Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

Referate im Sportunterricht

… finde ich fürchterlich. Hier meine wichtigsten Gründe:

Der wichtigste Grund ist natürlich die enorme Zeitverschwendung. Nehmen wir einen typischen Sportkurs von 25 Schülern. Rechnen wir mal vorsichtig mit 10 Minuten pro Referat. In Wirklichkeit ist es ja häufig mehr, denn nach dem Schülervortrag muss der Lehrer noch Diverses berichtigen, ergänzen oder klarstellen, so dass 15 Minuten eigentlich realistischer wären. Rechnen wir trotzdem mal mit 10 Minuten: 25 x 10 = 250 Minuten, also über vier Zeitstunden bzw. mehr als fünf Schulstunden, in denen die Schüler nur rumhocken und jemand etwas abliest, pardon …, „präsentiert“. Sportlehrer klagen (zu Recht) darüber, dass die Schüler zu wenig Sport haben und sich allgemein zu wenig bewegen. Man möchte meinen, dass die wenigen verbleibenden Stunden so wertvoll sind, dass sie möglichst intensiv genutzt werden und kein Leerlauf entsteht. Und was passiert stattdessen? Schüler sitzen wieder rum und müssen sich irgendwelchen Quark anhören. Wie passt das zusammen?

Ich bestreite schlichtweg die Notwendigkeit ausgerechnet in Sport irgendwelche Vortrags- und Präsentationstechniken erlernen bzw. üben zu müssen. Referate / Präsentationen müssen die Schüler inzwischen in den meisten Fächern halten, da muss Sport mit seinen lächerlichen 90 Minuten pro Woche nicht auch noch Zeit dafür opfern.

Aber im Grund geht es ja gar nicht um Vortragstechnik, es geht darum das Fach „wissenschaftlicher“ zu machen und damit „aufzuwerten“. Ausgerechnet eines der (zumindest bei den Jungen) traditionell beliebtesten Fächer soll dadurch aufgewertet werden, dass man dieselben langweiligen Sachen macht wie in anderen Fächern? Lachhaft! Die meisten Schüler wollen sich (gottseidank) BEWEGEN und nicht wieder rumhocken und zuhören müssen, das müssen sie schon die ganze restliche Zeit.

Des weiteren bestreite ich die Relevanz der meisten Referatsthemen. Nehmen wir wieder einen Volleyball Kurs mit 25 Schülern. Wieviele der 25 Themen stehen in einem sinnvollen Verhältnis zu dem, was die Schüler selber überhaupt können? Natürlich kann ich ein paar Referate zu den Grundtechniken (Aufgabe, Baggern, Pritschen und Schmettern) vergeben. Aber welchen Sinn hat das? Als Lehrer habe ich in ein paar Minuten das Wichtigste erklärt, demonstriert, auf typische Fehler aufmerksam gemacht und ggf. noch eine Schautafel gezeigt. Danach könnte man anfangen zu üben. Der Schüler kann aber (wenn er nicht gerade Vereinspieler mit viel Erfahrung ist) gar nicht wissen, worauf es ankommt, also erzählt er einfach alles, was er in irgendeinem Fachbuch gelesen hat (schließlich muss er ja auch auf die geforderten „mindestens zehn Minuten“ kommen). Noch blödsinniger sind all die anderen Themen, die überhaupt keinen Bezug mehr zum praktischen Können des Vortragenden haben. Da quasselt dann einer, der selber kaum einen Ball vernünftig pritschen kann, über komplizierte Spielzüge mit Libero oder faselt über Finten beim Schmettern. Die anderen interessiert dieser Sums natürlich genauso wenig, schließlich können auch sie das nicht überhaupt umsetzen. Also schalten sie wie so oft auf Durchzug und sitzen ihre Zeit ab.

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  1. michael bluethner

    Warum nicht auch für schlechtere Schüler ein Chance die Sportnote aufzubessern mit einem Kurzvortrag (5min.) zu den Basics vom Regelwerk, z.B. Linien und Spielidee Basketball. Da die Regelkunde sowieso vom Lehrer (als Stundengelenk) durchgeführt werden muss, kann dies auch ein Schüler übernehmen und als Experte die nächsten Stunden fungieren.

    • > Kurzvortrag (5min.) zu den Basics vom Regelwerk

      Ok, dagegen ist nichts zu sagen. Man muss nur abwägen, ob der Aufwand Falsches bzw. Unzutreffendes richtig zu stellen (man spielt in der Schule ja normalerweise nicht nach den strengen Vereinsregeln, z.B. bei der Rückspielregel). angemessen ist.

      > Spielidee Basketball

      „Die Idee des Spieles ist, den Ball in den gegnerischen Korb zu werfen.“ (???)

      > und als Experte die nächsten Stunden fungieren

      Aarrgghh, nur weil ein Schüler ein paar Regeln wiedergeben (!) kann, ist er noch lange kein „Experte“. Der Begriff ist inzwischen grotesk entwertet.

  2. …kommt drauf an. Einige Alternativen:

    – Kurzvideo gestalten lassen (kann sich bei Interesse Zuhause angeschaut werden oder beim Cool-Down)
    – Statt Vortrag einen praktischen Teil durchführen lassen (ggf. mit schriftlicher Vorbereitung, z. B. Vertiefung des Videothemas)

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