Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

SITZEN VERBOTEN

Alle Welt klagt zu Recht, dass unsere Schüler immer fetter werden häufiger unter Adipositas leiden, sich nicht mehr bewegen, keine Kraft mehr aber dafür erhebliche motorische und koordinative Defizite haben. Immer mehr Kinder und Jugendliche bewegen sich nur noch in der Schule und hocken zu Hause nur noch vor dem PC bzw. dem Fernseher. Der naheliegende Schluss wäre (möchte man meinen), dass die Hauptaufgabe des Sportunterrichts die Bekämpfung oder zumindest Linderung o.a. Mängel sei. Konkret hieße das, dass Herz-Kreislauf- und Krafttraining zusammen mit Übungen zur Verbesserung der Motorik und Koordination absolute Priorität im Sportunterricht haben müssten. In Wirklichkeit sitzen (bzw. stehen) Schüler viel zu oft und viel zu lange im Sportunterricht herum.

Der Hauptgrund für häufiges Rumsitzen sind m.E. die verdammten Referate. Die sind ja schon im „normalen“ Unterricht häufig tödlich langweilig, im Sportunterricht sind sie meiner Meinung nach eine wahre Pest. In Bayern haben wir die Referitis gottseidank fast ausschließlich im Grundkurs (12./13. Klasse), in anderen Bundesländern wird aber auch schon in unteren Klassen referiert. Nehmen wir als durchschnittliche Länge eines Referats ca. 10 Minuten plus 5 Minuten, in denen der Lehrer noch etwas korrigiert, ergänzt und erläutert, macht ganz schnell 15 Minuten oder sogar mehr. Diese 15 Minuten multipliziert mit einem durchschnittlichen Grundkurs von 25 Schülern macht schon ziemlich viel Zeit, in denen die Schüler nur rumsitzen. Wie bei allen Referaten ist irgendjemand in „seiner“ Stunde krank, so dass in der nächsten Stunde gleich zwei Referate hintereinander stattfinden müssen, macht dann gleich mal ca. 30 Minuten Rumsitzen.

Was für ein ödes Zeug muss man sich da oft/meistens (?) anhören: „Die Geschichte des Volleyballsports“, „Wettkampfregeln Schwimmen“, „Die olympischen Spiele – Von der Antike bis in die Moderne“ usw. usw. Interessiert bzw. nützt das irgendjemand? Kann ich besser pritschen oder baggern, wenn ich weiß, dass …? Kann ich besser kraulen, wenn ich mal gehört habe, dass …? Habe ich mehr Spaß an etwas, weil ich weiß, dass …?

Sportlehrer klagen zu Recht, dass sie so wenig Unterrichtszeit haben und dass als erstes immer die Sportstunden gekürzt werden. Solange sie ihren eigenen Unterricht aber nicht konsequent auf BEWEGUNG ausrichten, ist diese Kritik m.E. nicht wirklich stichhaltig. Viel zu viele Sportlehrer leiden noch immer unter dem Minderwertigkeitskomplex der „Unwissenschaftlichkeit“. Anstatt sich voller Selbstbewusstsein hinzustellen und zu verkünden: „Wir sind stolz darauf das einzige BEWEGUNGSfach zu sein und wollen gar nicht „wissenschaftlich“ sein – und das ist auch gut so!“ vergeuden sie wertvolle Zeit mit unsinnigen Referaten.

In über zwanzig Jahren Unterrichtstätigkeit bin ich zu der festen Überzeugung gelangt, dass man so gut wie niemand mit Worten und Appellen an die Einsicht zu Bewegung und Sport motivieren kann (viele Studien bestätigen das). Nicht umsonst haben wir den schönen deutschen Ausdruck „etwas am eigenen Leib erfahren“ oder um Goethe zu zitieren: „Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nicht erjagen.“ Nur wenn ich am eigenen Leib erfahre und fühle, dass ich nach ein paar Wochen Training länger laufen und doppelt so viele Liegestütze machen kann, endlich den Ball in den Basketballkorb werfe und die schwierige Aerobicfolge fehlerfrei schaffe, bin ich motiviert und habe Spaß an Bewegung und Anstrengung. Kein noch so gutes Referat über die positiven Auswirkungen eines regelmäßigen Herz-Kreislauftrainings kann auch nur annähernd das großartige Gefühl ersetzen, wenn man sich richtig „ausgepowert“ hat und sich richtig schön müde fühlt. Nur wenn ich erfahren habe, dass eine Mannschaft durch gemeinsame Anstrengung und Teamwork einen Gegner besiegt hat, wird mich das für das weitere Training motivieren. Bekennen wir uns doch endlich zu unserem Kerngeschäft, der BEWEGUNG und reduzieren den ganz kognitiv-theoretisch-„wissenschaftlichen“ Quark auf das absolute Minimum!

Als Nachweis unserer „Wissenschaftlichkeit“ wird bei uns in Bayern im Grundkurs Sport ein Theorietest geschrieben. Meine Schüler bekommen vorher ein maximal zweiseitiges Handout zur Regelkunde (zip) und im Test beschränke ich mich auf ein paar grundlegende Fragen zu Technik und Regelkunde. Es gibt aber auch Kollegen, die 20-seitige (!) Handouts austeilen und im Theorietest fragen, welchen Umfang und welches Gewicht ein Volleyball hat. Sehr wissenschaftlich und wirklich nützlich fürs weitere Leben …

Wenn die Gerüchte stimmen, soll es in der neuen bayerischen Oberstufe noch schlimmer werden; da soll dann Praxis zu Theorie 2:1 gewertet werden. Um diesen enorm hohen Stellenwert der Theorie zu rechtfertigen, muss man dann natürlich entsprechend viel und anspruchsvolle Theorie machen. Ich sehe schon kommen, dass wir dann am besten gleich ganz im Klassenzimmer bleiben und zusammen mit unseren übergewichtigen Schülern Videos gucken. Die Schüler können zwar dann noch weniger als heute, aber wissen dann zumindest wie es gehen sollte.

Zurück zu den Gründen für das Rumsitzen. „Soziales Lernen im Sportunterricht“ ist eine feine Sache, aber wenn das dann konkret bedeutet, dass Schüler rumsitzen und wertvolle Bewegungszeit verloren geht, halte ich nur noch sehr wenig davon. Am Anfang von solchen pädagogischen wertvollen Stunden dürfen die Schüler nicht einfach in der Halle rumrennen und rumbrüllen, sondern alle setzen sich erstmal um den Mittelkreis herum. Der Lehrer setzt sich natürlich dazu, denn wenn er als einziger stehen würde, wäre das bereits ein Ausdruck seiner Macht und das will er auf keinen Fall, schließlich sind die Schüler ja gleichberechtigte „Lernpartner“. Anschließend wird ausführlich über den Ablauf der Stunde gesprochen. Der Lehrer macht Vorschläge, die Schüler diskutieren, stimmen ab, können sich nicht einigen, da vergehen schnell 15 Minuten bis es überhaupt mal losgeht. Am Ende der Stunde dasselbe Spielchen wieder: „Wie habt ihr euch gefühlt?“, „Was hat euch (nicht) gefallen?“, „Was könnten wir nächste Stunde anders machen?“ usw. Zwischendurch kann man dann noch über Regeländerungen, das Verhalten von einzelnen und viele andere Sachen diskutieren. Ohne Probleme kommt man in solchen Stunden auf mehr als 30 Minuten rumsitzen und labern, kommunizieren.

In meinem Unterricht heißt es soweit möglich: SITZEN VERBOTEN. Am Anfang der Stunde räume ich meistens schon irgendwelche Geräte (Bälle, Seile, Tennisbälle etc.) raus und die Schüler wissen, sie etwas mit diesen Geräten machen MÜSSEN und sich NICHT hinsetzen dürfen. Das ist also genau das Gegenteil (Tut mir leid, liebe Sportkolleginnen) von typischen Mädchen-Sportstunden. Dort sitzen nach meiner Erfahrung häufig (Ausnahmen bestätigen die Regel) erst mal ALLE rum und quasseln. Die Sportlehrerin setzt sich meistens dazu und nach erst ca. 10-15 Minuten geht’s dann irgendwann mal los.

Auch während der Stunde darf sich bei mir niemand einfach hinsetzen und zuschauen. Wenn einem Schüler z.B. etwas weh tut, muss er erst kurz mit mir sprechen, bevor er sich hinsetzen darf. Ich bin immer ganz baff, wenn Schüler sich bei mir beschweren, dass sie sich nicht einfach hinsetzen dürfen, wenn ihnen etwas nicht gefällt, bei Kollege XY sei das völlig normal.

Wenn Bewegung höchste Priorität haben soll, hat das natürlich Auswirkungen auf die Inhalte meines Unterrichts. Wie in jedem anderen Fach muss ich meine Inhalte einer didaktischen Analyse unterziehen. Konkret habe ich dabei z.B. folgende Kriterien: Wie viele Schüler kann ich über möglichst lange Zeit gleichzeitig beschäftigen? Je mehr desto besser, nochmal besser, wenn nicht alle dasselbe machen, sondern ich binnendifferenzieren kann. Wie effektiv sind meine Inhalte in Hinsicht auf die Verbesserung von Herz-Kreislauf, Kraft und Koordination? Wie relevant sind meine Inhalte für das Leben nach der Schule (lifetime Sportarten)? Wie technisch anspruchsvoll ist eine Bewegung, bzw. wie lange muss ich üben bevor mal überhaupt ein Spiel zustandekommt? (Volleyball hat in dieser Hinsicht eine ganz miese Bilanz). Wie muss ich den Unterricht organisieren, dass ich Bewegungszeit maximiere und Rumsitzen bzw. -stehen minimiere?

Aufgrund dieser ganz einfachen Überlegungen treffe ich dann Entscheidungen bezüglich der Inhalte meines Unterrichts: Aerobic statt Geräteturnen, Ringtennis statt Weitsprung, Krafttraining statt Kugelstoßen, Rope Skipping statt Hochsprung (wo ich im günstigen Fall zwei Anlagen habe und bei 32 Schülern zwei Gruppen à 16 Schüler mit entsprechenden Wartezeiten) usw. Durch geringfügige Änderungen kann man Rumsitzen reduzieren, so lasse ich Volleyball grundsätzlich QUER spielen. Dadurch habe ich zwar nicht mehr die Original-Spielfeldmaße, aber es können (auf zwei Spielfeldern) schon mal doppelt so viele Schüler spielen.

Die oben genannten Kriterien gelten natürlich genauso für neue Sportarten. Baseball im Schulsport? Bringt nach meiner Erfahrung ziemlich wenig. Die Schüler treffen den Ball nur höchst selten und alle anderen stehen nur rum. Irgendwann läuft mal einer ein paar Schritte, wirft den Ball und das war’s dann auch schon wieder. Yoga im Schulsport? Bewusstes Atmen, Entspannung und Meditation sind wunderbare Dinge, aber ist Herumliegen wichtiger als sich Bewegen? Natürlich spielt es immer eine Rolle wieviele Stunden ich zur Verfügung habe. Wenn ich zwei Doppelstunden in der Woche habe, spricht nichts dagegen mal eine Einheit von sagen wir drei bis vier Stunden für bewegungsarme Inhalte zu verwenden. Wenn ich aber nur eine Doppelstunde in der Woche habe, sollte das die Ausnahme sein.

Nicht verschwiegen sei zum Ende, das das alles nur mit Disziplin geht. Meine Schüler dürfen so laut rumbrüllen wie sie wollen, wenn ich pfeife, müssen sie SOFORT mucksmäuschenstill sein, müssen ggf. ihren Ball/ihr Seil etc. festhalten und mich anschauen. Auf das entsprechende Zeichen hin, müssen sie angesaust kommen und sich nach der Ansage genauso schnell wieder verteilen und weitermachen. Auf- und Abbau von Geräten, Übergabe der Leiberl – alles muss flott gehen. Eine gute Stunde war es für mich, wenn es am Ende der Stunde heißt: „Waaas, schon vorbei?“

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Rechenschaftsablagen

  1. jens hornig

    Das war ja auch meine Absicht, die Perspektivenerweiterung, damit man nicht nur starr einer Linie folgt.

    Von Widerlegen kann aber keine Rede sein, Pollmers Ausführungen sind unterhaltsam und ein gutes Mittel, Fitnessirren zu begegnen und den Gesundheitsprogrammen der Krankenkassen begegnen zu können, aber deswegen noch nicht die letzte Wahrheit.

    Die Empfehlungen Moosburgers haben mich jedenfalls 17 kg abnehmen lassen. Jetzt bin ich aber vielleicht nicht gesünder (im Sinne Pollmers geht das so ja nicht), ich sehe nur (noch) besser aus.

    Gute Zeit,
    Jens

  2. Witzig, dass du ausgerechnet Udo Pollmer nennst. Der bezeichnet nämlich z.B. die simple Vorstellung des Körpers als Kalorien „Verbrennungsmotor“ als kompletten Unsinn (siehe z.B. http://tinyurl.com/5urp9e S. 29 ff.).

    Auch in seinem neuen Buch http://tinyurl.com/6facel widerspricht bzw. widerlegt er so ziemlich alle Ernährungstipps von Fachleuten wie Dr. Moosburger.

  3. jens hornig

    Gerne, viel Spaß weiterhin mit dem Unterrichten, ich hoffe, es taugt den Schülern so sehr wie mir früher der Sportunterricht.

    Zur Erweiterung der Perspektive und als Gegenstück zu Herrn Dr. Moosburger, der mir übrigens schon einige Male bei Fragen kompetent und flott per Mail weiterhelfen konnte:

    Udo Pollmer: Lexikon der Fitneß-Irrtümer

    Schöne Restferien,
    Jens

  4. > Dummerweise bräuchte man da auch wieder einen Kraftraum, oder zumindest ein paar Langhanteln….

    Nö, warum denn? Eigenes Körpergewicht reicht doch völlig, siehe z.B. http://tinyurl.com/5jlp3t

    Danke für die Moosburger Links, sehr interessant, z.B. „Schuften für den Body“ (bei 11. Diverse Themen)

  5. jens hornig

    Da man nach jedem Stoß ja auch ein wenig Pause braucht, sollten 3 Anlagen doch passen. Das Stoßen selbst ist ja auch nur das Ende der Fahnenstange, intensives, abwechslungsreiches Aufwärmen,Techniktraining, Beinarbeit (sogar Sprints) und Rumpfstabilisierung gehören ja auch mit dazu, da sind Schüler mit einer sauberen Unterrichtsplanung auch gut beschäftigt. Außerdem gehört das sich Konzentrieren und Bändeln von Kraft in einer (Stoß)Aktion auch zum Sport.

    PS: Krafttraining ist natürlich an sich besser als Kugelstoßen, macht man es in der schülergerechten Variante mit weniger Gewicht, dann ist das wohl DER Weg zum Abspecken, siehe auch unter

    http://www.dr-moosburger.at/pub/pub084.pdf

    http://www.dr-moosburger.at/publikationen.php

    Dummerweise bräuchte man da auch wieder einen Kraftraum, oder zumindest ein paar Langhanteln….

  6. > Kugelstoßen kann auch zügig auf entsprechenden Anlagen laufen.

    Mag sein, nur wo gibt es solche „entsprechenden“ Anlagen? Alles, was ich in meinem bisherigen Paukerleben kennengelernt habe, war EINE Sandgrube mit 3-4 Stoßringen und da läuft (schon aus Gründen der Sicherheit) NICHTS „zügig“.

  7. jens

    Nachtrag: Kugelstoßen kann auch zügig auf entsprechenden Anlagen laufen und ich kenne durchaus Schüler, denen der Wettkampfcharakter mit Weiten wichtig war. Außerdem hatten da einige der dickeren, kräftigeren Schüler gute Ergebnisse und waren hochmotiviert auf Kugelstoß.

    Die wären von Aerobic und Ringtennis begeistert gewesen und hätten sich hingesetzt.

  8. jens hornig

    In jedem Fall mal wieder interessant, dass nicht sachlich diskutiert wird, sondern man sich gegenseitig Vorwürfe (Zitierregeln usw.) zuwirft. Der Verweis auf eine korrekte Rechtschreibung hätte noch gefehlt.

    PS:Ich habe mich als Schüler immer mal wieder gerne hingesetzt und gestatte gerne auch meinen Kindern das im Sportunterricht zu tun. Disziplin als urdeutsche Tugend ist nach keinem Lehrplan erklärtes Erziehungsziel.
    Gruß, machen Spaß diese Seiten hier ist immer was los…

  9. otto

    Salü Jochen, ich kann nur sagen, dass ich nach 20 Jahren Unterricht, (leider nur mit wenig Sport) jeden einzelnen Satz dreimal unterschreiben könnte. Du hast meiner Meinung nach vollkommen Recht. (Womit ich persönlich Mühe hätte, wäre, die ganze Sache selbstbewusst und ohne allzu grossen Ansehensverlust durchzusetzen, da würde ich oftmals nicht den richtigen Ton treffen – vielleicht auch, weil rumsitzen und labbern und Zeit vertrödeln höher im Kurs steht als das Verbot sich hinzusetzen.

  10. Jo Walter

    Genau diese Überheblichkeit meinte ich !! Andere Leute verbessern und Kritik abprallen lassen –> Berufskrankheit ? Kein Wunder ist unser Berufsstand in der Gesellschaft so angesehen.

  11. > Was ist z.B. mit einem physikbegeistertem Schüler der durchaus an biomechanischen Erklärungen zum Kugelstoss interessiert ist ?

    Au ja, das ist dann „fächerübergreifender Unterricht“. Bei der Weitsprung-Hangsprungtechnik kann man auch ganz hervorragend physikalische Kräfte analysieren.

    Kleiner Tipp: Mal lernen, wie man zitiert bzw. Zitate kürzt, z.B. unter http://einklich.net/usenet/zitier.htm

  12. Jo Walter

    „Viel zu viele Sportlehrer leiden noch immer unter dem Minderwertigkeitskomplex der „Unwissenschaftlichkeit“. Anstatt sich voller Selbstbewusstsein hinzustellen und zu verkünden: „Wir sind stolz darauf das einzige BEWEGUNGSfach zu sein und wollen gar nicht „wissenschaftlich“ sein “
    Mangelndes Selbstbewusstsein ist nun nicht wirklich ihre Schwäche. Eher Überheblichkeit und Unkenntnis über die Probleme und Bedürfnisse der Schüler und Schülerinnen. Bestätigt wird dies durch ihr Vorurteil, des sitzenden Mädchensports. Sie ignorieren die unterschiedlichen Bedürfnisse der Geschlechter in der Pubertät oder haben sie Erfahrung im Mädchensport ?
    In ihren anderen Beiträgen verurteilen sie Sportarten als veraltet und ungesund und überhöhen ihre eigenen – immer wieder genannten – Fitnessstudio-Sportarten.Wie gehen sie mit Desinteresse an ihren Randsportarten um, dazu….

    „Nicht verschwiegen sei zum Ende, das das alles nur mit knallharter Disziplin geht. Meine Schüler dürfen so laut rumbrüllen wie sie wollen, wenn ich pfeife, müssen sie SOFORT mucksmäuschenstill sein, müssen ggf. ihren Ball/ihr Seil etc. festhalten und mich anschauen. Auf das entsprechende Zeichen hin, müssen sie angesaust kommen und sich nach der Ansage genauso schnell wieder verteilen und weitermachen. Auf- und Abbau von Geräten, Übergabe der Leiberl – alles muss flott gehen. Eine gute Stunde war es für mich, wenn es am Ende der Stunde heißt: „Waaas, schon vorbei?“ “

    Belehrende Aussagen die darauf schließen lassen dass sie ihren Kollegen nicht viel zutrauen und nicht auf Vielfalt und Unterschiedlichkeit im Kollegium wertlegen.
    Diese Aussagen sind für mich Beleg dafür, dass sie ihre private Vorliebe für Erwachsenen-Gesundheitssport in ihren Unterricht transportieren und lassen den Verdacht zu, dass Schüler deren Interessen nicht den ihren entsprechen, es bestimmt nicht einfach haben. Was ist z.B. mit einem physikbegeistertem Schüler der durchaus an biomechanischen Erklärungen zum Kugelstoss interessiert ist ?

    Sie bestätigen – um auch einmal ein Vorurteil zu bedienen – den Allwissenheits- und Unfehlbarkeitsanspruch mit dem nur allzuviele Kollegen in der Schule ausgestattet sind.
    Nehmen sie sich doch einfach mal nicht ganz so wichtig !

    Jo Walter

  13. > Ist das FAch Sport bei euch etwa nicht versetzungsrelevant????

    Nein. Es wird derzeit diskutiert, ob es ein Vorrückungsfach werden soll, es ist aber noch nichts entschieden.

  14. Frau Lehmann

    Ich wundere mich gerade über den Begriff „Vorrückungsfach“! Ist das FAch Sport bei euch etwa nicht versetzungsrelevant???? Bei uns in NRW auf jeden Fall schon. Hier gibt es nur die Unterscheidung zwischen Haupt- (Deutsch, Mathe, 1. + 2. Fremdsprache) und Nebenfächern (bzw. im Fachjargon zwischen 1. und 2. Fächergruppe). Aber eine Sport-5 ist genauso schlimm wie eine Physik-5 bei uns!

  15. > Außerdem aus welchen Grund gibt es sie dann überhaupt im Sportunterricht

    Auf das Thema „Noten im Sportunterricht“ gehe ich demnächst in einem eigenen Beitrag ein.

    > während die wirklich Sport begeisterten in gewisser Hinsicht bestraft werden, da sich kein Lehrer dafür interessiert ob jemand einen Wettkampf oder ähnliches hatte.

    Dass „sich kein Lehrer dafür interessiert“ finde ich zu pauschal und kann ich mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen. Normalerweise ist eine Schule doch stolz auf ihre guten Sportler. Da gibt es doch individuelle Regelungen. Ich bin dagegen, dass jeder, der vielleicht einmal abends irgendwo im Verein ist, automatisch vom normalen Sportunterricht befreit wird. Aber wenn sich z.B. Leistungssport und Schulsport zeitlich überschneiden, dann hat für mich natürlich der Verein Vorrang und wir versuchen einen vernünftigen Kompromiss zu finden. Genauso befreie ich einen Schüler selbstverständlich vom Schulsport, wenn er am selben Tag z.B. einen wichtigen Wettkampf hat.

  16. m.s.1944@

    >Sollten denn Noten im Vordergrund stehen?

    Ob die Noten im Vordergrund stehen sollten ist eine andere Frage aber in jedem anderem Schul Fach ist es ja nun mal auch so. Außerdem aus welchen Grund gibt es sie dann überhaupt im Sportunterricht bzw. gäbe es sie nicht wäre es meiner meinung nach auch nicht nötig, dass dieses Fach für die Schüler verpflichtent ist.

    >Stimmt nicht. Meine Hauptabsicht ist die Schüler durch vielfältige
    Bewegungserfahrungen zu lebenslangem Sporttreiben zu befähigen und zu motivieren.

    Dann hab ich mich vielleicht falsch ausgedrückt ich meinte mit meiner Ausage, dass sie die Bewegung an sich eher über die Noten stellen (hoffe ich habe sie jetzt richtig verstanden)

    Ich sehe das mit den Sportvereinen anders. Ein Schüler der mehrmals die Woche Sport macht, hatt logischer weiße weniger Zeit für die Schule (dies gilt natürlich auch für schüler die z.B. ein instrument spielen, aber Musik ist ja auch ein Vorrückungsfach). Dieser wird gezwungen sich nach der schule ab zu hetzen (insbesondere bei Sport als Nachmittagsunterricht)um es zum Taining zu schaffen und dann abends seine Hausaufgaben machen müssen.Die Leute, die sie zum Sport motivieren wollen sind -so empfinde ich es zuminderstens- fein raus, während die wirklich Sport begeisterten in gewisser Hinsicht bestraft werden, da sich kein Lehrer dafür interessiert ob jemand einen Wettkampf oder ähnliches hatte.

  17. > da sie nie die Noten in den Vordergrund stellen

    Über Benotung habe ich in diesem Beitrag doch überhaupt nichts geschrieben. Sollten denn Noten im Vordergrund stehen???

    > sondern immer nur die Absicht das Übergewicht von nicht sportbegeisterten Schülern zu reduzieren.

    Stimmt nicht. Meine Hauptabsicht ist die Schüler durch vielfältige Bewegungserfahrungen zu lebenslangem Sporttreiben zu befähigen und zu motivieren. Gewichtsreduktion ist vielleich ein positiver Nebeneffekt aber durch Sport alleine bekanntlich völlig unmöglich.

    > Doch was ist mit den Schülern die nach der Schule in Sportvereinen sind,diese sind gezwungen ihre Zeit im Schulsport zu „verschwenden“

    Wenn der schulische Sportunterricht, wie von mir gefordert, ein VIELFÄLTIGES Angebot macht, „verschwenden“ auch die Vereinssportler keine Zeit, sondern machen ganz neue Bewegungserfahrungen. Ein hervorragender Fußballer kann sich mit Aerobic, Rope Skipping, Jonglieren etc. sehr schwer tun.

    > oder Kraft-/Konditionstraining mitmachen, das für sie ineffektiv ist.

    Da muss der Lehrer durch entsprechende Binnendifferenzierung eben dafür sorgen, dass es effektiv ist, z.B. bei Liegestützen die Hände näher zusammen nehmen bzw. einarmige Liegestütze machen.

    > Kann man diesen Schülern wirklich verwehren sich in der Stunde hinzusetzen?

    Ja.

    > ist für sie der Sport Unterricht „nutzlos“

    Trifft für meine Schüler (zumindest die Jungen) gottseidank überhaupt nicht zu.

  18. m.s.1944@

    Ihr Artikel ist interessant und vieler Hinsicht stimme ich mit ihnen über ein aber nicht ganz. Zunächst machen sie nach meiner Auffassung den gleichen Fehler den sie bei ihren Kollegen kritisieren denn sie geben den Sportunterricht eine Sonderstellung. Während die meisten Sportlehrer dies tun indem sie das Fach nicht zu ernst nehmen (kommunizieren am Anfang der Stunde;hinsetzen lassen während der Stunde), nimmt der Unterricht bei ihnen eine sonder Form, da sie nie die Noten in den Vordergrund stellen sondern immer nur die Absicht das Übergewicht von nicht sportbegeisterten Schülern zu reduzieren. Würde das nicht getan werden, so meine ich würde sich das Problem „von alleine“ erledigen, da die Schüler sich genau so vor Verweisen und Ähnlichen „fürchten“ müssen (bzw. wäre es ebenfalls ein Vorrückungsfach schlechte Noten) wenn sie im Unterricht nicht richtig mitmachen. Doch was ist mit den Schülern die nach der Schule in Sportvereinen sind,diese sind gezwungen ihre Zeit im Schulsport zu „verschwenden“obwohl sie diese Zeit besser zum Lernen nutzen könnten da der Sport in der Schule ohnehin nie (mal ganz abgesehen von den Interessen der Schüler) das gleiche Niveau haben wird wie eben in einem Verein,da dazu sowohl Zeit;Raum;Lehrer zu knapp sind. Sie müssen zum Teil Dinge Stunde für Stunde wiederholen die sie schon längst beherrschen oder Kraft-/Konditionstraining mitmachen, das für sie ineffektiv ist. Kann man diesen Schülern wirklich verwehren sich in der Stunde hinzusetzen? Welche Gründe gäb es für sie dem Unterricht zu folgen? Nur die „knallharte Disziplin“ die sie erwähnen? Dass dies nicht funktioniert sieht man ja an genügend Beispielen im „normalen“ Unterricht (aber dies würde jetzt vom Thema wegführen).
    Ein weiteres Problem für das Fach Sport ist meiner Meinung nach, dass es den Schülern beruflich gesehen, so weit ich weiß nicht weiterhilft, da die meisten Schüler nicht um des Lernen willens lernen sondern für die Noten (und die daraus resultierenden beruflichen Chancen) ist für sie der Sport Unterricht „nutzlos“
    Es werden ihnen sicher Einige zustimmen, dass es nichts besseres gibt als einmal richtig „ausgepowert“ zu sein, bzw. zu sehen wie man sich langsam steigert,aber ich denke, dass dies für sehr Wenige ein echtes Vergnügen ist.
    Zu ihrer Ansicht über „typischen Mädchen-Sportuntericht“ muss ich sagen,dass dies zwar zutrifft aber ebenso auf den Jungen-Sportuntericht

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