Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium ... und ein bisschen Tango

Jonglieren

… macht in ers­ter Linie natür­lich Spaß, ist aber auch sonst päd­ago­gisch aus­ge­spro­chen wert­voll und m.E. eine idea­le Sport­art für die Schu­le.

  • Gera­de unsport­li­che und/oder dicke, aber koor­di­na­tiv begab­te Kin­der haben hier oft Erfolgs­er­leb­nis­se (vor allem, wenn sie zuhau­se üben), wäh­rend die Sport-Cracks ggf. erfah­ren, was es heißt etwas nicht gleich auf Anhieb zu kön­nen und etwas üben zu müs­sen.
  • Ohne Dis­zi­plin, Geduld, regel­mä­ßi­ges Üben und Frus­tra­ti­ons­to­le­ranz geht beim Jon­glie­ren gar nichts, auf der ande­ren Sei­te kommt man mit Ver­bis­sen­heit und „Kopf durch die Wand“ auch nicht wei­ter.
  • Jon­glie­ren ver­bes­sert Wahr­neh­mung und Koor­di­na­ti­on. Immer mehr Kin­der haben Schwie­rig­kei­ten z.B. mit Über-Kreuz-Bewe­gun­gen, ähn­lich wie bei der Kine­sio­lo­gie ver­bes­sern sich die ent­spre­chen­den Fähig­kei­ten bei den meis­ten Kin­dern im Lauf der Zeit erheb­lich.
  • Wenn man sich ein biss­chen umhört, ist Jon­glie­ren kos­ten­los. Ich neh­me dafür alte Ten­nis­bäl­le, die in Ten­nis­ver­ei­nen immer wie­der aus­sor­tiert wer­den. Ein­fach Eltern (bzw. den Eltern­bei­rat) anspre­chen, sel­ber rum­te­le­fo­nie­ren oder die Schü­ler fra­gen. Natür­lich sind rich­ti­ge, wei­che Jon­glier­bäl­le, die nach dem Run­ter­fal­len nicht weg­rol­len, bes­ser, aber es geht auch ohne. (Von Jon­glier­tü­chern hal­te ich über­haupt nichts. Ers­tens sind die ziem­lich teu­er und zwei­tens sind sie m.E. für das schnel­le Erler­nen eher hin­der­lich. Tücher haben ein ganz ande­res Flug­ver­hal­ten als Bäl­le und die Hand­hal­tung bei Tüchern (Hand­rü­cken nach oben) ist auch eher ungüns­tig.) Man kann Jon­glier­bäl­le auch sel­ber machen (auf­schnei­den, mit Reis fül­len und Luft­bal­lons drum­her­um­span­nen), aller­dings ist die Lebens­dau­er die­ser Bäl­le sehr begrenzt. Oft plat­zen sie sehr schnell auf und dann hat man den gan­zen Reis in der Hal­le rum­lie­gen. Wesent­lich bes­ser sind natür­lich glat­te Bean Bags, die es auch in ver­schie­de­nen Grö­ßen gibt. Velours Bäl­le sind ange­nehm grif­fig, aber wesent­lich emp­find­li­cher. Für jün­ge­re Schü­ler emp­feh­le ich Bäl­le mit 50 mm Durch­mes­ser, für grö­ße­re die nor­ma­len Bäl­le mit 65–67 mm Durch­mes­ser.
  • Jon­glie­ren eig­net sich her­vor­ra­gend für Ver­tre­tungs­stun­den. Wenn ich in einer Klas­se Auf­sicht füh­ren muss, schau ich vor­her kurz auf unse­ren Hal­len­be­le­gungs­plan. Wenn eine Hal­le frei ist, jon­glie­ren wir. Da macht es auch nichts, wenn die Schü­ler kein Sport­zeug dabei haben. Das ist bes­ser als wie­der nur „Schif­fe ver­sen­ken“ oder „Stadt, Land, Fluß“ zu spie­len oder (noch schlech­ter) ein­fach nur die Zeit abzu­sit­zen.
  • Es eig­net sich her­vor­ra­gend als Sport-Haus­auf­ga­be. Wenn Schü­ler regel­mä­ßig zu Hau­se üben, ver­bes­sern sie sich in kür­zes­ter Zeit.
  • Auch für Leh­rer ist Jon­glie­ren sehr wert­voll. Es eig­net sich z.B. her­vor­ra­gend für „lebens­lan­ges Ler­nen“. So wie ein Spra­chen­leh­rer m.E. sich immer mal wie­der mit einer neu­en Spra­che beschäf­ti­gen soll­te, um zu spü­ren, wie es anfühlt sich z.B. nicht aus­drü­cken zu kön­nen bzw. nichts zu ver­ste­hen, soll­te ein Sport­leh­rer immer mal wie­der neue Bewe­gun­gen ler­nen, um zu spü­ren, wie es ist, wenn etwas (obwohl man sich bemüht hat) nicht klappt.
  • Jon­glie­ren ist ide­al als Ent­span­nung z.B. bei lan­gen Kor­ri­gier­ses­si­ons. Man muss mich auf etwas ganz ande­res kon­zen­trie­ren und trotz­dem locker blei­ben.

Methodik

Hier mein metho­di­scher Weg zur sog. „Kas­ka­de“. Alle Übun­gen ab 3. erst mit der bes­se­ren Hand begin­nen, dann mit der schlech­te­ren begin­nen, dann abwech­selnd.

  1. Beginn mit einem Ball: Jede Hand wirft den Ball senk­recht nach oben bis unge­fähr Augen­hö­he. Vor allem die schlech­te­re Hand wirft am Anfang zu nied­rig / hoch, zu weit nach vor­ne oder zu nah auf den Kör­per.
  2. Einen Ball von einer in die ande­re Hand wer­fen. Dabei den Ball nicht mit den Augen ver­fol­gen, son­dern nach vor­ne-oben schau­en und das „peri­phe­re Sehen“ trai­nie­ren.
  3. In jeder Hand einen Ball: Den ers­ten Ball senk­recht nach oben wer­fen, wenn er sei­nen höchs­ten Punkt erreicht hat, den zwei­ten wer­fen.
  4. wie 3., nur ohne Pau­se.
  5. wie 3., aber jetzt von der einen in die ande­re Hand. Dazu ändert sich die Wurf­be­we­gung, aus der senk­rech­ten Wurf­be­we­gung wird eine klei­ne Kreis­be­we­gung.
  6. wie 5., nur ohne Pau­se.
  7. Zwi­schen­übung: 2 Bäl­le in einer Hand, nur den vor­de­ren wer­fen und fan­gen.
  8. Drei Bäl­le: zwei in der guten und einen in der schlech­ten Hand. Alle Bäl­le ein­mal wer­fen und fan­gen. Letz­ten Ball wie­der in die Wurf­hand zurück.

Gute Schü­ler ler­nen auf die­se Wei­se die Grund­form der Kas­ka­de in 45 Min­un­ten.

Im fol­gen­den Video wer­den vie­le sinn­vol­le Vor- bzw. Zwi­schen­übun­gen gezeigt:

Noten

Ich mache von Anfang klar, dass ich Jon­glie­ren beno­te und demons­trie­re gleich am Anfang, was man für die jewei­li­ge Note kön­nen muss. Nor­ma­ler­wei­se üben wir drei Stun­den lang (jeweils ca. 45 Minu­ten), in der vier­ten Stun­de üben / wie­der­ho­len wir noch­mal ca. 20 Minu­ten, dann mache ich Noten. Bis zum Ende des Schul­jah­res (bzw. bis zum Noten­schluss) kön­nen sich die Schü­ler jeder­zeit ver­bes­sern. Wenn Schü­ler zum ers­ten Mal jon­glie­ren, gilt fol­gen­des Bewer­tungs­sche­ma:

Note +1 Siche­re Kas­ka­de (ca. 8x) und siche­re Säu­le auf einer Sei­te
Note 1 Siche­re Kas­ka­de
Note 2 Kas­ka­de mit Unsi­cher­hei­ten
Note 3 Drei Bäl­le: Jeden Ball ein­mal wer­fen und fan­gen, abwech­selnd mit rechts und links begin­nen
Note 4 Wie Note 3 mit Unsi­cher­hei­ten
Note 5 Zwei Bäl­le dia­go­nal

Wenn ich mit einer Klas­se schon mal jon­gliert habe, stei­gen beim nächs­ten Mal die Anfor­de­run­gen. Dann muss man für die +1 neben der siche­ren Kas­ka­de die Säu­le auf bei­den Sei­ten jon­glie­ren oder einen Ball unter dem Bein fan­gen kön­nen, etc.

Im fol­gen­den Video erklä­re ich den metho­di­schen Weg von ein­fa­chen Übun­gen mit einem Ball bis zur sog. „Kas­ka­de“ mit drei Bäl­len zu Musik:

 

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  1. Guten Tag

    Vie­len Dank für das tol­le Lern­vi­deo. Ich fin­de die ver­wen­de­te Musik ide­al, um jon­glie­ren zu ler­nen. Dürf­te ich Sie fra­gen, um wel­chen Titel es sich hier han­delt?

    Mit herz­li­chen Grüs­sen
    I. Jost

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