Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

Stunden- und Spickzettel

Gehörst du auch zu den Kollegen, die alles, was sie für eine Stunde brauchen, hand­schriftlich auf einem DIN A4 Zettel beisammen haben? Da steht dann oben z.B. die Haus­aufgabe für die jeweilige Stunde, darunter vielleicht wer ausgefragt werden soll, dann kommt der eigentliche Stundeninhalt samt geplantem Tafelbild und irgendwo ist vielleicht noch notiert, dass man von Huber noch die Schulaufgabe und von Meier noch den Abschnitt des letzten Rund­schreibens braucht. Spätestens im nächsten Jahr kann man mit diesem Durch­einander nur noch wenig anfangen, handschriftliche Ergänzungen kann man nur noch mit Mühe (oder überhaupt nicht mehr) entziffern und irgendwann beschließt man alles wieder neu zu schreiben. Dann geht das ganze Spiel von vorne los. Zwischendurch kommt einem immer mal wieder der Gedanke, dass es doch auch irgendwie ökono­mischer gehen könnte …

Ich benutze zwei verschiedene Arten von Zetteln, die völlig unter­schiedliche Funktionen haben. Auf meinen Stundenzettel kommt der geplante Stundenverlauf einschließlich „Klein­kram“, völlig getrennt davon auf meinen Spickzettel der eigentliche Stundeninhalt.

Stundenzettel

Für diese Zettel verwende ich liniertes DIN A5 Papier. Auf ihnen steht hand­schriftlich mein „Programm“ für die jeweilige Stunde. Ganz oben stehen (von links nach rechts) Klasse, Datum und (in Klassen, in denen es nicht von selber funktioniert) wer Tafeldienst hat. Danach kommt der nervige Kleinkram, also alles was ich in dieser Stunde vor dem eigent­lichen Unterricht noch erledigen muss, wie z.B. Schulaufgabe von Huber ein­sammeln, Meier an das Geld für die Lektüre erinnern, Hausaufgabe von Müller kontrollieren etc. Erledigtes wird durchgestrichen, so dass ich zu Hause auf einen Blick sehe, was ich nicht erledigen konnte. Alle unerledigten Sachen (z.B. Huber war nicht da, also habe ich seine Schul­aufgabe immer noch nicht) werden zuhause auf den Stundenzettel für die nächste Stunde übertragen.

Als nächstes folgt stichwortartig der Ablauf der Stunde, also welche Hausaufgabe ich stellen will, wer ggf. mündlich geprüft werden soll, womit ich anfange, was danach kommt, was ich mache, wenn ich noch Zeit habe usw.

An das Ende dieses Zettels kommen dann noch die „Daten“, die im Lauf der Stunde anfallen und die nicht gleich auf der Vergessen Liste notiert werden, also z.B. Schmidt möchte sich ein Buch von mir ausleihen, Müller hat (angeblich) eine Mail nicht bekommen und ich soll sie ihm nochmal schicken, Meier empfiehlt mir ein witziges YouTube Video usw.

Alternativ kann man für Stundeninhalt und Kleinkram getrennte Zettel verwenden.  Vorteil 1: Man kann den Stundenzettel gleich als Unterrichtsdokumentation abheften. Vorteil 2: Man braucht nicht Erledigtes vom Kleinkram-Zettel (Huber ist immer noch krank, deswegen hat man das Geld immer noch nicht) nicht auf einen neuen Zettel zu übertragen, sondern kann den alten ggf. wiederverwenden.

Spickzettel

Völlig getrennt von diesem alltäglichen Krempel sind die Zettel, auf denen ich meine Lösungen bzw. Tafelanschriebe notiere. Diese Zettel brauche ich immer wieder (zumindest solange ich mit dem entsprechenden Buch arbeite) und halte sie deshalb frei von Informationen, die mit dem eigentlichen „Stoff“ überhaupt nichts zu tun haben.

Da ich meine Spickzettel immer wieder überarbeite und verbessere, erstelle ich sie von vorneherein mit dem PC. So diesem Zweck wähle ich DIN A4 im Querformat (in Word 2003: Datei > Seite einrichten… > Papierformat) und mit zwei Spalten (Format > Spalten …), als Abstand zwischen den beiden Spalten nehme ich 2 cm. Hier ein Beispiel (doc).

DIN A4 finde ich für Spicker völlig ungeeignet: Das Blatt knickt um und schaut unprofessionell aus dem Buch heraus, so dass jeder Schüler sieht, dass man einen Spicker hat bzw. braucht. DIN A5 Zettel lassen sich hingegen ins Buch einlegen und man kann beim Tafelanschrieb relativ unauf­fällig abschreiben. Während der Stunde mache ich ggf. handschriftliche Ergänzungen (bessere Formulierungen, originelle Schülerbeiträge usw.), die ich dann zu Hause in die bereits vorhandene Datei einarbeite. Auf diese Art „tune“ ich meine Spickzettel immer wieder ohne großen Aufwand. Am Ende der Überarbeitung wird die aktuelle Version ausgedruckt, abgeheftet und steht für das nächste Mal wieder bereit.

Dieses System hat sich für mich wesentlich besser bewährt, als (in winziger Schrift) direkt ins Buch hinein zu schreiben. Etwas verändern bzw. über­arbeiten kann man dort meistens schon aus Platzgründen nicht, zweitens sind diese fuzzelig kleinen Notizen nicht sehr hilfreich. Mit zunehmendem Alter kann man sein eigenes Geschmotzel auch nicht mehr gut lesen. Eine Ausnahme sind die (kurzen) Lösungen zu sprachlichen Aufgaben.

Ein weiterer Vorteil ist, dass es für mich keine Katastrophe ist, wenn ich mal mein Buch verliere oder irgendwo liegen lasse. Es soll Kollegen geben, die in einer solchen Situation einen mittleren Herzinfarkt bekommen, weil mit dem Buch ihre gesamte Unterrichts­vorbereitung futsch ist.

Meinen Lösungen / Tafelanschriebe erstelle ich beim ersten Mal übrigens grundsätzlich OHNE Lehrerhandbuch bzw. Musterlösung, nur dann bekomme ich ein Gefühl dafür, was ich realistischerweise von den Schülern erwarten kann. Der Erwartungs­horizont in LHBs ist inhaltlich oft zu hochgestochen und sprachlich zu anspruchsvoll.

Wie Claudia Boerger mein System weiterentwickelt hat, kannst du in diesem Beitrag lesen.

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  1. Danke für deinen schon „etwas“ älteren Artikel. Ich mache es ähnlich und versuche, alles auf einem Zettel unterzubringen. Organisatorische Dinge sind nur selten darauf – vielleicht weil es nicht immer so viel und gibt und ich meine Klassen auch per E-Mail erreichen und diese über diesen Kanal abwickeln kann.

    Zusätzlich nutze ich gerne Wikis zur Dokumentation der Ergebnisse und auch für die Vorstrukturierung der nächsten Stunde.

  2. Martin Wiedemann

    Hallo Jochen,

    ganz ähnlich verfahre ich auch, wobei ich zugegebenermaßen nicht zwischen „aktuellem Kleinkram“ und „Inhalt“ differenziere, sondern alles in einen Zettel packe. Die Idee, hier Organisatorisches vom Stoff zu trennen, finde ich aber grundsätzlich gut und sinnvoll. Muss mir mal überlegen, das in Zukunft auch so zu handhaben. Evtl. reicht dann sogar ein größerer PostIt-Zettel für den Kleinkram.
    Ich „beschreibe“ in Word übrigens einfach eine normale A4-Seite hochformatig in Schriftgröße 20 und drucke dann mit der Option „2 Seiten auf ein Blatt“, so kommt ungefähr das gleiche raus wie bei dir.

    Gruß
    Martin

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