Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

Verlorene Arbeitsmüh

Das Besprechen von Hausaufgaben hat einen Stammplatz in der traditionellen Unterrichtsroutine und ist trotzdem manchmal / oft / meistens (?) vollkommen nutzlos.

Wann hast du zum letzten Mal NACH einer Hausaufgaben-Besprechung die Hefte eingesammelt und überprüft, was denn da nun eigentlich „besprochen“ und „verbessert“ wurde? Mag sein, dass du andere Schüler als ich unterrichtest, aber ich würde wetten, dass dir die Augen aus dem Kopf fallen. Trotz deiner gründlichen Besprechung strotzt das Heft nur so von Fehlern und du zweifelst (wieder mal) an der Sinnhaftigkeit deines Tuns.

Dass die Besprechung von Hausaufgaben so ineffizient liegt aber nicht nur an mangelnder Aufmerksamkeit und Faulheit der Schüler. Selbst gutwillige Schüler schalten beim üblichen Durcheinander der Besprechung irgendwann verständlicherweise ab. Nehmen wir als Beispiel eine Übung bei der Verben in die richtige Zeit gesetzt werden sollten. Janine fängt an, ihr Satz lautete „Ich kenne sie seit zwei Jahren“. Wie zu erwarten hat sie „kenne“ mit „know“ und „seit“ mit „since“ übersetzt. Der Lehrer beginnt nun eine längere Erklärung über den Gebrauch des simple present und den Unterschied zwischen „since“ und „for“. Danach kommt Maximilian dran. Er hat munter geraten und sich für simple past entschieden. Wieder folgen längere Ausführungen. In dem ganzen Durcheinander haben die meisten anderen Schüler längst die Orientierung verloren und die richtige Lösung nicht mitbekommen. Diese Art der Verbesserung kann sich leicht für 15 (und mehr) Minuten hinziehen und nach spätestens fünf Minuten haben die meisten abgeschaltet.

Ich habe einen ganz simplen Trick um sicherzustellen, dass nach einer Besprechung auch wirklich in (fast) ALLEN Heften die richtige Lösung steht. VOR der Besprechung kündige ich an (nach einigen Stunden wissen es die Schüler automatisch), dass NACH der Besprechung irgendein Schüler nochmal die richtigen Lösungen vorlesen muss und dabei höchstens X Fehler machen darf. Wenn er mehr Fehler macht, muss er zur Str…, äh, pardon, als Zusatzarbeit etwas Unangenehmes machen (wie z.B. die ganze Übung komplett abtippen).

Die Größe von X hängt vom Umfang und der „Eindeutigkeit“ der Hausaufgabe bzw. der Lösungen ab. Wenn es sich z.B. um eine läppische Einsetzübung handelt, wo es für zehn Sätzchen nur jeweils EINE richtige Verbform gibt, darf er beim Vorlesen überhaupt keinen Fehler machen, mein Signalwort ist in diesem Fall „No mistake“. Wenn es mehr Sätze sind und/oder es mehrere richtige Lösungen gibt, darf er entsprechend einen oder zwei Fehler machen.

Bei komplexen Hausaufgaben, wie z.B. Übersetzungen, wo man viele verschiedene Lösungen bekommt, die die ganze Bandbreite von „sehr gut übersetzt“, über „Na ja, nicht falsch, aber auch nicht gut“ bis hin zu „völlig falsch“ abdecken, funktioniert diese Methode natürlich nicht.

Anwenden kannst du sie natürlich nur, wenn sichergestellt ist, dass auch wirklich JEDER Schüler (auch der ganz hinten links in der Ecke) die richtige Lösung hören kann. Am ehesten ist das gewährleistest (und es geht am schnellsten) wenn du SELBER die richtigen Antworten langsam und deutlich vorgibst.

Falls die Lösung von Schülern kommen soll, musst du darauf bestehen, dass sie laut genug („appropriate loudness“) sprechen, so dass du nicht ständig Verstärker / Lautsprecher spielen und die gebrabbelte Antwort von Schülern in die Klasse hinausposaunen musst. „Angemessene Lautstärke“ heißt, dass auch der am weitesten entfernte Mitschüler die Antwort hören kann. Ich überprüfe immer non-verbal (Zeigen auf den entferntesten Schüler, fragender Blick und erneutes Zeigen auf den, der gerade etwas gesagt hat) ob etwas akustisch „angekommen“ ist. Dabei reicht es mir nicht, wenn der angesprochene Schüler lediglich nickt (das tun sie immer), sondern er muss WIEDERHOLEN was sein Mitschüler gesagt hat. Dabei zeigt sich dann, dass er halt doch nur wieder einen Teil und den auch noch falsch mitgekriegt hat. Bevor es zum nächsten Satz geht, kommt von mir dann auch noch mal die richtige Lösung, so dass keiner behaupten kann, er hätte keine Chance gehabt die richtige Lösung mitzubekommen.

Falls du die entsprechende Zeit hast, kannst du ja auch immer mal wieder NACH der Besprechung der Hausaufgabe ein paar Hefte einsammeln und überprüfen, ob sorgfältig verbessert wurde.

Anspielung in der Überschrift …

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  1. Jo Perrey

    Das Problem von HA ist, daß sie den Schüler in die schlecht zu operationalisierende Autonomie des heimischen Schreibtisches entlassen, wo er Fehler auf Fehler macht. Ob er später seine Fehler behält oder die Korrektur des Lehrers – die ohnehin viel zu spät kommmt – steht in den Sternen.
    Greift der Lehrer nicht korrigierend ein, und ist das vorauszusehen, sollte er verantwortungsbewußt handeln, und lieber keine Hausaufgaben aufgeben. Jedenfalls keine solchen, die Kenntnisse abtesten. Dies gilt vor allem für den Fremdsprachenunterricht.

  2. Ich halte es so, dass ich zwei Exemplare der Hausaufgaben (anderthalb Zeilen Abstand, Zeilenzählung) drucke (also kurz vor der Stunde erhalte) und diese beiden dann exemplarisch bespreche – die erste intensiver, die zweite schneller:
    1. das sachlich Richtige/Falsche und Fehlende,
    2. den Aufbau (Gliederung),
    3. sprachliche und technische Schnitzer (eventuell).
    Hat sich bewährt, finde ich.

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