Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

Autonomes Lernen

Vor kurzem habe ich versucht eine junge Kollegin zu trösten. Sie hatte mit einem Grammatik-Lernzirkel völligen Schiffbruch erlitten. Sie hatte sich eine wahnsinnige Arbeit gemacht und stundenlang kopiert, geschnippelt, geklebt, beschriftet und laminiert. Sie hatte sich extra eine Kiste besorgt um die ganzen Materialien transportieren zu können. Sie hatte eine genaue Anleitung gegeben, wie das Ganze ablaufen sollte und hatte den Schülern auch ihre pädagogischen Intentionen – ganz im Sinne von Hilbert Meyers „intelligentem Üben“ – klargemacht.

Leider haben die Schüler all diese Arbeit überhaupt nicht honoriert. Größtenteils haben sie einfach nichts oder nur Quatsch gemacht. Wenn die Lehrerin in der Nähe war wurde Arbeit geheuchelt, sobald sie sich entfernt hatte, ging es munter mit irgendwas anderem weiter. Verständlicherweise war die Lehrerin stinksauer und frustriert und war finster entschlossen in den nächsten Stunden nur noch Folien hinzuknallen und die Schüler abschreiben zu lassen.

Vor kurzem habe ich mich mit den Gemeinsamkeiten von Englisch und Sport beschäftigt, in diesem Beitrag möchte ich meine Trainer-Analogie ein bisschen weiterspinnen. Mit “autonomen Lernen” meine ich der Einfachheit halber alle Lern- und Unterrichtsformen, die darauf basieren, dass Schüler aus Einsicht weitgehend selbständig arbeiten, wie z.B. “selbstorganisiertes Lernen”, Lernzirkel, Freiarbeit und all die anderen Mischformen. Natürlich bin ich mir bewusst, dass es da große Unterschiede gibt, aber alle gehen m.E. von dem gleichen bzw. zumindest ähnlichem Menschenbild aus.

Also, ich stelle mir vor: Die Senioren Hobbykicker des 1. FC Hartmannshofen. Alle schon in gesetztem Alter, kicken mit mäßigem Erfolg in der Altherren-Kreisklasse, Anwesenheit und Leistungsbereitschaft im Training eher mau, Trainer muss immer mal wieder drohen (“Wenn du nächste Woche nicht zum Training kommst …”). Eines Tages erklärt der Trainer er habe keine Lust mehr ständig dieses “trainerzentriertes” Frontaltraining durchzuziehen. Stattdessen möchte er einen „Trainingszirkel“ veranstalten. Zu diesem Zweck holt er aus einer großen Kiste laminierte Übungskarten mit Beschreibungen der verschiedenen Übungen heraus. Die Spieler sollen sich in Kleingruppen zusammenfinden, die verschiedenen Übungen diskutieren, sich einigen und selbständig üben. Danach soll ein Sprecher die Ergebnisse der Gruppe den anderen Spielern präsentieren. Der Trainer möchte in Zukunft nicht mehr „rumkommandieren“, sondern nur noch “Lernprozesse initiieren”, moderieren und „beraten“. Nach dem Training möchte er mit den Spielern darüber sprechen, wie sich bei dem Ganzen gefühlt haben.

Warum wirkt dieses Szenario so absurd? Weil jeder, der schon mal irgendwann Sport getrieben hat, weiß, dass es so halt einfach nicht läuft. Kein Mensch macht freiwillig „selbstorganisiert“ Bauchmuskelübungen, keiner rennt „aus Einsicht“ 20 Minuten lang durch die Gegend und Stretching machen die meisten Fußballer auch eher maulig. Jeder findet es normal, dass Trainer bestimmen was gemacht wird, dass sie bei mangelndem Eifer pampig werden und Spieler wegen fehlendem Einsatz anblaffen.

In meinem Beispiel sind wohlgemerkt alle FREIWILLIG da (im Gegensatz zur Schule), die Mannschaft besteht aus ca. 20 Leuten (und nicht wie in vielen Klassen aus mehr als 30) und es sind alles ERWACHSENE und nicht pubertierende Jugendliche, die von Hormonen drangsaliert werden und deren Gehirn bekanntlich eine einzige Großbaustelle ist.

Stellen wir uns als kleines Gedankenexperiment nur mal vor, dass unsere „Klienten“ conditional sentences genauso anstrengend wie Bauchmuskelübungen finden, dass reported speech für sie genauso langweilig wie Ausdauerlauf und dass das present perfect progressive so spannend wie Stretching ist. Erwachsene üben sowas nicht „autonom“, auch wenn natürlich bei allen die „Einsicht“ vorhanden ist, dass diese Sachen notwendig sind – warum zum Teufel verlangen wir es dann von unseren Schülern?

Nehmen wir ein anderes Beispiel für all diejenigen, die es mit Sport nicht so haben. Hast DU in deiner eigenen Schulzeit ALLE Fächer gemocht? Na also. Ich habe z.B. Mathe und Chemie gehasst. Diese blöden Vektoren, die in die Unendlichkeit sausen und diese ekelhaften Monsterformeln – noch heute kommt diese Abneigung hoch, wenn ich sehe, wie meine armen Kinder mit diesem Zeug gequält werden. Wie hättest DU reagiert, wenn irgendein Heini verlangt hätte, du sollst „autonom“ / „aus Einsicht“ / „selbstorganisiert“ arbeiten / üben / wiederholen / Defizite diagnostizieren usw. Es kann doch nicht so schwer sein sich vorzustellen, dass z.B. mathematisch begabte Kinder Englisch (oder Sprachen allgemein) so blöd finden, wie „wir“ Sprachler oft diese ganze Formel-Huberei. Verlangen wir halt nicht ständig von unseren Schülern Sachen, die wir selber in ihrem Alter oder auch als Erwachsene nicht machen würden.

Einige Lehrer sind Meister in der Kunst unglücklich zu sein bzw. sich unglücklich zu machen. Das Rezept ist ganz einfach: Erwarte etwas völlig Unrealistisches und sei dann ganz frustriert, dass es nicht funktioniert. Steigere das Ganze noch dadurch, dass du nach dem misslungenen Experiment ein paar Wochen lang nur noch stinklangweiligen Unterricht machst und die Schüler (und deren Eltern) so richtig gegen dich aufbringst. Auf den aufkommenden Unmut der Schüler reagierst du natürlich mit knallharten Strafen … – nach wenigen Monaten hast du es geschafft und dich mit der Klasse hoffnungslos zerstritten.

Oft wird aus misslungenen Freiarbeits-Experimenten, Lernzirkel etc. der Schluss gezogen, dass die Schüler „Englisch“ halt nicht mögen. In den meisten Fällen ist diese Schlussfolgerung völlig falsch. Natürlich kann ich Spaß an „Fußball“ haben und trotzdem Stretching, Kraftübungen und Ausdauerlauf ätzend finden. Genauso kann ich „Englisch“ mögen und trotzdem Grammatikübungen ätzend finden. Die Erwartungen mancher Lehrer erinnert mich an eine Ehefrau, die sich nicht damit zufrieden gibt, dass ihr Mann „nur“ beim Abwasch hilft, sondern verlangt, dass er es freiwillig und vor allem GERNE macht (Näheres zu den Paradoxien von Paarbeziehungen bei Paul Watzlawick).

Jetzt ist vielleicht der Verdacht entstanden hier denkt bzw. schreibt ein Ewiggestriger, der allen pädagogischen Neuerungen abgeneigt ist. Durchaus nicht, ich wünsche mir nur bei manchen Kollegen eine etwas enspanntere Einstellung so in der Art: „Wenn’s klappt ist es gut, wenn nicht, auch nicht so schlimm, vor allem mache ich den Schülern (und mir selber) keine Vorwürfe, bei Erwachsenen klappt es ja eigentlich auch nur selten.“

Ich finde es schlicht absurd, wenn Lehrer ihren Schülern vorwerfen, dass sie sich soooo viel Arbeit gemacht haben und die jetzt von den Schülern nicht honoriert wird. Wenn Schüler ehrlich sein dürften (dürfen sie natürlich nicht, auch wenn der Lehrer x-mal sagt, dass sie „ganz offen“ sein sollen) würden sie vielleicht häufig Folgendes sagen: „Warum regen Sie sich auf, schließlich hat Sie keiner dazu gezwungen. Ist doch IHR Problem, wenn Sie in stundenlanger Fummelei die doofen Kärtchen zurechtschneiden, bekleben und laminieren. Bedingungssätze und die ganze restliche Grammatik werden dadurch keinen Deut interessanter. Mir wär’s lieber, wenn wir zügig 15 Minuten üben/wiederholen würden und dann was anderes machen könnten, anstatt die ganze Stunde mit diesem Krampf zu verplempern. Wie in meinem Fußballtraining … da müssen wir auch immer erst Bauchmuskelübungen, Stretching und Ausdauerlauf machen … macht nicht wirklich Spaß, aber, na ja, muss halt sein … aber danach kommt ein Spiel … und das ist cool.“

Vorheriger Beitrag

Verkehrte Welt

Nächster Beitrag

Doppel-Moppeln

  1. Hallo Herr Lüders,

    als Referendar erkenne ich mich in einigem von dem, was Sie beschreiben, ganz gut wieder. Vor allem der Umgang mit der Enttäuschung darüber, dass die Schüler bei gut vorbereiteten Stunden nicht unbedingt begeistert mitmachen, ist eine schwierige Übung. Wie bei vielem ist wohl auch hier der Mittelweg der richtige: ab und zu richtig schön schnippeln und laminieren, aber auch mal die klassischen Schulbuchstunden durchziehen. Was ich noch nicht so drauf habe: Wie arbeite ich mit den Schülern in strategisch ungünstig gelegenen Stunden (z.B. nach einer Doppelstunde Sport)?

  2. teacher

    Sehr gute Vergleiche (Sport!).
    Es gibt i.Ü. keinen Beweis, dass irgendeine Unterrichtsmethode bessere Ergebnisse brächte als eine andere; also guter Frontalunterricht kann viel besser wirken als mittelmäßiger Alternativunterricht.
    Mein Schluss: Abwechslung! (wie beim Essen)

  3. Wenn Freiarbeit schon früh genug geübt wird funktioniert sie. Heute 17-18jährige haben dies Erfahrung meist nicht.
    Jüngere Schüler sehr wohl.
    Größere brauchen speziellere Anfangsmotivation…. „Essen und Sex“ meint Frank McCourt (Teacher Man, siehe Amazon 😉 ).
    Wie wärs mit einem netten Kochbuch für Girls (Chemie als Kochbuch) und dieser Suchmaschie für Boys: http://msdewey.com/
    Bitte nehmt mich nicht ganz ernst. Aber Motivation ist nun mal alles…. und jedes Metier ist nun mal nicht für jeden Schüler/ jede Schülerin motivierend… und so anregend, dass er autonom aktiv wird.

  4. > Ich glaube das Wort Persönlichkeit geht gewiss schon in diese Richtung

    Aber wenn man, z.B. als Betreuungslehrer, zukünftige Lehrer ausbildet, ist es ja nicht damit getan, dass man zum StRef sagt: „Jetzt werden Sie erstmal eine Persönlichkeit, dann wird alles leichter.“ 😉 Ein bisschen konkretere Tipps braucht er schon.

    > baldigen “Englische Literatur”-Studenten

    Wow, was heißt das denn? Hast du mir ja noch gar nicht erzählt! Du willst doch nicht etwa P A U K E R werden, oder?

  5. Thore

    Gerade das „Gespür“ für Englisch ist eine harte Nuss, die allerdings auch etwas hemmend sein kann.
    Es gibt die Leute, wie ich aus meinen unzähligen Nachhilfestunden für arme kleine Englisch-desinteressenten wohl berichten kann, die einfach in ihrem Leben niemals einen Hauch einer chance haben werden einen englischen Text mit dem Gefühl eines Engländers zu lesen, weil dieses einfach nicht vorhanden ist und sich wohl auch nur schwerlichst anarbeiten lässt (wenn überhaupt).
    Zudem gibt es jene Menschen die ein Gefühl dafür haben, aber gerade deswegen nicht die Motivation entwickeln etwas zu pauken. Die eine Hälfte dieser Leute kommt weniger gut und die andere Hälfte ganz passabel gut durch. Ich kam immer ganz passabel durch *G*.
    Grunsatz eines solchen Arbeitsmuffels ist wohl Folgender: „Ich setze einfach hier ein bisschen was ein und dort ein bisschen nach meinem Gefühl, gemischt mit meinen geringfügig vorhandenen Grammatik Kenntnissen und heraus kommt eine Note mit der ich mein Abi kriege.“
    Es gelten also jene Fragen zu stellen und eine Lösung zu finden:

    Wie kann ich diejenigen motivieren, die einfach kein Gefühl für Englisch – und durch den resultierenden Misserfolg – keine Lust haben?
    Wie kann ich die motivieren, die für Englisch prädestiniert wären, aber einfach mit einer 3 schon zufrieden sind?
    Wie kann ich die motivieren, die für Englisch prädestiniert wären, aber einfach keine 3 schaffen weil sie so faul sind?

    Da es wohl nicht eine Antwort auf alle 3 Fragen gibt, gilt es die 3 Antworten zu finden und passend unter einen Hut zu bringen. Ich denke dass dies wohl die größte Aufgabe des Lehres ist.
    Ich glaube das Wort Persönlichkeit geht gewiss schon in diese Richtung, dennoch gibt es Lehrer die eine große Persönlichkeit bilden, aber dennoch von manchen nicht angesehen werden …

    So far

    P.S. Manche Schüler muss einfach das Leben motivieren: Liebe Grüße vom baldigen „Englische Literatur“-Studenten T.Haag

  6. corina

    So jetzt hab‘ ich das auch mal gelesen.Ich muss schon sagen, Recht haben Sie ja eigentlich schon, aber ich möchte trotzdem nicht ausschließen, dass dieses „selbstständige Lernen“ in manchen Fächern ein totaler Schwachsinn ist. Was nützt mir denn bitte z.B. in Mathe ein Lernzirkel oder ähnliches, wenn ich’s einfach nicht versteh und meine Klassenkameraden mit Sicherheit nicht die Zeit aufbringen mir das zu erklären, und sobald man diese Aufgaben, sei es Physik oder Mathe, einfach nicht lösen kann (ob es nun an den blöden Formeln liegt oder nicht!) bekommt man vom Lehrer zu hören: JA HAST DU GELERNT??? Darauf antworrtet man selbstverständlich JA und was kommt dann? Genau das: JA DANN TUTS MIR LEID SAGEN ZU MÜSSEN DASS DU FALSCH LERNST!

    Was ist das denn bitte für eine Aussage? Natürlich ist es um einiges leichter die Englisch-, Französisch- oder Latein-Vokabeln stur auswendig zu lernen, aber was helfen dir denn Unmengen von Vokabeln, wenn man einfach kein Gespür für die Sprache hat. Meiner Meinung nach muss man sich doch selbst an den Kopf langen, wenn Leute in der 10. Klasse bei der 3. Person Singular nach 5 jahren Englisch immer noch das ’s‘ vergessen. Deswegen meine ich, dass einem Diskussionen oder Unterrichtsunterhaltungen immer noch mehr helfen als irgendwelche komischen Lernzirkel, bei denen man Grammatik und Vokabeln auswenig lernt!

    Mais … c’est la vie!

  7. > In dem Zusammenhang fällt mir […] Einstellung nicht so richtig teilen

    Na ja, was heißt „teilen“. Ich radel ja selber gerne, aber habe eben (leider) nicht die nötige Einstellung um wirklich gut zu werden bzw. zumindest ein bestimmtes Niveau halten zu können. Da jault der innere Schweinehund einfach zu laut 😉 Auf der anderen Seite bin ich immer wieder erstaunt, was für einen unglaublichen Einsatz Schüler im Sport oder in Musik an den Tag legen und dann sind sie zu faul ein paar blöde Englisch-Vokabeln zu lernen, obwohl sie ganz genau wissen, dass es in der Schulaufgabe mindestens 30 BE dafür gibt.

  8. Ludwig

    Hallo Herr Lüders,
    also ich denke Sie liegen mit Ihrer Behauptung, oder These, dass Schüler, die vielleicht nicht so an Englisch interessiert sind eher im Unterrricht aufpassen, wenn eine ganz normale Stunde gehalten wird, richtig. Das Problem bei einer Gruppenarbeit liegt eben immer dabei, dass die „Klienten“, wie sie „uns“ so schön genannt haben :-),die mehr anderen Dingen ihre Aufmerksamkeit schenken, sich schnell mit ihren Freunden in einer Gruppe zusammensetzten und dann Englisch Englisch sein lassen und Privat Gespräche anfangen.

    Und ohne jetzt schleimen zu wollen, aber Ihr Sport Vergleich passt einfach :-).
    In dem Zusammenhang fällt mir auch wieder Ihre Frage ein bei welcher Temperatur ich denn noch aufs Rad steigen würde – als ich dann ca. -5 Grad gesagt habe konnten sie meine Einstellung nicht so richtig teilen (nehme ich jetzt einfach mal an). Aber wenn man seinen Sport, Beruf oder sein Hobby liebt und ernst nimmt, weil man etwas erreichen will, dann macht man eben auch verrückte Sachen die Aussenstehende für komisch halten.
    Was ich damit sagen will ist, dass es immer darauf ankommt mit welcher Einstellung man etwas macht und in diesem Beispiel, wie man im Englisch Unterricht sitzt. Ich denke in diesem Fall kommt es dann nicht mehr sooo darauf an ob man Englisch liebt oder nur ein bisschen mag. Wenn man ganz einfach eine gute Note schreiben will, dann lernt man auch und passt auf!

    So das wärs 🙂
    Liebe Grüße

    Ludwig

  9. Die arme junge Lehrerin. Soviel Mühe, soviel schöne Verpackung, wenn man doch glaubt, dass die Verpackung so wichtig wäre.

    Ich selber habe als Schüler die schrecklichsten Unterrichtsfächer geliebt, wenn ein besonderer Lehrer/in darin unterrichtete. Es gibt Lehrer, die können Schüler mit den schlimmsten Dingen so unerhalten, faszinieren, dass jede Spielerei oder weitere Verpackung ich nenne das oft Materialschlacht überflüssig wird. Ihre Ausstrahlung ihre Kunst nur zu reden reicht einfach.

    In meiner Sportart ist das genauso, wenn ich motivierend arbeite, ist meine Gruppe fähig eine unmenschliche Anzahl von Wiederholungen zu absolvieren, aber wehe, wenn ich selber nichts ausstrahle.

    Ja, ja, wir Eltern können nicht verlangen, dass ihr Lehrer alle Entertainer seid, das auch erst langsam mit der Berufsdauer sich entwickelt oder zum Gegenteil mutiert.

  10. H.S.

    Oh, während ich geschrieben habe, hat Thore einen Aspekt gepostet, der m.E. sehr gut zu meinem ersten Abschnitt passt.

    Selbstständigkeit der Schüler

    Ich denke der Schüler ist am Anfang seiner Schulzeit erstmal völlig neutral gegenüber jeder Art von schulischer Tätigkeit, meistens sogar eher positiv eingestellt. Woher kommt es dann, dass er einige Dinge später lieber macht als andere? Liegt es nicht daran, dass Lehrer die Dinge bewerten und diese Bewertung den Schülern weitergeben? Ein Problem ist erst ein Problem, wenn ich eines daraus gemacht habe. Indem ich z.B. Schülern sage: „ Jetzt kommt etwas Schwieriges.“, impliziere ich den Schülern die Schlussfolgerung: >>das ist Schwierig, das ist ein Problem. Grammatik ist ein Problem
    => Probleme sind Schlecht
    => Grammatik ist Schlecht und mache keinen Spaß.

    Es gibt keine Probleme und keine Schwierigkeiten, es gibt nur Aufgaben, und es ist eine große Freude eine Aufgabe zu lösen! Wir lösen eine besondere Aufgabe!

    => Grammatik ist eine Aufgabe
    => Aufgaben machen Spaß (weil ich Erfolg haben kann)
    => Grammatik macht Spaß

    Der Mensch hat vier Grundbedürfnisse:
    – Nahrung
    – Luft
    – Zuneigung

    – Das Bedürfnis Recht zu haben

    Um das vierte Bedürfnis zu stillen ist der Mensch bereit sogar die anderen Bedürfnisse aufzugeben! Es sind schon viele Menschen gestorben, nur um zu beweisen dass sie Recht haben!
    Es gilt diesen ureigenen Instinkt, den jeder Schüler hat, zu wecken. Denn wenn der Schüler hinter allem eine Aufgabe sieht, eine Möglichkeit „Recht zu haben“, dann wird er sich ihr auch selbstständig widmen.

    Feedback

    Des Weiteren ist die Selbstständigkeit des Schülers durch konsequentes Feedback zu fördern! Ein klares Feedback, nicht nur anhand von Noten, sondern persönlich durch die Lehrkraft trägt erheblich zur Verantwortlichkeit bei! Gute Leistungen loben, weniger gute Leistungen tadeln.
    98% aller Schüler (Kl. 7 – 9) sind nicht prinzipienorientiert (vgl. Absatz 2), sondern vom Feedback ihrer Umgebung (Freunde, Eltern, Lehrer) abhängig. Somit ist Feedback das optimale Werkzeug um Motivation zu erreichen. Schüler lernen nicht für sich selbst, diesen vielgepredigten Satz versteht kein Schüler! Aber junge Menschen streben mehr als alle Anderen nach Anerkennung, das ist einer der Schlüssel zur Führung!

    Persönlichkeit

    Die Persönlichkeit des Lehrers, ist der entscheidende Faktor.

    Der Schüler an sich (gerade in den schwierigen Jahren 12-15 Jahre) ist pauschal gegen gesellschaftliche Normen, auf der Suche nach der persönlichen Identität stellst er sich gegen die vorgegebenen Normen, denn nur durch Grenzen und Reibung kann er sich in dieser Phase des Lebens selbst wahrnehmen. Dies ist, was ihn in diesen Jahren beschäftigt. Ich spreche hier von den schwierigen Schülern, nicht von den einfachen, denn diese sind passend normiert, gesellschaftlich ausgerichtet und folgen allen schulischen Vorgaben.

    Die Kunst des Lehrers muss es sein, dem „schwierigen“ Schüler seine Grenzen zu zeigen, das kann er nur durch wahre Persönlichkeit! Nicht durch Verweise, Hinweise und Nachsitzen.

    Darin liegt das Problem der jungen Lehrer, es fehlt an Persönlichkeit. Es gab schon immer Lehrer, die in der Lage waren zu führen, die Mehrheit war es nicht!

    Woran liegt das? Was machen diese Lehrer anders? Wo ist diese Persönlichkeit?

    Persönlichkeit ist schwer zu definieren, m.E. ist Persönlichkeit ein unumstößliches Fundament, das dem Menschen in jeder Lebenslage feste Prinzipien bietet. Ein Mensch mit Persönlichkeit, besitzt einen wesentlich vergrößerten Spalt zwischen Input und Output, er ist sich seiner Wahlmöglichkeit in jedem Moment voll bewusst. Für einen Menschen, der prinzipienorientiert ist, spielt es keine Rolle, ob die Schüler seinen Lernzirkel mögen oder nicht, darum wird auch niemand seinen Lernzirkel bombadieren. Er stellt kein Ziel dar, weil der Lehrer keine Erwartungen stellt, entweder es funktioniert, oder eben nicht. Überall wo der Lehrer Erwartungen stellt, ist er nicht im Gleichgewicht mit sich selbst, macht sich von Anderen, von seinen Schülern abhängig! Seid ihr von euren Schülern abhängig? Hoffentlich nicht!!!
    Denn wenn der Lehrer vom Schüler abhängig ist, dann ist er immer vom Feedback der Schüler abhängig und nicht von seinen eigenen Prnizipien. Was kann ein Lehrer lehren, wenn er von seinem Schüler abhängig ist?

    Der Unterricht ist kein Zug, er fährt nicht auf Schienen von Bahnhof zu Bahnhof, von Stunde zu Stunde, am Anfang fahre ich los und muss dann die ganze Stunde den eingeschlagenen Kurs halten. Der Unterricht ist wie eine Autofahrt, und du hast das Steuer in der Hand, du kannst gemäß deiner Prinzipien jeden Moment die Richtung wechseln. Funktioniert etwas nicht, so wechsle die Richtung.
    „Aber die ganze Arbeit, die ich in den Lernzirkel gesteckt habe“, wirst du antworten. Die Wahrheit ist, es interessiert niemanden wie viel Arbeit du investiert hast! Das war schon immer so, du akzeptierst ja auch, dass manche Schüler länger lernen als andere und trotzdem die Schlechteren sind. Es spielt keine Rolle, was investiert wurde, es zählt nur das Ergebnis! Wenn deine erarbeitete Methode nicht funktioniert, dann funktioniert sie nicht.
    Nicht für jeden Lehrer ist jede Methode geeignet, es gibt Lehrer, die können bestimmt Methoden nicht anwenden, aus einem ganz einfachen Grund, weil sie gar nicht wirklich dahinter stehen, weil die gewählte Methode zwar dem aktuellen pädagogischen Kenntnissstand entspricht, aber nicht den eigenen Prinzipien.

    Fazit:

    Die hier dargelegten Eindrücke entsprechen meiner persönlichen Meinung und Erfahrung, die Parallelen zwischen Schule und Wirtschaft sind in diesen Bereichen signifikant. Denn während die Schule einen Weggang vom Frontalunterricht zur Entwicklung eigenverantwortlicher junger Menschen beschreitet, ist die Wirtschaft, in den heutigen Zeit mehr denn je, an selbstständigen und kreativen Mitarbeitern interessiert. Die Motivation eines Schüler und eines Mitarbeiters ist m.E. vergleichbar.

    Die Aufgabe liegt bei den Lehrern selbst, nicht bei den Schülern, wenn dass „mindset“ der Lehrer, sowie deren Persönlichkeit, deren Softskills und ihr „Werkzeugkasten“ richtig ausgebildet sind, dann kann jeder Lehrer einen großen Teil ( m.E. 80% +) motivieren und denn Schülern über sein Fach hinaus noch eine ganze Menge fürs Leben mitgeben.
    Leider ist hier auch ein gemeinsamer Aspekt der Lehramtsausbildung und der betriebswirschaftlichen Ausbildung erkennbar, so werden die von mir erwähnten Bereiche in beiden Studienrichtungen nicht annähernd abgedeckt. Diese Thematik ist jedoch eine andere und würde den Rahmen dieses Blogs sprengen und die von Herrn Lüders angesprochene Thematik endgültig verlassen.

    Regards

    H. S.

  11. Thore

    Hallo Mr.Lüders,

    den Aspekt den ich an einer solchen Diskussion ebenso interessant finde (und mit dem immer und immer wieder Schüler fälschlicher Weise daherdackeln) ist der Aspekt der „Freiwilligkeit“.
    Ich möchte jetzt mal aus der Sicht eines z.B. uneinsichtigen Schülers sprechen:

    „Zum Fussballtraining gehe ich freiwillig, in die Schule nicht!“

    Das ist nach meinem Betrachten ein sehr amüsanter Satz (und ich zweifle nicht daran dass auch ihr gerade schmunzelt), wobei gleichsam viele Pop-up Fenster sich im Kopf öffnen a lá:
    „Ach du bist nicht freiwillig in der Schule?“
    „Und wenn dir der Verein nicht gefällt, in einem anderen musst du kein warm-up machen?“
    u.v.m.

    Ich möchte damit eigentlich nur auf diesen einen Grundgedanken stoßen:

    Wie kann man den Schülern die keine Lust auf Schule haben, in der Grundfeste bewusst machen, dass sie freiwillig da sind und das ohne sie davonzujagen?

    LG
    Thore

  12. Passt recht gut hierher – eine Besprechung dreier französischer Bücher über die Probleme mit „child-centred education“ (danke für den Hinweis, Harald!). Der ganze Text steht hier:
    http://www.spiked-online.com/index.php?/site/article/1084/

    Hier ein Auszug:
    ———————————————-
    Child-centred education is based on the constructivist theory of learning, according to which learners construct their own knowledge by analysing experience. For Marc Le Bris, this is a false theory, because the whole of humanity, not the individual child, constructs knowledge. The dominance of constructivism means that pupils will be, at best, autodidacts lacking the solidity of systematic learning.

    In Britain there is also a strong aversion to the transmission of knowledge. The idea that pupils must be ‘active’ and become ‘independent learners’, rather than depend on the teacher, is seldom questioned. An independent school head teacher recently asked me: ‘We are often accused of spoon-feeding our pupils. How can we help them become independent learners?’

    Rachel Boutonnet could have answered that question. A French primary school teacher with a master in philosophy, she kept a diary throughout her teacher training and her first year as a teacher, which she published in 2003. She rejects the idea that traditional teaching methods make pupils passive: ‘I think it is impossible to learn in a passive way. If you have learnt something, you must have been active;…in order to listen, you must concentrate. What the speaker is saying, you must make your own. This often requires effort and will power.’

    She also questions the belief that so-called active methods lead to pupils’ autonomy: ‘the fact that pupils are “in research mode” doesn’t mean that they are active. Often…they just ape an activity. They go through the motions that the teacher has scripted for them. Intellectually speaking, they are passive.’
    ———————————————-

    Meiner Erfahrung nach ist es sehr schwierig, hier zu verallgemeinern.
    Sehr motivierte Schüler, die einen schwachen Lehrer haben, werden vom autonomen Lernen mehr profitieren als vom Frontalunterricht ihres Lehrers. Schwache Schüler, die einen sehr motivierten Lehrer haben, werden vom Frontalunterricht dieses Lehrers vermutlich mehr profitieren als von einer Runde autonomem Lernen.
    Letztendlich muss jeder Lehrer zusammen mit der Klasse herausfinden, wie es bei dieser konkreten Zusammensetzung von Lerner-Individuen am besten funktioniert. Eine Kombination aus Verlässlichkeit und Flexibilität ist da gefragt.

    Schönen Gruß
    Peter.

  13. Hallo Jochen,

    wenn ich dich schon zu diesem Artikel inspiriert habe, dann muss ich doch mein kleines Päckchen Senf auch dazu geben.

    Ich habe immer wieder Schüler, bei denen SOL wunderbar funktioniert – und da setze ich das dann auch ein. Aber ich habe – wie ich schon mal an anderer Stelle gesagt habe, auch genügend andere Methoden gelernt, um meinen Unterricht an die jeweilige Gruppe anzupassen.

    Die Realität gibt dir -leider – fast immer recht, denn wir haben (zumindest an meiner Schule) z. T. auch Schüler, die aus kaputten Elternhäusern stammen, deren Kopf voll ist mit anderen (wichtigeren) Dingen als meinem Unterricht. Oder glaubt irgendjemand, dass eine 16-Jährige, deren Mutter und ihr Freund sie in ein Heim abschieben wollen, deren Vater sie aber auch nicht haben will, sich tatsächlich noch selbst motivieren kann für Dinge, die sie eigentlich gar nicht interessieren? Ich könnte die Liste nach Belieben fortsetzen.

    Ein weiterer Aspekt betrifft etwas völlig Unpädagogisches, nämlich unsere Arbeitsbedingungen. Mit SOL können wir doch locker zwei oder drei Klassen betreuen – schließlich müssen wir unsere Schüler ja „nur“ noch motivieren und auf die richtige Schiene setzen. Rettet doch unseren Staatshaushalt, oder? 😉

    Auf der anderen Seite war ich in den Sommerferien in einer neuseeländischen Schule, wo SOL offenbar hervorraqgend funktionierte – da war ich beeindruckt. Vielleicht sind unsere Schüler UND wir einfach noch nicht so weit und es dauert noch ein bisschen. (Zum Glück hab ich ja noch ein paar Jährchen um – wie deine Altherrenmannschaft am Ball zu bleiben.)

    Wenn wir für alles bereits eine Patentlösung hätten, wäre unser Alltag doch langweilig, oder.

    Weiter auf der Suche nach Patenten
    Dorothee

  14. benjamin

    Ach ja, so einfach ist das. Man schreibt recht oberlehrerhaft aus seiner langjährigen Erfahrung als Altherrentrainer und kann damit natürlich auch dem letzten naiven (Jung-)lehrer beweisen, dass es völlig idiotisch sei, Schülern ein Stück Verantwortung für ihren Lernprozess zu übertragen. Na klar, haben wir es nicht alle schon gewusst? Wir waren doch selber mal Schüler! Und wenn das noch nicht reicht, führt man noch schön plakativ die Naivität der schnippelnden und laminierenden Kollegen vor, indem man sie als methodisch-didaktisch veirrte und zugleich beleidigte Moralapostel darstellt, die ihre verletzte Gutmenschlichkeit nur noch mit trotzigen Retourkutschen an die Schüler beantworten können. Tut mir Leid, aber so einfach scheint mir der Fall nicht zu liegen. Wer sagt denn, dass die Schüler in deiner altbewährten 15-Minuten-Übungsphase besser zuhören, mitarbeiten, motivierter sind und mehr lernen als z.B. in selbst organisierten Arbeitsphasen? Wer behauptet eigentlich, dass Schüler in freieren Unterrichtsphasen wie z.B. Wochenplan, Stationslernen oder Werkstatt immer alle gleichzeitig und durchgängig total gerne, konzentriert und zügig lernen? Wie stellst du fest, dass kein Schüler innerlich mal ne Pause einlegt?
    Hast du schon mal daran gedacht, dass es evtl. auch an der Aufgabenstellung und nicht nur am Fach liegen kann, ob Schüler interessiert und motiviert sind oder auch nicht etwas freiwillig zu lernen? Dies scheint in deinem Schülerbild nicht vorzukommen. Gibt es evtl. auch andere Lernziele neben der totalen Beherrschung des Present Perfect Progessive und deren Abprüfbarkeit? Was ist mit z.B. Entwicklung von Verantwortung für das eigene Tun, Selbständigkeit, Kooperation, Systematik, Planungsfähigkeit im Arbeitsprozess? Paukst du das mal zügig in den ersten 15 Minuten ein? Oder sprachst du wirklich nur von deiner Thekenmannschaft……

    Gruß, Benjamin

  15. Lars

    Hallo Herr Lüders,

    also ich kann nicht gerade behaupten eine Klasse zu unterrichten, dennoch denke ich, dass Ihr diskutierter Ansatz bei den meisten Menschen auf Zustimmung stößt. Ich habe Grammatik als Schüler auch gefürchtet aber Englisch trotzdem gern gehabt. Kann sein, dass es am Lehrer lag ;).

    Grundsätzlich denke ich muss man individuell austesten wie eine bestimmte Klasse auf ein solches Projekt reagiert. Es gibt nämlich immer wieder Schüler die mit Hingabe an solche Sachen heran gehen auch wenn es „bloß“ Grammatik ist. Je nachdem, ob eine Klasse viele solcher Schüler besitzt oder nicht wird auch immer die Beteiligung bei solchen Projekten sein.

    Also mein Ratschlag an alle lehrenden Körper: einfach mal ausprobieren mit wem man es eigentlich zu tun hat. Schüler sind auch nur Menschen und Lehrer bekanntlich ja ebenfalls.

    Liebe Grüße

    Musik-„Pädagoge“ Lars (in Ausbildung 🙂 )

  16. Roland Möllers

    Lieber Jochen,

    deine Erfahrungen sind durchaus realistisch und treffen häufig zu. Im Augenblick bin ich auch eher frustriert über das Schülerverhalten. Von den 6 Klassen, die ich gerade unterrichte, ist nur eine Klasse dabei, die selbsständg und autonom arbeitet. Aber lohnt es sich nicht für diese einzelnen Klassen den Medienkoffer herauszukramen und die Schülerinnen und Schüler auf diesem Wege arbeiten zu lassen. Die Lernerfahrungen sind m.E. für diese wenigen Schüler wesentlich intensiver.
    Im Augenblick möchte ich auch so manches Mal den Kopf in den Sand stecken, und Nein sagen, der Aufwand lohnt nicht. Und genau da erreicht mich eine E-Mail eine Schülerin der 7. Klasse, die mir lang und breit ihre nächsten Urlaub auf Englisch schildert.
    Eine weitere Erfahung: Ich bin nebenbei Judolehrer und habe in den letzten zwei Wochen den Lernzirkel eingesetzt und Wurftechniken und möglichen Kontermöglichkeiten entwickeln lassen. Auch hier hat es sehr gut funktioniert. Sehr engagiert wurden die selbst entwickelten Ideen vorgestellt und kritisch unter die Lupe genommen.
    In meinerletzten Klassenarbeit in eine sechste Klasse sich durch einen selbst entwickelten Lernzirkel mit selbst entwickelten Aufgaben eigenständig vorbereitet. Auch hier ein gutes Ergebnis.

    Die von mir geschilderten Beispiele sind in meinem Schulalltag die Ausnahmen. Aber es gibt sie, die Klassen und Schüler, die man autonom arbeiten lassen kann. Ich könnte noch viele Beispiele nennen, aber doppelt so viele, die mich dazu zwingen (/verleiten?) frontale Osterhasenpädagogik anzuwenden.

    Gruß Roland Möllers

  17. Angela

    Ich kann Dir auch nur zustimmen. Ich habe ein solches Projekt (Grammatik Crash Kurs) mal in einer 10. Klasse gemacht. Das ging nur mit Kontrollen. Die Schüler hatten Ihren Wochenplan, durften sich gemachte Übungen abkreuzen, sich selbst beurteilen, mußten mir das aber zeigen und bekamen mein Kreuz erst, wenn das ordentlich gemacht war. Einige fanden das doof, sahen aber die Notwendigkeit ein, sich noch einmal grundlegende Grammatikstrukturen anzuschauen, andere, vor allem die, die nicht so gerne reden, fanden diese Übungsform aber auch ganz gut. Bei mir bleibt die Frage, ob das irgendwas gebracht hat. Die Übungen waren zwar ganz gut aus verschiedenen Übungsheften aufgewählt, aber ich glaube, dieses isolierte Grammatikpauken in den höheren Klassen bringt überhaupt nichts.
    Einen schönen Abend noch
    angela

  18. Noch ein Nachtrag: was mich am stark geführten Lernen nervt ist, dass ich das Gefühl habe, eine falsche Einstellung zum Lernen zu fördern, die darauf baut, dass irgendjemand das schön serviert, so dass die Schüler es nur vom Teller picken müssen.

    Ich hab im Studium zu viele Leute erlebt, die sich überhaupt nicht organisieren konnten und an der Fülle der Inhalte schier verzeifelt sind – und ich fände es gut, wenn ich Schülern in dieser Hinsicht schon was mitgeben könnte.

    Möglicherweise bin ich aber auch (noch) zu idealistisch – das wird sich zeigen 😉

  19. Ich stimme Dir im Prinzip zu – allerdings mache ich gerade in Biologie und Erdkunde auch gegenteilige Erfahrungen: dass z.B: Zehntklässler in Bio schon seit mehreren Stunden interessiert und selbständig arbeiten, nachfragen, untereinander und mit mir diskutieren etc.

    Man muss dazu sagen, dass das Thema „Lunge und Atmung beim Menschen“ sicherlich eine gewisse intrinsische Motivation erzeugt, dass ich den Schülern im vorhinein erklärt habe, warum die lesende und Texte-bearbeitende Arbeitsweise so wichtig für sie ist und dass sie dazu einige Methoden-Arbeitsblätter bekommen haben. Aber ich war trotzdem überrascht, wie motiviert Fünfzehn- und Sechzehnjährige da arbeiten (ich hatte es nämlich eigentlich nicht erwartet).

    Auch einen Grammatik-Lernzirkel hab ich schon mal mit einer Elften in Englisch ausprobiert: das hat bei einem Großteil der Schüler auch ganz gut geklappt. Alledings hatte die Klasse ein starkes Bewusstsein dafür, wie groß ihre Defizite in Englisch sind und damit auch einen gewissen Bammel vor der nahenden Kursstufe.

    Mein Eindruck ist, dass solche offenen Methoden in Fächern wie Bio und Erdkunde (und ich kann in diesen Fächern Erfahrungen) gut funktionieren, wenn die Schüler sich für ein Thema interessieren. In den Sprachen halte ich es für schwieriger.

Kommentar verfassen

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén