Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Direkter Unterricht

Du darfst direkt unter­rich­ten, auch die gan­ze Klas­se auf ein­mal. Du brauchst dich nicht dafür zu schä­men, dass du Schü­ler beleh­ren willst. Die Schu­le ist ja erfun­den wor­den, damit man nicht jedes Kind ein­zeln unter­rich­ten muss.“ (Jochen Grell)

Immer mal wie­der soll­te man Unter­richt aus Schü­ler­per­spek­ti­ve erle­ben. Erst dann wird einem wie­der bewusst, wie grau­sam und töd­lich lang­wei­lig Unter­richt sein kann: „Moti­vie­ren­de“ Ein­stie­ge, die zu einem ein­zi­gen Rate­spiel wer­den, weil es gilt her­aus­zu­fin­den, wohin das alles nun füh­ren soll. Ein „fra­gend-ent­wi­ckeln­der“ Unter­richt, in dem aus den Schü­lern etwas her­aus­ge­holt wer­den soll, was sie schlicht­weg nicht in ihnen drin­nen ist. Wie­der­hol­tes Umfor­mu­lie­ren von Fra­gen durch den Leh­rer, bis er dem Schü­ler die Ant­wort prak­tisch in den Mund gelegt hat. Läh­men­de Lan­ge­wei­le, weil das „Erar­bei­ten“ (ger­ne in der Grup­pe) viel zu viel Zeit in Anspruch nimmt und trotz­dem nicht klar wird, wor­um es eigent­lich geht. Außer­dem kriegt man „ganz hin­ten“ schon akus­tisch nicht mit, was vor­ne gebrab­belt wird etc. Ich kann nur jedem Leh­rer emp­feh­len, sich immer mal wie­der die­ser Erfah­rung aus­zu­set­zen!

Das Kon­zept des „direk­ten Unter­richts“ ist radi­kal gegen die­sen gan­zen Moti­va­tions-Quatsch und das meist damit ver­bun­de­ne „Erar­bei­tungs­mus­ter“:

Das Modell des Direk­ten Unter­rich­tens

Dei­ne Auf­ga­be als Leh­rer ist es, den Schü­lern etwas bei­zu­brin­gen. Nimm die­se Auf­ga­be wich­tig und erfül­le sie so effek­tiv, wie du kannst.

Wenn ich will, dass mei­ne Schü­lern etwas ler­nen, dann muss ich es ihnen bei­brin­gen.

Das ist die schlich­te Grund­idee des Direk­ten Unter­rich­tens. Leh­re­rin­nen und Leh­rer, die Direk­tes Unter­rich­ten pro­fes­sio­nell und kom­pe­tent prak­ti­zie­ren, beschäf­ti­gen sich wenig mit trüb­sin­ni­gen Betrach­tun­gen über die zuneh­mend man­gel­haf­te Bega­bung, Anpas­sungs­fä­hig­keit, Erzieh­bar­keit, Lern- und Arbeits­mo­ti­va­ti­on der her­an­wach­sen­den Genera­tio­nen. Sie wol­len jedem Kind so viel bei­brin­gen wie mög­lich. Dafür füh­len sie sich ver­ant­wort­lich. Und sie bemü­hen sich inten­siv und mit anste­cken­der Begeis­te­rung, die­ser Ver­ant­wor­tung gerecht zu wer­den.

Die Zuta­ten des Direk­ten Unter­richts

1. Klar struk­tu­rier­te Lern­er­fah­run­gen,
2. klei­ne Schrit­te, flot­tes Tem­po,
3. detail­lier­te und red­un­dan­te Erklä­run­gen,
4. vie­le Fra­gen und Auf­ga­ben, alle Schü­ler üben aktiv,
5. vie­le Rück­mel­dun­gen, viel Kor­ri­gie­ren von Schü­ler­ant­wor­ten,
6. min­des­tens 80 Pro­zent der Schü­ler­ant­wor­ten sind rich­tig,
7. kur­ze Stil­l­ar­beits­pha­sen, Über­wa­chen der Schü­ler­ar­beit,
8. Lern­er­folg durch Über­ler­nen.

Jochen Grell „Direk­ter Unter­richt“

Jochen und Moni­ka Grell Unter­richts­re­zep­te bei Ama­zon

Zurück

Willkommen!

Nächster Beitrag

Backups

  1. > aber der A u s t a u s c h ist vir­tu­ell halt müh­sam.

    Fin­dest du? Bin ich völ­lig ande­rer Mei­nung.

    > An mei­ner ehe­ma­li­gen schu­le ist ein Eng­lisch­kol­le­ge […] Pass­wort Zugang gewährt.

    Und wie­vie­le Kol­le­gen erreicht er mit die­sem Ver­fah­ren?

  2. Ja, natür­lich, ich war auch ein Ein­zel­kämp­fer – ein­mal wur­de sogar der Punkt „Text­ana­ly­se“, zu dem ich ein Papier vor­be­rei­tet hat­te, von der Tages­ord­nung der Fach­kon­fe­renz abge­setzt (Mehr­heits­be­schluss), weil man das schließ­lich zu Hau­se lesen k ö n n t e (Kon­junk­tiv II!). Da hat­te ich end­gül­tig die Nase voll.
    Umso wich­ti­ger ist es, dass man (du zum Bei­spiel) sei­ne Sachen im Netz vor­stellt und zum Nach­ma­chen frei­gibt (ich habe meh­re­re zustim­men­de Rück­mel­dun­gen für mei­ne Blogs bekom­men) – aber der A u s t a u s c h ist vir­tu­ell halt müh­sam. An mei­ner ehe­ma­li­gen schu­le ist ein Eng­lisch­kol­le­ge, der sei­ne Sachen höchst dif­fe­ren­ziert aus­ge­ar­bei­tet hat, aber sie nicht ver­öf­fent­licht, son­dern nur über Pass­wort Zugang gewährt.
    Alles Gute jeden­falls für dei­ne Bemü­hun­gen!

  3. > Geht das nicht?

    Nein, zumin­dest an mei­ner Schu­le geht das nicht. Ich habe es längst auf­ge­ge­ben dar­auf zu war­ten bzw. zu hof­fen, dass ande­re Kol­le­gen irgend­wo mit­ma­chen. Wenn ich Über­ar­bei­ten wich­tig fin­de, mache ich es, wenn ich Grund­kennt­nis­se in Text­ver­ar­bei­tung für uner­läss­lich hal­te, ver­lan­ge ich sie usw. – was die ande­ren Kol­le­gen machen, ist mir in die­sem Fall auf gut baye­risch wurscht. Natür­lich wäre vie­les wir­kungs­vol­ler, wenn man gemein­sam an einem Strang zie­hen wür­de …

    > Wie kriegt man die Schü­ler dahin, dass sie sel­ber das rich­ti­ge Eng­lisch ler­nen wol­len (statt nur der 4 oder 2 in Eng­lisch)?

    Das wird m.E. immer nur bei ein­zel­nen Schü­lern gelin­gen. Ich habe aber kein Pro­blem damit, wenn mir z.B. ein natur­wis­sen­schaft­lich inter­es­sier­ter Schü­ler erklärt, dass ihm die 4 in Eng­lisch völ­lig reicht. Mir hat als Schü­ler eine 4 in Che­mie oder Mathe auch völ­lig gereicht, die­se Fächer haben mich NICHT INTERESSIERT. Der Wun­sche ALLE Schü­ler für sein Fach zu begeis­tern ist ehren­wert, aber eben auch total unrea­lis­tisch und kann im schlech­tes­ten Fall sehr viel Unzu­frie­den­heit bewir­ken.

    > Die­sen Misch­masch von können/sollen/wollen, wie kriegt man den zusam­men?

    Mit einer gesun­den Mischung aus Zucker­brot (= Moti­va­ti­on) und Peit­sche (= Sank­tio­nen).

    > Kann den ande­rer über­haupt für mich brau­en?

    Letz­ten Endes muss jeder sei­ne eige­ne Mischung fin­den. Trotz­dem ist es natür­lich immer hilf­reich zu schau­en wie es ande­re machen, selbst wenn man nur zu dem Schluss kommt, dass man es SO auf kei­nen Fall machen will 😉

  4. Das Sys­tem „Revi­si­on“ wird erst wirk­lich wirk­sam (und ein­fa­cher zu hand­ha­ben), wenn die ande­ren Eng­lisch­leh­rer es auch prak­ti­zie­ren, die Deutsch­leh­rer es auch prak­ti­zie­ren…
    Geht das nicht? Lebt es zu sehr von dei­ner Visi­on? Du sprichst ja auch von dei­ner eiser­nen Kon­se­quenz: Wie kriegt man die Schü­ler dahin, dass sie sel­ber das rich­ti­ge Eng­lisch ler­nen wol­len (statt nur der 4 oder 2 in Eng­lisch)? Ich sel­ber habe das Über­ar­bei­ten erst gelernt, als ich mei­ne Tex­te ver­öf­fent­li­chen konnte/sollte/wollte und eben gute Tex­te ablie­fern woll­te.
    Die­sen Misch­masch von können/sollen/wollen, wie kriegt man den zusam­men? Kann den ande­rer über­haupt für mich brau­en?

  5. > Fürs Kor­ri­gie­ren eine Anmer­kung: Man müss­te die Schü­ler dahin krie­gen, dass sie die Kor­rek­tu­ren als sol­che wahr­neh­men

    Stimmt, genau das müs­sen sie bei mei­ner Revi­si­on-Metho­de: http://www.jochenenglish.de/?p=371

  6. Als in der Lern­ziel-Zeit sozia­li­sier­ter Leh­rer weiß ich die genau kal­ku­lier­ten klei­nen Schrit­te zu schät­zen,
    aber aus mei­nen Erfah­run­gen mit dem pro­gram­mier­ten Ler­nen weiß ich auch, dass Ver­ste­hen mehr ist als ein Sum­mie­ren klei­ner Schrit­te: Das ‚Aha‘ wird nicht durch vie­le klei­ne Schrit­te, son­dern durch einen Steil­pass ermög­licht.
    Fürs Kor­ri­gie­ren eine Anmer­kung: Man müss­te die Schü­ler dahin krie­gen, dass sie die Kor­rek­tu­ren als sol­che wahr­neh­men; bei der HA-Bespre­chung (gedruck­ter Text mit Rand) war mein Text der mit den meis­ten Kor­rek­tu­ren, man­che Schü­ler-Tex­te bewahr­ten ihre wei­ße Unschuld bis zum Stun­den­en­de. Ich habe auch immer am längs­ten die vor­lie­gen­de HA gele­sen, d.h. mich am inten­sivs­ten dar­auf ein­ge­las­sen.
    Wie man das ändern kann, brau­che ich als Pen­sio­när mir nicht mehr zu über­le­gen; das gebe ich an euch, lie­be akti­ve Kol­le­gen, wei­ter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén