Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

Quasseln

Vor kurzem diskutierten wir bei Enpaed, was man tun könne, wenn einige Oberstufen-SchülerInnen durch permanentes Quasseln den Unterricht stören würden. Dorothea Buschmann gab folgende, praxiserprobte Tipps:

1. Unmittelbar während oder nach des Quasselns Inhaltsfrage zum gerade Gesagten stellen. LAAAAANGE warten, wenn keine Antwort kommt.

2. Zu Beginn einer Stunde zum Stoff der letzten Stunde abfragen. Eine Note erteilen und nach der Stunde im Zweiergespräch bekanntgeben.

3. Zur Wahl stellen, ob sie ihr Aufmerksamkeitsproblem als (fast) erwachsene junge Menschen selber in den Griff bekommen möchten oder ob Du ihnen eine Hilfeleistung geben musst, die ihnen vielleicht nicht gefällt. Wenn sie selber wollen, fragen WIE – bloße Absichtsbekundung ist zu billig.

4. Zum In-den-Griff-kriegen eine knappe Frist (max. 2 UStd.) setzen, – wenn es sich dann nicht erledigt hat, auseinandersetzen an exponierte Plätze (allein / erste Reihe / Rand / neben Langweiler / neben „Streber“).

5. Sollte das Auseinandersetzen zu Beginn einer jeden Stunde durch Dich neu nötig sein, weil die Damen wieder zusammensitzen, die dadurch versäumte Zeit in die Pause rein durchunterrichten für die ganze Klasse.

6. In den Stunden, in denen sie dann still sind und womöglich dem Unterricht folgen, wieder zusammenfassen / wiederholen lassen und positiv verstärken, vermutlich klappt das dann besser und verdient ein Lob.

7. Das alles mit minimaler Verbissenheit und maximal humorvoller Leichtigkeit machen.

[Ein Kollege hatte vorgeschlagen, die Schüler einfach rauszuwerfen.] Ich würde niemanden rausschmeißen. Ich würde aber einen Oberstufenschüler fragen, ob er freiwillig oder gezwungenermaßen im Gymnasium verblieben ist. Ob er sich freiwillig oder gezwungenermaßen für das Fach entschieden hat. Und ihm dann zur Wahl stellen, dem Unterricht stumm und ggf. sogar aufmerksam zu folgen – oder aber ihm folgerichtiger fernzubleiben. Wenn er sich für Dableiben entscheidet und dann weiter quatscht , reicht Gestik, um den Schüler dazu zu bringen, seine Sachen zu packen und zu gehen. Ich stelle mich vor den Schüler hin und gebe ihm mit Zeichensprache zu verstehen dass er nun besser zusammenpackt und rausgeht, und unterrichte jede Sekunde voll konzentriert weiter damit er merkt: ich dulde nicht mal mehr eine Unterbrechung.

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CAE

  1. > Und wie gehst du mit dem Machtkampf um, wenn der / die Schüler(in) protestiert und sich nicht umsetzt mit den Worten “Ich habe doch gar nichts gemacht. Wieso immer ich.” etc.

    Zunächst einmal warte ich warte auf eine wirklich eindeutige Situation, wo ein „Ich hab doch gar nichts gesagt“ einfach nur absurd ist. Wenn der Schüler trotzdem mault, bestehe ich darauf, dass er sich umsetzt, biete ihm aber an meine Gründe ggf. NACH der Stunde nochmal zu erläutern, aber NICHT JETZT. Anders gesagt ich gehe falls nötig voll auf Kollisionskurs und setze mich durch.

  2. Dorothea

    @Anna
    1. Was sind dann Maßnahmen für Lehrer „mit Autorität“?
    2. Es war nicht die Rede davon, Abfragen anzudrohen, sondern einfach abzufragen.
    3. Dass die Schüler denken „Was für ein Depp“, damit muss ich täglich 20 x sowieso rechnen. Es kommt sogar vor, dass ich das auch von Menschen denke. 😉
    4. Dass einzelne Schüler den Unterricht zum Einschlafen finden, auch damit muss ich täglich 20 x rechnen, vor allem bei denen, die kein Interesse und keine Motivation mitbringen und die ich auf dieser Schiene nicht erreichen kann.
    5. Beide obigen Überlegungen sind für mich Überlegungen für Lehrer „mit Narzissmus“
    6. Ich will nicht, dass die Schüler mich lieben oder bombastisch finden, ich gehe auch nicht davon aus, dass wirklich JEDER meinen Unterricht superspannend findet, sondern ich wünsche mir, dass sie mich respektieren und eine Unterrichtsatmosphäre möglich machen, in der die, die was vom Unterricht haben wollen, konzentriert arbeiten können.
    7. Wenn ich Umsetzung nicht ankündige, sondern sie einfach vollziehe, nehme ich einem fast erwachsenen Schüler die Möglichkeit, sein Verhalten zu reflektieren und zu modifizieren. Ab Klasse 10 frage ich immer, ob der Schüler meint, seine Unaufmerksamkeit allein in den Griff zu bekommen und wie – oft klappt es.

  3. Christian

    „Allerdings muss ich sagen, dass Auseinandersetzen auch in der Oberstufe noch angebracht ist! Da man nicht (wie z.B. bei einer Abfrage) blamiert wird sondern nur still den Platz wechselt führt das auch zu keinem großen Hass gegen die Lehrkraft.“

    Und wie gehst du mit dem Machtkampf um, wenn der / die Schüler(in) protestiert und sich nicht umsetzt mit den Worten „Ich habe doch gar nichts gemacht. Wieso immer ich.“ etc.

  4. > Da man nicht (wie z.B. bei einer Abfrage) blamiert wird

    Ich frage vorne bei mir im „Zwiegespräch“ am Pult aus, da wird niemand blamiert.

    > Aber nicht mit Umsetzen drohen, sondern es einfach tun!

    Nö, ich finde eine Ankündigung / Warnung / Drohung muss schon sein.

  5. Anna

    Solcherlei Maßnamen sind für Lehrer ohne jegliche Autorität!
    Wenn man einen Oberstufler / eine Oberstuflerin damit droht „Wenn du weiter quasselst frag ich dich nächste Stunde ab!“ wird jener / jene nur die Augen Rollen und sich denken „Was für ein Depp!“
    Es ist den Schülern klar, dass ie abgefragt werden können!
    Oder zu fragen, wie sie Ihr „Aufmerksamkeitsproblem“ lösen wollen… Was soll der Schler/ die Schülerin darauf antworten? „Naja ich werde mal versuchen weniger zu reden!“ Und mti MitschülerInnen wird er darüber reden, dass der Unterricht eben so langweilig sei, dass an nur reden kann um nciht einzuschlafen!
    … führt alles nur zu Unbeliebtheit udn nicht Annerkennung von Autorität!

    Allerdings muss ich sagen, dass Auseinandersetzen auch in der Oberstufe noch angebracht ist! Da man nicht (wie z.B. bei einer Abfrage) blamiert wird sondern nur still den Platz wechselt führt das auch zu keinem großen Hass gegen die Lehrkraft.
    Aber nicht mit Umsetzen drohen, sondern es einfach tun!

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