Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

Layout Pet Peeves

Keiner verlangt, dass Lehrer Layout-Experten sind, aber müssen viele/die meisten (?) Schulaufgaben und Klausuren wirklich derart scheußlich aussehen? Es gibt ein ganz typisches „Schul-Layout“, das man in dieser Form in keinem anderen Printmedium findet. Das Deprimierende ist, dass auch Referendare bzw. ganz junge Kollegen nach kürzester Zeit diese Layout-Scheußlichkeiten übernehmen. Hier meine ganz persönlichen drei pet peeves (YouTube), denen ich ständig begegne:

petpeeves.png

Besonders gruselig finde ich das Einkasteln von Überschriften. Umrandungen haben ihren Sinn, wenn sie z.B. Hintergrundinformationen vom laufenden Text absetzen sollen. Für Überschriften nimmt man eine größere Schriftgröße, eine andere Schriftart (oft eine serifenlose Schrift wie Arial), Fettdruck etc. Aber Umrandungen als Mittel der Hervorhebung bei Überschriften schauen einfach scheußlich aus. Wenn der Rahmen wenigstens relativ nah um den Text herumginge, aber mit viel white space dazwischen … aarghhh!

Ähnlich beliebt ist das Unterstreichen von Überschriften und Arbeitsanweisungen. Bei älteren Kollegen kann ich das ja noch verstehen, die haben eben früher mit Schreibmaschine geschrieben und da war Unterstreichen die einzige Möglichkeit etwas hervorzuheben. Aber warum übernehmen das auch so viele jüngere Lehrer? Einzelne unterstrichene Wörter sind ja schon schlimm genug, aber ganze Absätze und dann nicht nur den Text, sondern auch noch den Leerraum zwischen (römischer) Zahl und Text – einfach schauderhaft. Wenn man sich nur ein bisschen mit Layout und Typographie beschäftigt, kann man immer wieder lesen, dass Unterstreichen völlig out ist:

Underlining is probably best avoided. Underlining looks increasingly old-fashioned as a means of emphasising text and can also make the words difficult to read – particularly those that use vertical strokes that sit below the line. (Quelle)

Der dritte Punkt sind fehlende hängende Einzüge“. Text wird mit Leerzeichen „eingerückt“, was beim Ausdruck dazu führt, dass die Zeilenanfänge (bzw. der in eine neue Zeile umgebrochene Text) betrunken durch die Gegend torkeln. Hinzu kommt, dass nach dem Punkt hinter der Zahl (statt auf die Tabulatortaste zu drücken) wieder einfach ein paar Leerzeichen eingefügt werden, so dass man bei mehreren Aufgaben mit unterschiedlich langen Zahlen unschöne Abstände bekommt.

Bei mir schaut das Ganze folgendermaßen aus:

petpeeves2.png

Sehr verbreitet sind leider auch sog. Mehrfach-„Auszeichnungen“ wie z.B. das hier. Wie immer gilt auch hier: Weniger ist mehr. EINE Auszeichnung reicht völlig aus. Deine Schüler sollen nur EIN Beispiel geben? Dann schreib doch in Zukunft:

Großbuchstaben: Give only ONE example.
Oder kursiv: Give only one example.
Oder fett: Give only one example.
Oder, wenn’s unbedingt sein muss, unterstrichen: Give only one example. Aber dann pass bitte darauf auf, dass NUR/nur/nur das eigentliche Wort unterstrichen ist und nicht noch der folgende Leerraum.

Wie ich Schulaufgaben mit Word 2003 formatiere, beschreibe ich in hier. Dieselbe Beschreibung gibt es auch für OpenOffice 3.0 Writer

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  1. Christian

    Das ist jetzt natürlich ein sehr alter Beitrag.. aber ich kann bis auf die Einrückung keine Verbesserung bei deinem Vorschlag erkennen. Im Gegenteil, die Überschrift („Questions on the text…“) ist nicht mehr als solche erkennbar und warum die Kopfzeile (das ist der Kasten doch, oder?) finde ich als große Überschrift fehl am Platz. Nix für ungut 🙂

    • Christian

      Ups. „…und bei der Kopfzeile finde ich die große Überschrift fehl am Platz.“

  2. Sebastian

    Ich finde es schon wirklich genial, dass hier über „Kleinigkeiten“ im Layout diskutiert wird angesichts der Tatsache, dass manche Lehrkräfte in etwa so viel über Layout Bescheid wissen wie die Ente im „Technologically Imparired Duck“-Meme:
    http://cdn.memegenerator.net/instances/400x/9578815.jpg 😉

  3. Hallo zusammen,

    ja, Unterstreichungen sind mir auch ein Dorn im Auge, weil sie nicht etwas hervorheben, sondern das Lesen sogar extrem behindern!
    Auch ganz schlimm: Überformatieren – also, dass man alle 3 Formatierungsmöglichkeiten (fett, kursiv UND unterstrichen) an einem Wort/Satz/Absatz/gesamtem Text einsetzt. Wenn der Text an sich unformatiert ist (also normal), reicht zur Hervorhebung Fettschrift oder eine angenehme Farbe (dunkelgrün, dunkelblau, dunkelgrau). Aber man sollte es wirklich nicht übertreiben!
    Und auch in einem ohnehin bereits fett-geschrieben Text kann man einzelne Wörter hervorheben: Einfach die hervorzuhebenden Wörter wieder normal machen!!!

    Viele Grüße & schönes Wochenende!
    David

  4. @DL

    Natürlich ist unterstreichen MIT DER HAND nicht out, da oft die einzige Möglichkeit, einen bereits gedruckten Text zu markieren (obwohl man auch einen Markierstift benutzen kann, da die Striche bei kleinem Zeilenabstand die Lesbarkeit deutlich verschlechtern).

    In diesem Beitrag geht es aber doch um Text, die man SELBST in einem Textverarbeitungsprogramm gestaltet und daher alle Freiheit hat.

  5. > Jeder soll den Text nach seinem Geschmack gestalten. Bei den 2 weiteren Kritikpunkten stimme ich ihnen zu.

    Äh, ist das nicht ein bisschen widersprüchlich? Entweder „anything goes“ oder ja, doch es gibt ästhetische Kritierien.

  6. Zur Hervorhebugn dient auch bei mir (und in jedem Buch über Typografie) fett oder kursiv, nicht unterstrichen. Handschriftlich ist unterstreichen okay, aber nicht mit dem Computer. Schonmal wegen der dann hässlich aussehenden Unterlängen, dass man g und q nicht mehr auseinanderhalten kann. Im Buchdruck wird auch nicht unterstrichen.

  7. DL

    Unterstreichen ist out? Keineswegs!
    Ich und viele meiner Mitstudenten unterstreichen regelmäßig Abschnitte in ihren Texten!
    Unterstreichen ist doch nichts negatives! Im Gegenteil!
    Wichtige Passagen stechen einem erst durch das Unterstreichen so richig ins Auge, viele kommen ohne Unterstreichen gar nicht mehr aus!
    Soviel von meiner Seite zu diesem Thema. Jeder soll den Text nach seinem Geschmack gestalten.
    Bei den 2 weiteren Kritikpunkten stimme ich ihnen zu.

    Mfg.

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