Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

Knapp die schlechtere Note

Vor einigen Tagen kam mal wieder eins meiner Kinder mit einer Arbeit nach Hause, bei der nur ein Punkt zur besseren Note gefehlt hat. Der fehlende Punkt (zusammen mit einigen anderen Ungereimtheiten bzw. falschen Korrekturen) war – wie meistens – schnell gefunden, die Note musste heraufgesetzt werden. Das Ganze wäre nicht weiter bloggenswert, wenn es sich um einen Einzelfall gehandelt hätte. Leider kommt aber ständig eins unserer Kinder mit „knapp der schlechteren Note“ nach Hause und ich frage mich immer wieder, warum so viele Kollegen so blöd sind.

Betrachten wir die Sache mal unter dem pädagogischen Aspekt. Wenn ein Lehrer nur die Note auf die Arbeit schreibt, gehe ich mal davon aus, dass er vielleicht gar nicht bemerkt hat, dass der Schüler ganz knapp die bessere Note verpasst hat. Vielleicht war er einfach zu faul nochmal einen Blick auf seinen Punkteschlüssel zu werfen. Wenn er jedoch ein ‚+‘ hinschreibt, hat er es bemerkt und er hat sich (hoffentlich) irgendwas dabei gedacht. Welche Botschaft könnte er wohl rüberbringen wollen? Vielleicht so was „Motivierendes“ wie: „Wenn du dich das nächste Mal noch ein bisschen mehr anstrengst, schaffst du auch die bessere Note.“ Kommt diese Botschaft beim Schüler an? Bei meinen Kindern (und bei uns als Eltern) kommt etwas ganz anderes an: „Mit etwas gutem Willen hätte mein Kind problemlos die bessere Note bekommen können. Wegen einem fehlenden Punkt die schlechtere Note zu geben ist einfach lächerlich. Er/sie hat sie nicht bekommen, weil a) es dem Lehrer einfach egal ist (= schlechter Pädagoge) oder b) weil er mein Kind nicht mag und ihm auf diese Art eine reinwürgen will (= ganz schlechter Pädagoge).“

Spätestens wenn ich als junger Lehrer ein paar Mal aufgrund berechtigter Proteste eine Note heraufsetzen musste, müsste ich doch mal anfangen nachzudenken, wie man allein aus taktischen Gründen diese unerquickliche Situation in Zukunft vermeiden könnte. Der Volksmund meint, dass man aus Fehlern klug wird, Lehrer sind in dieser Hinsicht oft bemerkenswert lernresistent. Warum ist es so schwer zu begreifen, dass ich Verärgerung und Proteste geradezu provoziere, wenn meinen Schülern ständig ein oder vielleicht sogar nur ein halber Punkt zur nächst besseren Note fehlt? Es soll ja Kollegen geben, die nach der Rückgabe von Arbeiten regelmäßig von einem Pulk Schüler umringt sind, die versuchen noch den fehlenden Punkt rauszuschinden. Wenn man dann auch noch den Fehler macht, gleich in dieser Situation eine Note zu ändern, statt sich wenigstens die Arbeit(en) mit nach Hause zu nehmen und sich in Ruhe anzuschauen, hat man natürlich (zu Recht) verloren.

Schließlich der fachliche Aspekt. Es soll doch bitteschön keiner behaupten, er könne z.B. bei einer text production exakt begründen warum er genau drei und nicht vielleicht doch dreieinhalb von fünf möglichen Punkten vergibt. Auch bei Übersetzungen und Wortschatz- und Grammatiktests gibt es einen Ermessensspielraum z.B. bei Rechtschreibfehlern. Ebenso habe ich bei vergessenen Wörter einen Spielraum. Ich kann sagen: „Natürlich hätte er gewusst, dass ’nur‘ mit ‚only‘ übersetzt wird, er hat’s halt übersehen, also Flüchtigskeitsfehler = halber Fehler.“ Oder ich kann sagen: „Es fehlt einfach ein Wort = ganzer Fehler.“ Bei uns in Bayern wird aus einem ganzen ein halber Fehler, wenn man an die horizontale Linie noch ein kleines Häkchen nach unten anfügt. Irgendwo ein, zwei dieser Häkchen angefügt und der Schüler hat die bessere Note – mit etwas guten Willen eigentlich fast immer machbar.

Bei mir gibt es sowohl in Stegreifaufgaben als auch in Schulaufgaben so gut wie nie ‚+‘-Noten. Dank meiner Tabellen sehe ich mit einem Blick, wo ein Schüler nur knapp die schlechtere Note bekomme hat. Was „knapp“ konkret heißt, kann ich bei Bedarf in der entsprechenden Formel einstellen, normalerweise heißt es zwei und weniger Punkte von der besseren Note entfernt. Diese Arbeiten schaue ich mir nochmal genauer an. Vielleicht habe ich ja irgendwo einen Fehler übersehen, bzw. mich bei der Addition bzw. Subtraktion verzählt. Falls ja, hat sich das Problem oft schon erledigt. Falls nein, schaue ich, wo ich guten Gewissens aus einem ganzen einen halben Fehler machen kann um auf die bessere Note zu kommen.

Falls ich hingegen wirklich mal der Meinung bin, dass die schlechtere Note gerechtfertigt ist, muss ich halt den umgekehrten Weg gehen und notfalls aus einem (oder mehreren) halben Fehler(n) einen ganzen machen. Das macht sich natürlich nicht besonders gut, weil der Schüler sieht, dass ich die Arbeit zu seinen Ungunsten verändert habe und er berechtigterweise den Schluss zieht, dass ich ihm nicht wohlgesonnen bin.

Bei der Rückgabe von „gelifteten“ Arbeiten deute ich manchmal mit einem vernehmlichen Räuspern auf die betreffende(n) Stelle(n), so dass dem Schüler klar wird, dass ich gnädig war und etwas „nachgeholfen“ habe.

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  1. Nicolai

    An Jochen English: Damit die Schüler/innen nicht so enttäuscht sind, knapp die schlechtere Note zu bekommen wäre statt Ihrer Beispielbewertung:
    45-50: 1
    39-44,5: 2
    33-38,5: 3
    27-32,5: 4
    21-26,5: 5
    0-20,5: 6

    auch folgende Angabe des Bewertungsschlüssels möglich:
    0-18,5:6
    19-20,5:6+
    21-22,5:5-
    23-24,5:5
    25-26,5:5+
    27-28,5:4-
    29-30,5:4
    31-32,5:4+
    33-34,5:3-
    35-36,5:3
    37-38,5:3+
    39-40,5:2-
    41-42,5:2
    43-44,5:2+
    45-46,5:1-
    47-50:1

    Den Schülern könnte man dann erklären, dass man IMMER, wenn ihre Leistungen im oberen Drittel einer Note liegen ein + ranhängt und im unteren Drittel ein – ranhängt. Zumindest bei den Noten 2-5 ist dies gut praktikabel, bei der 6 kann man sich an das Intervall der übrigen Noten anpassen. Die Note 1+ sollte in der Mittelstufe ausgeschlossen sein, da es bei der „echten“ Notenskala auch keine 6- gibt, denn jede Note sollte meines Erachtens immer einen Gegenspieler haben.
    Mal ein Illustrativerer Erklärungsansatz: Sollte ein Schüler in einer Arbeit/Schulaufgabe eine 2+ haben und damit nicht einverstanden sein, kann die Lehrkraft ihm folgendes erklären:
    Im Norden des Freistaats liegt Franken. Es umfasst die Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken.
    Ein Oberfranke würde auch nicht unbedingt zu Thüringen oder Sachsen gehören wollen. Genauso kann man es sich bei den Noten vorstellen, deine Leistung liegt also in Oberzwei.

    Die schwierigste Aufgabe besteht jedoch sicherlich darin, den Schülern beizubringen, Noten nicht über zu bewerten. Außerdem kann man Tendenzen ja mitberücksichtigen oder wenn es sein muss heimlich als Drittelnote rechnen.

  2. robin

    Hallo.
    Das Notensystem ist mit insgesamt 15 verschiedenen Noten sowieso schon sehr klein, und der Spielraum wird noch geringer, weil ja eh kein Lehrer (oder nur die Wenigsten) die 6 zückt oder gar die 1+ . Deshalb denke ich schon, dass „Plus-Noten“ vergeben werden sollten. Beispielsweise hat eine 3+ mehr Wirkung als eine 3, denn ich finde, dass eine 3 – und generell „glatte“ Noten“ – einen ziemlich verlorenen Eindruck erwecken lässt. Eine Tendenz gibt an, in welche Richtung es geht. Klar ist, und da stimme ich zu, dass Schüler natürlich alles versuchen, noch irgendwie einen Punkt zu finden, um noch die bessere Note zu kriegen. Falsch finde ich da den Ansatz, kleinlich noch mal Fehler für Fehler durchzugehen, um zu schauen, ob ich über einen Flüchtigkeitsfehler hinwegsehen kann um dann noch die bessere Note zu geben. Fehler ist Fehler. Vielmehr finde ich, sollte man bei den so genannten Plus-Noten, die Klausur/Klassenarbeit noch einmal durchlesen und das ganze auf sich wirken lassen. Hierbei sollte der Gesamteindruck entscheiden. Sowohl Sprachlich als auch Inhaltlich.
    Liebe Grüße, Robin

  3. Thomas

    Da könnte man sich nicht nur beschweren – unter dem Vorbehalt, dass es so gesagt und sich so verhalten wurde – da muss man sich beschweren, weil man in einiger Hinsicht hier wohl das Schulrecht auf seiner Seite hat.

    1. Die Begründung mit der Note 2 ist nicht zulässig. Natürlich kann sie, wenn man sie anspricht, sich vielerlei rausreden, aber diese Begründung ist definitiv falsch, unabhängig in welchem Jahrgang.

    2. Nichts zu sagen, mit dem ja oft diffusen Gefühl, der Lehrer würde sich sonst rächen im Unterricht, ist wenig hilfreich.
    Vor allem, wenn man das aus Perspektive der Kollegen oder der Schulleitung sieht. Wie wir wissen, gibt es doch in jedem Kollegium Lehrer, die „etwas seltsam“ arbeiten. Hier sind ja auch die Kollegen sauer, weil es auf sie zurückfällt. Ebenso die Schulleitung. Was aber haben diese in der Hand, wenn keinerlei Nachfragen in solchen Fällen kommen? Dies ist mir erst klar geworden, seitdem ich in der Schulleitung bin – hier kommen oftmals irgendwann doch Beschwerden, immer mit der Frage verbunden: Warum haben sie nichts früher gemacht?…Ja, warum nicht? Weil vorher niemand kam.

    Grundsätzlich aber halte ich es immer noch für falsch, seinem Kind beizubringen, das Maul zu halten, selbst wenn man sich im Recht fühlt.

    Und Jochen, bei aller Liebe für dein Blog und für viele gute Sachen, die ich hier gelesen habe – ich glaube, der Generalverdacht, dass der Lehrer sich grundsätzlich für alle Kritik im Unterricht rächt, ist doch unangebracht…ich jedenfalls möchte mich dagegen verwehren. Du sicher auch.

    🙂 Grüße, Thomas

    • > ich glaube, der Generalverdacht, dass der Lehrer sich grundsätzlich für alle Kritik im Unterricht rächt, ist doch unangebracht…ich jedenfalls möchte mich dagegen verwehren. Du sicher auch.

      Natürlich, nur zeigt langjährige Erfahrung (auch bei den eigenen drei Kindern), dass bei Lehrern/innen, die mit solch haarsträubenden „Begründungen“ eine bessere Note verweigern, die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich über „mündliche“ Noten rächen ziemlich hoch ist.

      Und das ist oft nicht nur ein „diffuses Gefühl“, sondern erlebter Unterrichtsalltag. Wir wissen beide, wie fies man Rechenschaftsablagen bzw. Unterrichtsbeiträge durchführen bzw. benoten kann. Mal ganz abgesehen von den Lehrern, die nie Auskunft über mündliche Noten geben (obwohl sie das eigentlich müssten) und dann kurz vor dem Zwischenzeugnis plötzlich ein paar 5er im Notenbuch (angeblich von Oktober / November) stehen haben.

      • Wobei ich zweierlei einschränken möchte:

        a) Ich hatte neulich eine Mutter da, die mir erzählte, dass ihr Sohn meint, ich würde ihn nicht mögen. Ich hab in mich reingehört und konnte nicht feststellen, dass ich besonders negative Gefühle mit ihm verbinde, geschweige, dass ich das im Unterricht (bewusst) transportiere.
        Nun schreibt dieser Sohn aber reihenweise 5er bei mir in Deutsch – nachweisbare 5er, wirklich schlechte Schulaufgaben – und seine Leistungen in anderen Fächern sind auch nicht besonders gut.
        Und in diesem Moment lag eben dieser Vorwurf im Raum: Sie mögen meinen Sohn nicht, also schreibt er 5er bei ihnen.
        Lange Rede: Dieser Vorwurf ist eben schnell gemacht. In Deutsch sogar ziemlich schnell. In meiner Sprechstunde kann ich anhand der Schulaufgabe nachweisen, dass die Noten nicht aufgrund meiner Sympathien vergeben wurde. Wenn diese Mutter diesen Gedanken aber außerhalb der Schule äußert, habe ich keinen Einfluss mehr darauf und kann mich nicht verteidigen.

        b) Als ich den ersten Kommentar heute schrieb, wollte ich erst hinzufügen, dass ich vielleicht an unserer Schule weniger Probleme dabei sehe, weil wir ein sehr junges Kollegium sind (ich mit meinen 40 Jahren gehöre da schon zum alten Drittel). Hab dann kurz nachgedacht und gemerkt, dass das Alter damit nichts zu tun hat, denn die Lehrer, die du beschreibst, finden sich auch bei den jungen Kollegen. Was mich zugegeben erschreckt.

        Liegts an den Fächern (Mathe=fies, Deutsch=lieb)? Oder an der Schulart (ich vorurteile immer, dass das mehr am Gym stattfindet, nicht bei „uns“ an der RS)?

        Offenbar scheint es eher mit Lehrerpersönlichkeit oder Selbstbewusstsein zu tun zu haben. Aber das wird ja bis heute nicht an den Seminarschulen vermittelt. Geschweige ist es ein Einstellungskriterium.

        • > Liegts an den Fächern (Mathe=fies, Deutsch=lieb)?

          Nein, glaube ich nicht. Obwohl ich als „Sprachler“ natürlich meine (Vor)Urteile pflege. 😉

          > Oder an der Schulart (ich vorurteile immer, dass das mehr am Gym stattfindet, nicht bei “uns” an der RS)?

          Kann ich nicht beurteilen, da ich nur Gym kenne.

          > Offenbar scheint es eher mit Lehrerpersönlichkeit oder Selbstbewusstsein zu tun zu haben.

          Ja, denke ich auch. Und natürlich auch mit fachlicher Kompetenz.

    • Jay

      @Thomas #1:
      Natürlich ist das nicht zulässig und die Mutter hat damals auch die Lehrkraft diesbezüglich kontaktiert. Am Telefon trat dann eben jenes Phänomen auf, welches Jochen auch schon beschrieben hat: Plötzlich lag es an den mündlichen Noten. Nur, wenn die mündliche Leistung nicht stimmte, warum wurde das der Mutter beim Elternsprechtag zwei Monate vorher nicht mitgeteilt?
      Ein weiteres „Problem“ an dieser Schule ist, dass die Schulleitung sehr stark hinter dem Kollegium steht und (fast) keine Kritik zulässt.
      Bleibt nur zu hoffen, dass ich so gut vorbereitet bin, wie du, wenn eine solche Situation eintritt, denn vermeiden lassen wird sie sich glaube ich nicht. Ist leichter und vor allem auch irgendwie menschlich, die Schuld erst einmal bei Anderen zu suchen.

  4. > 2) die aufgabenstellung im vokabelteil […] ich war ohne worte.

    Da könnte man sich natürlich beschweren, das MUSS sie anerkennen. Die Frage ist dann aber wie immer, ob man dem Kind letztendlich etwas Gutes tut.

    • Jay

      Der Schüler hat sich beschwert; vor der Punktabzug aufgrund von „gotten“ entbehrt für mich jeglicher Grundlage.
      Die Lehrkraft nahm das Klassenarbeitsheft mit nach Hause, um nach 1,5 Wochen zu sagen, dass man da nichts machen könne.

  5. Jay

    witzig, dass ich gerade heute diesen artikel gefunden habe. ich untertsütze die kinder meiner nachbarin ein wenig. als der sohn (klasse 9, realschule) jetzt mit der englischarbeit zu mir kam, war ich von der gesamtnote 3+ bei einem schnitt von 3,4 eigentlich recht zufrieden. es fehlten 1,5 punkte zur besseren note. als ich dann aber die arbeit durchsah, fielen mir zwei fehler ins auge:

    1) das grammatikthema war reported speech, wobei pro satz ein punkt vergeben wurde. der junge hatte „have got“ in „had gotten“ umgewandelt und dafür, man staune, einen ganzen punkt abzug bekommen, da sie „gotten“ noch nie benutzt hätten, was nachweislich nicht stimmte, denn „gotten“ wurde im vokabelteil geführt,

    2) die aufgabenstellung im vokabelteil war „put in suitable words.“ wobei es 0,5 pkt pro lücke gab. einer der sätze lautete „They (funnel-web spider)can be dangerous and [?] kill people.“ die lösung „sometimes“ wurde nicht anerkannt. ich war ohne worte.

    dabei sollte man meinen, dass man als lehrer den schülern gegenüber wohlwollend gestellt ist. eine arbeit ist immer eine stresssituation, die wir im übrigen auch kennen.

    achso, ebendiese lehrerin hat übrigens der älteren schwester, ebenfalls in klasse 9, auf dem zeugnis (dem bewerbungszeugnis) die note 2 verweigert, mit der begründung, dass sie in der 8ten klasse nur durch eine nachprüfung im fach englisch versetzt wurde.

  6. Ich schreibe sowohl im gk als auch im LK Exen, versuche aber aus dem von dir genannten Grund mindestens 40 BE zusammenzubringen.

    Trotzdem sind die Abstände immer noch sehr gering. Aber auch dann achte ich darauf, dass niemand nur wegen einem halben fehlenden Punkt die schlechtere Note bzw. (Kolleg-)Punktzahl bekommt. Also gehe ich nochmal sorgfältig die Arbeit durch und mache entweder z.B. aus einem halben Fehler einen ganzen oder mache einen bereits angestrichenen halben Fehler durch Klammern unwirksam. Ungünstig ist es natürlich immer, wenn man aus etwas unterringeltem nachträglich einen halben Fehler machen möchte. Das ist ohne Tipp-Ex kaum zu machen und wirkt schlecht („der Lehrer mag mich nicht“).

  7. Peter

    Hallo Jochen,

    Dein Verfahren finde ich spitze und wende es auch (fast) immer erfolgreich an.

    Habe aber noch eine Frage zu dem Bereich, wo es bei mir nicht funktioniert, nämlich bei Stegreifaufgaben in Klassen, wo nach dem Punkteschema (0-15) bewertet wird: Wie machst Du es denn da? Stegreifaufgaben haben ja in der Regel nur so um die 30BE gesamt, und dadurch sind die Abstände so gering, dass Schüler ja quasi automatisch nur einen Punkt zur besseren Note brauchen…

    Schreibst Du also in Grundkursen

    a) gar keine Exen
    b) Exen mit wesentlich mehr als 30 BE
    c) Exen, bei denen Du Dein Prinzip ausnahmsweise nicht anwendest

    Liebe Grüße,

    Peter

  8. > Wenn es von 80 bis 84 Punkten eine 2+ gibt und einer hat einfach 84 Punkte – ja, dann hat er halt eine 2+ und keine 1-.

    Ich weiß ja nicht, wie du / ihr bepunkten müsst. Kannst du immer hieb- und stichfest begründen, warum jemand z.B. im Bereich Sprache genau 3,5 und nicht etwa nur 3 oder auch 4 Punkte bekommt? Ich kann das nicht und deswegen bin ich – wie geschrieben – in solchen Situationen großzügiger.

  9. Rheinländer

    „Falls ich hingegen wirklich mal der Meinung bin, dass die schlechtere Note gerechtfertigt ist, muss ich halt den umgekehrten Weg gehen und notfalls aus einem (oder mehreren) halben Fehler(n) einen ganzen machen. Das macht sich natürlich nicht besonders gut, weil der Schüler sieht, dass ich die Arbeit zu seinen Ungunsten verändert habe und er berechtigterweise den Schluss zieht, dass ich ihm nicht wohlgesonnen bin.“

    Das kommt mir doch arg problematisch und auch völlig unnötig war. Wenn man eine Klausur nach einem Punkteschema bewertet, sollte auch halbwegs klar sein, wofür es Punkte gibt oder wofür nicht. Natürlich schaue ich, wenn ein Punkt fehlt, die Arbeit durch, ob ich etwas ÜBERSEHEN habe oder etwas noch zugunsten des Schülers werten kann. Aber nachhelfen, auf dass eine bessere Note dabei herauskommt? Oder abwerten auf eine halbe Note tiefer? Was soll das? Wenn es von 80 bis 84 Punkten eine 2+ gibt und einer hat einfach 84 Punkte – ja, dann hat er halt eine 2+ und keine 1-. Warum dann nicht bei 79 Punkten „nachhelfen“, damit die 2 eine 2+ wird? Wenn es Punkte gibt, dann sind die Noten den Punkten zugeordnet, fertig.

  10. Monika

    Uraltthema, trotzdem noch ein Senf von mir:
    Ganz so simpel seh ich es nicht. Was hab ich schon Stunden (wirklich Stunden!) über popeligen Stegreifaufgaben gesessen, weil ich Schüler x keine 4+ wegen einem Punkt geben wollte. Das kleine harmlose Häkchen, welches einen ganzen Fehler zu einem halben macht, habe ich aber dann nicht einfach willkürlich verteilt. Bin ich zum Beispiel zum Schluss gekommen, dass ich dann meinetwegen auf Rechtschreibfehler doch keinen ganzen, sondern nur halben Fehler gebe, dann musste ich das ja konsequenterweise bei allen 30 Schülern überprüfen. Wäre ja oberdoof, wenn zwei Banknachbarn beim Vergleich bemerken, dass der eine milder bewertet wurde als der andere. Und dann kann ich andererseits aber nicht in Satz x nur halbe Fehler auf spelling mistakes geben, im folgenden Satz aber ganze. Also wie jetzt: Ganze Arbeit überarbeiten und an alle Rechtschreibfehler Häkchen machen?! Auch bei dem neuen, intensiv geübten, wichtigen Wortschatz? Auch bei den Past Tense Formen? Ist das dann ein Rechtschreibfehler oder ein Grammatikfehler? Soll ich überhaupt noch ganze Fehler geben oder nur halbe?
    Und: das Reihum-Punkteaufbessern führt ja nicht nur dazu, dass mein Ausgangsschüler jetzt die rettende bessere Note kriegt, sondern auch dazu, dass plötzlich drei seiner Kumpel eine +Note kriegen und nun so nah an der besseren Note sind, dass ich mich bei Ihnen auch auf die Suche nach weiteren Häkchenmöglichkeiten begeben kann…

    Hatte ich alles schon.

    Irgendwo ist dann auch die Grübel- und Jongliergrenze erreicht, finde ich.
    Mittlerweile bin ich lange genug dabei und kann solche Entscheidungen schneller und auch im Vorfeld schon treffen. Aber es gibt sie immer noch, die schlechtere Note um einen Punkt. Nicht bei der 5, da schaue ich sehr genau und entscheide vorher, ob es noch ausreicht oder mangelhaft ist. Aber bei allen anderen ist es durchaus möglich. Es lässt sich schlicht bei einem auf Punkten basierenden Notensystem nicht sicher stellen, dass keine Arbeit im Grenzbereich landet.

  11. Max

    Neulich kam ein Schüler zu mir, der echt frustriert war:

    Er kopiert alle Schulaufgaben und hat sie mir gezeigt. In Mathe ist er einen Punkt an der besseren Note vorbei, das gleiche in Physik sowie in der Englisch-Mündlichen Prüfung.
    In Französisch ist er gerade einmal um einen halben Punkt an der besseren Note dran gewesen.
    In Mathe, Physik und Französisch war es beides mal eine 4, in Englisch eine 3.
    Er geht in die 10. Klasse und legt Französisch und Physik nach diesem Jahr ab. Gut, in Physik hat er noch mal Glück gehabt, da steht er auf 3,45. In Französisch allerdings steht er auf 3,56 und die Lehrerin sieht keinen Grund, auch noch zu diesem fortgeschrittenen Stadium des Schuljahres etwas an der Note zu ändern. Jetzt wird in seinem Abiturzeugnis voraussichtlich die Note 4 stehen.

    Ich als Deutsch- udn Englischlehrer kann dir mit deinem Beitrag nur recht geben.

  12. > als deutschlehrer brauche ich in meinen schulaufgaben für mich aber die tendenzen

    Damit habe ich auch überhaupt kein Problem, weil eben NICHT mit (halben) Punkten gearbeitet wird.

  13. ich stimme einer anderen generellen tendenz des artikels zu, und zwar dem gedanken, dass sich lehrer allgmein mehr gedanken über notengebung machen sollten, anstatt sich an formeln und rechnungen ihrer excel-tabellen zu halten. (seltsamerweise oft in fremdsprachen und naturwissenschaften zu finden)
    für stegreifaufgaben stimme ich ebenso zu auf tendenzen zu verzichten, weil sie mir auch einfach vom aufwand her zu wenig wert sind, dass ich mir und meinem schüler da kopfschmerzen machen möchte. (insgesamt geht meine persönliche entwicklung ohnehin weg von exen)
    als deutschlehrer brauche ich in meinen schulaufgaben für mich aber die tendenzen, weil mir a) sechs notenstufen einfach zu wenig sind und b) ich eben auch dinge in meine rechnung mit einbeziehe, die sich schlecht in eine skala pressen lassen, z.b. die äußere form, der inhaltliche aufbau u.a. dies begründe ich dann aber auch gesondert in meiner verbalbeurteilung – und bisher (8 jahre im dienst) gab es keine elternbeschwerden und nur wenig schülerdiskussionen.
    letzterer punkt resultiert aber einfach auch aus einem punkt, der hier vernachlässigt wird, nämlich die frage, wie transparent ich meine beurteilung mache und – dieser punkt wird leider nur negativ betrachtet – wie ich den schülern klar mache, dass meine beurteilung nur eine sache ihrer leistung ist und nicht ihrer person.
    auch der anfangsartikel unterstellt ja, ob nun aus elternsicht oder was weiß ich, generell die (neben- oder haupt-)absicht des lehrers, über noten zu disziplinieren oder aber seinen kleinen pimmel zu kompensieren – ich höre das als verbindungslehrer auch sehr oft. ich denke dennoch, dass diese generalisierung ungut ist und auch nicht zutreffend.
    grüße
    ps: ich erinnere mich aber auch als betroffener an meine zwischenprüfung im fach geschichte an der uni, durch die ich prächtig durchgerasselt bin. diese bestand aus vier teilen, eine davon war die übersetzung einer englischen quelle – man musste alle teile bestehen. wie ich später erfuhr hatte ich einen halben fehler zu viel (der gegenwert eines kommafehlers!) in dieser übersetzung, was zum durchfallen führte. der betreffende dozent ist mittlerweile prof und ich halte ihn immer noch für einen schlechten menschen.

  14. Der Anzatz von Jochen gefällt mir sehr gut; insbesondere, weil er in den Grenzfällen seine eigene Arbeit noch einmal überprüft. Wenn das Ergebnis gleich bleibt, ist es dann auch abgesichert.
    Für mich wäre aber noch wichtig, in diesen Fällen den Gesamteindruck der gezeigten Leistung zu überprüfen: Ist es z.B. in der Summe eine befriedigende Leistung oder eine gute Leistung. Je nachdem, wie ich die Leistung in der Summe einschätze, muss ich dann meine Korrektur überprüfen und das Ergebnis u.U. verändern.

  15. Daniel

    Hallo Jochen,

    als junger, noch in der Ausbildung sich befindender Lehrer muss ich sagen, dass ich Deiner Argumentation (noch?!) nicht folgen kann.
    Es ist ja nicht so, dass ich in kritischen Notenbereichen nicht mehr oder weniger genau nach dem Muster verfahre, welches Du oben beschreibst … denn in der Endabrechnung zwischen mündlicher und schriftlicher Note (50:50) macht es ja schon einen deutlichen Unterschied, ob dort schriftlich zweimal eine 5+ oder eine 4- zu verbuchen war (davon ausgehend, dass bei diesen Kandidaten sich die Sonstige Mitarbeit auch eher im Rahmen von 3 – 4 abspielt). Aus meiner bisherigen Erfahrung würde ich auch gerade in diesem Notenbereich (je nach Schüler auch noch bei 3- / 4+) einen pädagogischen Effekt bei der besseren Note für nachvollziehbar halten bzw. habe bereits rudimentäre positive Erfahrung damit gesammelt.
    Aber warum ich aus einer 2+ eine 1- machen sollte wird mir leider anhand der Beispiele nicht klar.
    Vor allem mit Blick auf die Oberstufe besteht für mich zwischen 12 Punkten und 13 Punkten ein großer Unterschied. Bedenklich finde ich dieses Vorgehen auch im Hinblick auf die Abinote. Es macht für die Berechnung ja schon einen kleinen Unterschied, ob jemand mit 9 oder mit 8 Punkten seine Leistungskurse anrechnen darf. Und dennoch wäre auch hier vorstellbar, dass er/sie trotz der jeweils besseren Note statt mit 2,4 (2-) mit 2,5 (3+) abschneidet. Sollte man dieses Prinzip dann auch auf den Abidurchschnitt anwenden?!
    Hinzu kommen unsere „Wortentsprechungen“, denen ich bei dieser Entscheidung (momentan zumindestens noch) zudem großes Gewicht zukommen lasse. Hier unterscheide ich genau, ob eine insgesamt befriedigende Leistung deutliche Tendenzen nach oben erkennen läßt (3+) oder ob eine insgesamt gute Leistung durch ein paar (mehr oder weniger) grobe Schnitzer getrübt wird (2-). Wobei das natürlich auch immer eine subjektive Entscheidung bleiben wird. Wenn die Subjektivität herausgenommen werden soll, dann muss man Maschinen stupide multiple-choice-tests als Klasenarbeiten auswerten lassen.
    Jetzt bin mal gespannt: was habe ich nicht bedacht …?! 😉

    Herzliche Grüße,
    Daniel

    • > Aber warum ich aus einer 2+ eine 1- machen sollte wird mir leider anhand der Beispiele nicht klar.

      Zunächst einmal ganz schlicht aus Eigeninteresse. Wenn du z.B. MEINEM Kind wegen eines HALBEN Fehlers die +2 gibst, kannst du davon ausgehen, dass ich diesen halben Fehler bzw. Punkt irgendwo finde. So exakt kannst du bei 30 (+) Arbeiten überhaupt nicht korrigieren. Bei einem Wortschatz/Grammatik Teil vielleicht gerade noch, wenn’s um Sprache/Ausdruck geht, wirst du dich schwer tun exakt zu begründen warum du meinem Kind z.B. nur 3,5 BE und einem anderen 4 BE gibst.

      > Vor allem mit Blick auf die Oberstufe besteht für mich zwischen 12 Punkten und 13 Punkten ein großer Unterschied.

      Stimmt, aber auch hier gilt, dass ein Kollegiat alles Mögliche versuchen wird um den einen fehlenden Punkt, der ihm zu 13 Punkten fehlt, herauszuschinden. Deshalb mein Tipp: Wenn du denkst er hat die 13 Punkte verdient, gib sie ihm — wenn nicht, zieh ihn von der Grenze weg.

  16. anna

    Das sind für mich zum Teil sowieso nur Hausnummern. Wieso bekommt jemand, der nur sehr gut in den Schularbeiten schreibt (als einzige in der Klasse) nie ein Sehr gut ins Zeugnis? Aber das ist ja klar, wo doch die Mitarbeit so schlecht ist!!!!

  17. Wolfgang

    Langsam wird´s peinlich!

    Sorry, Jochen, dass ich Dich schon wieder Jürgen genannt habe – irgendein Schalter in meinem Gehirn scheint da nicht richtig zu funktionieren!

  18. Wolfgang

    Ich stimme Jürgen absolut zu, wenn es darum geht, +-Noten absolut zu vermeiden. Gerade bei der Textproduktion hat man hier ja genug Spielraum. Deswegen sind – Noten bei mir i.d.R. häufiger. Allerdings bitte ich zu bedenken, dass ich einem Schüler über das Jahr hinweg nicht immer nur die bessere Note geben kann (z.B. drei mal 4- !). Gerade hier muss es legitim sein, auch mal durch eine +-Note auszugleichen.
    Zum Kommentar von „rebound“: Sicher gibt es Lehrkräfte, die trotz schlechter Arbeit vom System „geschützt“ sind. Dennoch ist es ein Unding, einen schlechten Notenschnitt mit einem unfähigen und einen guten Schnitt mit einem tollen Lehrer gleichzusetzen. Es darf nämlich auf keinen Fall sein, dass den Schülern ermöglicht wird, den Lehrer als Entschuldigung für schlechte Zensuren anzuführen. Genauso ist es ein Trugschluss, eine gute Arbeit gleich der Genialität der Lehrkraft zuzuschreiben. Hier spielen so viele Faktoren mit, dass eine Pauschalisierung nahezu unmöglich ist. Das bitte ich zu bedenken!

  19. anna

    Wo bitte sind die lobenswerten Motive, wenn Schüler Seitenweise Stoff gut auswendig lernen und dann Lückentexte vorgesetzt bekommen,wo es dann verschiedene Antwortmöglichkeiten gibt, blöderweise aber dann genau das falsche Wort in der Lücke steht, weil ja genau das andere gewünscht wurde, die ganze Klasse dann als lernfaul abgestempelt wird, weil die beste Note eine Drei ist.(Musikunterricht)
    Ich als Elternteil dann zu hören bekomme: „Das hätte ich ohne lernen auch geschafft, warum soll ich mich da nocheinmal hinsetzen?-Die mag uns ja sowieso nicht!“

  20. > Generell ist es ein Unding, jedem der ‘+’-Tendenzen vergibt, Blindheit oder Bosheit zu unterstellen.

    Wo tue ich das bitteschön? Im Gegenteil, ich unterstelle Kollegen durchaus lobenswerte Motive (vgl. „Motivierendes“). Entscheidend ist jedoch, was davon beim bzw. bei den Eltern ankommt.

  21. Christian

    Hallo,

    ich bin ein Berufsanfänger und unterrichte am Gymnasium Mathematik und Physik. Ich benutze bisher EXCEL-Tabellen zur Berechnung der Noten von Klassenarbeiten und kann so ziemlich leicht ‚+‘-Tendezen erkennen.

    Die Behauptung, über Lehrer, die angeblich leichtfertig solche Noten vergeben finde ich etwas anmaßend, und zwar aus folgenden Gründen:

    Generell ist es ein Unding, jedem der ‚+‘-Tendenzen vergibt, Blindheit oder Bosheit zu unterstellen.

    Bei mir kommt es vor, dass ein weiterer Schüler noch einen Punkt weiter unter der Grenze zur nächsten Note liegt. Wollte ich also den Punkteschlüssel verändern, hätte ich das gleiche Problem wieder.

    Wenn ich aus pädagogischen Gründen Fehler weniger oder stärker mit Punktabzug bewerte, mache ich mich bezüglich der Objektivität angreifbar.

    Ich stimme Ihnen in Ihrer Argumentation grundsätzlich zu, halte jedoch die Behauptung, die Sie über die Motive der Lehrkräfte aufstellen, für fragwürdig ungeachtet dessen, dass es Lehrkräfte mit den genannten fragwürdigen Verhaltensweisen gibt.

    Mit freundlichen Grüßen
    Christian

  22. Das Thema diskutierten wir kürzlich gemeinsam, denn auch eine 2+ ist aus Sicht meines Kindes eher frustrierend, statt motivierend. Die bessere Note verpasst zu haben, ließ die Freude über ein ansich sehr gutes Abschneiden dahinschmelzen. + und – Noten finde ich als überflüssig und bringt nicht wirklich eine gravierende Änderung bei der Endabrechnung.

    Das ist sehr gut, dass Sie sich selbst noch mal überprüfen und es ehrt Sie, wenn sie sich die Zeit nehmen und die Arbeiten genauestens bewerten,mit positiven, motivierender Notengebung. Mir wäre es unangenehm, wenn ich im Nachhinein auf schlechte Korrektur hingewiesen würde und das darf aus meiner Sicht gerade einem Lehrer nicht passieren.

    Ich wäre schon zufrieden, wenn jede Klassenarbeit mit einem Durchschnitt von 4 nicht nur dem Schulrektor zur Unterschrift vorgelegt werden müsste, sondern die Arbeit mal gründlichst durchleuchtet würde bzgl. des Ergebnisses. Nicht nur zu unterschreiben, sondern auch die Lehrkraft überprüfen in bezug auf ihre Unterrichtsqualität. Käme das öfters vor, sollte ihm ein besondere Aufmerksamkeit gebühren, welche Gründe liegen vor.

    – ist er in allen Fächeren so in der Notengebung?
    – wie wird sein Unterricht gestaltet?
    – wie sind seine Fehlzeiten?
    – den Lehrer bei anhaltender Tendenz zu einer anderen Klasse geben?

    Mir bleibt zur Zeit nur ein Trost für meine Kinder, dass es zum Glück nach 2 Jahren ein völligen Lehrerwechsel gibt. Mir wäre ein Wechsel jedes Jahr recht, denn die ständige Bevorzugung bei Ausätzen kann ich nur schwer ertragen. Die unterschiedlichen Interessen am Kinde und an der Arbeit schwanken von Lehrer zu Lehrer, genauso wie bei anderen Arbeitsplätzen. Leider handelt es sich um Menschen, nicht um Maschinen und beide Seiten sind äußerst anfällig für Fehler.

    Ich beneide Personen, die sich eine Schule aussuchen können, an denen Lehrer noch Leistung bringen müssen, um dort ihre Arbeitsstelle behalten zu können. Es wird Leistung, Benotung, Egebnisse von Kindern gefordert, dann aber bitte auch von Leuten, deren Handeln nachprüfbar ist und niemals Konsequenzen selbst erhalten. Dies ist der Hauptgrund für unser schlechtes Schulsystem, denn wer einmal seinen Platz darin hat braucht sich keine Jobängste zu machen.

    Vielen Dank noch für den Tipp, sogar die Abschlußarbeiten zu überprüfen, vielleicht kann ich mir ja das nötige Kleingeld über einen Zweitjob erarbeiten, damit es eine Fachkraft auch machen kann, denn als Mama bin ich da restlos überfordert und meine Kinder ausgeliefert. Genau wie der Nachhilfemarkt boomt, könnte das ein neuer Markt werden.

  23. > Die Frage für mich bleibt immer wieder: Halte ich meinen Mund und mische mich in die Arbeit der Kollegen nicht ein oder unterstütze ich den Schüler, in der Hoffnung, dass der Kollege bereit ist die Kritik anzunehmen?

    Diese Frage lässt sich leider immer nur für den Einzelfall entscheiden. Meine Kinder wollen oft nicht, dass ich was sage bzw. schreibe, weil sie die Rache des Lehrers (oft zu Recht) fürchten. Über „mündliche“ Noten geht das ja wunderbar. Also schau ich es mir eine Weile lang an, wenn dann aber eine bestimmte Grenze überschritten wird (z.B. wenn bei einer Ex die Grenze zur 4 bei über 70% liegt) unternehme ich was.

  24. Andrea

    Hallo Jochen,
    ich kann Dir als Lehrerin und Mutter nur zustimmen. Ich wundere mich immer wieder darüber wie sehr manche Kollegen daran interessiert sind, wirklich jeden kleinen Fehler zu ahnden. Da gibt es dann Lückentexte in Klassenarbeiten im 5. Lernjahr, in denen die Grammatik überprüft werden soll. Der Schüler macht einen kleinen Rechtschreibfehler und bekommt den ganzen Punkt für die Lücke abgezogen, so als ob er die Grammatik nicht beherrschen würde.

    Eine noch üblere Erfahrung habe ich bei einer Zweitkorrektur im Abitur erlebt, bei der ein „native speaker“ im Fehlerindex auf 7 Punkte (wenn ich mich richtig erinnere) kam, weil die Lehrkraft viele der idiomatischen Ausdrücke nicht kannte und jedes Mal mit einem Fehler abstrafte. Mit Hilfe von zusätzlichen Beweismaterialien wie den Standardwerken und „books.google.co.uk“ konnte ich dem Schüler letztlich zu seinen verdienten 13 Punkten verhelfen. Anderen Schülern des Kurses ging es ähnlich, wenn auch nicht ganz so drastisch.

    Du kannst Dir die Freude bei der Bekanntgabe der Abiturnote bei den Schülern (die während der gesamten Oberstufe nie im Fehlerindex so gut abgeschnitten hatten wie im Abitur) sicher vorstellen. Aber durch welche „Schule“ sind sie da 3 Jahre lang gegangen? Und den aktuellen Schülern geht es nicht anders. Noch in der 10. Klasse waren sie hochmotiviert für Englisch und jetzt bekommen sie Fehler angestrichen, wenn sie „phrases“ aus Lernhilfen (u.a. von Dir) verwenden, nur weil die Lehrkraft diese nicht kennt.

    Die Frage für mich bleibt immer wieder: Halte ich meinen Mund und mische mich in die Arbeit der Kollegen nicht ein oder unterstütze ich den Schüler, in der Hoffnung, dass der Kollege bereit ist die Kritik anzunehmen?

    Gruß Andrea

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