Jochen Lüders

Englisch & Sport am Gymnasium / Tango & Tanzfeste

Hefte einsammeln

… tue ich nie, 33 Hefte sind mir schlichtweg zu schwer. In meinem Alter muss man auf seinen Rücken achten 😉

Zum einen funktioniert mit handgeschriebenen Hausaufgaben im Heft meine im letzten Beitrag beschriebene Revision-Methode nicht. Der Schüler müsste ALLES nochmal schreiben und das will ich ja gerade nicht. Er soll sich (Prinzip der Fokussierung) auf seine FEHLER konzentrieren und nicht stupide richtige Sachen abschreiben.

Zum anderen bin ich nicht bereit meine kostbare Zeit für das Geschmier meiner Schüler zu vergeuden. Wenn ich plane eine Hausaufgabe einzusammeln, müssen meine Schüler diese Aufgabe mit PC schreiben und auf einem Blatt ausdrucken. Wer einen PC hat, aber nicht drucken kann (z.B. weil mal wieder die Tinte ausgegangen ist), gibt mir den Text auf USB-Stick oder Diskette bzw. schickt ihn mir per E-Mail (Details auf meinem Handout Homework bei 10). Wer überhaupt keinen Computer hat (notiere ich mir gleich in der ersten Stunde) schreibt SAUBER auf ein liniertes EINZELBLATT. Auf diese Art trage ich dann ca. 30 angenehm leichte Blätter nach Hause und nicht 33 Hefte.

Ein weiterer Vorteil ist, dass ich mir mit der Korrektur Zeit lassen kann, weil die Schüler ja weiterhin ihr Heft haben, in das sie neue Hausaufgaben schreiben können. Wenn ich ihr Heft einsammeln würde, wäre der Druck es in der nächsten Stunde schon wieder zurückzugeben wesentlich größer („Wo soll ich jetzt meine Hausaufgabe hinschreiben?“).

Je öfter Schüler Hausaufgaben mit dem PC erledigen müssen, umso eher wächst vielleicht auch die Einsicht, dass es sinnvoll wäre z.B. mit Hilfe eines kostenlosen Schreibtrainers die richtige Technik zu erlernen.

Ich wundere mich immer wieder, was für Hausaufgaben meine Kollegen überhaupt annehmen. Besonders faszinierend sind in dieser Hinsicht Deutsch-Lehrer. Ausgerechnet diejenigen, die die mit Abstand größte Korrekturbelastung haben (vor allem wenn sie auch noch die mörderische Kombination mit einer weiteren Sprache haben), unternehmen nach meiner Erfahrung überhaupt nichts, um diese Belastung irgendwie zu reduzieren; ich nenne das gerne den „germanistischen Masochismus“.

Vor kurzem habe ich mal wieder einem Deutsch-Kollegen über die Schulter geschaut, der kopfschüttelnd bzw. fluchend Probeaufsätze einer 11. Klasse korrigierte. Auf den ersten Blick fiel mir eigentlich nur das Adjektiv „hingerotzt“ ein: unleserliche Handschrift, ein langer Textblock ohne (erkennbare) Absätze, Ergänzungen irgendwo hingeklatscht usw. Man kann dann aber in so einer Situation sagen bzw. fragen was man will („Warum nimmst du so etwas überhaupt an?“ „Warum müssen deine Schüler nicht mit PC schreiben?“ „Warum weigerst du dich nicht, Sachen zu korrigieren, die nicht mal Mindeststandards erfüllen?“ usw.), man erntet nur ein resigniertes Schulterzucken und ändert tut sich nichts. Lehrer sind einfach eine faszinierende Spezies. Mein Mitleid hält sich dann allerdings auch in Grenzen …

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  1. iceslez

    Die Sache mit dem Masochismus ist nicht nur ein weit verbreitetes Phänomen unter Deutschlehrern. Mein Chemie- und Physiklehrer sammelt jetzt alle hefte, sowohl aus dem ersten, als auch aus dem zweiten Halbjahr ein um zu sehen, ob auch brav alle Schüler in Sonntagsschrift die Unterrichtsinhalte mitgeschrieben haben. Anscheinend hat dieser mann weder Hobbys noch Freunde…

  2. > Wenn’s dich interessiert, schick ich dir gerne mal ein Beispeil, das wäre auch die perfekte Lösung für dich.

    Ich interessiere mich für alles, was meine Arbeit erleichtert bzw. effizienter macht. Also, her damit 😉

  3. Jochen, ich bin immer noch in deinen Blogeinträgen unterwegs- you are a brother in mind 😉
    Auch ich wundere mich immer wieder über den – wie du so schön sagst- Masochismus der Kollegen, „hingerotzte“ Hausaufgaben oder Klassenarbeiten zu bewerten. Die immer schlechter werdenden Schreibfertigkeiten der Schüler werden dann immer als Argument angeführt, auf keinen Fall PC geschriebene Texte zu akzeptieren – und da hört auch MEIN MItleid auf!
    Meine Lösung seit der „Entdeckung“ von LMS Moodle ist das Hochladen der HAs in die jeweilige AUfgabe im Kurs, da hab ich immer alles im Blick, wer wann was abgegeben hat und kann die Dokumente direkt öffnen – auch wenn ich in Urlaub bin 😉
    Die 2.Lösung, die ich seit einem Jahr praktiziere ist das „Learning Diary“ mit der ePortfolio Software MAHARA. Hier führen die Schüler eigenverantwortlcih ein Online Diary, wo alle Aufgaben, Aktivitäten, Links, Youtube Videos etc landen und auch gestalterisch schön dargestellt werden. Das hat für mich den Vorteil, dass ich von EINEM Schüler immer ALLES auf einen Blick zusammen habe, also wie ein Hausheft, aber eben lightweight und VIIIIEEEL interessanter. Wenn’s dich interessiert, schick ich dir gerne mal ein Beispeil, das wäre auch die perfekte Lösung für dich.
    Gruß aus HD
    P.s. Ach ja, die Klassenarbeiten schreiben die Schüler bei mir auch am PC und laden die Ergebnisse hoch -paperless. und LEO dürfen sie natürlcih verwenden ;-9
    Sigi

  4. Max

    Ich lese auch seit langem im LK nur noch Aufsätze, die mit dem PC geschrieben sind. (Ausnahmsweise mal auch altmodisch sauber und mit Tinte Geschriebenes.)

  5. Tobi

    einfach aber genial.

    Grüße

    🙂

  6. > den beruf des Bildungsministers

    Vielen Dank für das Kompliment, aber dafür bin ich als praktizierender Pauker völlig ungeeignet. Donnernde pädagogische und didaktische Konzepte und Theorien lassen sich am leichtesten entwickeln, wenn man seit mindestens zwanzig Jahren nicht mehr vor real existierenden Schülern gestanden ist 😉

  7. ich wär dafür du machst nach deiner lehrtätigkeit den beruf des Bildungsministers… du bist einfahc innovativ und von deinen ideen können viele leute (lehrer u schüler) profitieren

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