Der Kampf um die Haus­auf­ga­ben ist müh­sam. Und ja natür­lich, die Schü­ler machen sie oft ein­fach nicht. Aber sehr oft haben sie kei­ne (voll­stän­di­gen) Haus­auf­ga­ben, weil sie nicht mit­be­kom­men haben, was sie jetzt eigent­lich genau machen sol­len.

Es hat schon längst gegongt, aber der Leh­rer quas­selt ein­fach wei­ter. Die Schü­ler wer­den unru­hig und fan­gen an ein­zu­pa­cken, schließ­lich müs­sen sie in ein ande­res Zim­mer gehen und der dort war­ten­de Leh­rer ist stin­kig, wenn sie zu lan­ge brau­chen. Also wer­den die ers­ten Stüh­le gerückt, der Lärm­pe­gel steigt. Jetzt end­lich hört der Leh­rer auf zu reden, die ers­ten Schü­ler ver­las­sen schon das Klas­sen­zim­mer und ins all­ge­mei­ne Getüm­mel ruft er noch irgend­was rein, was aber die meis­ten eh nicht mehr mit­krie­gen. Kein Wun­der, dass in der nächs­ten Stun­de die meis­ten kei­ne (voll­stän­di­ge) Haus­auf­ga­be haben.

Ich habe noch nie ver­stan­den, war­um das Stel­len der Haus­auf­ga­be am Ende der Stun­de so eine Art „Krö­nung“ der Stun­de sein soll. Wenn mei­ne Haus­auf­ga­be nicht davon abhän­gig ist, dass ich in der Stun­de bis zu einer bestimm­ten (Text‑)Stelle/Auf­gabe etc. kom­me, stel­le ich sie gleich AM ANFANG, bevor die eigent­li­che Stun­de los­geht. Die Schü­ler müs­sen sich auto­ma­tisch die ent­spre­chen­den Auf­ga­ben im Buch anse­hen und ggf. nach­fra­gen, wenn sie etwas nicht ver­ste­hen. Aus die­sem Grund akzep­tie­re ich grund­sätz­lich in der nächs­ten Stun­de kei­ne Ent­schul­di­gun­gen à la „I did­n’t know what to do.“

Ein ins all­ge­mei­ne Durch­ein­an­der geru­fe­nes „Are the­re any ques­ti­ons?“ ist sinn­los und hat ledig­lich Ali­bi­cha­rak­ter („Letz­te Stun­de hat­te nie­mand mehr eine Fra­ge.“). Als Vater von drei Kin­dern weiß ich wie ätzend es ist, wenn die Kin­der über­haupt nicht rich­tig mit­be­kom­men bzw. ver­standen haben, was sie über­haupt wie machen sol­len und dann in der nächs­ten Stun­de von einem unfä­hi­gen Leh­rer zur Schne­cke gemacht wer­den.

Wenn du die Haus­auf­ga­be aus irgend­ei­nem Grund nicht am Anfang der Stun­de stel­len kannst, soll­test du es zumin­dest so früh­zei­tig machen, dass noch Fra­gen gestellt wer­den kön­nen, bzw. (meis­tens bes­ser) du sel­ber über­prü­fen kannst, ob allen klar ist, was gemacht wer­den soll: „Do you only have to wri­te down the mis­sing verbs or the com­ple­te sen­tence?“ Im Zwei­fels­fall macht man die ers­ten Übun­gen bzw. Sät­ze noch gemein­sam in der Schu­le.

Nach dem Stel­len der Haus­auf­ga­be kann es ruhig noch mit irgend­was ande­rem wei­ter­ge­hen.  Je frü­her du die Haus­auf­ga­be stellst (z.B. bereits 10 Minu­ten vor Stun­den­en­de) des­to schnel­ler erken­nen die Schü­ler, dass die Stun­de noch NICHT been­det ist und noch irgend­was kom­men muss. Je näher du ans Stun­den­en­de kommst, des­to eher wer­den die Schü­ler nach dem Notie­ren der Haus­auf­ga­be anfan­gen, ihre Sachen zusam­men­zu­pa­cken und die­sen Kampf wirst du mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit ver­lie­ren 😉