Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Tabellen

Ich lie­be es mei­nen Kol­le­gen­In­nen beim Bewer­ten bzw. „Bepunk­ten“ von Klau­su­ren zuzu­se­hen. Nor­ma­ler­wei­se läuft das fol­gen­der­ma­ßen ab:

Als ers­tes wer­den die Punk­te mit Blei­stift auf der Schü­ler­ar­beit notiert. Danach wer­den sie auf einen extra Zet­tel mit den ent­spre­chen­den Spal­ten für jede Auf­ga­be über­tra­gen. Wenn man mit krum­men Punkt­zah­len han­tiert, muss u.U. schon an die­ser Stel­le der Taschen­rech­ner zu Hil­fe genom­men wer­den.  Am Ende müs­sen alle Punkt­zah­len noch­mal über­prüft wer­den, um zu ver­hin­dern, dass ein Schü­ler nur wegen eines feh­len­den hal­ben Punk­tes die schlech­te­re Note bekommt. In sol­chen Fäl­len muss dann sowohl auf der Schü­ler­ar­beit als auch auf der Über­sicht radiert und kor­ri­giert wer­den. Zum Schluss müs­sen alle Noten im Kopf oder wie­der mit Taschen­rech­ner addiert wer­den, um den Schnitt aus­zu­rech­nen. Ganz schlecht ist es dann, wenn der Schnitt zu schlecht ist (und man z.B. Ärger mit dem Fach­be­treu­er bzw. der Schul­lei­tung bekom­men könn­te) und man des­halb etwas „nach­hel­fen“ muss. Dann kommt es erneut zu einer grö­ße­ren Radi­er- und Kor­ri­gier­or­gie, in deren Ver­lauf man sich ger­ne ver­rech­net, was bei Rück­ga­be zu (berech­tig­ten) Pro­tes­ten der Schü­ler führt.

Wenn du hin­ge­gen mit mei­nen Tabel­len arbei­test, schaut das Gan­ze anders aus. Du gibst alle Punk­te aus­schließ­lich in die Tabel­le ein. Du wählst einen der mit­ge­lie­fer­ten Punk­te­schlüs­sel (bzw. änderst ihn ab) und die Tabel­le berech­net dir auto­ma­tisch die gan­ze Klas­se (mit Noten­ver­tei­lung und Schnitt) und zeigt dir außer­dem mit einem ‚+‘ an, wel­che Schü­ler nur knapp die bes­se­re Note ver­passt haben. Bei die­sen Schü­lern gibst du ggf. ein­fach neue Punk­te ein und die Sache hat sich. Willst du einen ande­ren Punk­te­schlüs­sel ver­wen­den, kopierst du ihn ein­fach in die Tabel­le und alles wird neu berech­net. Am Ende druckst du die fer­ti­ge Tabel­le auf ein DIN A4 Eti­kett, schnei­dest den jewei­li­gen „Schü­ler­strei­fen“ aus und klebst ihn ans Ende der Schü­ler­ar­beit:

streifen

Noch abzeich­nen – fer­tig. Kei­ne Addi­tons- bzw. Rechen­feh­ler, Nach­rech­nen über­flüs­sig.

Neben dem Berech­nen von klei­nen und gro­ßen Leis­tungs­er­he­bun­gen (Voka­bel­tests bzw. Klau­su­ren) bie­ten mei­ne Tabel­len auch noch eine Noten­ver­wal­tung. Dadurch habe ich jeder­zeit einen aktu­el­len Über­blick über alle Noten und kann Schü­ler, die knapp die schlech­te­re (Zeugnis-)Note bekom­men wür­den, noch recht­zei­tig prü­fen.

Anfang Janu­ar (fürs Zwi­schen­zeug­nis) bzw. Juli sage ich mei­nen Schü­lern immer auf die Kom­ma­stel­le genau, wie es noten­mä­ßig aus­sieht („If the­re were reports tomor­row …“). Gleich­zei­tig beto­ne ich, dass ich ungern jemand wegen ein paar blö­den Zehn­teln die schlech­te­re (Zeugnis-)Note gebe. Die­ser Wink mit dem Zaun­pfahl reicht dann wenigs­tens für die Schlaue­ren. Natür­lich kom­men die ent­spre­chen­den Kan­di­da­ten nicht gleich in der nächs­ten Stun­de dran, all­zu leicht soll es ihnen ja auch nicht gemacht wer­den. Auf die­se Art gibt es bei mir nie­mals sog. „Kor­rek­tur­fäl­le“ und für die Schü­ler gibt es im Zeug­nis kei­ne bösen Über­ra­schun­gen.

Mei­ne Tabel­len kannst du dir hier (zip) her­un­ter­la­den, eine Datei mit Hin­wei­sen erklärt die Benut­zung.

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Ringtennis

  1. Max

    EDIT:

    Hal­lo Jochen,

    ist es nicht sinn­vol­ler die Tabel­len bei den Schul­auf­ga­ben direkt auf die Arbei­ten zu dru­cken anstatt zu kle­ben? Dann braucht man nicht den gan­zen Kram mit Papier­schnip­sel weg­wer­fen usw.?!

    • Wie soll das gehen? Die Arbei­ten über den Ein­zel­blatt­ein­zug ein­zie­hen las­sen? Und dann in mei­ner Tabel­le immer wie­der einen neu­en Druck­be­reich defi­nie­ren? Da schnip­pel ich lie­ber ein biss­chen.

  2. Max

    Hal­lo ghost­bus­ta,

    =GANZZAHL((Z3+AA3)/2*100)/100

    Jetzt müss­te es klap­pen!

    🙂

    Gruß
    Max

  3. ghostbusta

    Hal­lo Jochen,
    hät­test du für dei­ne Super­ta­bel­len evtl. die For­mel, die mir die Berech­nung der End­no­ten nach der neu­en LRS-Rege­lung ermög­licht? Also Berech­nung einer rein müd­li­chen Note (ohne Exen, aber inkl. münd­li­cher Schul­auf­ga­ben, Gewich­tung 2:1 zuguns­ten der SA) und einer rein schrift­li­chen Note (inkl. Exen, aber 2:1 von Schul­auf­ga­ben gegen­über den Exen). Münd­lich zu schrift­lich für die End­no­te dann 1:1 wie gehabt bei LRS-Kan­di­da­ten.
    Viel­leicht bin ich ja auch der Ein­zi­ge, der das braucht… Seufz.
    Gruß und wei­ter so

    Tobi­as

  4. Nele

    Das Schul­ge­setz von Nord­rhein-West­fa­len sieht schlicht und ein­fach vor, dass sich die Jah­res­end­no­te jeweils zur Hälf­te zusam­men­setzt aus a) dem Ergeb­nis der Klausuren/Klassenarbeiten und b) der „sons­ti­gen Mit­ar­beit“. Die sons­ti­ge Mit­ar­beit ist, nun­ja, alles, was nicht Klau­sur oder Klas­sen­ar­beit ist.

    Wei­ter bestimmt unser Schul­ge­setz, dass die Schul­no­te eine päd­ago­gisch zu ermit­teln­de Note ist, die nicht arith­me­tisch bestimmt wer­den darf(!)

    Wenn ich das hier so lese, kommt mir das NRW-Schul­ge­setz zur Abwechs­lung mal sehr wei­se vor…

    Nele

  5. Bei uns arbei­tet etwa die Hälf­te der Leh­rer mit Tabel­len, der Rest mit Papier und Taschen­rech­ner. Dar­an wird sich wohl eben­falls nichts ändern.

    Mit den Notem im Grenz­be­reich geht jede Schu­le anders um – bei uns bekommt man kei­nes­falls ab x,50 die schlech­te­re Note. (Vor zwei Jah­ren muss­ten wir noch ein ganz ande­res Sys­tem für das bes­te aller exis­tie­ren­den hal­ten; jetzt ist es es ein neu­es. Hängt immer davon ab, wie sehr es die Schu­le dem zustän­di­gen MB recht machen will.)

    Wie auch immer das Default-Sys­tem ist, man kann immer in bei­de Rich­tun­gen Aus­nah­men machen, die man dann halt begrün­den muss. Und ja, es sind immer die glei­chen Begrün­dun­gen, die alle ins Pro­to­koll auf­ge­nom­men wer­den müs­sen, weil das den MB freut.
    Trotz­dem sit­zen dann immer wie­der Kol­le­goi­den in der Kon­fe­renz, die kei­ne zitier­fä­hi­ge Begrün­dung haben. Dann schwenkt der Leh­rer halt auf die ande­re Note um. Bei­des regt mich maß­los auf – dass dem Leh­rer die Ent­schei­dungs­kom­pe­tenz über die­se Grenz­fäl­le nicht zuge­bil­ligt wird, und dass man sie man­chen Leh­rern tat­säch­lich nicht zubil­li­gen kann.

    Ich habe zum Halb­jahr eine Lis­te mit mög­li­chen Begrün­dun­gen gemacht und jetzt wie­der aus­ge­hängt, bei der man nur eine hin­rei­chen­de Zahl von zutref­fen­den Begrün­dun­gen ankreu­zen muss, um dem Wunsch nach einer aus­führ­li­chen Stel­lung­nah­me nach­zu­kom­men.
    Den lie­be­voll in die­se Lis­te gesteck­ten Sar­kas­mus haben lei­der nicht alle ent­deckt.

  6. Hmmm. Muss­te oft schmun­zeln, beim Lesen dei­nes Arti­kels. Ich ken­ne das. Ich ver­wen­de Excel zur Noten­be­rech­nung, habe dabei ein Pro­zent-Sys­tem und gegen Lehr­gangs­en­de null Arbeit wegen der Noten. Die Schü­ler wis­sen immer, wie sie dran sind, ich weiß immer, wie sie drauf sind.

    Kol­le­gen fin­den sol­che Tabel­len inter­es­sant, sind aber auch sehr ver­liebt in ihr eige­nes Sys­tem, das natür­lich, wie du so tref­fend bemerkst, „hek­ti­sches Tip­pen in den Taschen­rech­ner“ beinhal­tet. Manch­mal den­ke ich mir, dass die­ses Getip­pe einen psy­cho­lo­gi­schen Hin­ter­grund hat: Das hat so einen Über­ra­schungs­ef­fekt, wenn die End­no­te raus­kommt. Ähn­lich wie beim Mil­lio­nen­rad oder bei einer Tom­bo­la 😉

    Die Resis­tenz gegen Excel-Tabel­len ist mir auch bekannt. An der Pädak habe ich das Sys­tem mal vor ver­sam­mel­ter Mann­schaft demons­triert: Ungläu­bi­ges Stau­nen und Schul­ter­klop­fen, aber kein Ein­zi­ger woll­te die Mus­ter­vor­la­ge zur Noten­be­rech­nung haben. Bei einer Inspek­ti­on wur­de mir sogar gesagt: „Immer die­se Jung­leh­rer mit ihren Tabel­len…“

    Das Pro­ze­de­re mit einer Kon­fe­renz wegen Zwi­schen­no­ten gibt es bei uns in Öster­reich nicht. Erscheint mir recht skur­ril, da die Begrün­dun­gen ja zwangs­wei­se immer sehr, sehr ähn­lich sind, oder? Ihr sitzt gern in Kon­fe­ren­zen, nicht? Okay, das war gemein. Wir Leh­rer kön­nen ja nichts dafür.

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