Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

Rechenschaftsablagen

… sind bei uns in Bayern mündliche Prüfungen („Ausfragen“) – meistens am Anfang der Stunde – über den Stoff der letzten Stunde bzw. die Hausaufgabe. Diese Prüfungen sind traditionell ein konfliktträchtiger Teil des Unterrichts und Schüler empfinden sie häufig als aus­gesprochen ungerecht und regelrecht „fies“.

Hier ein paar „beliebte“ Methoden:

  • Den Unterricht mit allgemeinem Geplauder beginnen, so dass der Schüler gar nicht merkt, dass er „dran“ ist und das dann auch noch pädagogisch verbrämen („Ich möchte den Kindern den Stress einer mündlichen Prüfung ersparen“).
  • Am Ende der Stunde dem Schüler die Note nicht sagen („Muss ich mir noch überlegen“) und ihn auch in den folgenden Stunden immer wieder abwimmeln („Du siehst doch, dass ich jetzt weg muss“), am Elternsprechtag aber dann behaupten, der Schüler hätte doch „nur mal fragen müssen“.
  • Keine (oder höchstens eine) Stegreifaufgabe (= nicht angesagte, ca. 20-minütige schriftliche Arbeit) im Halbjahr schreiben und NICHT ausfragen, so dass der Schüler überhaupt keine Möglichkeit hat, sich zu verbessern, gleichzeitig aber auch gar keinen Sinn darin sieht etwas zu tun und das ganze dann auch noch als „progressiven Unterricht ohne Leistungsdruck“ hinstellen.
  • Beim Ausfragen Plus-Noten zu vergeben und damit zu vermitteln: „Wenn ich gewollt hätte, hätte ich dir schon auch die bessere Note geben können, aber ich will halt nicht.“
  • Viel zu wenig „Stoff“: Zum Beispiel zehn Wörter prüfen und jedes Wort entspricht praktisch einer Note.
  • Die Prüfung vorzeitig abzubrechen, obwohl noch andere Teile gekommen wären, wo der Schüler vielleicht was gewusst hätte.
  • Zwei Schüler gleichzeitig prüfen, wobei der Zweite immer nur die Fragen bekommt, die der Erste nicht beantworten konnte.

Im Folgenden beschreibe ich, wie ich diese Prüfungen durchführe und worauf man m.E. achten sollte.

Vor allem als Referendar bzw. Berufseinsteiger solltest du dich erstmal den Gepflogenhei­ten deiner Schule anpassen. Wenn es z.B. an deiner Schule bzw. in deiner Klasse üblich ist, dass die Schüler grundsätzlich am Platz sitzenbleiben („Dieser brutale Stress vorne ganz allein …“), dann solltest du das zunächst einmal akzeptieren. Es wäre Energie­verschwendung plötzlich etwas Neues einzu­führen und sich auf einen entsprechenden Clinch mit der Klasse einzu­lassen. Wenn du jedoch eine Klasse längerfristig unterrich­test, kannst du (natürlich nach Rücksprache mit dem Betreuungslehrer bzw. Fachbe­treuer) die Regeln durchaus ändern.

Ausreichend Stoff

Ich prüfe nicht mechanisch jede (bzw. jede x-te) Stunde sondern nur dann, wenn genügend „Stoff“ vorhanden ist. Drei kleine, detaillierte Fragen sind m.E. zu wenig für eine faire Prüfung. Eine ideale Kombination ist für mich z.B. Wortschatz zusammen mit Stoff der letzten Stunde. Dabei ist jedoch wichtig, dass die Ergebnisse in der letzten Stunde klar und deut­lich erarbeitet wurden. Nach einer Plauder- bzw. Diskussionsstunde, bei der es munter hin und her ging, aber nichts Konkretes rausge­kommen ist, kann ich nicht in der nächsten Stunde nach ganz bestimmten Details fragen.

Kandidatenwahl

Zu diesem Thema habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben.

Nur einen Schüler prüfen

Von Zweier- oder gar Dreierprüfungen halte ich überhaupt nichts. Im Extremfall bekommt der „dritte“ dann immer die schweren Sachen, die die ersten zwei nicht gewusst haben, und hat dadurch praktisch keine Chance eine gute Note zu bekommen. Besonders hinterhältig kann es werden, wenn die Prüfung nicht klar signalisiert wird (“Tom, it’s your turn today”), sondern in Form eines allgemeinen Geplauders statt­findet, und dem bzw. den Schülern gar nicht klar ist, dass er/sie jetzt „dran“ ist/sind.

Die übliche pädagogische Begründung für dieses Verfahren lautet, dass man dem Schüler den fürchterlichen Stress ersparen wolle „ganz allein“ geprüft zu werden. In der Praxis wird dieses Verfahren jedoch oft genug dazu genutzt den Schülern unauffällig „eins reinzuwürgen“. Weil das Ganze wie ein allgemeines warming-up aussieht, kommt der Schüler natürlich nicht auf die Idee sich am Ende der Stunde nach der Note zu erkun­digen. Das böse Erwachen gibt es dann z.B. beim Zwischenzeugnis, wenn da plötzlich ein Fünfer steht und der Schüler nachfragt, wie der denn zustande gekommen sei. Dann liegt das Ganze natürlich schon Wochen bzw. Monate zurück und man kann nichts mehr machen.

Schüler am Pult prüfen und alle anderen beschäftigen

Eine mündliche Prüfung ist für alle anderen Schüler meistens eine langweilige Angelegenheit. Für sie brabbelt da vorne einer (meistens viel zu leise bzw. unverständlich) vor sich hin. Die von Lehrern gebetsmühlenartig behauptete „mental revision“ ist zumindest für diejenigen, die weiter hinten sitzen, eine fromme Illusion. Wenn so eine Rechenschaftsablage besonders zäh wird, vergehen schon mal schnell 8 bis 9 Minuten (also fast ein Viertel der effektiven Unterrichtszeit einer normalen 45 Minuten Stunde) ohne jegliche sprachliche Aktivität (mal vom Schwätzen mit dem Nachbarn abgesehen).

Als Lehrer bzw. Prüfer ist man viel zu sehr beschäftigt um das wahrzunehmen: Man muss in Gedanken bereits die nächste Frage vorbereiten, muss sich auf die Ausführungen des Schülers konzentrieren und versuchen herauszufinden, was er in dem ganzen Kuddelmuddel eigentlich sagen möchte und gleichzeitig noch den Rest der Klasse im Blick bzw. in Schach halten. Und als ob das nicht alles schon genug wäre, auch noch ständig über die zu gebende Note bzw. Punktzahl nachdenken und sich Begründungen überlegen, was man sagt, wenn der Schüler mit der Note nicht einverstanden ist.

Viel effizienter finde ich es den Prüflung vorne direkt am Pult zu prüfen und den Rest der Klasse während der Rechenschaftsablage zu BESCHÄFTIGEN. Im Folgenden ein paar Ideen was die restlichen Schüler in dieser Zeit machen könnten.

Naheliegend ist natürlich, dass alle anderen das mündliche Ausfragen simulieren. Mit Hilfe von RPS (oder einem anderen Verfahren) wird schnell entschieden wer examiner und wer examinee ist.

Ergänzend bzw. alternativ wird wieder in Partnerarbeit in kooperativen Lernpaaren lesson vocab wiederholt.

Falls als Hausaufgabe Fragen zu einem Text beantwortet werden mussten, vergleichen die Schüler ihre notes mit denen des Nachbars und simulieren den entsprechenden Unterrichtsbeitrag.

Falls als neue Hausaufgabe Wortschatz zu lernen ist, fangen alle anderen bereits an die Wörter zu lernen bzw. lesen den neuen Text.

Alternativ betreiben die restlichen Schüler Conversation (doc).

Je nach Stoff und Inhalt der folgenden Stunde bieten sich viele weitere ABM an.

Wenn die anderen Schüler während der „Rechenschaftsablage“ beschäftigt sind, hat das darüberhinaus den Vorteil, dass der zu prüfende Schüler nicht mehr im „Scheinwerferlicht“ steht und unter dem Gefeixe und Gegrinse seiner (fiesen) Mitschüler leidet. Der Prüfling steht nicht mehr an der Tafel, sondern sitzt auf einem zweiten Stuhl vorne am Pult. Durch die räumliche Nähe bekommt die Prüfung einen angenehmen Gesprächscharakter. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass sich mit dieser Methode das nervige Problem des Einflüsterns erledigt hat. Wenn ich möchte, dass der Schüler Wörter schreibt, bekommt er dafür von mir einen Zettel und einen Stift. Dadurch, dass wir „unter uns“ sind, kann ich ihn gleich am Ende der Prüfung seine Note bzw. seine Punktzahl sagen, ohne dass die anderen das mitkriegen.

Zum einen sind ALLE beschäftigt. Einer zähen Prüfung zuzuhören ist ziemlich langweilig, kein Wunder, dass dann schnell in der Klasse Unruhe entsteht. Zweitens habe ich keine Probleme mit der nervigen Einflüsterei, wenn Schüler an ihrem Platz geprüft werden. Besonders unergiebig sind dabei die Debatten, die entstehen, wenn der Lehrer sich weigert etwas zu werten, weil er es schon „von jemand anders“ gehört hat. Der zu prüfende Schüler protestiert natürlich energisch und es entwickelt sich ein unerquicklicher Streit.

Ich bin immer wieder erstaunt, wenn Kollegen über die miserablen Wortschatz- und vor allem Orthografie-Kenntnisse ihrer (Ober­stufen-)Schüler jammern, auf der anderen Seite diese Bereiche aber nie abprüfen. Begründet wird dieses Verhalten nur selten, meistens basiert es auf dem vagen Gefühl, dass solche „primitiven“ Dinge nicht „oberstufen-gerecht“ seien. Kein Wunder, dass die Schere zwischen dem, was die Schüler aus­drücken können sollten und dem was sie effektiv aus­drücken können immer größer wird. Schwierige Wörter müssen bei mir grundsätzlich auf einen Zettel geschrieben bzw. buch­stabiert werden.

„Avoid silence“

Insgesamt solltest du die Prüfung zügig „durch­ziehen“. Es gibt kaum etwas Langwei­ligeres, als wenn der Schüler offensichtlich nichts weiß, der Lehrer ständig neue Hilfen gibt, seine Fragen umformuliert und sie irgendwann selber beantwortet. Lass keine langen Pausen entstehen (vgl. meine „Criteria for Oral Grades“) und biete ggf. Hilfe an: „What’s the problem?“, „Can I help you?“. Gib maximal zwei Tipps („Think of …“), dann weiter zur nächsten Frage. Es bringt nichts endlos zu „bohren“, wenn der Schüler bei einer Frage einfach nichts weiß. Eine durch­schnittliche Prüfung dauert bei mir zwischen sieben und zehn Minuten (Wecker im Blick behalten!).

„I don’t know“

Wenn ich merke, dass der Schüler absolut „blank“ ist, biete ich an die Prüfung zu beenden („Shall we go on? I don’t want to torture you unnecessarily.“) Unter Um­ständen frage ich, ob ich einen Prüfungsteil überspringen soll („Shall we skip the vocab part?“). Du solltest jedoch niemals von dir aus die Prüfung schon im ersten Teil beenden, im zweiten Teil hätte er ja vielleicht noch was gewusst.

„I’ll tell you at the end of the lesson“

Falls ich mir nicht sicher bin, welche Note ich geben möche, gebe ich sie nicht gleich im Anschluss an die Prüfung bekannt, sondern erst zum Ende der Stunde. Auf diese Art habe ich noch genügend Zeit ggf. über die Note nachzu­denken und mich zu entscheiden. Am Ende der Stunde sollte der Schüler seine Note aber normalerweise erfahren. Nur in Ausnahmefällen solltest du ihn auf die nächste Stunde vertrösten. Falls das doch mal vorkommt, solltest du in der nächsten Stunde von dir aus auf den Schüler zugehen und ihm die Note sagen.

Self-Evaluation

Wenn der Schüler am Ende der Stunde nach vorne kommt und seine Note erfahren möchte, frage ich grundsätzlich zurück, mit welcher Note er denn rechnet. Am Anfang eines neuen Jahres interpre­tieren die Schüler das manch­mal in dem Sinne, dass man mit mir „verhandeln“ könne, so in dem Sinn: „Wahrscheinlich will er mir eine 4 geben, dann sage ich mal 2 und dann treffen wir uns in der Mitte bei 3.“ Die Schüler erkennen jedoch bald, dass ihre Antwort für mich in erster Linie deutlich macht, wie realistisch er seine Leistung einschätzen kann und ­– noch wichtiger – wie groß mein „Erklärungs­bedarf“ ist. Wenn der Schüler die gleiche Note sagt, bzw. wir bei Punkten nahe beiein­ander liegen, brauche ich meine Note nicht lange zu begründen (außer der Schüler wünscht dies explizit). Anders sieht es jedoch aus, wenn wir weit auseinanderliegen, vor allem natürlich, wenn der Schüler seine eigene Leistung wesentlich besser einschätzt als ich (vorausgesetzt er macht es nicht nur zum Spaß). In diesem Fall muss ich meine Note begründen, normalerweise wechsele ich in dieser Situation ins Deutsche. Unter Um­ständen nehme ich den Schüler kurz mit raus auf den Gang (vorher natürlich den folgenden Kollegen kurz informieren).

„Aber ich habe doch …“

Falls der Schüler begründete Einwände vorträgt, erbitte ich mir Bedenkzeit („Ich möchte darüber nochmal nachdenken“) und gehe die Sache später nochmal in Ruhe durch. Auf keinen Fall solltest du dich „weichkochen“ lassen und an Ort und Stelle nach­geben. Versetz dich in die Rolle des Schülers: Vielleicht war deine erste Frage ja doch nicht prä­zise genug. Die zweite hat er doch eigentlich ganz ordentlich beantwortet. Der Wort­schatz kam auch recht flüssig usw. Wenn du trotzdem auf deiner (schlech­teren) Note bestehen, solltest du dir konkrete Begründungen notieren („Als ich dich … gefragt habe, hast du lediglich …“). In jedem Fall gehst du gleich zu Beginn der nächsten Stunde zu dem Schüler und informierst ihn. Solche wichtigen Dinge schreibe ich in rot auf meinen Stundenzettel.

Oft resultieren die Proteste eines Schülers allerdings auf völlig falschen Vorstellungen über Benotung von mündlichen Leistungen. „Aber ich habe doch was gesagt“ reicht nach Meinung vieler Schüler mindestens für eine 5, wenn nicht gleich eine 4. Dann erkläre ich ihm dass er für eine 5 mindestens ein Drittel und für eine 4 mindestens die Hälfte bebraucht hätte (Näheres bei Unterrichtsbeiträge).

Völlig unakzeptabel finde ich die Lehrer, die am Ende der Stunde „ganz schnell“ weg müssen („Frag mich nächste Stunde“) und am Anfang der nächsten Stunde wieder ganz „zügig“ anfangen wollen („Du siehst doch, dass ich jetzt keine Zeit habe“). Mit dieser fiesen Art werden die Schüler „abge­wimmelt“, Auseinandersetzungen über (evtl. ungerechte) Noten werden „vermieden“ und der Will­kür sind Tür und Tor geöffnet.

Denke immer daran, dass gerade in Prüfungssituationen Humor und Menschlich­keit nicht zu kurz kommen dürfen. Bemüh dich fair zu prüfen – und gib im Zweifelsfall die bessere Note 😉

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  1. > dann habe ich ein paar Befürchtungen, was sich währenddessen auf den Hinterbänken abspielen wird

    Natürlich musst du die Hinterbänkler im Auge behalten und ggf. mit geeigneten Maßnahmen disziplinieren 😉

  2. uta rossberger

    Hallo,
    …das kam jetzt zum richtigen Zeitpunkt. Habe gestern einen völlig verstörten Neuntklässler klassisch „ausgefragt“ und mich entschlossen, das (mangelhafte) Ergebnis erstmal nicht zu werten, weil er so offensichtlich von der Rolle war. Auf Nachfrage hat mir ein Kollege erklärt, dass der Junge dieses Jahr neu in der Klasse ist und sich offenbar sehr schlecht zurechtfindet (ich habe die Truppe erst zum Halbjahr übernommen). Die Klasse besteht aus 20 Jungs und 5 Mädchen; in jeder Stunde ist maximale Aufmerksamkeit meinerseits gefragt, weil sich da dauernd irgendwelche Störungen entwickeln. Einen „native speaker“ habe ich auch noch drin (Papa Amerikaner), der dauernd wissen will, warum er überhaupt mitmachen soll und gerne mal die „Dummen“ auslacht. Der hat ein Gefolge von gläubigen Jüngern, die er andauernd beeindrucken muss. Wenn ich also demnächst versuche, den armen Kandidaten erneut zu befragen, diesmal bei mir vorne, dann habe ich ein paar Befürchtungen, was sich währenddessen auf den Hinterbänken abspielen wird, Aufgabenstellung hin oder her.
    Werde berichten.

  3. > Weil ich alles mitschreibe.

    Ähm, ALLES? Wie geht das denn? Kannst du Steno? 😉

    Wäre mir viel zu viel Arbeit, außerdem könnte ich mich gar nicht mit einem Schüler unterhalten, wenn ich ständig schreiben müsste.

    > aber die meisten Schüler/innen, die dann in einer Prüfungssituation sind, können sich dabei nicht mehr konzentrieren.

    Bei mir herrscht kein „Zimmerlärm“, sondern eher allgemeines Gebrabbel und das stört meine Kandidaten nicht, zumal sich die Schüler in der ersten Reihe (direkt vor dem Pult) wegsetzen müssen.

    > Ich schreibe auch nicht hinten “2-” und dann vorne “2″ drauf. Was wär das denn fürn Unsinn!?

    Von + Noten halte ich auch nichts (vgl. http://www.jochenenglish.de/wordpress/?p=192) aber eine – Note ist m.E. kein „Unsinn“. Erstens erkennt der Schüler, dass es „knapp“ war und er in Zukunft ggf. doch mehr machen muss, außerdem erkennt er u.U., dass ich ein freundlicher Mensch bin, der einen halben Fehler (durch Einklammern) „deaktiviert“ und ihn somit zur besseren Note „hochgeliftet“ hat. Das tut der Lehrer-Schüler Beziehung oft gut 😉

  4. Sarah

    Ich gebe die Noten zu den Abfragen nicht direkt nach der Prüfung bekannt. Warum? Sehr einfach. Weil ich alles mitschreibe. Oft habe ich auch die Fragen auf Folie vorbereitet, so dass ich die Prüfungs- und Unterrichtszeit nicht auch noch mit meinem Gerede verschwenden muss (die Redezeit von Unsereins ist eh viel zu hoch!). Die Auswertung der Prüfungsleistung aber will ich mir gründlich anschauen, und zwar bevor ich entscheide, ob das die 50%-Marke für die 4 erreicht hat oder eher nicht oder ob das ne passable 3 ist oder doch schon eine gute Leistung, und da lass ich mich nicht hetzen. Sorry. Vielleicht kommt die sicherere Einschätzung mit der Erfahrung.

    Im Unterricht jedoch werde ich mich ganz bestimmt nicht mit der Notengebung einer Abfrage beschäftigen. Ich will ja auch nicht, dass sich meine Schüler/innen fremdbeschäftigen. Im Englischunterricht gibt es wirklich viele Phasen, in denen die Schüler/innen in PA oder GA arbeiten und ich nicht jede Sekunde über deren Schulter gucke (im übrigen eine ganz widerwärtige Art von Lehrkräften der „alten Schule“, finde ich), aber selbstverständlich habe ich die Arbeit der mir Anvertrauten doch im Blick. Vielleicht sortiere ich auch Kopien für die nächste Phase im Unterricht o.ä., aber ich werde nicht mir mein halbseitiges Protokoll zur Abfrage der ersten 5-8 Minuten anschauen. Ich geb die Note in der nächsten Unterrichtsstunde bekannt und natürlich gehe ich auf den/die Schüler/in zu und sag das nicht vor versammelter Mannschaft. Ist das etwa neu?

    Von dem Beschäftigen der restlichen Mitschüler/innen halte ich auf der einen Seite durchaus was – weil viele es auch nach Monaten nicht begriffen haben, dass eine Ausfrage eine Prüfungssituation für eine/n ist und nicht für das ganze Plenum (mag auch daran liegen, dass andere Kollegen das so machen, wer weiß?) -, auf der anderen Seite läuft das auf Einzelarbeit raus, denn wenn die Schüler etwas in PA oder gar in GA machen, steigt der Geräuschpegel – vor allem bei der Akustik mancher Miniatur-Klassenräume – doch arg, finde ich. Erhöhter „Zimmerlärm“ in PA- und GA-Situationen ist von meiner Seite ausdrücklich erwünscht, wenn alle in solch eine Aktivität eingebunden sind, aber die meisten Schüler/innen, die dann in einer Prüfungssituation sind, können sich dabei nicht mehr konzentrieren.

    RPS machen manche meiner 5.-Klässler gerne, z.B. wenn sie entscheiden sollen, wer die „beste“ Geschichte (die sie als HA aufhatten) vorlesen soll, und zwar nachdem sie sich ihre Geschichten in 4er-Gruppen erst gegenseitig vorgelesen haben. Dabei wird aber auch mal lustvoll gelacht und gewettet etc. Ich hab bisher noch nie flüsternde Gruppenteilnehmer/innen erlebt. Vielleicht mache ich etwas verkehrt …;-?

    P.S. +/- Noten vergeb ich grundsätzlich nicht, wenigstens nicht offiziell. Auf den Exen und Schulaufgaben stehen sie nie drauf. Ich schreibe auch nicht hinten „2-“ und dann vorne „2“ drauf. Was wär das denn fürn Unsinn!? In der Notenkladde trage ich +/- nur deshalb ein, weil das die Regelung an meiner gegenwärtigen Schule ist und ich dann im Zweifelsfall bei der Notenkonferenz bei ner 2,51 noch die 2 rechtfertigen kann. Wird aber nicht gern gesehen, wie überhaupt die uns in der Seminarschule beigebrachte Vorgehensweise – „Sie haben einen Ermessenspielraum bei der Notenvergabe, der zwischen ,41 und ,59 liegt“ – in der Praxis offenbar Schall und Rauch ist. Rechnen tut kein Mensch mit den +/- Noten. Mündlich sage ich es hin und wieder („Das war eine wirklich gute Leistung“ oder „Da hattest du aber noch mal Glück“). Ansonsten, es hat mich in 4 Jahren wirklich noch nie ein Schüler nach dem +/- gefragt.

  5. > Immerhin: Keulen, Ball und Reifen wenigstens griffen nicht an, sondern entfloh/gen…

    Entfliehende Keulen stelle ich mir lustig vor. Da kann man dann – natürlich ganz „aus Versehen“ – der blöden Zicke aus der letzten Bank die Keule an den Kopf schmeißen.

    Sehr beliebt in dieser Richtung ist Schleuderball. Da verliert man (durch die Drehung) auch schnell die Orientierung und kann dann oft nicht kontrollieren wohin der Ball fliegt. Verhasste Mitschüler und auch Sportlehrer sind beliebte Ziele 😉

  6. > Allerdings muss ich (nach gründlicher Bloglektüre) zugeben […]

    Glaube ich nicht, ich mache so viele verschiedene Sachen, da wäre sicher irgendwas Passendes dabei gewesen 😉

    • Cordelia

      Guten Abend,

      naja, mit einer Mischung aus Hallenhalma, Samba und Mikado wäre ich eventuell zu ködern gewesen 😉

      Das Poi-Viedeo finde ich außerordentlich hübsch anzusehen –
      es erinnerte mich aber fatal daran, wie ich mich bei der rhythmischen Sportgymnastik fast mit diesen Malefizbändern am Stöckchen erdrosselt habe? *panikattacke*
      Immerhin: Keulen, Ball und Reifen wenigstens griffen nicht an, sondern entfloh/gen…

      Bitte machen Sie so engagagiert weiter, es ist so erfreulich (und spannend!) zu lesen, dass Schule so laufen kann!

      Herzliche Grüße
      Cordelia

  7. Cordelia

    Hallo,

    zunächst mal: schöner Blog! Ich stöbere jetzt schon Stunden hier herum und finde immer wieder Interessantes!

    Mir ist aus meiner Schulzeit kein ähnliches Vorgehen beim „Abfragen“ erinnerlich. Im Gegenteil – wir hatten oft den Eindruck, es werde von den Lehrern regelrecht als Waffe gegen unliebsame Schüler benutzt… schade drum. Bei der von Ihnen beschriebenen Vorgehensweise hätte man sicherlich mehr profitiert.
    Eine sehr empathische und faire Prüfungssituation, die Sie auf diese überlegte Weise schaffen!

    Herzliche Grüße
    Cordelia

    PS
    Allerdings muss ich (nach gründlicher Bloglektüre) zugeben, dass ich im Gegensatz zum so wunderbar praktizierten „Ausfragen“ als notorisch-motorisches Bewegungsdepperl mit ausgeprägtem „Verzweiflungs-Sitzdrang“ den Sportunterricht bei Ihnen wahrscheinlich GAR nicht sehr gemocht hätte… 😉

  8. Markus

    1. Ich bin immer etwas verwundert über die Handhabung der „+“ und „-“ Noten. Zu meiner eigenen Schulzeit in Baden-Württemberg gab es noch halbe noten, also z.B. 3-4, was rechnerisch einer 3,5 entsprach. Die „+“ bzw. „-“ Noten dienten dazu, die Bereiche zwischen den halben und den ganzen Noten abzudecken. Eine 3+ entspricht denmach 2,75 und eine 3- entspricht 3,25. Wenn also ein Schüler eine 3+ hat, bedeutet das nicht dass er gerade knapp an einer 2 vorbeigerauscht ist. Da ich die Noten auch in der Mittelstufe mit dem 15er Punktesystem verwalte (Exel), dienen bei mir die +/- Noten dazu die z.B. 10 Punkte (2-) oder 12 Punkte (2+) auszudrücken. Dadurch hat ein +/- etwa die Wertigkeit einer drittel Note.

    2. Thema Mündliche Prüfungen / Skills
    Ich bin dazu übergegangen vor allem in der Mittelstufe jede Stunde einige Vokabeln der aktuellen Unit durch Schüler paraphrasieren zu lassen. Zuvor erfolgt natürlich eine Übung in der verdeutlicht wird, welche Möglichkeiten zur Umschreibung von Worten es gibt (Synonym, Antonym, Erklärung, Lückensatz …). Dadurch wird etwas Vokabelarbeit gleichzeitig mit dem Sprechen vor der Klasse geübt.

  9. > Allerdings finde ich “+” oder “-”-Noten nicht so schlecht

    Ich habe nur was gegen ‚+‘ Noten, gegen ‚-‚ habe ich überhaupt nichts, im Gegenteil.

  10. Viele der Dinge hätte ich mir gewünscht im Referendariat zu erlernen, was nie passierte und ich es mir so über die Jahre selber beigebracht habe. Allerdings finde ich „+“ oder „-„-Noten nicht so schlecht, um Schüler auch Tendenzen aufzuzeigen. Als Fiesigkeit würde ich das nicht bezeichnen, ich bemühe mich wirklich um ein gerechtes Bild der Leistung. Mehrere Leute gleichzeitig abzufragen ist nicht schön. Ich muss ab und an aber jemand vor die Türe schicken, sonst komme ich bei großen Klassen nicht durch um echte mündliche Noten zu haben. Die Schüler bekommen dann die gleichen Fragen – somit finde ich es auch gut vergleichbar. Die anderen Schüler bekommen nach der ersten Abfrage eine Arbeit. Und: Ich versuche den Schülern (den bösen wie den guten) das Gefühl zu vermitteln, dass ich ihnen auch mal drauf helfe und sie nicht bluten lasse vor der Klasse. Wollte man ja selber auch nicht. Also Lehrer, besinne dich auf die „Goldene Regel“ …muss man als Relilehrer mal sagen… 🙂

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