed darum doch wenigstens die elementaren Regeln der Email-Kommunikation zu beachten – fast immer vergebens. Wie beim autonomen Lernen denke ich mir dann: „Wenn es schon Erwachsene nicht hinkriegen …“

Ich beginne meine Email-Unterrichtseinheit mit einer fiktiven Mail an mich, in die ich die wichtigsten Fehler gepackt habe. Wir analysieren die Fehler und besprechen, wie man es besser machen könnte. Als Hausaufgabe gibt es das Handout Email Etiquette, das nochmal alles Wichige zusammenfasst. Damit wir in Zukunft über Email und die damit verbundenen Probleme („Meine Mail kam mit einer Fehlermeldung zurück.“) auf Englisch sprechen können, gibt es als nächstes das vocab sheet Email. Das Gelernte wird praktisch angewendet in einer Hausaufgabe, in der eine fiktive Mail von „Mr Smith“ beantwortet werden muss:

Dear student,

thank you very much for your interest in our exchange program. Of
course we would like to get to know our future participants a little
bit better, that’s why we would ask you to answer the following
questions.

What are your hobbies?

Why do you want to spend a whole school year in the US?

Where in the US would you like to go if *you* could decide and *why* would you like to go there?

Please send us your reply as soon as possible.

Thanks again for your interest

Yours

J. Smith
Managing Director
“Youth Exchange International”

Email Titles eine Sammlung von originellen Überschriften zum Thema „Email – A Blessing or a Curse“ und Goldene Regeln für schlechte E-Mails eine Zusammenstellung von satirischen „Tipps“.

Als Mail-Hausaufgabe kann man noch How to improve your email etiquette aufgeben.

Hausaufgaben

Die wichtigste, sozusagen „offizielle“ Funktion von Email ist die eines Transportmediums für Materialien und Hausaufgaben. Per Mail bekommen meine Schüler z.B. Podcasts, Links zu Videos und Webseiten. Dabei ist das ganze nicht nur ein Einbahnstraße, die Schüler schicken mir z.B. per Mail ihre Aufsätze, die ich digital korrigiere und ihnen zum Überarbeiten wieder zurückschicke. Wie das alles konkret funktioniert, erkläre ich in dem Beitrag Email Hausaufgaben.

Private Kommunikation

Neben dieser „offiziellen“ Funktion bietet Email eine hervorragende zweite Kommunikationsebene zwischen Lehrern und Schülern. Eine Reihe von Schülern trauen sich nicht z.B. nach der Stunde oder in der Pause den Lehrer irgendwas zu fragen, weil das Zeigen von Interesse (leider) bei vielen als absolut „uncool“ gilt und man sich sofort dem Verdacht aussetzt „schleimen“ zu wollen. Per Mail kann man nun bedenkenlos Interesse zeigen, ohne dass das irgendjemand mitkriegt, die einzige Bedingung dabei ist, dass die Schüler Englisch schreiben. Ich verspreche hoch und heilig diese „privaten“ Mails mit utmost confidentiality zu behandeln. Auf diese Weise ergibt sich sozusagen parallel zum eigentlichen Unterricht oft ein sehr intensiver Austausch mit Schülern. Dabei erkenne ich oft mit Schrecken, wie stark der Druck von Mitschülern manchmal ist, im Unterricht „cool“ und uninteressiert zu sein.

Per Mail kann ich auch auf die Interessen der Schüler eingehen und versuchen sie zu motivieren. Ein Schüler interessiert sich für Werbung, also schicke ich ihm einen Link zu den Super Bowl Commercials. Ein anderer war ein Jahr lang in Australien, also weise ich ihn auf Life in Australia (PDF) hin. Ein dritter interessiert sich für Film, also schreibe ich ihm, dass er bei Rotten Tomatoes die neuesten Filmkritiken lesen kann.

5 Responses to “Email”


  • Die Kommunikation via e-mail klappt in meinen Realschulklassen ab Kl. 9 eigentlich sehr gut.
    Nach vielen e-mails mit den Absendern “schnuffi39″ oder “ilove_tokio_hotel” bin ich dazu übergegangen, gemeinsam mit meinen Schülern Webmailadressen zu generieren, die bezüglich des Namens den gleichen Regeln folgen (z.B. zehnb_Anna_Meyer@web.de)
    Ich arbeite gerne mit yahoo.de. Danach halte ich es wie Du, ich lasse die Schüler mails an meine Adresse schicken, die mit einem KLick einsortiert sind.

    Dies hat eine Menge Vorteile: alle Schüler können einander kontaktieren, denn sie wissen, dass die Adresse des Mitschülers Heinzi Müller den gleichen Regeln folgt wie die von Anna Meyer. “Ich wusste die Adresse nicht mehr” gilt also nicht.

    Die Ausrede: “Unser Internet hat nicht funktioniert” gilt auch nicht. Man hätte sich per Webmail auch beim Nachbarn oder Freund einloggen können.

    Bei mehreren Klassen lassen sich die Schüleradressen gleich richtig in verschiedene Klassenordner packen.

    Die Gefahr, dass eine private Mail durch Unaufmerksamkeit bei der Klickerei in das Postfach von Schülern gerät, ist ausgeschaltet.

    “Dienst und Schnapps” lassen sich so gut auseinanderhalten.

    Gruß, Monika

  • Hallo, ich wollte mal fragen, ab welcher Altersstufe du mit email im Unterricht arbeitest? Nur Oberstufe oder auf früher? Deine Ideen klingen so ansprechend, dass ich sie gerne in einer 10. Klasse Französisch umsetzen würde, ich habe aber Bedenken, dass die Sprachkenntnisse eventuell ein Hindernis sein könnten.

    Ansonsten möchte ich Dir an dieser Stelle einfach mal nur für Dein Blog danken, ich freue mich jedes mal wenn mein Feedreader neues von Dir ankündigt!

  • > ab welcher Altersstufe du mit email im Unterricht arbeitest? Nur Oberstufe oder auf früher?

    Das “niedrigste” was ich in den letzten Jahren gehabt habe, war eine 9te, da ging es problemlos.

    > ich habe aber Bedenken, dass die Sprachkenntnisse eventuell ein Hindernis sein könnten.

    Ich würde es einfach mal ausprobieren. Zur Not können die Schüler ja immer noch aufs Deutsche ausweichen oder sie müssen halt mal in ein Lexikon schauen ;-)

  • Danke für die schönen Materialien, ich habe sie heute in meinem LK verwendet (leicht abgewandelt, denn warum sollten sie dir eine mail schreiben?) und große Heiterkeit hervorgerufen. Inzwischen haben mir die Schüler alle schöne emails fast ganz ohne Smilies und Fehler geschrieben.

  • >> Neben dieser „offiziellen“ Funktion bietet Email eine hervorragende zweite Kommunikationsebene zwischen Lehrern und Schülern. Eine Reihe von Schülern trauen sich nicht z.B. nach der Stunde oder in der Pause den Lehrer irgendwas zu fragen, weil das Zeigen von Interesse (leider) bei vielen als absolut „uncool“ gilt und man sich sofort dem Verdacht aussetzt „schleimen“ zu wollen. Per Mail kann man nun bedenkenlos Interesse zeigen, ohne dass das irgendjemand mitkriegt, die einzige Bedingung dabei ist, dass die Schüler Englisch schreiben.

    Oops! Von all den Mails, die ich Ihnen auf deutsch geschrieben habe, kriegen also andere was mit… ;)

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